Vabanque, 1/13, 03. Aug '25
Zu dieser Folge wurde ich durch mehrere von SF Alapin2 gestellte Endspielaufgaben inspiriert, die sich dem Thema des 'schädlichen' Bauern gewidmet haben, also eines Bauern, den die schwächere Partei besser nicht besessen hätte.
Das hört sich arg trocken an? So trocken wie Endspiele eben sind? Schauen wir doch bitte erst mal, wie schlimm es wirklich wird😉
Zu den bekannten Tatsachen elementarer Endspieltheorie gehört der Umstand, dass die Dame gegen einen Randbauern (und auch einen Läuferbauern), der bis zur vorletzten Reihe vorgedrungen ist, wegen der Pattgefahr nur Remis macht.
Hat die Bauernpartei aber noch einen zusätzlichen Bauern, der das Patt aufhebt, so gewinnt die Dame leicht.
Lehrbeispiel 1
Ohne den schwarzen a-Bauern wäre die Partie remis; so aber spielt Weiß einfach
1. Dg3 a3 2. Df2 a2 3. Df1#
Zwei Bauern statt einen zu haben, ist hier für Schwarz also überhaupt nicht besser, sondern im Gegenteil tödlich.
Dieses recht banale Beispiel ist sicherlich nützlich zu kennen, hätte aber kaum für eine Folge der 'Schachgedanquen' ausgereicht.
Wie steht es denn aber nun mit einem Turm statt einer Dame?
Dieser kann (aufgrund seiner geringeren Wendigkeit) natürlich nicht das gezeigte Mattmanöver ausführen, dennoch ist der Besitz eines zusätzlichen Bauern für Schwarz auch in folgendem Beispiel fatal:
Lehrbeispiel 2
Den schwarzen a-Bauern muss man hier freilich etwas weiter hinten ansetzen als in Lehrbeispiel 1, da der weiße Gewinn nur über ein Königsmanöver erzielt werden kann.
Wieder wäre die Stellung ohne den a-Bauern remis: Weiß müsste die Pattstellung des schwarzen Königs aufheben, Schwarz würde daraufhin Kg1 oder Kg2 spielen, und die Sache wäre klar.
Infolge des zusätzlichen a-Bauern gewinnt Weiß jedoch Zeit für die Annäherung seines Königs, der zunächst in 3 Zügen nach f4 läuft, so dass während dieser Zeit der a-Bauer bis nach a3 gelangt:
Erst an dieser Stelle hebt Weiß durch
4. Kg3! (der einzige Gewinnzug!)
die Pattstellung des schwarzen Königs auf, und Schwarz hat nun zwei Optionen:
I. 4... Kg1 5. Kh3+! Kh1 (sonst fällt gleich der h-Bauer und Weiß hat anschließend noch Zeit, den a-Bauern abzuholen)
und jetzt
6. Tg2
und wieder erobert Weiß beide Bauern.
Betrachten wir nun noch einmal das vorletzte Diagramm.
Im Fall dass Schwarz nach 4. Kg3 nicht Kg1, sondern a2 antwortet, geschieht
II. 4... a2 5. Ta8 Kg1 6. Txa2
(bitte mit den Pfeiltasten das Diagramm umkehren!)
und nun liegt eine typische Position vor, in der Schwarz von Matt bedroht ist, so dass er seinen Bauern nicht in eine Dame (bzw. T oder L) umwandeln darf. Da Kf1 zum Verlust des h-Bauern führt, bleibt nur die Verwandlung in einen Springer:
6... h1S+
also mit Schachgebot, aber oh weh, dieser Springer geht nach
7. Kf3
verloren und wieder hat Weiß leichten Gewinn.
In Lehrbeispiel 2 habe ich den zusätzlichen schwarzen Bauern (es kann auch der b- oder c-Bauer sein) und den weißen König jeweils in die maximale Entfernung vom Ort des Geschehens gestellt, eben so dass der Gewinn gerade noch gelingt. Weitere Situationen könnt ihr nun leicht auf dieses Beispiel zurückführen.
Ich hoffe, ich konnte euch für die 'trockene' Thematik doch einigermaßen interessieren.
Danque fürs Lesen!
Und wie immer, Anmerkungen, Verbesserungsvorschläge, Ergänzungen, Hinweise auf Fehler etc. sind immer willkommen.
