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Kurzpartie Holländisch

gammapappa - 26.08.20   +

[White "Cebalo"]
[Black "Wasjukow"]

{Da im Forum gerade von Kurzpartien die Rede war, kann ich auch eine beisteuern, die ich kürzlich entdeckt habe. 13 Züge bei zwei Großmeistern sind schon erstaunlich. Also für d4-Spieler, die gelegentlich holländisch aufs Brett bekommen, sicher interessant.}
1. d4 f5 2. Bg5 g6 3. e3 Nh6
{nicht so häufig, aber doch noch Theorie bei dieser Eröffnung}
4. h4 Nf7 {deswegen der Umweg über h6}
5. Bf4 d6 6. Nf3 Nd7 7.Bc4 Bg7 {Bis auf den letzten schwarzen Zug schien alles logisch, e6 wäre besser gewesen. Aber Schwarz fand wohl den Abtausch Läufer-Springer trotz Rochadeaufgabe nicht so schlecht. Damit fängt aber die Katastrophe an}
8. Bxf7 Kxf7 9.Ng5 {Wahrscheinlich merkt er erst jetzt, dass er mit dem König nicht mehr auf die Grundreihe zurückkehren kann. Es droht entscheidender Materialverlust von Dame oder Turm.}
Kf6 10. Nc3 {Weiß verstärkt den Angriff, c6 ist wahrscheinlich die einzig mögliche Antwort} c6 11. Qf3 {Da ist jetzt schon guter Rat teuer, ich hätte wohl jetzt auch e5 gezogen wie Wasjukow, aber damit geht die Partie ganz schnell zu Ende. Denn wer sieht schon den tollen Zug, der nach e5 folgt} e5 12. Qd5 {Die Dame ist wegen des schönen Springermatt tabu.Es droht auf 3 Stellen Matt, d6, e6, f7. Nur ein Zug kann dies noch verhindern} Qe7 {doch mit dem folgenden Zug wird das Matt unentrinnbar auf die andere Seite de Königs verlegt.} 13. Nxh7 {nebst darauffolgendem Läufermatt auf g5. Eine Augenweide}
Vabanque - 26.08.20    
Erstaunlich, so habe ich Wasjukow noch nie verlieren sehen.
Vabanque - 26.08.20    
Noch dazu gegen einen Quasi-NN. Aber der hat ihn ja auch mit unfairen Zügen verwirrt ;-)
Alapin2 - 26.08.20    
Sorry,aber das mit dem Quasi-NN stimmt nicht !
Der kroatische Großmeister Cebalo war Senioren-Weltmeister 2009. Die o.a. Partie hatten beide wohl schon als "Alte Knaben" gespielt (war jetzt zu faul,da weiter zu googeln,sooo wichtig ist mir das jetzt auch nicht ! )Beste ELO- Zahl
Wasjukow : 1976 hatte er 2580 Cebalo : 1995 hatte er 2570 .
Ich glaube, Wasjukow war nur bekannter wegen der (Kurz-) Partie gegen Saizew,Aljechin-Verteidigung,ein ähnliches Desaster für Schwarz wie obiges Spiel !
Ist mein,wie immer löchriges,Gedächtnis (bis auf die gegoogelten ELO- Zahlen ).
Wer mehr wissen will...kriegt es elektronisch raus !
P.S. : Gammapappa,sehr schönes+instruktives Fundstück !
Vabanque - 26.08.20    
Wir wollen uns ja nicht streiten, aber Wasjukow hat Siege gegen Petrosjan, Uhlmann, Taimanov und van Wely zu verzeichnen! Cebalo kenne ich überhaupt nicht, aber wenn der auch solche Skalps im 'Programm' hat, lasse ich mich gerne überzeugen :-)

Lustig ist obige Partie schon, vor allem natürlich das Damenopfer. Allerdings wohl eher ein 'Arbeitsunfall' für Schwarz als ein Meisterwerk von Weiß :-)
pirc_ - 26.08.20    
ich mag so Partien und kenne beide spieler nicht :-)
Alapin2 - 26.08.20    
@ Vabanque : ...kannst ihn ja googeln... Der " Riesenüberflieger" ist er wohl nicht,allerdings ein gestandener Großmeister, und (wie gesagt,zu faul das nachzuprüfen) ,seine beste ELO ähnlich der von Wasjukow . Im Übrigen einige Jahre jünger....spielt ja auch eine Rolle! ( Hat jemand mal Eddy Merkx in späteren Jahren gesehen ??)...Jugoslawischer Meister war er auch mal...
Egal : hatte mich nur über den "Quasi N.N." gewundert !
Oli1970 - 26.08.20    
Eine Partie zum Staunen - und für beide Spieler eine "unsterbliche". Richtig schön ist natürlich 12. Dd5! Wer sowas aufs Brett stellen darf, wird es wohl noch lange feiern. Danke fürs Zeigen!
Hasenrat - 26.08.20    
Den Kommentar zu Zug 7 verstehe ich nicht: Bis auf den letzten schwarzen Zug schien alles logisch, e6 wäre besser gewesen. e6 verliert einfach den Bauern?! Und gibt es nach g6 etwas Logischeres als Lg7?

