Kommentierte Spiele

Locker, leicht und lehrreich (VIII): Isolani und Grundreihe

Vabanque - 19.09.18   +
Mit dieser Folge probiere ich mal den Vorschlag eines Schachfreundes aus, die kommentierten Partien am Mittwoch zu bringen.

Der Titel ist insofern sicher etwas irreführend, denn es besteht natürlich keinerlei Verbindung zwischen Isolani und Grundreihe. Es sind vielmehr zwei Themen, die in vorliegender Partie zum Tragen kommen: im ersten Partieteil das Spiel mit und gegen den Isolani, im zweiten Partieteil dann die (hier beidseits!) schwache Grundreihe, die geradezu nach Kombinationsmöglichkeiten riecht.

Wahrscheinlich haben wir alle schon mal mit und gegen den isolierten Damenbauern (IDB) gespielt. Wir alle haben auch gelesen, dass der IDB unter bestimmten Umständen schwach wie auch stark sein kann. Vielleicht geht es euch damit ja auch so wie mir: Immer wenn ich selber den IDB habe, ist er schwach. Hat ihn jedoch der Gegner, erweist er sich wie durch Zauberhand plötzlich als stark!

Vorliegende Partie zeigt nun sehr schön, wie man gegen den IDB spielt: man spielt nicht direkt auf den Bauern, sondern baut das Feld vor dem Bauern als starkes Springerfeld aus.

Außerdem illustriert die Partie noch ein paar weitere lehrreiche Aspekte (wie etwa eben das Spiel mit und gegen die schwache Grundreihe), die ich wie gewohnt wieder am Ende zusammenfassen werde.

Gewonnen wurde die Partie mit Schwarz von dem sehr früh verstorbenen russischen Meister Vsevolod Rauzer (1908 - 1941) - nach dem auch (mindestens) ein Eröffnungssystem benannt ist - gegen seinen Landsmann, IM Ilia Kan (1909 - 1978).


[Event "Leningrad"]
[Site "Leningrad"]
[Date "1936.??.??"]
[Round "?"]
[White "Ilia Abramovich Kan"]
[Black "Vsevolod Rauzer"]
[Result "0-1"]
[WhiteElo "?"]
[BlackElo "?"]
[ECO "D21"]

