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Vereinssatzung

eika13 - 15.03.19    

Unser Sportverein, mit immerhin 350 Mitgliedern für ein Dorf schon allerhand, gibt sich in einer Woche zur Wahlversammlung auf Antrag des Vorstandes eine neue Satzung.
Bis auf geringfügige Änderungen gibt es im §3 Grundsätze unter 1. folgende Ergänzung:
"Der Verein befördert die soziale Integration ausländischer Mitbürger."
Auf meine Nachfrage wessen Idee das war ? kam sie Antwort das ist eine Empfehlung vom Kreissportbund, welcher bei der Satzungsänderung dem Vorstand beratend zur Seite stand.
Ich habe beantragt diesen Satz ersatzlos zu streichen.
Weil:
- ich habe das Gefühl als ob wir in dieser Beziehung in der Vergangenheit etwas
verdäumt hätten, dem ist aber nicht so !
- die Absicht des Satzes ist für mich selbstverständlich, wie viele ander
Grundsätze die auch nicht formuliert sind.
- ausländische Mitbürger klingt für mich auch komisch. Sind es nun Ausländer
oder Mitbürger ?
- zudem habe ich in die Satzungen vom FC Rot Weiß Erfurt und in der von
FC Bayern München keinerlei Bezug auf diesen Inhalt gefunden.
- der Kreissportbund empfiehlt, der Vorstand will es umsetzen, diesen vorraus-
eilenden Gehorsam mag ich nicht.

WIE ist eure Meinung dazu ?

Wir sind ein Verein mit mehreren Sparten, ich bin Abteilungsleiter Tischtennis undwiir freuen uns über jeden der bei uns mitspielen möchte und unterstützen in allen Belangen, egal welcher Religion oder Staatsbürgerschaft derjenige ist.
Spaß: Am liebsten natürlich Chinesen, weil die können besonders gut TT spielen.

blaessupp - 15.03.19    

Als 1. heisst es nicht "be fördert", denn Ihr seid kein Transportunternehmen. 2. wäre dies als besonderen Auftrag zu verstehen, was zur Ungleichheit führt.
Besser ist: Fördert und fordert die Vereinsmitglieder.
Unter Mitglieder müsste es heissen: Mitlied kann werden, wer die Statuten akzeptiert und sich aktiv am Vereinsleben beteiligen will.
Die Statuten müssen so neutral wie nur möglich gechrieben sein.
Herzl. Gruss Bernhrd.

Hanniball - 15.03.19    

@ eika13

...auch ein Unionsbürger ist nach dem deutschen Recht Ausländer, da er keine deutsche Staatsbürgerschaft gem. Art. 116 GG besitzt.

Man spricht deshalb von "Mitbürgern".

Unionsbürger - welche "normal" (bis auf einige Ausnahmen) die gleichen Rechte
haben wie deutsche Staatsangehörige werden ausländerrechtlich erfasst und wie Ausländer behandelt, was jedoch entgegen übergeordneten EG- Recht widerspricht.

Wenn Erfurt nicht so weit weg liegen würde, könnte ich mich an einer Anmeldung beim TT erfreuen....

LG Hanniball

mailwurm - 15.03.19    

"Der Verein befördert die soziale Integration ausländischer Mitbürger."
Einerseits ist das eine Selbstverständlichkeit, gerade Sportvereine fördern Integration von z.B. Jugendlichen, Außenseitern und Benachteiligten aller Art ..... einfach durch ihr alltägliches, aktives Handeln.
Andererseits Jetzt gerade die ausländischen Mitbürger zu betonen ist wohl sportpolitisch motiviert. Alle gemeinnützigen Vereine werden in irgendeiner Form materiell unterstützt, oftmals ganz direkt über irgendwelche Fördertöpfe.
Solche Förderprogramme haben stets eine politische Vorgabe und da macht es sich zur Zeit eben gut, so etwas in der Satzung hervorzuheben.
Wer weiß, vielleicht bringt es mal einen Zuschuß für einen Hallenanbau oder eine Fahrt zu einem TT-Turnier?
Da hier ja nur ein Allgemeinplatz in die Satzung gepackt wird, würde ich das pragmatisch sehen, denn inhaltlich falsch ist es ja nicht. Was soll es schaden?