Ich bin ja selbst Leningrader-Spieler - der Springerentwicklungszug nach h6 befremdet mich aber sehr. Dass f7 auch ein ausgezeichnetes Springerfeld ist, ist klar, aber normalerweise landet da doch der andere des Damenflügels?

Und wenn dann der Berserker-h4 kommt, erscheint der Springer auf h6 nun wirklich deplatziert?!

Fragen über Fragen - oder wie ein Schachfreund sagen würde: grübel, grübel und studier ... lach
Alapin2 - 26.08.20    
Zum Thema "Großmeister" und "Supergroßmeister " eine Anekdote unter "Sonstige Themen"
gammapappa - 26.08.20    
Hasenrat hat natürlich recht. Der Zug e6 ist nicht i.O., den habe ich sozusagen blind gespielt, also Kommentar geschrieben ohne das Brett zu sehen.
Eventuell hätte man noch h6 spielen können.
Vabanque - 26.08.20    
Die weiße Spielweise sieht wie die Widerlegung von Holländisch aus. Bereits von Anfang an hat Schwarz keine guten Züge mehr.
Hasenrat - 26.08.20    
Sagen wir so: es ist die Widerlegung des zu sorglos(!) gespielten Holländischs.
Keine guten Züge mehr nach Sh6, würde ich sagen.
Und eben: die Option h6 als Gegenmaßnahme gegen den aufziehenden Berserkerangriff mit h4 ist dann spielbar, wenn mit Tempogewinn der weiße Läufer angegriffen wird und man dann mit g5 vorbeiziehen kann.
Was will der Königsspringer auf f7? Zusammen mit seinem Damenkollegen irgendwann den thematischen Vorstoß e5 durchdrücken, okay (abgesehen davon, dass der weiße Läufer so ins Loch f7 schaut!). Aber ich glaub, da ist das klassische Fianchetto-Besteck mit freundlicher Unterstützung durch die Dame auf e8 oder c7 doch bewährter.

Trotzdem natürlich danke für das Einstellen und Kommentieren dieser Perle, gammapappa - auch wenn ich mich aus schwarzer Perspektive hier sehr aufrege ... ;-)
Vabanque - 26.08.20    
Ja, die Partie ist eine 'gute' Anti-Werbung für Holländisch ... nach dem Nachspielen hat wohl keiner mehr Lust, Holländisch selber zu spielen.
kimble - 26.08.20    
Als bekennender "Kaaskopp" Eröffnender muss ich sagen, Sh6 im dritten Zug ist ja auch nicht vorgesehen...;-)
Vabanque - 26.08.20    
gammapappa behauptet in seinen Anmerkungen, Sh6 wäre Theorie, nur seltener gespielt? Hat mich auch gewundert. Irgendwie käme ich nie auf die Idee, als Schwarzer hier Sh6 zu spielen ... bin aber ja auch kein GM ;-)
gammapappa - 27.08.20    
Bei ELO-Zahlen über 2200 macht Sh6 im dritten Zug knapp 10 % aus. Da würde ich es noch zur Theorie dazu zählen.(Quelle ist Chesstempo)
Mir käme der Zug aber auch nicht in den Sinn.
Killepitsch - 27.08.20    
Cebalo ist mit Sicherheit kein Noname Spieler Klaus....
In den 70er und 80er ein sehr erfahrener jugoslawischer GM, der immer gegen Holl. 2.Lg5 spielte.

Das war sein Zug.

Die Gurke von Wasjukow war Sd7, mit Sicherheit die Idee, schnelles e5 ohne Damentausch und Rochadeverlust zu spielen.

Mit dem K auf f6 war es dann im höheren Sinne schon rum leider.

Sh6 und Sf7 war schon okay, heuer Standard um eben e7-e5 zu drücken.

Aufpassen muss man in diesem Typus immer auf h4, h5 von Weiss, deswegen zieht man heute Sh6/Sf7 vor.
Killepitsch - 27.08.20    
Zusatz zu diesem Sd7 Gedanken...
Den sieht man eigtl nur in Verbindung mit dieser Sequenz
1.d4 f5
2.c4 Sf6
3. Sc3 d6(!)
4. Lg5 Sbd7

3....g6 gilt als gefährlich wegen h4/h5 und schnellem e2-e4, u. U. mit Qualleopfer auf h5.
Seit Ende der 80er ist das bekannt.

