Kommentierte Spiele

Isle of Man Harsha Bharathakoti - Sethuraman 2018

Oli1970 - 31.10.18   +
Das Isle of Man International Masters fand vom 20.10. - 28.10.18 statt und wurde vom Polen Radoslaw Wojtaszek (gegen Arkadij Naiditsch) gewonnen. Seine Ehefrau, IM Alina Kashlinskaya, nahm den Preis für die bestplatzierte Frau des Turniers entgegen.

In Runde 2 begegneten sich die Inder IM Harsha Bharathakoti und GM Sethuraman P. Sethuraman. Zunächst scheint der IM leicht unterlegen, dann erlaubt sich Sethuraman Ungenauigkeiten. Harsha Bharathakoti verzichtet auf seine Rochade, bereitet einen Bauernsturm vor, Sethuraman greift fehlt und aufs Brett kommen eine Springergabel mit Schachgebot und Damengewinn sowie eine Demonstration der Stärke zweier verbundener Bauern.


[Event "Isle of Man Masters"]
[Date "2018.10.21"]
[Round "2.14"]
[White "Harsha Bharathakoti"]
[Black "Sethuraman P Sethuraman"]
[Result "1-0"]
[BlackElo "2673"]
[ECO "E73"]
[Opening "Königsindisch"]
[Variation "Semi-Awerbach System"]
[WhiteElo "2492"]
[TimeControl "300"]
[Termination "normal"]
[PlyCount "61"]
[WhiteType "human"]
[BlackType "human"]

1. d4 Nf6 2. c4 g6 3. Nc3 Bg7 4. e4 d6 5. Be2 O-O 6. Be3 {Königsindische
Verteidigung, Semi-Awerbach-System. Die Awerbach-Variante mit 6. Lg5
erlaubt Weiß, situativ in verschiedene andere Abspiele wie Sämisch und
Petrosian zu wechseln. Weiß will versuchen, Gegenspiel des Schwarzen zu
unterbinden, bevor er eigene Unternehmungen anstellt. Schwarz wird
seinerseits geduldig seine Chancen im Mittelspiel suchen. Mit h6 kann der
Läufer zurück auf e3 gezwungen werden, somit kann dieser Zug auch direkt
erfolgen.} Na6 {Statt Sbd7, was zum einen den Läufer verstellen und zum
anderen verhindern würde, dass die Dame die Deckung von d6 unterstützt.
Sethuraman wird den Springer auf c7 platzieren.} 7. g4 c5 8. d5 {Weiß
versucht, das Zentrum geschlossen zu halten.} e6 9. f3 {Bisher erfolgten
Buchzüge. 9. f3 ist eine Abweichung, normalerweise wird g5 gespielt. 9. g5
befragt den Springer, hier wird der weißfeldrige Läufer weggesperrt.} exd5
10. cxd5 Nc7 {hindert e4 am Vorrücken und bereitet b7-b5 vor.} 11. a4 {b5 soll behindert werden.} (11. e5 dxe5 {gäbe Vorteil für Schwarz.} ) 11. .. a6 12. h4 h5 (12. .. Rb8 13. h5 b5 {Auch Benoni-Style hätte
das Spiel weiter verlaufen können.}) 13. g5 Nh7 {Schwarz will vermutlich
seinen Läufer nicht verstellen. Sh7 ist jedenfalls noch besser als Se8,
nimmt den Springer jedoch vorläufig aus dem Spiel. Beste Alternative wäre
Sd7 gewesen.} 14. Qd2 Bd7 15. f4 Re8 {Wirft ein Auge auf e4.} 16. Bf3 Bg4
17. Bxg4 Bxc3 {Die Schutzfigur für e4 wird weggeräumt. Dennoch wird der
Läufer im Endspiel fehlen.} 18. bxc3 hxg4 19. Ne2 (19. Qg2 {ist nur auf den
ersten Blick gut - e4 ist gedeckt, g4 angegriffen. Aber:} Nxd5 20. exd5
Rxe3+ {und Schwarz steht auf Gewinn.}) 19. .. Rxe4 20. Ng3 {blockiert den
Freibauern und greift Te4 an.} Re8 21. Kf2 {Harsha Bharathakoti befreit seinen
Springer und seine Dame von den Deckungsaufgaben und behält seinen Turm auf h1. Von den schwarzen Figuren geht keine Gefahr aus, so dass der
Rochadeverzicht unproblematisch ist.} Re7 {20...Te8 entpuppt sich als
Zeitverschwendung.} 22. h5 Qf8 23. f5 Re5 {Der Turm ist etwas zu beweglich,
das war es für Sethuraman.} 24. c4 gxf5 25. Bf4 f6 {Die Idee ist, die
Qualität zu geben und dafür den Doppelbauern wieder aufzulösen. Tatsächlich
ein Fehlgriff. Weiß steht schon deutlich auf Gewinn, so dass es auch keine
wirklich guten Alternativen mehr gibt.} (25. .. Ree8 {wäre keine
Alternative gewesen.} 26. Nxf5) 26. g6 (26. Bxe5 fxe5 27. g6) 26. .. Ng5
27. h6 (27. Bxe5 dxe5 {fxe5 ist nun nicht möglich, da der dann ungedeckte
Springer fällt.}) 27. .. Rae8 (27. .. Ne4+ {wäre noch eine vorläufige
Rettung für Schwarz gewesen.} 28. Nxe4 Rxe4) 28. Bxe5 dxe5 29. Nxf5 {Moment
doch mal, hat er die drohende Springergabel nicht gesehen?} Ne4+ 30. Ke2
Nxd2 31. g7 {und Sethuraman gab auf. } ( {Mögliches Ende wäre z. B. }
31. g7 Qf7 32.h7# {aber auch nicht direkt zum Matt führende Varianten bedeuten eine für Schwarz verlorene Partie.} ) 1-0