macmoldis - 15.03.19    

... wenn's bei Rot Weiß Erfurt nicht mit drin ist, beim Carl Zeiss Jena schon ;-)


.. eigentlich wie mailwurm erwähnte sollte es eine Selbstverständlichkeit sein (und das ganz unabhängig von Herkunft/Religion u.ä), wie auch bei dir, eika13 im letzten Abschnitt zu lesen

aber ob man es reinschreiben sollte nur um vom Fördertopf etwas abzubekommen?
andererseits, welches Bild gibt's,ab, wenn man sich strikt gegen solch eine Formulierung stellt?
... eine Formulierung finden mit der alle/die Mehrheit im Verein leben kann




offtopic und nur am Rande passend (oder un...)
ist Rot Weiß vielleicht deswegen insolvent, weil es wegen fehlender Formulierung in Satzung nicht genug vom Fördertopf abbekam ;-))))

eika13 - 15.03.19    

Bei Bayern steht es ja auch nicht drin ...
und schwups aus der CL raus.

eika13 - 15.03.19   +

Ich kann mich noch gut an die Ostzeiten erinnern wo auch politische Inhalte oktroyiert wurden.
Selbst Kochbücher oder Anleitungen zum Gärtnern hatten einen Bezug zum Sozialismus.
Das habe ich damals nicht gemocht und heute noch viel weniger.

japetus1962 - 15.03.19    

bei einem "normalen" Sportverein hat sowas nix in der Satzung zu suchen. Wenn, dann in der Geschäftsordnung, sofern die Voraussetzungen und der Wille gegeben ist. Voraussetzung ist auch, dass sich entsprechende Mitglieder, die vom Vorstand das Mandat erhalten haben, sich gewissenhaft um diese Teilaufgabe zu kümmern. Sofern das nur ein Lippenbekenntnis auf Anraten eines Dachverbandes sein sollte, dann ganz raus, denn ist idealer Nährboden für unendliche Diskussionen. wer denn? wie denn? welche Finanzmittel? usw...

Schlafabtausch - 18.03.19    

Vor allem Impleziert das ja umgekhert: Wer nicht im Verein ist oder kein Schach spielt integriert sich nicht.

Da würde sich dann aber auch die frage stellen, ob nicht schachspielende Deutsche integriert sind?

macmoldis - 18.03.19    

Wo liest du denn das heraus?

Aber richtig, wer nicht im Schachverein ist, ist nicht im Schachverein integriert ... und das ganz unabhängig von Herkunft und Religion. Ich bin spiele Schach und bin in keinem Schachverein integriert, und nu?

Frosch12 - 19.03.19    

bei mir ist es so: Ich spiele Schach, das ist schon mal der erste Punkt. 2. Ich bin im Schachverein, bin aber nie da, also bin ich eigentlich garnicht im Schachverein?
ups ;-) wie geht das denn?

Schlafabtausch - 19.03.19    

Macmoldies ich habe es eben nicht gelesen sondern es war eine Implikation wie ich schon geschrieben habe :)

Du hast den Satz verändert es geht nicht um wer nicht im Schachverein ist ist nicht im Schachverein integriert. Es geht in der Satzung nicht um Integration in einen Schachverein sondern allgemein um Integration. Da wird behauptet der Verein helfe ausländischen Mitbürgern bei der Integration. Impliziert 1. Die brauchen hilfe, und 2. Wer nicht dabei ist integriert sich nicht. Und zwar nicht nur in den Schachverein, sonst müsste der Satz lauten: der Verein hilft ..bei der Integration in den Verein. Steht da aber nicht. Bitte genau lesen.

eika13 - 20.03.19    

Kann mir jemand eindeutig darlegen, ob Flüchtlinge aus Kriegsgebieten welche sich in Deutschland aufhalten, zumeist Asylsuchende ausländische Mitbürger sind ?

