Vorschläge und Anregungen

Eröffnungsangabe

duennbraddel - 28.06.19    

Es wäre schön, wenn die Eröffnungserkennung etwas genauer wäre. So wird z.b. bei 1, e4 d6 immer jugoslawisch angezeigt, obwohl auch viele andere Varianten möglich sind. Wäre es umständlich eine detaillierte Eröffnungsbeschreibung a la abgelehntes Damengambit/Blackburne Variante anzeigen zu lassen? Wenn ja, auch nicht schlimm, aber für mich nice to have.

Tschechov - 28.06.19    

Manche Varianten tauchen hier nicht auf, das ist mir auch schon aufgefallen. Die Wiener Partie etwa wird nicht eigens als solche ausgewiesen.

Hasenrat - 28.06.19    

Oder die Clemenz-Mead-Basman-de Klerk-Welling-Eröffnung (1. h3).^^

Das scheitert schon daran, dass die Eröffnungen international teils andere Namen haben.
Wie wäre es mit dem ECO-Code?

(Ich glaub, das Thema hatten wir auch schon tausendmal ...)

Vabanque - 29.06.19    

>>Hasenrat - vor 10 Std.

Oder die Clemenz-Mead-Basman-de Klerk-Welling-Eröffnung (1. h3).^^<<

Bei der wäre es natürlich am allerwichtigsten, dass sie korrekt angezeigt wird :-)) :-p

Im Ernst: Irreführend ist die Eröffungsanzeige immer dann, wenn durch Zugumstellung eine andere Eröffnung entstanden ist. Simples und häufiges Beispiel: Beginnt die Partie mit 1. c4, wird immer 'Englisch' angezeigt, dabei geht in sehr vielen Fällen die Partie nach wenigen Zügen in eine Damenbauereröffnung (Damengambt oder eine der indischen Verteidigungen) über. Diesen Übergang erkennt das System nicht.

Vabanque - 29.06.19    

>>Das scheitert schon daran, dass die Eröffnungen international teils andere Namen haben.<<

Sind das eigentlich so viele, bei denen das der Fall ist? Spontan fällt mir außer Jugoslawisch/Pirc noch OrangUtan/Sokolsky ein. Aber irgendwelche Hauptvarianten wie die Tartatakower-Variante im Damengambit oder der Sämisch-Angriff in Königsindisch heißen auf Englisch quasi genauso (Queen's Gambit, Tartakover variation bzw. King's Indian, Saemisch Attack).

Dass der überwiegende Teil der Exoten (nicht nur 1. h3) teils ganz verschiedene Namen verliehen bekommt, ist kein Wunder.

Wie heißt bei euch z.B. die Eröffnung 1. f3? :-)

Oder 1. Sa3? 1. Sh3?

brauna - 29.06.19    

...die heißt: "falsch eröffnet" ;-)))
Neeeeee, war Spaß! :-))

Hasenrat - 29.06.19    

Mir fallen spontan Russisch, Spanisch ein.
Im arabischen Raum heißen die einschlägigen Eröffnungen noch mal ganz anders, wie ich bei einem arabischstämmigen SF mitbekam, der partout nicht wusste, was mit "Französisch" gemeint war ...

Hasenrat - 29.06.19    

1. f3 = Barnes/Gedult?!
1. Sa3 = Durkin-Angriff?!
1. Sh3 = Amar (Paris)?!

Hasenrat - 29.06.19    

Deshalb meine ich, dass der ECO-Code unstrittiger wäre - der aber für den reinen Hobbyspieler gar keine Bedeutung hat ...

Vabanque - 29.06.19    

>>Hasenrat - vor 2 Min.

Mir fallen spontan Russisch, Spanisch ein.<<

Stimmt 'Petroff Defense' bzw. 'Ruy Lopez', wobei Letztere schon auch als 'Spanish Game' bezeichnet wird, nur seltener. Im Prinzip ist dies auch kein Widerspruch der Bezeichnung, da Petroff ja Russe war und Ruy Lopez Spanier, die Bezeichnung ist hier nur etwas konkreter geraten.

>>Im arabischen Raum heißen die einschlägigen Eröffnungen noch mal ganz anders<<

Dort hat sich ja auch im Schach quasi seit dem Mittelalter nichts mehr getan, so dass dies nicht verwunderlich ist. Zudem wird man dort sicher die Bezeichnungen aus der 'bösen' westlichen Welt konsequent vermeiden ...

>>wie ich bei einem arabischstämmigen SF mitbekam, der partout nicht wusste, was mit "Französisch" gemeint war ...<<

Das war aber nicht GM Yasser Seirawan? ;-) Der kennt bestimmt die 'French Defense' ...