1. d4 d5 2. c4 dxc4 {Schwarz nimmt das Damengambit an, nicht um den Bauern zu
halten (bei solchen Versuchen geriete er nämlich in ziemliche Schwierigkeiten),
sondern - ähnlich wie in der Partie Kramnik-Svidler - um damit die lange
Diagonale zu öffnen, auf die er seinen Damenläufer zu entwickeln gedenkt.} 3.
Nf3 c5 4. e3 cxd4 5. Bxc4 e6 ( {Nun wird es keineswegs ein echtes Bauernopfer,
weil} 5... dxe3 $4 6. Bxf7+ {die Dame verlöre.} ) 6. exd4 {Weiß könnte auch mit
Dame oder Springer zurückschlagen und auf seinen Entwicklungsvorsprung bauen,
aber er entschließt sich, mit einem Isolani zu spielen. Der Bauer d4 ist
zunächst ja nicht schwach, er beherrscht die Felder e5 und c5, und vor allem
erhält der Lc1 eine freie Diagonale. Generell erhält Weiß mehr Raum als beim
Schlagen auf d4 mit einer Figur. Er hat das Pech, dass ihm (und uns) Schwarz
jetzt eine Lektion erteilt, wie man gegen den Isolani spielt.} 6... Nf6 7. O-O
Be7 8. Qe2 O-O 9. Nc3 a6 {Mit dem Plan b7-b5 und Lb7.} 10. Bf4 $6 {Obwohl 6.
exd4 die Läuferdiagonale geöffnet hat, ist es gar nicht so einfach, einen guten
Platz für den Läufer zu finden. Auf d2 oder e3 stünde er wirkungslos, auf g5
würde er wohl früher oder später abgetauscht. Da Weiß - wie wir noch sehen
werden - sehr am Läuferpaar hängt, vermeidet er Lg5. Trotzdem wäre dies
vermutlich besser gewesen, denn auf f4 wird der Läufer später für einen auf d5
auftauchenden Sd5 zum Angriffsobjekt.} 10... b5 {Diesen schwarzen Plan hätte
Weiß natürlich durch a2-a4 verhindern können, damit aber selber Schwächen am
Damenflügel geschaffen. In solchen Fällen muss man immer das Für und Wider
abwägen, und das ist keineswegs leicht.} 11. Bb3 Bb7 12. Rad1 Nd5 {Das ist
genau der richtige Moment, das starke Feld vor dem Isolani mit einer
Blockadefigur zu besetzen. Wie schon in einer anderen Partie
gesagt, der beste Blockeur ist in der Regel der Springer, weil er nicht nur
blockiert, sondern auch vom Blockadefeld aus starke Wirkung ausübt.} ( {Spielt
Schwarz den mechanischen Entwicklungszug} 12... Nbd7 $6 {, so tauscht sich der
Isolani mit} 13. d5 $1 {, und Weiß geht mit überlegener Figurenstellung hervor.
Man sieht jetzt, wozu 12. Tad1 gut war.} ) ( {Auf} 12... Nc6 {wäre} 13. d5
{noch stärker.} ) 13. Be5 $6 {Dies ist nur ein scheinbar aktives Feld für den
Läufer. Eigentlich gehört bei dieser Bauernstruktur der Springer hierhin.}
13... Nxc3 $1 {Nanu, Schwarz gibt den schönen Springer bzw. das schöne Feld
auf? Und befreit Weiß auch noch von dem isolierten Bauern (der nun wieder einen
stützenden Nebenmann an seine Seite bekommt)? Doch ist dies ein häufiges Schema
in Isolani-Stellungen: Weiß erhält dadurch einen rückständigen c-Bauern, der
zweite schwarze Springer wird nach d5 wandern, und von dort (zusammen mit einem
Turm auf der c-Linie) diese neu geschaffene Schwäche im weißen Lager angreifen.
Weiß kann dann zwar den rückständigen Bauern mit c3-c4 nach vorne bringen, hat
aber dann wieder den Isolani auf d4! Mehr noch, die Schwäche von c3 wird durch
das Vorrücken des dortigen Bauern nicht behoben. All dies wird die Partiefolge
sehr schön illustrieren.} 14. bxc3 Nd7 15. Bf4 $6 {Wie schon oben gesagt, hängt
Weiß sehr am Läuferpaar. Der hartnäckige Unwille, sich den Läufer tauschen zu lassen,
bringt ihn allmählich in Nachteil.} 15... Nf6 {Schwarz führt seinen oben
geschilderten Plan durch.} 16. Ne5 {Wenigstens der steht jetzt richtig.} 16...
Nd5 17. Bd2 {Dieser Unglücksläufer führt jetzt reine Deckungsaufgaben aus. Ist
dies nun das stolze Läuferpaar, um dessen Erhalt Weiß so gekämpft hat?} 17...
Rc8 18. c4 {Siehe die Anmerkung zum 13. Zug von Schwarz.} 18... bxc4 19. Bxc4
a5 {Erstens hing jetzt dieser Bauer, und zweitens schafft sich Schwarz damit
einen Stützpunkt auf b4, um Lb4 nebst Sc3 spielen zu können. Wie es so oft
geht: der schwache BAUER c3 ist verschwunden, aber das schwache FELD c3 ist
geblieben.} 20. Rb1 $1 {In dieser Partiephase verteidigt sich Weiß gut. Durch
Angriff auf den Lb7 aktiviert er den Turm, um ihn über die 3. Reihe zum
Gegenspiel zu führen.} 20... Ba8 $1 ( {Besser als das sofortige} 20... Bb4 21.
a3 $1 Bxd2 22. Qxd2) 21. Rb3 Bb4 $1 {Jetzt stark, da a3 nun nicht geht wegen
Figurverlust (nach Lxd2 nebst f6 wäre der Lc4 lose).} 22. Bc1 $6 {Weiß weicht
nach wie vor dem Läufertausch aus, allerdings plant er Dg4 nebst ggf. Lh6 oder
Lg5, um diesen Kerl, um dessen Erhalt er sich so bemüht hat, endlich aktiv verwenden zu können.} (22. a3 $4 Bxd2 23. Qxd2 f6 {mit dem erwähnten Figurverlust für Weiß, da