Frosch12 - 20.03.19    

ich würde es nicht so verkomplizieren! Wenn sie 2 Beine, 2 Arme Kopf usw. haben, sind es Menschen! Alles andere ist Beamtentum!

macmoldis - 20.03.19    

Bürger?
In einem weiteren Sinn kann Bürger aber auch alle Menschen unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit oder Nationalität bedeuten.
https://de.m.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCr..

Mitbürger?
jemand, der dem gleichen Staat angehört oder der in der gleichen Stadt, am gleichen Ort lebt, wohnt
https://www.duden.de/rechtschreibung/Mit..

Da wurde immer gesagt, die sollen sich integrieren, wieso nur hab ich den Eindruck, dass das von dir gar nicht gewollt ist?

eika13 - 20.03.19    

Also wir haben hier sogenannte "Aussiedler aus Rußland" mit deutschen Wurzeln in unserern Kleingartenverein wo ich Vorsitzender war hervorragend integriert, auch maßgeblich auf mein Betreiben hin.
Dabei sind Freundschaften entstanden, was auch mir zuteil wurde.
Ich bin seht für Integration wo es Sinn macht.
Flüchtlinge auch anerkannte Asylbewerber sollten doch eigentlich wieder in ihre Heimat zurück, denn dort werden sie gebraucht.
Ich halte nichts von ihrer Integration, weil es zum Einen nicht funktioniert meiner Meinung nach und zum Anderen diese ja in einen Zwiespalt bringt.
Lieber sanft zurückführen und ja auch mit Anreizen und vor allem die Fluchtursachen bekämpfen.
Und an alle geneigten Plusgeber auf den Beitrag von Frosch12:
Es mag für euch ja ganz lustig sein, aber für mich geht es um unsere Vereinssatzun und da sehe ich es nicht so lax.
Der Status ist in vielen Dingen entscheidend.

eika13 - 20.03.19    

@macmoldis
beim Begriff Mitbürger empfehle ich mal zu googeln u.a. was Werner Kanein dazu feststellt.

macmoldis - 20.03.19    

Werner Kanein ... "berücksichtigt nicht, dass es keine Deckungsgleichheit zwischen der juristischen Fachsprache einerseits und der Umgangssprache andererseits gibt."
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Ausl%C3%..

siramon - 21.03.19    

@eika13, der Begriff (Mit-)bürger kann je nach Kontext definiert werden. Wikipedia schreibt dazu:

"Im staatsrechtlichen Sinne ist der Staatsangehörige der Staatsbürger, auf kommunaler Ebene der Bürger einer Stadt oder Gemeinde. Aus der Staatsangehörigkeit resultieren die bürgerlichen Ehrenrechte (Rechte und Befugnisse), wie aktives und passives Wahlrecht. In einzelnen Staaten wie der Schweiz hat der Bürger neben dem Wahlrecht noch das Stimmrecht. Das Kommunalrecht unterscheidet den „Gemeindebürger“, der als Staatsangehöriger zur politischen Mitwirkung berechtigt ist, vom „Einwohner“ der Gemeinde, jemand, der dort lediglich wohnt, aber dort nicht seine politischen Rechte ausübt.

In einem weiteren Sinn kann Bürger aber auch alle Menschen unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit oder Nationalität bedeuten. Dann ist die allen liberalen Verfassungen zugrunde liegende Unterscheidung zwischen Staat und Gesellschaft (früher: Obrigkeit und Untertan – dazu Staat und Gesellschaft) gemeint. Bürger sind dann alle Personen (Zivilpersonen) als gesellschaftliche, also nichtstaatliche Akteure. Sie sind grundrechtsberechtigt, der Staat dagegen grundrechtsverpflichtet."

(https://de.m.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCr..)

Dir geht es ja um folgenden Satz in euren Statuten:
"Der Verein befördert die soziale Integration ausländischer Mitbürger."

