Vorschläge und Anregungen

Aufgabe einer Partie!

Kettmann - 30.03.19  

Wenn ich merke das ich eine Partie nicht mehr zum Remis führen kann dann gebe ich auf. Es nervt aber jedes mal wenn sich Spieler bis zum Matt vorführen lassen. Sicher gilt für viele : Aufgegeben werden Pakete bei der Post. Aber man bedenke doch mal das jeder Zug zur näheren Niederlage einer Partie das ärgern über seine Fehler noch schwerer macht. Schach zeigt den Charakter. Und wenn jemand sich bis zum Matt quält oder den Schalter zum Remisangebot nicht findet , dem denjenigen gebe ich keine Revanche.

kimble - 30.03.19   +

Aktiv handhabe ich das auch so, d.h. ich gebe beizeiten auf.
Wenn jemand allerdings die Philosophie vertritt bis zum letzten Atemzug zu spielen finde ich das aber auch in Ordnung.
Fakt ist ja:
Je weniger Figuren desto schwerer wird's, häufig auch für den Gewinnführenden.

Hasenrat - 30.03.19   +

Wann der rechte Zeitpunkt ist aufzugeben, oder wann es "berechtigt" ist weiterzuspielen, oder (noch oder schon) Remis zu bieten, ist eine unendlich subjektive und Geschmacksfrage - und nächst der des Charakters auch eine Frage der Empathie.
Am allergrößten ist in meinen Augen jedoch der Fauxpas, das Gegenüber zur Aufgabe zu drängen, ja zu nötigen!
Das zeugt nicht nur von mangelndem Respekt gegenüber dem Spielpartner sondern auch gegenüber dem Schachspiel selbst!

StillSchweiger - 30.03.19   +

Solange ich noch Material und Ideen für ein Matt habe, spiele ich weiter. In Hobbyspieler-Spielstärke bekommt man noch häufig genug die Chance zum Ausgleich oder sogar Konter.
Ich selbst hab schon Spiele in drückender Überlegenheit durch Grundlinienmatt nach Schlagen aus Reflex (Gier) verloren. Zwar eher im Blitz als in Brief, aber trotzdem.
Ich kann jeden verstehen der weiterspielt. Auch mit blankem König hat sich schon so mancher ins Patt gerettet. Steht nicht sogar eine schöne Schachaufgabe mit einem solchen Lösungsweg im Schachaufgaben-Forum?

Manche Fussballmannschaft würde auch gern nach 60min gehen, muss sich aber noch weitere 30min vorführen lassen.

Darum: auch als Überlegener cool bleiben und sauber zu Ende spielen. Jeder Gegner verdient sportlichen Respekt

StillSchweiger - 30.03.19    

https://chessmail.de/forum/topic.html?ke..

Die von mir angemerkte Schachaufgabe

Haaardy67 - 30.03.19    

auch ich spiele meistens weiter, außer es würde in einem Turnier aufhalten. Was ist dagegen einzuwenden, wenn man bis zum letzten Atemzug kämpft. Im Tennis oder auch Tischtennis wird ja auch nicht bei hoffnungslosem Rückstand abgegeben, sondern weitergespielt, bis es eben aus ist. Ich kenne außer Schach keine andere Sportart, bei der erwartet wird, daß man als Verlierer vorzeitig aufgibt. Bei den Profs ist es freilich so, aber das ist auch andere Thematik.

MarkD - 31.03.19    

was genau war jetzt der Vorschlag?

toby84 - 31.03.19    

Da jetzt zweimal der Vergleich zu anderen Sportarten herangezogen wurde, habe ich mal gegoogelt. Es gibt durchaus Aufgeben in anderen Sportarten. Es ist allerdings nicht so einfach, dazu viel zu finden. Ich bin bei einer Regelfrage zu Tennisturnieren fündig geworden, bei der es wohl häufiger vorgekommen ist, dass Spieler ihre ersten Matches vorzeitig aufgeben, vll. um bei den zweiten oder den späteren Doppel Matches fit zu sein. Es stand nicht dabei, ob diese Spiele schon vor Beginn abgebrochen werden oder während des Spiels.