der Se5 nicht weichen kann, ohne den Lc4 im Stich zu lassen.} ) ( {Interessant
war aber} 22. Rg3 $5 {, denn nach} 22... Bxd2 23. Qxd2 f6 $2 24. Qh6 $1 Rc7 25.
Bd3 $1 {kann Schwarz nicht auf e5 nehmen:} 25... fxe5 $2 26. Qxh7+ Kf7 27.
Rxg7+) 22... Nc3 $1 {Darauf glaubte Weiß die folgende 'starke' Antwort zu
haben.} 23. Qg4 {f6 geht nun natürlich nicht, da e6 hinge. Weiß droht nun ganz
simpel a3 mit Figurgewinn, aber er droht auch Lg5, um auf einen Damenzug (f6
geht wieder nicht, und Le7 ließe den Sc3 im Stich) Lf6! zu spielen.} 23... Rxc4
$1 {Hübsch, überraschend, und natürlich schon bei Sc3 geplant.} (23... Nxa2 $4
24. Rg3 {hätte den Sa2 eingebüßt.} ) 24. Nxc4 (24. Bg5 $4 Qxd4 {geht jetzt
nicht mehr.} ) (24. Bh6 $2 Qf6 {verliert den Lh6} 25. Bg5 $2 Qxe5 $1) 24...
Bd5 {Da nun e6 überdeckt ist, könnte jetzt Schwarz auf Lg5 f6 spielen. Es wird
klar, dass die weiße Gegeninitative gescheitert ist (mit Dame und Läufer
allein geht es nicht, der Tb3 ist abgesperrt und der Sc4 abgelenkt worden), und
dass Schwarz das geopferte Material zurückgewinnen wird.} 25. Bh6 Qf6 26. Bg5
Qxd4 $1 {Welche Gemeinheit!} 27. Qxd4 Ne2+ 28. Kh1 Nxd4 {Die Schlacht scheint
geschlagen, denn Weiß verliert bei Minusbauer und schlechterer Figurenstellung
die Qualität zurück, aber Weiß sieht da plötzlich einen Rettungsring im trüben
Wasser schwimmen. Das ist im Schach gar nicht so selten: die strategisch
eigentlich entschiedene Partie ermöglicht eine versteckte Rettungskombination,
die allein auf der zufälligen Anordnung der Steine auf dem Brett basiert.} 29.
Rxb4 $1 axb4 30. Nb6 $1 Rb8 $5 ( {Denn nach dem 'selbstverständlichen'} 30...
Bxa2 {(und scheinbar leichtem Gewinn durch den Freibauern) käme} 31. Be7 $1 Rb8
32. Bxb4 $1 {(der erwähnte Rettungsring!)} 32... Rxb6 33. Bc5 {mit Rückgewinn
der Figur, und einer Stellung, die für Schwarz trotz Mehrbauer kaum zu gewinnen
sein wird, da sich alle Bauern an einem Flügel befinden, von den
ungleichfarbigen Läufern (im Endspiel SIND sie von Bedeutung!) gar nicht erst
zu reden. Deswegen versucht Schwarz es auf andere Weise, und der Erfolg gibt
ihm Recht, obwohl auch hier eine vermutliche Rettung für Weiß drin gewesen wäre.} ) 31.
Nxd5 exd5 32. Rd1 Ne6 {Von hier aus greift der Springer nicht nur g5 an, er
wird später auch das wichtige Feld d8 decken und damit ein Grundreihenmatt
verhindern. Bemerkenswert an der Stellung ist generell, dass sowohl bei Weiß
wie auch bei Schwarz kein einziger Rochadebauer sich bisher bewegt hat, so dass
beide Seiten ab jetzt ständig auf Grundreihenmattwendungen aufpassen müssen.}
33. Rxd5 Ra8 34. Be7 $4 {Gerade jetzt, wo sich Weiß ganz nah ans Remis
herangekämpft hat, spielt er die Züge in der falschen Reihenfolge, da er den
nächsten schwarzen Zug übersieht.} ( {Zuerst musste er ein Luftloch schaffen
mit} 34. h3 $1 Rxa2 {und dann erst} 35. Be7 $1 {, denn jetzt kann Schwarz den
b-Bauern nicht mehr behalten, da stets Tb5 mit Grundreihenmattdrohung folgt:}
35... b3 ( {der geistreiche Versuch} 35... Rxf2 36. Bxb4 Rxg2 $4 {(basierend
auf der Springergabel auf f4!) geht nach hinten los wegen} 37. Rb5 {, und wegen
der Grundreihenmattdrohung verliert Schwarz seinen Turm, der jetzt nicht mehr
durch die Springergabel geschützt ist.} ) 36. Rb5 h6 37. Rxb3 Rxf2 {und wieder
ist der Mehrbauer bei allen Bauern an einem Flügel kein Garant des Sieges.} )
34... b3 $1 {Jetzt aber ist plötzlich alles aus; da der Bauer wegen
Grundreihenmatt nicht geschlagen werden darf, gewinnt er die Partie. Man sieht
erneut, wie wichtig es war, ZUERST ein Luftloch zu schaffen.} ( {Weiß hatte
bei 34. Le7 nur mit} 34... Rxa2 {gerechnet, wonach er mit} 35. h3 {in die zum
34. Zug von Weiß ausgeführte Variante eingelenkt hätte, mit recht guten Remischancen,
wie oben ausgeführt.} ) 35. a3 (35. Rd1 bxa2 36. Ra1 Rb8 {und wieder geht Weiß
am fehlenden Luftloch zu Grunde.} ) 35... b2 36. Rb5 (36. Rd1 Rc8 {nebst Tc1
kommt aufs selbe hinaus. Man beachte, dass dies daran liegt, dass der weiße
Läufer weder g5 noch a3 betreten kann!} ) 36... Rc8 {und Weiß gab notgedrungen
auf: wegen der Grundreihenmattdrohung kann er nicht schlagen, aber auf ein
Luftloch erfolgt Tc1+ nebst Umwandlung b1D, die dann zugleich auch b8 deckt,
damit nicht Weiß anschließend auf der Grundreihe Matt geben kann. Man beachte
die Rolle des schwarzen Springers, der das Feld g5 beherrscht, denn andernfalls
könnte Weiß mit Lg5 noch decken.} (36... Rc8 37. g3 Rc1+ 38. Kg2 b1=Q {und es
geht nicht Tb8+. Weiß 'verbleibt' mit einem Minusturm.} ) 0-1


