Vabanque, 1/4, 28. Jul '25
Remis zu machen wird ja von manchen Schachfreunden von vornherein als schimpflich angesehen (außer natürlich wenn z.B. ein 1800er gegen einen GM Remis erreicht).
Manche würden Remis sogar am liebsten ganz abschaffen wollen (im Schachfußball ist dies ja glücklich gelungen😁).
Und doch gibt es etliche Remiskombinationen, die ebenso brillant wie Mattführungen sind. Manche stützen sich sogar auf Mattbilder; im heutigen Beispiel wird es sich um die gefällige 'Benutzung' des folgenden Zweispringermatts handeln:
Schema: Weiß setzt hier durch Sg6 matt.
Betrachten wir nun die kritische Stellung aus der Partie, um die es diesmal gehen soll:
Siebrecht-Dautov, Saarbrücken 2002
Wie gelangt man nun von dieser Position aus zu obigem Mattbild?
Im folgenden pgn-File sind ab dem 25. Zug von Schwarz die weiteren Anmerkungen zu lesen:
[Event "74th ch-GER"]
[Site "Saarbruecken GER"]
[Date "2002.11.23"]
[Round "2"]
[White "Siebrecht, Sebastian"]
[Black "Dautov, Rustem"]
[Result "1/2-1/2"]
[WhiteElo "2426"]
[BlackElo "2617"]
1. d4 d5 2. Nf3 Nf6 3. c4 c6 4. Nc3 a6 5. a4 e6 6. Bg5 Nbd7 7. a5 h6 8. Bh4 Bb4
9. Qa4 Be7 10. e3 O-O 11. Bd3 c5 12. O-O cxd4 13. exd4 dxc4 14. Qxc4 b5 15.
axb6 Bb7 16. Bxf6 Bxf6 17. Be4 Nxb6 18. Qe2 Qb8 19. Ra3 Be7 20. Rb3 Bxe4 21.
Qxe4 Qd6 22. Ne5 Bf6 23. Qg4 Nd5 24. Ne4 Qc7 {Das augenfälligste
Stellungsmerkmal ist hier der weiße Isolani auf d4. Wie immer in solchen Strukturen kann Weiß also
das Feld d5 nicht mehr mit einem Bauern kontrollieren, so dass sich dort ein
schwarzer Springer bereits recht gemütlich festgesetzt hat. Des Weiteren ist der weiße
Vorpostenspringer auf e5 von Dame und Läufer angegriffen, so dass Schwarz dort
einen Bauern zu gewinnen droht. Für Weiß kommen also scheinbar nur ein
trauriger Rückzug des Se5 oder eine Deckung durch Dg3 (was auch nicht
sonderlich gut aussieht) in Betracht, denn auf die Deckung durch f4 könnte Dc2
mit Doppelangriff auf b3 und e4 folgen. Oder gibt es vielleicht doch noch etwas
anderes, Besseres? Da hatte Sebastian Siebrecht einen glänzenden Einfall:} 25. Rc3 $1 {Um den schwarzen Springer von der Verteidigung des Königsflügels abzulenken! Diesen Turm müsste Schwarz zwar nicht nehmen,
aber wenn er die Dame wegzieht, hat Weiß die Initiative übernommen, daher lässt
GM Dautov es sich zeigen:} 25... Nxc3 {Die Ablenkung des Sd5 von der Deckung von
f6 ist vollzogen, der nächste weiße Zug ist daher klar, aber wie geht es
anschließend weiter?} 26. Nxf6+ Kh8 {Nun aber winkt das im Schema gezeigte Mattbild!} 27.
Qg6 $3 {Ein absoluter Knaller! Es droht Dh7#, und Schwarz darf die Dame nicht nehmen
wegen Sxg6#. Also bleibt nur:} 27... gxf6 28. Qxh6+ Kg8 {Aber was jetzt? Auf
Sg4, drohend Sxf6+, ginge der schwarze Springer zurück nach d5.} 29. bxc3 $1
{Das ist es! Nun droht Sg4 tatsächlich, und falls Schwarz den Springer
schlägt, ist das Feld g5 frei für ein Dauerschach. Falls Schwarz aber durch
f6-f5 versucht, Sg4 zu verhindern, rückt der weiße Turm mit Tf1-d1-d3
auf und Weiß gewinnt sogar noch. Schwarzes Dxc3 kann diesem Plan nicht entgegen wirken, da dann der weiße Springer über d7 nach f6 gelangt.} 29... fxe5 30. Qg5+ {Jetzt ist das Remis
durch ewiges Schach klar. Aber dies alles muss Weiß schon bei 25. Tc3 genau ausgerechnet haben.} 30... Kh7 31. Qh5+ 1/2-1/2
Für dieses Remis braucht sich GM Siebrecht nun wahrlich nicht zu schämen, es ist m.E. interessanter als so manche gewonnene Partie.
Danque fürs Lesen!
Ich freue mich über stille Mitleser, aber noch mehr würde ich mich über Hinweise auf ggf. Fehler (nicht nur Schreibfehler), Ergänzungen, Verbesserungsvorschläge etc. freuen.