Heuer können das nur noch die Stockfish Jünger spielen, am Brett OTB zu gefährlich.
Vabanque - 27.08.20    
Jedenfalls wieder was gelernt, werde in Zukunft gegen Holländisch immer so spielen wie hier ... da können sich die Schwarzspieler gegen mich aber warm anziehen ;-)
darkenergy - 28.08.20    
holländisch gehört zwar nicht zu meinen favoriten-ist aber auch nie langweilig...
bei Vabanque's aufgeführter partie geht es aber schon bei zug 2 mit einer ungenauigkeit los:
2. ... g6?!
solider ist doch 2. ... h6!
gefolgt von 3.... g5!
es könnte folgen:
4. e3 Lg7
5. Lg3 c5
und schon haben wir eine muntere partie auf dem brett:

1. d4 f5 2. Bg5 h6 3. Bh4 g5 4. e3 Bg7 5. Bg3 c5 *
Hasenrat - 28.08.20    
Es geht nicht um Holländisch allgemein, sondern um den Leningrader, würde ich hier anmerken wollen. Da gehört das g6-Fianchetto einfach zum Aufbau.
Nicht umsonst wird aber generell davon abgeraten, zu früh mit g6 die Karten als Schwarzspieler aufzudecken, weshalb z. B. Kindermann empfiehlt, als Sicherungszug generell d6 vorzuschalten - eben auch um evtl. mit Sd7 den Sf6 (nicht Sh6!) gegen den Läufer g5 zu überdecken.

Vor h4-h5-h6 muss man keine Angst haben, wenn man besonnen reagiert, und insbesondere wenn der Läufer noch auf g5 steht u. vertrieben werden kann.
Hasenrat - 28.08.20    
@darkenergy
Na ob dein Vorschlag des Aufbaus der "solidere" ist, wage ich zu bezweifeln...
:-D
Vabanque - 28.08.20    
Vor einem Damenschach auf h5 scheint SF darkenergy jedenfalls keine Angst zu haben :-/
Maskenball11 - 28.08.20    
>>Hasenrat - vor 14 Min.

Es geht nicht um Holländisch allgemein, sondern um den Leningrader, würde ich hier anmerken wollen. Da gehört das g6-Fianchetto einfach zum Aufbau.<<

Aber gerade dieser Aufbau gilt ja auch als dynamischer als 'klassisches' Holländisch mit e6.

>>Nicht umsonst wird aber generell davon abgeraten, zu früh mit g6 die Karten als Schwarzspieler aufzudecken, weshalb z. B. Kindermann empfiehlt, als Sicherungszug generell d6 vorzuschalten - eben auch um evtl. mit Sd7 den Sf6 (nicht Sh6!) gegen den Läufer g5 zu überdecken.<<

Interessante Empfehlung!

>>Vor h4-h5-h6 muss man keine Angst haben, wenn man besonnen reagiert, und insbesondere wenn der Läufer noch auf g5 steht u. vertrieben werden kann.<<

Ich denke, die Variante mit Lg5 ist für den Holländisch-Spieler immer sehr unangenehm, egal ob er den Leningrader Aufbau anstrebt oder einen anderen.
Eigentlich komisch, dass man 2. Lg5 nicht häufiger sieht. Der Zug sieht echt stark aus.
Vabanque - 28.08.20    
>>darkenergy - vor 1 Std.

holländisch gehört zwar nicht zu meinen favoriten-ist aber auch nie langweilig...
bei Vabanque's aufgeführter partie geht es aber schon bei zug 2 mit einer ungenauigkeit los:
2. ... g6?!<<

'Meine' aufgeführte Partie ist es doch gar nicht gewesen, sondern die von gammapappa, was ich nur mal der Ordnung halber hier bemerken mag, obwohl dieser Umstand natürlich letztlich unerheblich ist.
Vabanque - 28.08.20    
>>Killepitsch - vor 11 Std.

Cebalo ist mit Sicherheit kein Noname Spieler Klaus....
In den 70er und 80er ein sehr erfahrener jugoslawischer GM, der immer gegen Holl. 2.Lg5 spielte.<<

Wahrscheinlich kennst du ihn genau deswegen, weil du nämlich Holländisch-Kenner bist.

In den vielen Partiesammlungen, die ich habe, taucht, so weit ich mich erinnere, der Name Cebalo nie auf. Und ich hätte mich bestimmt an so einen ungewöhnlichen Namen erinnert, allein schon deswegen, weil er mich ständig an ein Musikinstrument erinnert ;-)
darkenergy - 28.08.20    
<<'Meine' aufgeführte Partie ist es doch gar nicht gewesen, sondern die von gammapappa, was ich nur mal der Ordnung halber hier bemerken mag>>

sorry Vabanque ! ;)
die post's in aller frühe... ;)
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@Hasenrat
<<Na ob dein Vorschlag des Aufbaus der "solidere" ist, wage ich zu bezweifeln...>>

du hast schon recht, schwarz steht jetzt nicht gleich auf der sonnenseite der partie...
hat aber auch keinen grund die steine gleich wieder einzupacken... :)
Tschechov - 28.08.20    
@Maskenball11: Das war doch wohl etwas unbedacht von dir, dich hier zu äußern, oder? Ich dachte, ihr Maskenballspieler sollt Funkstille halten.
Alapin2 - 28.08.20    
Ist jetzt alles nicht die " Neueste Theorie ". Spielte vor (gefühlt) 100 Jahren gern Holländisch gegen Colle- Spieler und Ähnliche :
Immer mit 2) ...c6 nach Lg5.Droht ,daß weiß nach 3)...Db6 ein Tempo zur Deckung von b2
verlieren muss(?)....danach kann schwarz e6 spielen. ( Ist dann zwar kein Leningrader mehr,aber man ist ja flexibel)