Eine Zusammenfassung der lehrreichen Aspekte obiger Partie in 10 Punkten könnte so aussehen:

1) Der IDB sichert seinem Inhaber zunächst Raumvorteil sowie offene Linien und Diagonalen.

2) Ist der IDB selbst nicht schwach (was er in der Regel nur bei rückständiger Entwicklung ist), so wird man sich nicht darauf konzentrieren, ihn zu belagern, sondern lieber versuchen, das Feld vor dem IDB (also d5 beim weißen IDB auf d4; d4 beim schwarzen IDB auf d5) zu besetzen, am besten mit einem Springer. Dieser Springer wird dort dann unvertreibbar durch einen Bauern stehen (12. Zug von Schwarz). Er kann nur abgetauscht werden; in diesem Fall sollte man es idealerweise so einrichten, dass der zweite Springer zurücknehmen kann (in der Partie geschieht Letzteres allerdings nicht).

3) Kann der IDB (bei starker Figurenstellung) zum Tausch vorrücken, so ist dies meist vorteilhaft (siehe die Varianten zum 12. Zug von Schwarz).

4) Vorteile können in andere umgewandelt werden: Hier tauscht Schwarz überraschend seinen schönen Blockadespringer bereits im 13. Zug, und sorgt damit sogar dafür, dass Weiß nach dem Wiedernehmen mit bxc3 seines IDB 'verlustig' geht (er hat jetzt wieder einen Nebenmann, der ihm eine Stütze fürs Leben sein kann). Doch verschafft Schwarz damit dem Weißen einen rückständigen c-Bauern auf einer halboffenen Linie. Rückt dieser nach c4 vor, so hat Weiß wieder den IDB, während das Feld c3 schwach bleibt (wie sich in den Zügen 18 bis 22 beweist).

5) Krampfhaftes Festhalten am Läuferpaar kann zu Temponachteil führen (siehe hier die Züge 15. und 22.)

6) Auch in jeder noch so strategisch-positionell geführten Partie wird irgendwann die Taktik das Wort übernehmen. Ein schlauer Verteidiger wird sich in dem Moment, wo er positionell überspielt wurde, nicht mit dem Rücken zur Wand stellen, sondern mit taktischen Mitteln Gegenspiel zu erlangen suchen. Die Partie wird dann aus ihren ruhigen positionellen Bahnen gerissen, und der Spieler, der den positionellen Vorteil hat, muss sich blitzschnell umstellen. Dies geschieht hier ab dem 20. Zug von Weiß, wo dieser plötzlich Drohungen aufstellt, die Schwarz abwehren muss.

7) In scheinbar verlorenen Stellungen liegen oft ganz überraschende Verteidigungsmöglichkeiten, die häufig auf der konkreten (zufälligen) Anordnung der Steine beruhen.

8) Endspielstellungen mit einem Mehrbauer, wo sich jedoch alle Bauern auf einem Flügel befinden, sind meist sehr schwer zu gewinnen. Je weniger Bauern insgesamt vorhanden sind, desto größer ist generell die Remistendenz. So bestehen bei 4:3 Bauern auf einem Flügel noch gewisse Gewinnchancen, bei 3:2 Bauern sind diese deutlich reduziert, bei 2:1 Bauern ist das Remis sehr wahrscheinlich. Natürlich sind dies nur Faustregeln, welche die konkrete Situation auf dem Brett unberücksichtigt lassen. Vor allem ist dabei die Anwesenheit von Figuren noch von Bedeutung. Das reine Bauernendspiel wird man mit 4:3 und auch mit 3:2 Bauern fast immer gewinnen. Türme sind jedoch ebenso 'Remisfiguren' wie ungleichfarbige Läufer. In der Partie sind beide auf dem Brett (je ein Turm plus ungleiche Läufer), so dass bereits bei 4:3 Bauern auf einem Flügel die Remistendenz sehr ausgeprägt ist. (Bei gleichfarbigen Läufern bzw. bei Läufer gegen Springer wäre dies anders. Der Inhaber des Mehrbauern würde dann den Turmtausch anstreben und hätte gute Gewinnchancen.)

9) (Klugscheißermodus an) Hat man in Verluststellung eine Rettungschance erspäht, sollte man nicht durch Zugumstellung alles wieder zunichte machen (Klugscheißermodus aus). Leider ist es typisch (zumindest kenne ich dies auch von meinen eigenen Partien), dass einem gerade dann, wenn man sich auf geistreiche Weise (auf die man eigentlich stolz sein kann) ins Spiel zurückgekämpft hat, ein dicker Patzer unterläuft, der die Partie wegwirft (hier der 34. Zug von Weiß). Dies ist jedoch mit der großen Anspannung zu erklären, die es gekostet hat, sich die ganze Zeit verteidigen zu müssen.

10) Haben in der ganzen Partie die Rochadebauern nie gezogen, so ist ganz besonders auf Grundreihenkombinationen zu achten. Deswegen ziehen viele Spieler schon frühzeitig in der Partie einen Rochadebauern, damit später keine solchen Mattmotive auftauchen können. Trotzdem ist das frühe Aufziehen der Rochadebauern wegen des damit verbundenen Zeitverlusts und der Schaffung einer Angriffsmarke nur selten empfehlenswert. Besser ist es, in einem 'stillen' Moment (wo gerade nichts los ist) ein 'Luftloch' zu schaffen. Hier ergab sich aber für beide Spieler nie die Gelegenheit, so dass Weiß letztlich an der Grundreihenschwäche zugrunde ging, während auch Schwarz äußerst genau spielen musste, um nicht selbst der Grundreihenschwäche zum Opfer zu fallen.
KroMax - 19.09.18   +
Toll Vabanque !
Meine "Saloppen" sind ja "nur" was zum Schmunzeln, aber bei dir kann man richtig was lernen !
Danke dafür.
Beste Grüße
Max
Vabanque - 19.09.18    
Danke gleichfalls, aber ich fand auch deine Saloppen lehrreich ... und das mit viel weniger Lernaufwand. Bei meinen Präsentationen muss man ja trotz der Versprechung 'Locker, leicht und lehrreich' (die ja letztlich bloß ein Slogan ist) immer noch eigenes Hirnschmalz verbraten, um die Zusammenhänge zu verstehen ...
KroMax - 19.09.18    
Allein dein Hinweis, dass der Springer eine gute Blockadefigur ist.
Wie soll ich als "Normalo" ohne Bücher, ohne fundierte Schachausbildung, ohne Verein etc. da allein drauf kommen ?