Vabanque - 29.06.19   +

>>1. Sa3 = Durkin-Angriff?!<<

Dieser 'Angriff' wird bei dieser Eröffnung bestimmt heftig ausfallen ;-)

>>1. Sh3 = Amar (Paris)<<

Ja, das habe ich auch schon mal in einem Buch gelesen: Amar-Eröffnung. Tartakower, der sich ja für keinen Scherz zu schade war, hat das einmal so gespielt. Weiß aber die Partie nicht mehr. Ich glaub, in Vorteil kam er damit nicht, oder wenn, dann nur, wegen 'gütiger Mithilfe' des Gegenspielers :-)

>>1. f3 = Barnes/Gedult<<

Ja, als 'Gedult-Eröffnung' kenne ich das auch. Hat nix mit Geduld zu tun, sondern mit einem mysteriösen Spieler namens Gedult, von dem nur Blitzpartien überliefert sind, die er alle gewann, teils sogar gegen renommierte Spieler, die halt im Blitz nicht so gut oder routiniert waren. Wohl eine ähnliche Spieler-Gestalt wie Genesis Potini, wobei man über David Gedult vielleicht nie einen Film machen wird, weil er weder jung starb noch psychisch krank war noch aus den Slums kam.

Vabanque - 29.06.19    

>>Hasenrat - vor 9 Min.

Deshalb meine ich, dass der ECO-Code unstrittiger wäre - der aber für den reinen Hobbyspieler gar keine Bedeutung hat ...<<

Eben. Diese Codes kann sich doch kein Mensch merken.

Hasenrat - 29.06.19    

Für mich sind alle diese Exoteneröffnungen gar nicht mal so Quatscheröffnungen - nur auf den ersten Blick. Im Grund sind es im besten Fall auch nur Zugumstellungen in natürlichere Gewässer. Gegen gute Spieler führen sie allerdings wohl zu Tempoverlusten u. strategischen Nachteilen.

Hasenrat - 29.06.19    

... und nur gegen sehr gute Spieler in den allermeisten Fällen zum Partieverlust. ^^

Hasenrat - 29.06.19    

Damit eigenständige Ideen daraus erfolgreich entwickelt werden könnten, müsste der Gegenspieler meist "zuarbeiten" - was er vielleicht um so eher unbewusst mitmacht, je mehr er denkt: "was für'n Scheiß', das widerlege ich dir Stümper aus dem Handgelenk ..." - womit der Exot seinen Zweck erfüllt hätte.

Vabanque - 29.06.19    

Ja, das stimmt. Gerade als Jugendspieler, als ich noch wenig Erfahrung hatte und dafür sehr 'theoriegläubig' war, dachte ich mir in solchen Fällen auch immer: 'Wenn der sowas spielt, muss ich doch locker gewinnen' und versuchte seine Spielweise direkt zu widerlegen, was mich dann meist selber in Nachteil brachte.
Später bin ich deshalb dazu übergegangen, solche 'Exoten' quasi gar nicht zu beachten, sondern mich einfach ganz normal und solide zu entwickeln. Vielleicht erhält man damit dann zwar keinen Vorteil, aber es ergibt sich auch kein schneller Reinfall, sondern einfach eine ganz normale Partie. Und nicht selten offenbart der früher Randbauer- oder Randspringerzug dann im späteren Partieverlauf doch so seine Nachteile ...

Tschechov - 29.06.19    

Ein solcher Reinfall (na ja, eher ein halber, das Spiel endete Remis) ist mir hier auch schon passiert, und zwar gegen versuch (ist sein nickname). Er eröffnete mit a3. Ich konnte keinen Sinn in dem Zug finden (ich glaube, er hat auch keinen) und wollte den in meinen Augen seinerseits verschwendeten Zug gnadenlos ausnutzen. Meine nächsten Züge ware dumm und unüberlegt, ich wollte unbedingt Tempo machen und daraus wurde dann nichts.

JamesBond007 - 29.06.19    

Adolf ANDERSSEN spielte auch ab und zu 1. a2 - a3 ...