In vielen (vermutlich in allen?) Spielen sind Aufgaben aufgrund von Verletzungen üblich. Im Zweifelsfall kann man also immer Schmerzen vortäuschen und sich so verdrücken.

Sicherlich gibt es auch Beispiele für Spieler, die ausrasten und deshalb das Spielfeld spontan verlassen.

Was den ersten Beitrag des Threads angeht, verstehe ich einen Teil davon noch nicht: "Aber man bedenke doch mal das jeder Zug zur näheren Niederlage einer Partie das ärgern über seine Fehler noch schwerer macht"

Verstehe ich das richtig, dass du das weiterspielen bei deutlich schlechterer Stellung unangemessen findest, weil das Spiel sich noch drehen und der zuvor besser stehende Spieler sich darüber übermäßig ärgern könnte? Das ist eine Spielphilosophie, die ich gar nicht nachvollziehen kann. Es gibt doch keine bessere Legitimation dafür, ein Spiel weiterzuspielen, als am Ende das Ergebnis noch zu drehen. Da gibt es nur eine sinnvolle Konsequenz: der, der es versemmelt hat, sollte seine Sichtweise darüber, was klar gewonnen ist, überdenken. Das gilt auch dann, wenn man nur einzügig eine Figur einstellt und deshalb das Spiel verschenkt hat. Wenn man zu so etwas neigt, muss man sich eben mit der Tatsache abfinden, dass man zu den Spielern gehört, für die eine Mehrfigur nicht automatisch den Sieg bedeutet.

Hasenrat - 31.03.19    

Gemeint ist: der klar auf Gewinn stehende Spieler ist genervt, das zu Ende spielen zu müssen, sein Gegenüber ärgert sich permanent im Angesicht der näher rückenden Niederlage über die Züge, die dazu geführt haben werden. Aber das ist eine Unterstellung des Genervten, nicht? Vielleicht spielt der andere einfach gern (!) weiter.
Schlecht wäre es allerdings, wenn der auf Verlust stehende Spieler nur weiterspielt, weil er merkt, dass es sein Gegenüber nervt! Im Nahschach ist das auch wieder anders zu sehen als im Fernschach.
Soviele Eventualitäten. Man dreht sich hier im Kreis.
Es hilft alles nichts - es sei denn mehr Gelassenheit!

Tschechov - 31.03.19    

Mit Weiterspielen habe ich kein Problem, auch bei drückender eigener Überlegenheit kann man es noch versemmeln und eine Pattsituation schaffen.

Siehe bspw.: https://chessmail.de/game/d28ec3fd47034cfd

Nicht so schön finde ich es nur, wenn der unterlegene Spieler die Zugfrist jedesmal fast verstreichen läßt und erst in letzter Minute zieht.

Tschechov - 31.03.19    

Mit dem "rechtzeitigen Aufgeben" ist das übrigens so eine Sache. Manche geben für meinen Geschmack auch etwas zu früh auf. Ich hatte mal einen Kontrahenten, der in einem Königsgambit gegen mich aufgab, weil er eine Bauerngabel übersah und ein Pferd eingebüßt hätte. Das fand ich etwas übertrieben. Klar, mit einer Qualität mehr hat man den Vorteil auf seiner Seite, aber schließlich mache ich auch Fehler.

Hasenrat - 31.03.19    

Wenn Aufgeben im Grunde signalisiert "Ich hab keine Lust mehr!", hat es auch immer etwas "Kindisches", also im Sinne niedriger Frustrationstoleranz - es stünde für Sprunghaftigkeit, Launenhaftigkeit.

Nun soll ja eine Partie aber auch beiden Seiten Spaß machen, also komme man sich entgegen ... - "Wir haben mehr Spaß, wenn ich das jetzt aufgebe und wir gleich eine neue Partie starten ..."