Auch der Hinweis auf "Zugumstellung" und "alles kann zunichte dadurch gemacht werden".
Das alles merkte ich vllt häufiger in meinen Partien, aber jetzt sagt mir jemand, dass das tatsächlich auch so sein kann.
Auch das mit "Springer zurücknehmen", wenn Springer geschlagen wird.
Ja,.... ahnte ich und habe auch versucht, so zu spielen ( bietet sich ja auch an ), aber jetzt weiß ich es auch.
Das ist ja ein Riesenunterschied !

Deine "Richtlinie" mit den Bauernendspielen.... Ich habe hier bei mir zu Hause keine Bücher, die mir das, nach monatelangem Studium, auch mitteilen würden und ich habe nicht vor, sie mir zu kaufen und zu lesen.

Nochmals danke.
Super.

Beste Grüße
Max
Vabanque - 19.09.18    
In der Tat, auf diese Dinge kommt man in der Regel nicht von selbst, sondern die lernt man aus Büchern, Lehrvideos (DVDs) oder Schachkursen.

Während Bücher und Videos aber eine Vielzahl von Beispielen anbieten, die diese Regeln illustrieren (und auch die Ausnahmen behandeln, denn: all diese 'Regeln' sind ja nur Richtlinien, die im Einzelfall auch falsch sein können), kann ich hier in dieser Reihe nur wenige Beispiele zu einem Thema bringen, oder auch nur eines.

Also ersetzt die Reihe kein ausführliches Bücherstudium :-)
Oli1970 - 19.09.18   +
Ja, nanu, ist es schon wieder soweit? Kaum willste nach einem langen, harten Arbeitstag (müsst Ihr glauben, Ihr könnt das Gegenteil nicht beweisen) auf dem Sofa entspannen, wird schon wieder ein kommentiertes Spiel veröffentlicht. Der Stress reißt einfach nicht ab. :-)

Da hat SF Vabanque wieder eine großartige Partie rausgesucht und sich die Mühe gemacht, praktisch jeden Zug ausführlich zu beschreiben. Was soll man da noch schreiben, was noch nicht gesagt ist? Hm, mal überlegen ...

Der angesprochene neue Isolani (18. Zug / Anmerkung zum 13. Zug) entsteht nicht durch das Vorrücken, sondern erst wenn Schwarz schlägt, nicht? (Tut er natürlich, ergäbe ja anders keinen Sinn.) Mit dem 18. Zug haben wir zunächst die Hängenden Bauern bei Herrn Kan, wenn ich da nicht falsch liege? Diese Haarspalterei ist natürlich völlig Banane, das Wesentliche ist, dass Weiß lange Zeit eigentlich gut mitspielt, und wir dann eindrucksvoll vorgeführt bekommen, was passiert, wenn man sich nicht ins Unvermeidliche fügen will. Schwarz strebt den Läuferabtausch immer wieder an und zieht dadurch auch die Räume enger.

Nach 21 Zügen ist die Stellung soweit geschlossen, dass das Festhalten keinen Sinn mehr ergibt, weil die freien Diagonalen fehlen. Rauzer verbessert seine Stellung mit jedem Zug, währenddessen er Kan zur Verteidigung seiner Läufer zwingt. Es ist schwer, sich dessen bewusst zu werden, weil die Stellung kurz vorher noch relativ gut für ein Spiel mit den beiden Offizieren aussah, vermutlich schwingt immer noch die Hoffnung mit, die Lage wiederherstellen zu können. Irgendwie auch eine psychologische Sache.

Klasse erläutert finde ich die Wendungen und Irrungen, die sich sofort darauf ergeben. In der 2. Alternative zum 24. Zug meinst Du "Df6 verliert den Lh6" für den Fall, dass Weiß seinen Springer mit z. B. Sxc4 rettet, nicht wahr? Das ist ein schicker Faden, was Besseres als Lg5 gibt es nicht (Lf4 zur Rettung beider Figuren hat ja einen kleinen Haken), dxe5 nach Dxe5 geht nicht wegen Damenverlust, also geht dann der Springer flöten. Weitere Rettungsversuche machen alles nur noch schlimmer.

Genauso schön die Konstellation im 26. Zug für Schwarz, ab der sich dann wieder der Springer auf der 6. Reihe als schweres Pfund erweist. Die Gabel ist ebenso klassisch wie sie teuflich sein kann. Nicht nur, dass der Turm eingesperrt ist, die Gabel schränkt Weiß auch erheblich in seiner Bewegungsfreiheit ein. Aktives Rumstehen, sozusagen.

Dann das ganze Endspiel als nächstes Highlight ist ein Lehrstück für sich. Da legt auch einer Wert auf sprachliche Korrektheit, was? Nix mit Grundlinie - finde ich gut! Ernsthaft! Mir rutscht oft genug die Grundlinie raus, aber das Antreten in Linie oder Reihe führte auch anderswo immer mal wieder zur Verwirrung. Das Endspiel werde ich mir bestimmt häufiger mal ansehen. Das hat gerade die richtige, überschaubare Figurenmenge und zeigt sehr gut, was man richtig und falsch machen kann.