Das hört sich arg trocken an? So trocken wie Endspiele eben sind? Schauen wir doch bitte erst mal, wie schlimm es wirklich wird😉
Zu den bekannten Tatsachen elementarer Endspieltheorie gehört der Umstand, dass die Dame gegen einen Randbauern (und auch einen Läuferbauern), der bis zur vorletzten Reihe vorgedrungen ist, wegen der Pattgefahr nur Remis macht.
Hat die Bauernpartei aber noch einen zusätzlichen Bauern, der das Patt aufhebt, so gewinnt die Dame leicht.
6Q1/4K3/8/8/p7/8/7p/7k w - - 0 1
Lehrbeispiel 1
Ohne den schwarzen a-Bauern wäre die Partie remis; so aber spielt Weiß einfach
1. Dg3 a3 2. Df2 a2 3. Df1#
Zwei Bauern statt einen zu haben, ist hier für Schwarz also überhaupt nicht besser, sondern im Gegenteil tödlich.
Dieses recht banale Beispiel ist sicherlich nützlich zu kennen, hätte aber kaum für eine Folge der 'Schachgedanquen' ausgereicht.
Wie steht es denn aber nun mit einem Turm statt einer Dame?
Dieser kann (aufgrund seiner geringeren Wendigkeit) natürlich nicht das gezeigte Mattmanöver ausführen, dennoch ist der Besitz eines zusätzlichen Bauern für Schwarz auch in folgendem Beispiel fatal:
6R1/p3K3/8/8/8/8/7p/7k w - - 0 1
Lehrbeispiel 2
Den schwarzen a-Bauern muss man hier freilich etwas weiter hinten ansetzen als in Lehrbeispiel 1, da der weiße Gewinn nur über ein Königsmanöver erzielt werden kann.
Wieder wäre die Stellung ohne den a-Bauern remis: Weiß müsste die Pattstellung des schwarzen Königs aufheben, Schwarz würde daraufhin Kg1 oder Kg2 spielen, und die Sache wäre klar.
Infolge des zusätzlichen a-Bauern gewinnt Weiß jedoch Zeit für die Annäherung seines Königs, der zunächst in 3 Zügen nach f4 läuft, so dass während dieser Zeit der a-Bauer bis nach a3 gelangt:
6R1/8/8/8/5K2/p7/7p/7k w - - 0 1
Erst an dieser Stelle hebt Weiß durch
4. Kg3! (der einzige Gewinnzug!)
die Pattstellung des schwarzen Königs auf, und Schwarz hat nun zwei Optionen:
I. 4... Kg1 5. Kh3+! Kh1 (sonst fällt gleich der h-Bauer und Weiß hat anschließend noch Zeit, den a-Bauern abzuholen)
6R1/8/8/8/8/p6K/7p/7k w - - 0 1
und jetzt
6. Tg2
und wieder erobert Weiß beide Bauern.
Betrachten wir nun noch einmal das vorletzte Diagramm.
Im Fall dass Schwarz nach 4. Kg3 nicht Kg1, sondern a2 antwortet, geschieht
II. 4... a2 5. Ta8 Kg1 6. Txa2
8/8/8/8/8/6K1/R6p/6k1 b - - 0 1
(bitte mit den Pfeiltasten das Diagramm umkehren!)
und nun liegt eine typische Position vor, in der Schwarz von Matt bedroht ist, so dass er seinen Bauern nicht in eine Dame (bzw. T oder L) umwandeln darf. Da Kf1 zum Verlust des h-Bauern führt, bleibt nur die Verwandlung in einen Springer:
6... h1S+
also mit Schachgebot, aber oh weh, dieser Springer geht nach
7. Kf3
verloren und wieder hat Weiß leichten Gewinn.
In Lehrbeispiel 2 habe ich den zusätzlichen schwarzen Bauern (es kann auch der b- oder c-Bauer sein) und den weißen König jeweils in die maximale Entfernung vom Ort des Geschehens gestellt, eben so dass der Gewinn gerade noch gelingt. Weitere Situationen könnt ihr nun leicht auf dieses Beispiel zurückführen.
Ich hoffe, ich konnte euch für die 'trockene' Thematik doch einigermaßen interessieren.
Danque fürs Lesen!
Und wie immer, Anmerkungen, Verbesserungsvorschläge, Ergänzungen, Hinweise auf Fehler etc. sind immer willkommen.