... und falls darauf 1. ... e7 - e5, so 2. c2 - c4 ! Sizilianisch mit einem Mehrtempo ! :-)

Vabanque - 30.06.19   +

Genau. 1. a3 ist sicher nicht der beste Eröffnungszug, aber völlig sinnlos ist er nicht. Lässt Weiß bald c4 folgen und kommt in eine Englische Eröffnung, so kann er in manchen Varianten Sizilianisch mit vertauschten Farben spielen. Und mit Schwarz spielt man ja in vielen Abspielen im Sizilianer a7-a6, z.B. um später b7-b5 folgen zu lassen oder um einen weißen Springer von b5 abzuhalten.
Also kann umgekehrt in Verbindung mit c4 der Zug a3 durchaus dem Weißen von Nutzen sein. Natürlich muss sich Schwarz nicht auf ein Sizilianisch mit vertauschten Farben einlassen. Aber auch in anderen Varianten der Englischen Eröffnung spielt Weiß oft a3, um b4 vorzubereiten.
Natürlich kann Schwarz auf 1. a3 mit d5 antworten, und mit Englisch ist's vorbei. Entsteht dann aber ein Damengambit mit vertauschten Farben, kann Weiß z.B. eine Meraner Variante mit vertauschten Farben wählen, wo Schwarz (im Original) ja auch a7-a6 spielt, um dxc4 und b5 mit Tempo (nachdem der weiße Königsläufer auf c4 wiedergeschlagen hat) folgen zu lassen und das Problem seines Damenläufers mit Lc8-b7 zu lösen. Weiß könnte dann mit vertauschten Farben eine ähnliche Strategie verfolgen. Nur dass Schwarz auch auf diese Konstellation nicht eingehen muss.
Schwarz wählt wohl am besten einen Aufbau, wo Weiß a3 tatsächlich nichts bringt, z.B. eine königsindische Aufstellung.

Tschechov - 30.06.19   +

Aha. So tief werde ich wohl nie in die Materie eindringen, um mir ein solches Wissen anzueignen. Aber das ist ja das Schöne an chessmail, daß man´s von anderen geliefert bekommt!

Tschechov - 30.06.19    

>>Oder die Clemenz-Mead-Basman-de Klerk-Welling-Eröffnung (1. h3).<<

Habe das doch glatt mal gegoogelt, Kasparow hat das tatsächlich ein paar mal gespielt.

Vabanque - 30.06.19    

Also sollte man vielleicht von der Clemenz-Mead-Basman-de Klerk-Welling-Kasparov-Eröffnung sprechen? ;-)

Die Frage ist, gegen wen Kasparov so eröffnet hat. Sicher nicht gegen Karpov?

Gegen einen von uns könnte Kasparov 1. h3, 2. a3 spielen und würde immer noch mühelos gewinnen.

Vabanque - 30.06.19    

Gegen eine Eröffnung, die so eine Fülle von schillernden, wohlklingenden Namen hat, ist allerdings wohl trotzdem ein gesundes Misstrauen angebracht ... und ich bin sicher, Kasparov würde seinen guten Namen nicht in dieser Reihe genannt haben wollen :-))

Tschechov - 30.06.19    

Nein, gegen Karpov nicht. Übrigens fiel mir das auch als erstes ein, als ich seine 1.h3-Spiele sichtete: "Gegen Karpov hätte er sich das nicht getraut."

Vabanque - 30.06.19    

:-))

Kellerdrache - 03.07.19    

Den Schachfreund Basman hab ich in den kommentierten Partien ja mal mit ein oder zwei Beispielen vorgestellt. Der hat nicht nur so etwas gespielt, sondern sogar einiges an Theorie beigesteuert. Ja, sogar zu 1.h3 gibt es Theorie ;-)).
Und von wegen "gegen Karpov nicht getraut" sei nochmal auf die alte Partie von Miles (mit Schwarz) gegen Karpov, wo er 1.e4 mit 1...a6 beantwortete (und gewann).

Vabanque - 03.07.19    

Miles spielte aber nicht 1... h6 :-))

Der berühmte Schwarzsieg von Miles gegen Karpov, wurde der eigentlich überhaupt mal hier in den kommentierten Partien vorgestellt? So weit ich mich erinnere, versuchte Karpov mit Weiß Vorteil herauszuschlagen (was ja wirklich verständlich ist), und als dies misslang, kam er (sicher auch psychologisch bedingt) auf die schiefe Ebene :-(
Müsste mir aber die Partie nochmal anschauen. Erstaunlich ist immer, wie sogar die größten Spieler versagen, wenn sie aus den üblichen Bahnen gerissen werden.
Wobei Miles ja ebenfalls unter die großen Spieler zu zählen ist. Ein Großer kann gegen einen anderen Großen schon mal verlieren, ohne dass dies eine Schande wäre. Merkwürdig ist nur, WIE Karpov verloren hat.