In dieser Partie steckte wieder viel drin, und sie ist in gewohnt hoher Qualität beschrieben und zusammengefasst. Und entgegen anderslautender Meinung bin ich sehr wohl der Ansicht, dass diese Reihe Bücher ersetzen kann. Du musst halt nur immer nachlegen. Die Reihe ist auf jeden Fall viel unterhaltsamer. Chapeau!
haribo02 - 20.09.18   +
Tiens...wie schon SF Oli1970 sagte, isr hier nicht mehr viel zu sagen.Wie immer, ausführlich und verständlich beschrieben und
kommentiert! Übrigens, ich bin auch der Meinung dass dies hier das studieren von Bücher teilweise ersetzen kann, zumal man wird in der Gemeinschaft doch dazu mehr gezwungen sich über
die Partie Gedanken zu machen, als allein im " Stillen Kammerleine".
Ich sagte : teilweise, weil ich schon denke dass Bücher studieren unverzichtbar ist wenn man im Schach Stärke erlangen will.
Gerade zu dem hier angesprochenen Thema: Endspiel sind Bücher
sehr wichtig.
@Vabanque
Was mich interessieren wurde ist die Frage: wie und wo findest du,
bzw suchst du die Partien aus die du hier einstellst?
Und, was hast du für ein Aufwand ( Zeitmässig ) dafür ?
Ich finde es jeden Fall großartig was du hier machst !

LG haribo02
Vabanque - 20.09.18    
@Oli1970:

1) Hängende Bauern/Isolani: Das stimmt prinzipiell, nach dem 14. Zug bxc3 sind hängende Bauern entstanden. Sie stehen auf der c- und d-Linie nebeneinander, aber sie müssen sich gegenseitig unterstützen oder durch Figuren gedeckt werden, weil es keine Nebenleute auf der b- und e-Linie gibt. Nach dem Vorrücken auf c4 sind es immer noch hängende Bauern, bleiben es aber sozusagen nur einen Wimpernschlag lang, denn natürlich schlägt Schwarz sofort bxc4, um das Feld d5 wieder in der Hand zu haben. Ich habe halt nach dem 14. Zug die Rückständigkeit des c-Bauern betont, weil es m.E. hier das entscheidende positionelle Merkmal ist. Interesssanterweise wird der 'neue' Isolani später tatsächlich auch selbst schwach und im 25. Zug durch die Gabel ja erobert.

2) >>Klasse erläutert finde ich die Wendungen und Irrungen, die sich sofort darauf ergeben. In der 2. Alternative zum 24. Zug meinst Du "Df6 verliert den Lh6" für den Fall, dass Weiß seinen Springer mit z. B. Sxc4 rettet, nicht wahr?<<

Ja genau. Wobei Weiß ja noch Lxg7 vor Sxc4 einschieben kann, doch ändert dies nichts daran, dass er mit einer Minusfigur verbleibt.

3) Grundlinie/Grundreihe: Nun ja, in der Mathematik hat ein Dreieck bzw. Parallelogramm eine Grundlinie, die zur Berechnung des Flächeninhalts wichtig ist. Im Schach heißen aber nur die senkrechten Linien auch wirklich Linien, die waagrechten 'Linien' dagegen werden als Reihen bezeichnet. So wurde es halt mal festgelegt. Im Fußball gibt es eine Torlinie, die nach schachlicher Terminologie (Rasenschach) also richtigerweise 'Torreihe' heißen müsste. Das klingt dann aber seltsam.
Vabanque - 20.09.18    
@haribo:

Danke erstmal.

Zum Raussuchen der Partie: Die allermeisten Partien, die ich hier bringe, sind mir schon seit einiger Zeit (das können Monate oder auch viele Jahre sein) gut bekannt. Ich spiele ja viele Partien aus Büchern nach bzw. habe das vor allem vor Jahren viel gemacht. Deshalb gibt es einen 'Fundus' von Hunderten von Partien, die ich kenne und mir nur noch einmal in Erinnerung rufen muss, was für die jeweilige Reihe geeignet sein könnte. Das Blättern in diversen Büchern, um die Partie wieder rauszusuchen, ist dann kein großer Zeitaufwand, und ich empfinde es gar nicht als Aufwand.