Die kommentierten Spiele sprechen jetzt auswärts. Ich habe aber nichts kaputt gemacht, ich schwöre! Es könnte daran liegen, dass ich die Kommentierung eng an Daniel Kings Ideen angelehnt habe. :-)
KroMax - 31.10.18    
Ohhh...ich sehe gar keine Figuren auf dem Brett ( Cache geleert, Chrome )...
Beste Grüße
Oli1970 - 31.10.18    
Hallo Max,
Safari auf iPad und Edge unter Windows 10 machen keine Probleme. Scheint momentan wohl etwas hakelig. Sorry! :-(
KroMax - 31.10.18   +
Ahhh ok....das wird sich schon einrenken.
Auf jeden Fall toll, dass du wieder eine Partie eingestellt hast !
Beste Grüße
Tschechov - 31.10.18    
So wie sich mir das Spiel darstellt, extrem unfaire Bedingungen. Schwarz spielt ohne Offiziere, hat nur den König und die Bauern. :))
Oli1970 - 31.10.18    
Hi Tschechov,
unter Edge ist es noch komplett, unter iOS jetzt eine Vorgabepartie. :-) Bei mir fehlen dort nun für Weiß die Springer und für Schwarz die Läufer.
shaack - 31.10.18    
Ist repariert, einmal Cache leeren bitte.
Vabanque - 31.10.18    
Chrome zeigt unter Windows 10 alles an.
Oli1970 - 31.10.18    
Super, Danke! Unter iOS geprüft und in Ordnung. Deutsch kann der Viewer auch wieder. :-)
pirc_ - 31.10.18    
unter IE geht es nicht, mit Edge funktioniert es...
Vabanque - 01.11.18   +
Nach dem 8. Zug ist ja tatsächlich schon wieder mal eine Benoni-Struktur entstanden, und wieder mal kann Schwarz die Probleme dieses 'Sohns des Kummers' nicht lösen ... zu keinem Zeitpunkt macht die schwarze Stellung einen verlockenden Eindruck.
Irgendwann zieht der Schwarze dann nur noch ziellos mit seinem Turm herum (seine anderen Figuren haben ja kaum Perspektiven), während Weiß mit jedem Zug seinen Angriff am Königsflügel verstärkt.
Kein Wunder, wenn dann bald schon ein schönes Opferspiel drin ist.
Die mögliche Mattstellung am Schluss ist natürlich sehr schön. Das Matt zu vermeiden ist zwar einfach, aber dann verbleibt Schwarz mit einem erheblichen Materialnachteil, da er nicht nur die Dame zurückgeben muss, sondern auch noch seinen Turm gegen den weißen h-Bauern einbüßt (Weiß spielt zuerst h7+, nimmt dann erst die schwarze Dame und zieht dann seinen h-Bauern ein).

Die Kommentare hätte ich mir an manchen Stellen etwas ausführlicher gewünscht, um die Partie zu genießen, reichen die gegebenen Kommentare aber völlig aus.