Viel schlimmer (und wahrscheinlich der dunkelste Punkt in Karpovs gesamter Schachlaufbahn) ist ja seine Niederlage (ebenfalls mit den weißen Steinen!) gegen den Deutschen Wolfram Hartmann gewesen, der nur ca. 2200 ELO hatte, also mindestens 500 Punkte weniger als Karpov. Mag sein, dass Karpov Hartmann zu leicht genommen hat, aber der Partieverlauf ist derart merkwürdig ... Karpov verliert hier absolut sang- und klanglos, ohne irgendeine Kombination, einfach nur völlig chancenlos. Ich erinnere mich, dass ich die Partie mal in den Kommentierten Spielen bringen wollte, weil sie eine der ganz wenigen Partien ist, die ein deutscher Spieler gegen einen amtierenden russischen Weltmeister gewonnen hat, mich aber dann dagegen entschieden, weil die Partie absolut keine Höhepunkte und keine Schönheit bietet und schlicht und einfach nur eine Demütigung Karpovs war. So etwas müssen wir uns nicht antun ...

In gewisser Weise hat Miles mit 1 ... a6 und 2 ... b5 Karpov ja auch gedemütigt ('Schaut mal her, gegen diesen Rotz von Eröffnung verliert der Karpov, und sowas will Weltmeister sein?'), aber wie gesagt, Miles war ja ebenfalls genial, und ich glaube nicht, dass er das Experiment wiederholt hätte. Es gab ja auch keine Trittbrettfahrer, die auf diesen Zug aufgesprungen und denselben 'Rotz' gegen Karpov gespielt hätten. Denn der gründliche Karpov hat diese 'Eröffnung' mit Sicherheit hinterher analysiert und ein besseres System ausgearbeitet.

Kellerdrache - 03.07.19    

Wenn ich mich recht erinnere war die Partie Karpov-Miles sogar die erste Partie die von mir bei chessmail kommentiert wurde.
Gerade bei Leuten wie Karpov (oder Capablanca, oder Carlsen) die für ihr Stellungsgefühl berühmt waren/sind, sind solche Partien besonders erstaunlich. Wir hatten hier ja mal eine Reihe mit Niederlagen der Weltmeister. Vielleicht wäre "Blamagen der Großmeister" eine würdige Fortsetzung ;-))

Vabanque - 04.07.19    

Ach nee, das würde eine allzu traurige Sammlung ... es gibt z.B. auch eine Partie von Spassky aus der Bundesliga, ich glaube aus den 80ern, wo er gegen einen 2300er in der Eröffnung ganz simpel eine Figur einstellte und ein paar Züge später aufgab. Sowas will hier doch nicht wirklich jemand sehen ...

>>Gerade bei Leuten wie Karpov (oder Capablanca, oder Carlsen) die für ihr Stellungsgefühl berühmt waren/sind, sind solche Partien besonders erstaunlich.<<

Capablanca ist vielleicht der Spieler mit der geringsten Verlustquote überhaupt. Die meisten seiner Niederlagen stammen aus Simultanveranstaltungen. Von den Partien, die er in offiziellen Turnieren und Wettkämpfen spielte, hat er insgesamt ca. 35 verloren, aber die meisten davon sind äußerst seltsam. Man kapiert gar nicht, was hier geschieht und warum. Schöne Verlustpartien gibt es von Capablanca höchstens eine Handvoll. Dazu gehören die berühmte Niederlage gegen Botwinnik und eine ebenfalls recht bekannte gegen Lilienthal, wo dieser ein spektakuläres und völlig unerwartetes Damenopfer brachte.
Auch schöne Niederlagen von Karpov sind eher rar. Eine brillante Verlustpartie mit Damenopfer hat er mal gegen Geller gespielt, man muss aber sagen, dass Karpov dort die Eröffnung äußerst merkwürdig behandelt hat, ebenso wie in einer Verlustpartie gegen Ponomariov, die demnächst vielleicht in den kommentierten Spielen zu sehen sein wird. Die berühmte Verlustpartie Karpovs gegen Judit Polgar (mit dem doppelten Läuferopfer) gehört eher wieder zu den Merkwürdigkeiten, denn die Gewinnkombination hätte Karpov leicht vermeiden können.
Fazit: in ihren Verlustpartien sind große Spieler oft nicht wiederzuerkennen!

Und ja, oft liegt es an der Wahl der Eröffnung. Kommt man schon früh in Stellungsbilder, in denen man sich nicht auskennt oder die einem nicht liegen, sind Fehleinschätzungen quasi vorprogrammiert. Offenbar auch bei den ganz Großen.