Manche würden Remis sogar am liebsten ganz abschaffen wollen (im Schachfußball ist dies ja glücklich gelungen😁).
Und doch gibt es etliche Remiskombinationen, die ebenso brillant wie Mattführungen sind. Manche stützen sich sogar auf Mattbilder; im heutigen Beispiel wird es sich um die gefällige 'Benutzung' des folgenden Zweispringermatts handeln:
5r1k/6p1/5N2/4N3/8/8/8/8 w - - 0 1
Schema: Weiß setzt hier durch Sg6 matt.
Betrachten wir nun die kritische Stellung aus der Partie, um die es diesmal gehen soll:
r4rk1/2q2pp1/p3pb1p/3nN3/3PN1Q1/1R6/1P3PPP/5RK1 w - - 7 25
Siebrecht-Dautov, Saarbrücken 2002
Wie gelangt man nun von dieser Position aus zu obigem Mattbild?
Im folgenden pgn-File sind ab dem 25. Zug von Schwarz die weiteren Anmerkungen zu lesen:
[Site "Saarbruecken GER"]
[Date "2002.11.23"]
[Round "2"]
[White "Siebrecht, Sebastian"]
[Black "Dautov, Rustem"]
[Result "1/2-1/2"]
[WhiteElo "2426"]
[BlackElo "2617"]
1. d4 d5 2. Nf3 Nf6 3. c4 c6 4. Nc3 a6 5. a4 e6 6. Bg5 Nbd7 7. a5 h6 8. Bh4 Bb4
9. Qa4 Be7 10. e3 O-O 11. Bd3 c5 12. O-O cxd4 13. exd4 dxc4 14. Qxc4 b5 15.
axb6 Bb7 16. Bxf6 Bxf6 17. Be4 Nxb6 18. Qe2 Qb8 19. Ra3 Be7 20. Rb3 Bxe4 21.
Qxe4 Qd6 22. Ne5 Bf6 23. Qg4 Nd5 24. Ne4 Qc7 {Das augenfälligste
Stellungsmerkmal ist hier der weiße Isolani auf d4. Wie immer in solchen Strukturen kann Weiß also
das Feld d5 nicht mehr mit einem Bauern kontrollieren, so dass sich dort ein
schwarzer Springer bereits recht gemütlich festgesetzt hat. Des Weiteren ist der weiße
Vorpostenspringer auf e5 von Dame und Läufer angegriffen, so dass Schwarz dort
einen Bauern zu gewinnen droht. Für Weiß kommen also scheinbar nur ein
trauriger Rückzug des Se5 oder eine Deckung durch Dg3 (was auch nicht
sonderlich gut aussieht) in Betracht, denn auf die Deckung durch f4 könnte Dc2
mit Doppelangriff auf b3 und e4 folgen. Oder gibt es vielleicht doch noch etwas
anderes, Besseres? Da hatte Sebastian Siebrecht einen glänzenden Einfall:} 25. Rc3 $1 {Um den schwarzen Springer von der Verteidigung des Königsflügels abzulenken! Diesen Turm müsste Schwarz zwar nicht nehmen,
aber wenn er die Dame wegzieht, hat Weiß die Initiative übernommen, daher lässt
GM Dautov es sich zeigen:} 25... Nxc3 {Die Ablenkung des Sd5 von der Deckung von
f6 ist vollzogen, der nächste weiße Zug ist daher klar, aber wie geht es
anschließend weiter?} 26. Nxf6+ Kh8 {Nun aber winkt das im Schema gezeigte Mattbild!} 27.
Qg6 $3 {Ein absoluter Knaller! Es droht Dh7#, und Schwarz darf die Dame nicht nehmen
wegen Sxg6#. Also bleibt nur:} 27... gxf6 28. Qxh6+ Kg8 {Aber was jetzt? Auf
Sg4, drohend Sxf6+, ginge der schwarze Springer zurück nach d5.} 29. bxc3 $1
{Das ist es! Nun droht Sg4 tatsächlich, und falls Schwarz den Springer
schlägt, ist das Feld g5 frei für ein Dauerschach. Falls Schwarz aber durch
f6-f5 versucht, Sg4 zu verhindern, rückt der weiße Turm mit Tf1-d1-d3
auf und Weiß gewinnt sogar noch. Schwarzes Dxc3 kann diesem Plan nicht entgegen wirken, da dann der weiße Springer über d7 nach f6 gelangt.} 29... fxe5 30. Qg5+ {Jetzt ist das Remis
durch ewiges Schach klar. Aber dies alles muss Weiß schon bei 25. Tc3 genau ausgerechnet haben.} 30... Kh7 31. Qh5+ 1/2-1/2
Für dieses Remis braucht sich GM Siebrecht nun wahrlich nicht zu schämen, es ist m.E. interessanter als so manche gewonnene Partie.
Danque fürs Lesen!
Ich freue mich über stille Mitleser, aber noch mehr würde ich mich über Hinweise auf ggf. Fehler (nicht nur Schreibfehler), Ergänzungen, Verbesserungsvorschläge etc. freuen.