Vabanque - 31.03.19    

Es gibt Spieler, die schon nach dem Verlust eines Bauern aufgeben, sogar welche, die aufgeben, obwohl sie materiell noch gar nichts verloren haben, sondern sich nur positionell überspielt fühlen. So ein Sieg ist für mich als Gewinner dann sehr unbefriedigend, denn mein eigentliches Werk hätte doch jetzt darin bestanden, meine überlegene Stellung auch auszunutzen.
Auf der anderen Seite gibt es natürlich die Schachfreunde, um die es in diesem Thread eigentlich geht. Sie haben bloß noch den König gegen eine ganze Armada, aber sie geben nicht auf. Die Hoffnung auf Patt ist vielleicht eine Erklärung, aber es gibt auch Stellungen, da stehen noch eine ganze Reihe beweglicher Bauern rum, so dass ein Patt nicht mal in den kühnsten Träumen in Reichweite ist.

Ich persönlich gebe dann auf, wenn ich eine Leichtfigur ohne Kompensation in einer weitgehend bereits vereinfachten Stellung eingebüßt habe (in komplizierten Stellungen spiele ich weiter). Solche Partien könnten dann zwar theoretisch noch recht lange dauern, aber meine Erfahrung hat gezeigt, dass es nichts bringt, sie weiter hinzuschleppen. Jeder einigermaßen geübte Spieler (so ab ca. 1500-1600 DWZ) wird eine übersichtliche Stellung mit einer Mehrfigur (oder wahrscheinlich schon mit 2 Mehrbauern) gegen mich gewinnen, selbst dann, wenn ich 300-400 Punkte mehr habe.

japetus1962 - 31.03.19   +

ich Superheld habe es bei klaren Vorteil schon mal fertig gebracht, den gegnerischen König ins Patt zu setzen. somit war die Entscheidung von meinem Spielpartner, nicht aufzugeben, durchaus richtig.

Ich habe keinen Stress damit, ob jemand bis Ende spielen mag oder nicht.

Wenn ich selber klar im Nachteil bin, frage ich ggf. schon mal nach, was dem Partner lieber wäre. die meisten antworten, gerne bis matt spielen, und das mach ich dann auch.

wodi - 31.03.19   +

es stört mich nicht, wenn mein schlechter stehender Gegner bis zum Matt spielt. Dann suche ich einfach den schnellsten Weg zum Matt.

Vabanque - 31.03.19    

Das mache ich auch. Das kann aber ganz schön stressig sein. Der sicherste Weg ist im pragmatischen Sinne eigentlich immer der beste, auch wenn er länger dauert. Geduld ist hier eine Tugend, die geübt werden will. Dass das nicht meine Stärke ist, erlebe ich tagtäglich an der Kasse im Supermarkt :-/

Tschechov - 31.03.19   +

Geduld muß man schon haben. Ich stelle bei mir aber fest, daß ich es mit der Geduld im Endspiel manchmal übertreibe. Ich lerne gerade (wenigstens bilde ich mir das ein) etwas ökonomischer zu spielen, dh. bspw. im Endspiel ruhig eine Leichtfigur gegen einen Bauern zu tauschen, wenn ich an Schwerfiguren überlegen bin und so schneller zum Ziel komme. Auch im Endspiel gilt: Nicht am Material kleben, gewonnen hat nicht, wer am Ende mehr Figuren auf dem Brett hat, sondern wer den Gegner zur Aufgabe gezwungen bzw. matt gesetzt hat.

Schlafabtausch - 23.04.19    

Und wieder gilt: "Nichts ist schwieriger, als eine gewonnene Partie zu gewinnen"

ALF.A_chess - 25.04.19    

Ist doch jedem selbst überlassen, wann er aufgibt. Eine späte Aufgabe als Unsportlichkeit anzuzählen ist nach meiner Meinung nicht richtig.