Das Kommentieren dagegen ist tatsächlich ein ganz erheblicher Aufwand, vor allem in der jetzigen neuen Reihe, wo der Schwerpunkt ja auf Allgemeinverständlichkeit und Lerneffekt liegt. Die 'normalen' kommentierten Partien waren früher in 1-2 Stunden fertig, jetzt sind es viel mehr Stunden, und ich brauche mehrere Sitzungen, um so einen Partiekommentar fertig zu stellen. Am schwierigsten zu schreiben finde ich immer Vor- und Nachspann, vor allem die Zusammenfassung der wesentlichen Punkte am Ende ist ganz schön aufwändig, weil ich dabei selber immer wieder die kritischen Stellen der Partie durchgehen muss. Nein, die Kommentierung ist leider nicht 'locker' und 'leicht', wenn sie sich für euch so lesen soll.
Kellerdrache - 20.09.18   +
Wirklich ein Paradebeispiel für das Spiel gegen den Isolani. Es zeigt auch schön, dass solche Partien oft eben nicht an der ursprünglichen Schwäche zu Grunde gehen sondern an Schwächen die entstehen während man das erste Loch im Deich verzweifelt stopft. Hier wird der Isolani ja auch nicht erobert.
Rauzers stures Festhalten am oh so wertvollen Läuferpaar zeigt aber auch, dass es im Schach wenige absolute Werte gibt. So gut es ist das Läuferpaar zu behalten ist es eben nicht die vielen Tempi wert die Schwarz dafür gibt.
Und schlieslich spielt auch die alte Grundlinie noch eine Rolle in der Partie. Wie viele Kombinationen und Angriffe sind im Laufe der Jahre schon daran gescheitert weil dort ein Maat folgen würde.
@Kromax: Du musst dich wirklich nicht schämen, dass dir die Sache mit Blockadefiguren usw. bisher nicht so verständlich war. Bevor Nimzowitsch das alles in seinen Büchern ausgearbeitet hat war das auch den alten Meistern wie Steinitz, Lasker, Capablanca usw. nicht wirklich klar. Du bist also in bester Gesellschaft. Solche Elemente untersucht und ins moderne Schach eingeführt zu haben ist der Hauptverdienst seiner Bücher und auch der Grund dafür, dass sie von den meisten Miestern so hoch geschätzt werden.
Oli1970 - 20.09.18    
Wenn der größte Trachtenverein Deutschlands in Linie antreten lässt, stehen viele Leute in einer Reihe nebeneinander ... hätten die mal vor Erlass der zDV Schach gespielt, was? Der Fußballer bringt den Ball durch die gegnerischen Reihen hinter die Torlinie, was vermuten lässt, dass der Gegner Spalier steht. So leben wir heute im Dreieck der Verwirrungen. Ob aber jemand die Fläche dieses Dreiecks berechnen möchte? Da hilft nur Alkohol. Große Mengen Alkohol.
Oli1970 - 20.09.18   +
Mit dem Lernen aus Büchern ist es halt so eine Sache. Es ist keiner da, bei dem man mal nachfragen kann. Trotzdem bin ich auch immer diesen Weg gegangen. Leider habe ich es nie geschafft, auch nur ein Buch von A - Z durchzuarbeiten, irgendwann ging es nicht mehr voran.

Ich habe vielleicht ein Dutzend Schachbücher über die Jahre angeschafft, viele entpuppten sich als Fehlkäufe. Für einen Einsteiger ist es schwer, vor allem beim Durchblättern in der Buchhandlung, ein gutes Buch vom schlechten zu unterscheiden, wenn es mehr als die Regeln enthalten und dennoch eine Basis bilden soll. Erst hat man zu wenig Input, dann zu viel. Am Ende hilft, zumindest dem Gelegenheitsspieler, nur spielen und Erfahrungen machen.

Haribo liegt schon richtig mit seiner Sicht der Dinge. Sich hier im Nachgang der Partie nochmal austauschen zu können, ist bereichernd. So tut lernen nicht weh.
Kellerdrache - 20.09.18   +
Eröffnungen lassen sich ganz gut aus Büchern lernen, obwohl es auch da riesige Qualitätsunterschiede gibt. Gute Bücher erklären auch die Pläne und Ideen einer Eröffnung, Schlechte geben nur Varianten wieder. Diese Bücher kann man aber auch alle paar Jahre neu kaufen weil sich die Theorie, jedenfalls bei populären Eröffnungen permanent ändert.
Endspiel lässt sich, was die Grundlagen angeht, auch ganz gut aus Büchern lernen. Aber eben nur die Grundlagen.
Mittelspiel lernt man am besten, so ist meine Erfahrung, aus dem Nachspielen eigener und fremder Partien. Vor allem aber aus der gemeinsamen Analyse. Und natürlich aus spielen, spielen, spielen. Ohne Erfahrung wird man kein guter Spieler.
Vabanque - 20.09.18    
>>Gute Bücher erklären auch die Pläne und Ideen einer Eröffnung, Schlechte geben nur Varianten wieder. Diese Bücher kann man aber auch alle paar Jahre neu kaufen weil sich die Theorie, jedenfalls bei populären Eröffnungen permanent ändert.<<

Diejenigen Bücher, die nur Varianten enthalten, kann man sich im Datenbank-Zeitalter sowieso getrost sparen. Und nach ein paar Jahren kann man sie wirklich wegwerfen.
Gute Eröffnungsbücher, welche Pläne und Ideen enthalten, veralten auch nicht so schnell. Selbst wenn ein paar Varianten nicht mehr stimmen sollten (was man dann ja an Hand aktueller Datenbanken oder manchmal auch schon per Engine-Check feststellen kann), die generellen Pläne und Ideen bleiben ja meist sehr ähnlich. Man wird am Brett ja ohnehin nicht so spielen, dass man Varianten aus dem Gedächtnis abspult (das geht höchstens so lange gut, so lange der Gegner in diesem Fahrwasser bleibt), sondern dass man weiß, wie die Stellungstypen, die aus dieser Eröffnung entstehen, zu behandeln sind.

>>Endspiel lässt sich, was die Grundlagen angeht, auch ganz gut aus Büchern lernen. Aber eben nur die Grundlagen.<<

Endspielbücher haben zudem den Vorteil, dass sie kaum veralten.
Vabanque - 20.09.18    
>>(Kellerdrache schrieb:) Bevor Nimzowitsch das alles in seinen Büchern ausgearbeitet hat war das auch den alten Meistern wie Steinitz, Lasker, Capablanca usw. nicht wirklich klar.<<

Sagen wir mal so: Nimzowitsch war der Mann, der die Blockadetheorie als Erster formuliert hat. Die Meister vor ihm haben nicht über die Blockade geschrieben, zumindest nicht mit diesen Worten, sie haben sie aber in ihren Partien ebenfalls schon intuitiv richtig angewandt. Theorien entstehen ja immer aus der Praxis. Nimzowitsch hat seine Blockadetheorie zum Teil ja sogar aus den Partien der hervorragenden Meister vor ihm abgeleitet. Natürlich auch aus seinen eigenen Partien.