Danke für diesen hübschen Fund :-)
Oli1970 - 01.11.18    
Dankeschön! Die Kommentierung fiel mir diesmal schwerer als sonst. Ich hatte unglaubliche Mühe, in die Partie rein zu finden. Wegen des Schlussbildes und dem Damenopfer habe ich mich entschieden, es dennoch zu probieren.
Gibt es konkret was, was Du vermisst? Fehlen Varianten oder Erklärungen oder beides?
Vabanque - 01.11.18   +
Hm ja, konkret z.B.

- Bei der Variante zum 26. Zug von Weiß (Lxe5 statt g6) vermisse ich ein Statement wie 'wäre besser als die Textfortsetzung gewesen' oder 'war eine gute Alternative' oder 'war ebenfalls möglich'. So weiß ich halt nicht, wie die Alternativfortsetzung zu beurteilen ist und warum sie hier angegeben ist.

- Ähnlich bei der Variante zum 27. Zug von Weiß. Wie wäre die Stellung nach dem erzwungenen dxe5 zu beurteilen? Wäre es gut für Weiß gewesen, statt des gespielten Zuges h6 auf e5 zu schlagen?

- Oder die Variante zum 27. Zug von Schwarz. Wie habe ich 'vorläufige Rettung' zu verstehen? Wie setzt Weiß danach fort? Gewinnt er trotzdem und wie?

Nicht dass ich diese Fragen in all ihrer Tiefe geklärt haben möchte, oder gar endlose Varianten mir gewünscht hätte. Aber ein paar Worte mehr in obigem Sinn hätten nicht geschadet.

So, ich hoffe, meine Kritik war konstruktiv :-)

Insgesamt gefallen mir Partie und Kommentar.
Oli1970 - 01.11.18   +
Doch, ist definitiv konstruktiv. Die Variante zum 26. Zug ist die Demonstration der schwarzen Idee zur Auflösung des Doppelbauerns. Dort wollte ich die Wortwiederholung sparen, die aber zur Klarstellung wohl angezeigt gewesen wäre.

Die "weiße" Variante zum 27. Zug kann ich, ehrlich gesagt, nicht eindeutig beurteilen. Das Elektronenhirn empfiehlt die Fortsetzung, spielt hernach Dc2 mit Blick auf den Bauern f5. Es sucht den Materialgewinn. Ich unterstelle, dass Harsha Bharathakoti die Möglichkeit abgewogen haben wird; sie lag ja offen auf dem Brett.
Der gespielte Zug h6 ist andererseits sozusagen die Einleitung des weißen Endspiels. Schwarz hätte mit der angegebenen Variante - nach ewiger Rechnerei - gute zwei bis 2,5 BE hinten gelegen und das Ende hinausgezögert. Einen deutlichen Gewinnweg sehe ich nicht. Ich habe den Weg nicht weiter aufgezeigt, weil im Grunde dann alles wieder möglich ist. Es wäre zu bedenken, dass die beiden Spieler zum Zeitpunkt des Matches 180 Elo-Punkte trennen und m. M. n. unklar ist, welchen Verlauf die Partie genommen hätte. Bei weiterem guten Spiel sollte Weiß dennoch den Sieg eingefahren haben. Schwarz hat den Überlegungen mit Tae8 ein Ende bereitet, so dass jetzt, im 28. Zug, die zuvor angedeutete Variante mit Lxe5 den Weg bereitet.

Ich hoffe, das war jetzt nicht zu "verzwirbelt". Diese Gedanken hätte ich in der obigen Kommentierung irgendwie nicht platzieren können, ohne Verwirrung zu stiften, dachte ich. Ich werde mir Deine Anmerkungen aber zu Herzen nehmen - im Grunde beschreibst Du, was mir in anderen (großmeisterlichen) Kommentierungen ebenfalls oft fehlt.
Vabanque - 01.11.18   +
Danke für deine Ausführungen :-)

Ja, das ist oft so, dass Engines einen geradezu unwahrscheinlich großen Vorteil errechnen, aber keinen klaren (bzw. für uns nachvollziehbaren) Gewinnweg angeben können ... in solchen Fällen darf man wirklich mit Recht annehmen, dass die Partie noch nicht entschieden ist.