Steeltec - 16.05.19    

und es gibt Spieler ...Laba... die aufgeben, 2 Spiele beenden ohne Vorteile für beide im Spiel, dann einem auch ignorieren ohne jediglichen Grund.
Komische Vögel gibt es

Vignette - 16.05.19    

Zum Glück gibt es den Pranger.. und in schlimmen Fällen den Scheiterhaufen.
Im Ernst: am schlimmsten sind die Denunzianten!!
Also Bälle flach halten.
Cheees

Kellerdrache - 16.05.19    

Wie früh oder spät man aufgibt hat bei den meisten Spielern auch etwas mit dem Gegner zu tun. Wer im Simultan gegen Magnus Carlsen eine Leichtfigur ohne Kompensation weniger hat und nicht aufgibt wird kaum als Kämpfer durchgehen, sondern von den meisten Menschen für einen Idioten gehalten werden. Ist das Gegenüber aber ein Spieler, der Königssicherheit für eine Krankheit hält und schon mal häufiger einen Aussetzer einstreut ist allzu frühes Aufgeben sicher unangemessen.
Oder manchmal gibt man eben nicht auf, weil der Gegner ein Kotzbrocken ist und man im den Sieg nicht gönnt ;-)). Früher oder später muss man dann aber doch in den sauren Apfel beißen.

Hasenrat - 16.05.19   +

Und dann gibt es noch die Spieler, die einfach gern das Spiel spielen und sich so darein vertiefen können, dass sie ganz vergessen, auf welcher Seite des Brettes sie gerade sitzen, ob sie also die gewinnende oder verlierende Partei führen und einfach darüber staunen, was sich da für ein Schauspiel, was für ein Drama entfaltet vor ihren Augen ... und das Spiel selbst hat gewonnen u. obsiegt über die Engherzigkeit einseitiger subjektiver Gewinn-/Verlustrechnung

... ^^

jujuhehe - 17.05.19    

Ich verstehe diese ganze Diskussion überhaupt nicht. Es steht jedem Spieler frei aufzugeben oder eben bis zum bitteren Ende durchzuhalten, so sagen es auch die Spielregeln. Und Ziel dieses Spiels ist ja auch meines Wissens das Matt setzen und nicht das Aufgeben.
Ich selbst gebe nicht so schnell auf, so lange ich noch eine winzige Chance sehe (der Gegner kann ja schließlich auch mal einen Fehler machen).

Kellerdrache - 17.05.19   +

Eigentlich wäre das doch ein schöner Gegenstand für eine Schulstunde im Schach: Was mache ich wenn mein Gegner in für mich klar gewonnener Stellung nicht aufgibt ? Was würdet ihr euren Schülern raten ?

Meine Rat wäre: 1. den einfachsten (nicht den schnellsten oder besten) Gewinnweg suchen. 2. die verbleibenden Möglichkeiten des Gegners identifizieren und systematisch bekämpfen bis nur noch belanglose Züge übrig bleiben 3. je nach eigenem Charakter sich a) mit anderen schönen Dingen ablenken während der Gegner verzweifelt Auswege sucht oder b) den Gegner quälen indem man sein Leid in die Länge zieht durch Unterverwandlungen, sinnlose Demonstrationen der positionellen Überlegenheit und Verzögerungen der für jeden sichtbaren Todeszüge.

kimble - 17.05.19    

@Kellerdrache,
Vom Verständnis her:
Ist der einfachste (...von einfach gibt es genaugenommen keine Steigerung, das am Rande...;-)), aber ich weiss ja was gemeint ist, nicht automatisch der schnellste und beste Weg?!
Oder wie die Analyse in der Fachliteratur von "sauber gespielt" spricht...
Lasse mich da gerne eines Besseren belehren.

Vabanque - 17.05.19    

Während der schnellste Gewinnweg objektivierbar ist, ist es der 'einfachste' nicht.

Was für mich am 'einfachsten' ist, muss es für einen anderen nicht sein.

Ich habe mal in Gewinnstellung, statt den Mattangriff weiterzuführen und zu beenden (was am schnellsten gegangen wäre) in ein leicht gewonnenes Endspiel abgetauscht. Das war für mich der einfachste Gewinnweg gewesen; ein Vereinskamerad rügte mich dafür. Er hätte auf Matt gespielt. Für ihn war der Angriff die subjektiv 'einfachere' Lösung.