>>(Oli1970 schrieb:) Leider habe ich es nie geschafft, auch nur ein Buch von A - Z durchzuarbeiten, irgendwann ging es nicht mehr voran. <<

Wem 'Mein System' zu umfangreich und zu schwierig ist, der kann sich ja mal das kleine Büchlein 'Die Blockade' von Nimzowitsch vornehmen. Da kann man wirklich von vorn bis hinten durchkommen.

Andere dünne, aber lehrreiche Bücher, die man durcharbeiten kann, sind:

- Réti: Die neuen Ideen im Schachspiel (heute freilich überhaupt nicht mehr neu, aber immer noch lehrreich)

- Spielmann: Ein Rundflug durch die Schachwelt

- Snosko-Borowski: So sollst du nicht Schach spielen

- Lasker: Gesunder Menschenverstand im Schach

- Reinfeld: Schach für Amateure
Tschechov - 20.09.18    
Zu Anfang (also so vor 1 1/2 Jahren) habe ich mir ein paar Bücher aus dem Joachim Beyer Verlag gekauft, also "1. e4 siegt!", "1. d4 siegt!", "Holländisch richtig gespielt" usw. Jetzt bin ich aber der Meinung, daß die nichts taugen. Sind nur Partiensammlungen, die kaum etwas erklären, sobald der erste Zug erfolgt, der nicht im Lehrbuch steht, ist man geliefert. Da bin ich mit der Eröffnungsreihe Starting Out, herausgegeben von Everyman Chess, besser bedient. Und mit den kommentierten Spielen, die Vabanque hier vorstellt, sowieso.
Vabanque - 20.09.18    
Die Bücher vom Beyer-Verlag sind meistens tatsächlich nicht so besonders, außer es handelt sich um Neuauflagen von Klassikern (z.B. von Kurt Richter).

Die Reihe 'Starting out' ist tatsächlich sehr gut, weil hier eben auch verbal was erklärt wird: Stellungsstrukturen und wie man sie behandelt etc.
Oli1970 - 20.09.18    
Nimzowitsch‘ Mein System steht tatsächlich in meinem Regal und gehört zu den Büchern, die irgendwann auf der Strecke blieben. Dabei fand ich das ganz gut. Mein Fehler war und ist, dass ich mir kein Brett aufbaue - und ein Schachbuch wie einen Roman zu lesen, funktioniert halt nicht. In dieser Hinsicht siegt die Bequemlichkeit über den Ehrgeiz.

Mittlerweile bzw. Seit Jahren gibt es hier im Umkreis keine Buchhandlung mehr, die eine richtige Schachecke bietet. Das macht die Suche nach einem guten Buch nicht eben leichter. Auch deshalb Danke für die Tipps!
Kellerdrache - 21.09.18    
Ich wollte nicht unbedingt sagen, dass es vor Nimzowitsch keine Partien mit Blockaden gegeben hätte. Aber erst mit ihm ist es zu einem Spielsystem geworden und er war der erste, der so etwas systematisch untersucht hat.

Mittlerweile muß man nicht mehr 'Mein System' lesen um die Geheimnisse der Blockade zu erlernen. Neben dem von Vabanque erwähnten Büchlein 'Die Blockade' enthalten heute eigentlich alle guten Bücher zum Mittelspiel auch einiges zu diesem Thema.
Retis Buch gefällt mir auch sehr. Sein Schreibstil ist anders als sein Spielstil auch wunderbar klar und unkompliziert
Vabanque - 26.09.18    
>>Ich wollte nicht unbedingt sagen, dass es vor Nimzowitsch keine Partien mit Blockaden gegeben hätte. Aber erst mit ihm ist es zu einem Spielsystem geworden und er war der erste, der so etwas systematisch untersucht hat.<<

Korrekt, und so hatte ich es auch verstanden. Ich hatte nur darauf hinweisen wollen, dass viele Spielprinzipien schon bevor sie jemand überhaupt formuliert hat, von den Meistern bereits so angewandt wurden.

>>Retis Buch gefällt mir auch sehr. Sein Schreibstil ist anders als sein Spielstil auch wunderbar klar und unkompliziert<<

Ja, das stimmt. Auch die anderen Bücher von Réti, allen voran 'Die Meister des Schachbretts', sind sehr zu empfehlen. Das ist allerdings etwas dicker geraten, obwohl es nur ein Fragment ist (Réti starb ja ganz plötzlich an Scharlach, während er noch an dem Buch arbeitete).
Ein 'dünner' Réti ist noch 'Cours scientifique d'échecs', leider bisher nur auf Französisch verfügbar, obwohl er es vermutlich nicht in dieser Sprache verfasst hat. Angeblich ist das Buch aus dem Spanischen übersetzt, was mir noch merkwürdiger scheint. Aus dem Grenzgebiet von Slowakei, Österreich und Ungarn stammend, beherrschte Réti vermutlich Tschechisch und Deutsch (Ungarisch soll er angeblich nicht gekonnt haben), aber Spanisch? Eventuell wurde das Buch aus dem Deutschen oder Tschechischen zunächst ins Spanische übersetzt und dann zunächst nur auf Spanisch veröffentlicht (übrigens auch lange nach seinem Tod). Das Originalmanuskript scheint verloren gegangen zu sein.