In GM-Kommentaren fehlt oft noch viel mehr; da stehen Dinge wie 'Offensichtlich (!) kann Weiß hier nicht ... spielen' (aha), oder 'Der Tausch würde den Angriff abschwächen' (soso), oder 'nach ... stünde Schwarz besser' (ja ne, is klar) usw. :-)))
Vabanque - 02.11.18   +
>>Es wäre zu bedenken, dass die beiden Spieler zum Zeitpunkt des Matches 180 Elo-Punkte trennen<<

Das ist, nebenbei noch gesagt, doch recht wenig Unterschied und hat m.E. gar keine Aussagekraft. Ich bin früher oft genug gegen Spieler, die 400-500 DWZ weniger hatten als ich (in offenen Turnieren kommt man oft in der 1. Runde gegen solche dran), auf Verlust gestanden, und habe manchmal tatsächlich verloren. Nur leider ist das Schachspiel aber ein ungerechtes Spiel, denn nach dem Prinzip der ausgleichenden Gerechtigkeit hätte ich da umgekehrt dann ab und zu auch gegen jemanden mit 400-500 Punkten mehr als ich (also einen GM oder IM) gewinnen müssen, und das ist nie geschehen ...
Dass Schach ein ungerechtes Spiel ist, erkennt man auch daran, dass man immer wieder Gewinnstellungen verliert. Man hat 4 Stunden lang gut gespielt und sich mit viel Mühe und Schweiß eine Gewinnstellung erarbeitet, und dann schmeißt man mit einem Moment der Unkonzentriertheit alles weg, und der liebe Gegner fährt die Ernte seines schwachen Spiels ein ... wo ist da die Gerechtigkeit? :-(

Auf obige Partie trifft das allerdings alles nicht zu; sie ist ein Beispiel für das berüchtigte 'Spiel auf ein Tor'. Die schwarze Stellung ist schlecht und bleibt auch schlecht. Weiß treibt seine Sache am Königsflügel zielstrebig voran. Nach ein paar hilflosen Zappelversuchen mit seinem Turm ist Schwarz vollends erledigt.
Kellerdrache - 02.11.18   +
Ich bin ja nicht der Erste, der festgestellt hat, das hier im Prinzip wieder (modernes) Benoni gespielt wurde. Man sieht an dieser Partie auch wie schnell Schwarz bei ungenauen Zügen den Bach runter gehen kann.
Meiner Meinung nach ist schon 12...h5 ein Fehler. Der Nachziehende muß mit Nachdruck Gegenspiel einleiten. Ansonsten hat der Weiße nämlich, wie in der Partie alle Freiheiten den Angriff nach Belieben aufzubauen. Mit 13...Sh7 verabschiedet man sich dann komplett von jedem Gegenspiel. Ab da spielt man Benoni mit all seinen positionellen Schwächen, aber ohne die Stärken die diese kompensieren könnten.
Sethuraman sorgt mit seinem passiven Spiel für eine für Weiß gewonnene Stellung, die dann allerdings von Bharathakoti sehr schön und nervenstark in einen vollen Punkt überführt wird. Wie wir alle wissen ist auch das nicht so einfach am Brett wie es sich hinschreiben lässt.
Der Kommentar ist zu jeder Zeit auf der Höhe und man verliert nie den Faden in der Partie.
Kellerdrache - 02.11.18   +
Eine Schachpartie auf hohem Niveau ist ja vor allem deshalb hoher Stress, weil Schach eben kaum Fehler verzeiht. Wer früh fehlgreift kann höchstens noch auf einen Aussetzer seines Gegners hoffen. Kommt dieser nicht, kann man sich anstrengen wie man will - das Ding ist durch !
So extrem ist das, glaube ich sonst in keinem Sport (Wettbewerb ?). Beispielsweise im Fußball oder Tennis kann man Fehlleistungen durch entsprechend überragendes Spiel später wieder wettmachen, womit ich nicht sagen will, dass das einfach wäre.
Vabanque - 02.11.18    
>>Ab da spielt man Benoni mit all seinen positionellen Schwächen, aber ohne die Stärken die diese kompensieren könnten.<<

Die Stärken sind ja dynamischer Natur, wobei ich die auch nie verstanden habe ... deswegen ist Benoni auch nichts für mich ... ich habe nie verstanden, wie Zauberer vom Schlage eines Tal oder Kasparov aus diesen positionellen Ruinen etwas machen konnten.
Oli1970 - 02.11.18    
Dankeschön, @Kellerdrache! Lob zum Kommentar höre ich natürlich gerne. :-)
Ich schätze, 12... h5 sollte ein weiteres Vorrücken verhindern, wie es ja gar nicht so selten gespielt wird.
Der Schwarze schien einfach insgesamt keinen Zugang zum Spiel gefunden zu haben. Das finde ich insofern erstaunlich, als dass die weiße Eröffnungsbehandlung anders als üblich von der Engine nicht mit Vorteil bewertet wird. Zu 9. f3 habe ich rein gar nichts gefunden. 9. g5 oder f4 natürlich, f3 gar nicht. Geht das überhaupt? :-)