In kritischen Stellungen gibt es oft nur einen einzigen Gewinnweg. Aber in sehr überlegenen Stellungen gibt es oft mehrere Gewinnwege, und die Auswahl hängt vom Geschmack des Spielers ab. Der eine sieht es als Risiko an, die Damen auf dem Brett zu lassen, da der andere damit noch irgendwie Gegenspiel erhalten könnte, der andere sieht den Übergang ins Endspiel als riskanter, da der Gegner ebenfalls einen Freibauern hat.

Tschechov - 18.05.19    

@kimble

>> (...von einfach gibt es genaugenommen keine Steigerung, das am Rande...;-))<< - da bist du glaube ich im Irrtum. Es gibt keinen "einzigsten", von einfach gibt es aber sehr wohl zulässige Steigerungen. Denn natürlich kann ein Weg einfach, ein anderer aber noch einfacher sein.

Vabanque - 18.05.19    

Stimmt, da hat SF kimble wahrscheinlich etwas verwechselt. Übrigens gibt es von 'optimal' auch keine Steigerung, d.h. das zumindest früher oft gebrauchte Wort 'optimalst' existiert in der deutschen Sprache ebenso wenig wie das von dir genannte (und früher ebenfalls oft gebrauchte) 'einzigst' :-))

kimble - 18.05.19    

Gebe meinen Irrtum zu...:-)
Trotzalledem:
Gewinnführung einfach, schnell und bequem, ein interessantes Thema!

Vabanque - 18.05.19    

'Bequem' ist Schach eigentlich nie, oder? ;-)

Tschechov - 18.05.19    

Manchmal macht man sich´s bequem, unbequemerweise verliert man dann meistens.

Schlafabtausch - 24.05.19    

Kettmann: "Wenn ich merke das ich eine Partie nicht mehr zum Remis führen kann dann gebe ich auf. "

Mache ich auch so. Aber das ist ja kein Zwang, wenn es andere nicht machen bzw, wennes der Gegner nicht macht, dann halt nicht.

Schlafabtausch - 24.05.19    

toby natürlich gibt es in jedem sport aufgeben. Braucht ja ein spieler der nichtmehr will einfach nur nach hause gehen,..was will man dagegen tun?

Schlafabtausch - 24.05.19    

toby schrieb: "Das gilt auch dann, wenn man nur einzügig eine Figur einstellt und deshalb das Spiel verschenkt hat. Wenn man zu so etwas neigt, muss man sich eben mit der Tatsache abfinden, dass man zu den Spielern gehört, für die eine Mehrfigur nicht automatisch den Sieg bedeutet."

Vielen ist auch immernoch nicht klar: Gewonnen ist bei Matt! Ich kann noch so viele Figuren mehr haben noch so toll stehen, kann ich das Matt nicht herbeiführen ist das alles Essig.

JamesBond007 - 24.05.19    

… beim Fussball ist ein Match gewonnern sobald der Schiedsrichter dessen Schluss pfiff ! (Ich war Schiedsrichter). Und bei einer Schachpartie : bei Aufgabe, bei Matt oder bei Zeitüberschreitung…

Wenn ich um eine Figur im Rückstand bin, spiele ich weiter solange es mir den Anschein macht, dass der Gegner nicht optimal spielt….

"Verschiedene Leute denken verschieden über das Aufgeben"
(Robert James - Bobby - Fischer)

Schlafabtausch - 24.05.19    

Wieso prangerst du dann im anderen Thread einen Spieler an der bis zum Matt spielt?

JamesBond007 - 24.05.19    

@ Schlafabtausch :

… nicht weil er bis zum Matt spielt… Vielmehr weil er in ganz hoffnungsloser Stellung (ohne jegliche Konterchance) jedesmal die ganze Bedenkzeit ausschöpft !

Schlafabtausch - 24.05.19    

Na und, steht im doch zu die BEdenkzeit. Ich finde es ja auch nicht toll wenn Leute das machen, aber sie haben das recht dazu.

