Schach

Schachgedanquen (18): Der nützliche zusätzliche Bauer

Vabanque, 1/2, 20. Aug '25

Vabanque - 20. Aug '25
Diese Folge knüpft in loser Weise an Folge 13 an (deswegen auch der Titel), wo es schon einmal um Turmendspiele mit wenigen Steinen ging.
Damals hatte ein zusätzlicher Bauer der schwächeren Partei nur geschadet (ohne ihn wäre das Spiel remis gewesen), diesmal sehen wir einen Fall, wo ein scheinbar todgeweihter Bauer zum Helden avanciert.

8/7K/8/5k1P/8/6r1/6p1/6R1 w - - 0 1

Lehrbeispiel

Die Lage des Weißen scheint verzweifelt. Sein Turm nimmt die denkbar mieseste Position ein und ist völlig immobilisiert (jeder Turmzug würde dem Schwarzen die Umwandlung erlauben).
Ohne den weißen h-Bauern wäre der schwarze Gewinn leicht; der sK würde einfach nach f2 marschieren.
Aber nützt denn der h-Bauer dem Weißen überhaupt etwas? Geht er nicht ohnehin schnell verloren?

Wenn Weiß nämlich etwa 1. h6? probiert (nach dem bekannten Motto 'Freibauern müssen laufen'), spielt Schwarz gleich 1... Tg6!, und schon fällt der Bauer durch Zugzwang mit Schach! (Nach dem erzwungenen 2. Kh8 Txh6+ kann der schwarze Turm im Folgezug den g-Bauern gleich wieder decken.)

Welche Chance hat Weiß also überhaupt noch? 1. Kh6? ('Rückwärts rückwärts, Don Rodrigo') Tg5 wäre das gleiche Fiasko, und nach 1. Kh8 Kg5 fällt der h-Bauer doch auch?
Ja, er fällt, aber ... schauen wir uns das doch trotzdem mal an ... es gibt hier nämlich einen Kniff:

1. Kh8! (scheinbar vom Bauern weg!) Kg5 2. h6! Kxh6

7K/8/7k/8/8/6r1/6p1/6R1 w - - 0 3

Indem nämlich der sK dem wB nachlaufen musste, um ihn zu kriegen, hat er den wK eingeschlossen, und daher geht nun

3. Txg2! Txg2 mit Patt! 😮

Und wenn der sK darauf verzichtet, den weißen h-Bauern eigenhändig einzufangen? Wenn er diese Aufgabe lieber an seinen Turm delegiert?

Sagen wir also, Schwarz spielt nach 1. Kh8 nicht Kg5, sondern 1... Tg5:

7K/8/8/5krP/8/8/6p1/6R1 w - - 2 2

Dann kann es weitergehen mit 2. h6 (jetzt, wo der wK schon auf h8 steht, klappt das!) 2... Kg6 (2... Tg6 ist nicht besser) 3. h7 Kf6 (Kh6 oder Kf7 läuft auf genau dasselbe hinaus, und auch mit anderen Zügen ist kein Weiterkommen möglich)

7K/7P/5k2/6r1/8/8/6p1/6R1 w - - 1 4

und wieder kann Weiß ein Patt herbeiführen durch
4. Txg2! Txg2,
nur dass diesmal nicht der sK den wK einschließt, sondern der eigene Bauer h7.

Natürlich funktionieren diese beschriebenen Zugzwang- und Pattwendungen nur deswegen, weil sich alles am Brettrand abspielt. Versetzen wir die ganze Stellung um eine Linie nach links:

8/6K1/8/4k1P1/8/5r2/5p2/5R2 w - - 1 1

Dann rettet 1. g6! (weil darauf Schwarz den Bauern nicht durch Zugzwang erobern kann) und 2. Kg8? würde verlieren (weil jetzt Kf5 den Bauern erobern würde, ohne dass eine Pattrettung möglich wäre).

Danque fürs Lesen!

Feedback darf übrigens gerne - wie gelegentlich bereits geschehen - auch per PN erfolgen!

(Natürlich kann man es nicht allen recht machen, dem einen sind die von mir ausgewählten Beispiele zu simpel, der andere findet sie ziemlich kompliziert. Ich werde daher mal einfachere, mal komplexere Beispiele bringen.)

Vabanque, 2/2, 21. Aug '25

Vabanque - 21. Aug '25
Per PN hat mich die Frage erreicht, wie es eigentlich ausgeht, wenn in der Ausgangsstellung (erstes Diagramm, 'Lehrbeispiel') Schwarz am Zug wäre.

Das können Interessierte sich gerne selbst überlegen - oder mich per PN danach fragen.