JamesBond007 - 24.05.19    

… klar ! Ist mir klar ! Die Bedenkzeit wird ja quasi "vertraglich" abgemacht….. ;-)

Schlafabtausch - 24.05.19    

Genau. und warum prangerst du jemanden an, der sich an den Vertrag hält?

JamesBond007 - 24.05.19    

… wegen "Rechtsmissbrauch", mein Lieber !

Schlafabtausch - 24.05.19    

In wiefern? Der Vertrag sagt doch, er darf in jeder Phase des SPiels die gleiche Bedenkzeit nutzen.

Und das tut er.

JamesBond007 - 24.05.19    

@ Schlafabtausch :

Ja, das tut er - in der Tat !

Vor ein paar Jahren hatte ich mich mal bei einem 30 Tage-Turnier angemeldet. In unserer Spielgruppe brachte es ein Spieler fertig, seinen 1. Zug erst nach 25 Tagen (!!) auszuführen ! Dann trat ich zurück ! Nie mehr wieder ! ;-)

Und wenn ich mal vor dem 1. Zug zuerst alle Partien des Gegners studieren will um zu schauen ob er gegen 1. e4 mehr verliert als gegen 1. d4, dann wechsle ich zu ICCF ! Dort herrscht echtes "Vergnügen" !

Vabanque - 24.05.19    

>>Vor ein paar Jahren hatte ich mich mal bei einem 30 Tage-Turnier angemeldet.<<

Wie kann man solche Turniere überhaupt anbieten, die können ja Jahrzehnte dauern. Und wenn, dann bei sowas nicht anmelden, außer man empfindet Partien, die über Jahre gehen, als attraktiv :-)

Vabanque - 24.05.19   +

30 Tage pro Zug ist schon eine sonderbare Bedenkzeit. Da die 30 Tage ja für jeden Halbzug (also für jeden schwarzen und weißen Zug einzeln) gelten, können nach dem 1. beiderseitigen Zug bereits 2 Monate verstrichen sein, nach dem 2. Zug 4 Monate. Eine durchschnittlich lange Partie von 40 Zügen würde dann 80 Monate dauern, d.h. über 6 Jahre. Trägt man also ein mehrrundiges Turnier mit dieser Bedenkzeit aus und berücksichtigt man, dass einzelne Partien bis zu 70 oder 80 Zügen haben werden, so kann die Runde bis zu 12 Jahren dauern, das ganze Turnier also bei 3 Runden bis zu 36 Jahren. Wenn ich mich da jetzt als Fünfziger zu so einem Turnier anmelden, dann kann ich mit großer Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, das Ende des Turniers nicht mehr zu erleben. Woraus folgt, dass solche Turniere am besten für Jugendliche geeignet sind, die dann im Laufe des Turniers zu älteren Herren heranreifen ;-)

Tschechov - 24.05.19    

Was die ganze Debatte um die angemessene Bedenkzeit bzw. Sportlichkeit/Unsportlichkeit angeht, fällt mir ein Spruch von Karl Valentin ein (ich glaube, er war auf Philosophie gemünzt, passt hier aber auch ganz gut): "Es ist schon alles gesagt worden, nur noch nicht von allen". Ich habe mich ja anfangs selbst an dieser Debatte beteiligt in dem einen oder anderen thread, plädiere jetzt aber dafür, die Diskussion ruhen zu lassen. Es kam, wie es wenn nicht immer, so doch meistens kommt: Keine Seite hat sich bewegt, man (um Mißverständnisse auszuschließen: ich schließe mich da durchaus mit ein) hat sich selbst dargestellt, das war´s.

macmoldis - 25.05.19    

"30 Tage pro Zug ist schon eine sonderbare Bedenkzeit"
Es war einmal auf chessmail.de, da wurden Spiele trotz 30 Tagen Bedenkzeit innerhalb weniger Tage beendet. Die Spieler hatten bei der Bedenkzeit keine Wahl, es gab nur diese eine Bedenkzeit, 30 lange Tage. ... und trotz dieser sonderbaren 30 Tage Bedenkzeit war die (zeitliche) Spielweise bei vielen nicht viel anders wie heute, als wenn sie heut mit drei, sieben Tagen oder gar 24h Bedenkzeit spielen ... mal ganz davon abgesehen, dass die Verbreitung von Smartphones und fast flächendeckenden Internets die Spielweise noch etwas beschleunigt hat

Hasenrat - 25.05.19    

Alle 30-Tage-Bedenkzeitler, die ich kenne, nutzen die 30 Tage auch mitnichten zur Gänze aus, sondern wählen diese, weil sie zu keinem festen Rhythmus verpflichtet. Der klassische Wochenendzieher, vielbeschäftigt, mit Familie und noch neun anderen Interessen u. Hobbies, hinge bei der siebentägigen Bedenkzeit schon in der Uhr, wenn er mal an zwei Wochenenden hintereinander Vollzeit anderweitig verplant wäre. So aber muss er keinen Urlaub anmelden, kann mal an einem Samstagabend fünf Züge hintereinander machen, dann wieder einen am nächsten Freitag, dann zwei Wochen später wieder zwei usw.

Hasenrat - 25.05.19    

Ich selbst würde auch am liebsten 30-Tage-Einladungen einstellen, vermeide dies aber, weil diese so einen miesen Ruf haben ... ;-)

Vabanque - 25.05.19   +

Ich persönlich empfinde bereits 7 Tage als außerordentlich lang; die Partie ist für mich dann ein einziges Warten auf Züge.
Natürlich ziehe ich für mich auch die Konsequenzen und spiele keine Partie mehr mit mehr als 3 Tagen Bedenkzeit.

Kellerdrache - 25.05.19    

7 Tage muss nicht zu lange sein. Als Bedenkzeit für schwierige Stellungen macht es durchaus Sinn. Das Problem ist eben wenn jemand auch bei den einfachsten Zügen mehrere Tage verstreichen lässt, warum auch immer. Das zerdehnt eben eine Partie doch sehr.
Ich habe einige Partien mit 7 Tagen gespielt, z.B. Clubliga, und die meisten Leute machen die einfachen Züge dann doch in 1 bis 2 Tagen und versinken dann höchstens wenn es ums Eingemachte geht mal ins Grübeln. Allerdings gab es auch das eine Beispiel wo die Begegnung auch nach 4 Monaten noch im frühen Mittelspiel steckte, weil auch erzwungene Antworten erst nach 6 oder 7 Tagen kamen

JamesBond007 - 25.05.19    

@ Kellerdrache :

"[…] Allerdings gab es auch das eine Beispiel wo die Begegnung auch nach 4 Monaten noch im frühen Mittelspiel steckte, weil auch erzwungene Antworten erst nach 6 oder 7 Tagen kamen" :

… in der Tat !

Hasenrat - 25.05.19    

Schachspielen ist Frust, Ärger, Enttäuschung, Missgunst ... vertane Zeit.
;-/

Vabanque - 26.05.19    

Laut Raymond Chandler ist eine Schachpartie 'die komplizierteste Vergeudung menschlicher Intelligenz, die sich außerhalb einer Werbeagentur nur finden läßt.'
Allerdings muss ihn Schach doch ziemlich beschäftigt haben, weil es relativ oft in seinen Werken auftaucht, und nicht bloß flüchtig. In seinem Roman 'Das hohe Fenster' beschreibt er den Stil Capablancas recht zutreffend, was darauf schließen lässt, dass er sich mit ihm tatsächlich auseinandergesetzt hat. Ich denke, das Zitat ist ironisch zu werten, worin mich der Verweis auf die Werbeagentur noch bestärkt :-)

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Tschechov - 27.05.19    

Mir schwirrt da eine Geschichte im Kopf herum, laut der Chandler gegen irgendeinen Weltmeister (könnte es sogar Capablanca gewesen sein?) einmal bei einer Partie Schach ein Remis erzielte. Wenn ich mich recht entsinne (so die Geschichte überhaupt wahr ist), kam aber schnell der Verdacht auf, daß das eine Gefälligkeit seitens des Weltmeisters gewesen sei,