Dabei ist doch Wurscht, ob die "Ausländer" in Deutschland/ der Gemeinde ein Wahlrecht haben oder nicht (vielleicht haben sie sogar eins auf europäischer Ebene oder in Ihrem Heimatland). Es geht vielmehr darum das die Menschen in der Gemeinde, in Deutschland z.B. auch mit Hilfe eines Sportvereins ein Angebot bekommen, sich zu integrieren. Da passt doch der Begriff "Mitbürger" im Sinn eines gesellschaftlichen, also nicht staatlichen Akteurs gut?

Welche alternative Formulierung siehst du?

Schlafabtausch - 21.03.19    

Und nochmal meine Frage: Wieso bezieht sich das nur auf Ausländer? Müssen Deutsche nicht integriert werden? Gibt genug, die sich auch daneben benehmen etc.

Der Verein befördert das Soziale miteinander. Ende.

Frosch12 - 21.03.19    

Wo bleibt das Herz? Das Mitgefühl? Die Liebe? Das Verständnis? Ein bisschen mehr davon zulassen. Wir leben "Alle" auf dem einen Planeten, wir haben keinen anderen!

Hanniball - 21.03.19    

@ siramon

...besser kann man es nicht ausdrücken.....deswegen + + +

LG Hanniball

Byzantiner - 22.03.19    

@ siramon

"alle Menschen sind gleich"

Vereine, die die diskutierte Formulierung in Ihre Satzung aufnehmen, haben einen weiteren Vereinszweck. Und über diesen Vereinszweck kann die Landesregierung "moralischen" (in Anführungszeichen, da Politiker keine Moral haben!) und finanziellen Druck auf Vereine ausüben und mit dem Parteiengesetz drohen. In Thüringen passieren jawohl zur Zeit seltsame Dinge ...

Byzantiner - 22.03.19    

.. Verzeihung: "Vereinsgesetz".

Vabanque - 22.03.19    

>>"alle Menschen sind gleich"<<

George Orwell (Farm der Tiere) lässt grüßen :-)

Davon abgesehen sind die Menschen glücklicherweise nicht gleich, jede(r) ist ein Individuum, ein Unikat. Andernfalls wäre es nun wirklich sterbenslangweilig.

Byzantiner - 22.03.19    

lieber Vabanque, es geht hier doch um die Gleichheit vor dem Gesetz und um Gleichbehandlung ... Das auch das nur ein schöner Traum ist, wissen die Meisten, sogar die Landesregierung in Thüringen. Wäre schön, zu erfahren, was die Landesregierung damit bezweckt, offiziell und inoffiziell ...

macmoldis - 22.03.19    

"Wäre schön, zu erfahren, was die Landesregierung damit bezweckt,"
Vielleicht stehe ich ja auf dem schlauch , womit bezweckt?
... und wo wird mit Parteiengesetz gedroht?


@eika13
Wie siehts denn mit : "Der Verein fördert die Integration aller gesellschaftlichen Gruppen" aus?
.... schließt die ausländischen Mitbürger und wenn du sie nicht dazu zählst auch Asylanten da mit ein ... und du liegst mit der Formulierung damit selbst auch auf der Wellenlänge von AfD-Brandner, als er noch im Thüringer Landtag saß

Ist ja nicht sonst nicht mein Ding AfD zu zitieren: "Die Fraktion der AfD misst der "Integration durch Sport" eine hohe Bedeutung für die Integration unterschiedlichster Gruppen in die Gesellschaft bei."

Frosch12 - 22.03.19    

Wabanke hat schon recht! "Alle Menschen sind gleich!" Vor dem Gesetz leider nicht!

japetus1962 - 24.03.19    

lasst doch mal die politische Diskussion beiseite. In der Frage geht es darum, was in eine Satzung von einem Verein gehört. Klar: der Vereinszweck. Je neutraler, desto besser. im Umgang mit (potentiellen) Mitglieder: Etwaige darüber hinaus gehende Initiativen für die Jugend/Erwachsene/Senioren/sonstwen werden in der Geschäftsordnung geregelt.

siramon - 25.03.19    

Wieso soll zum Vereinszweck nicht auch die Integration unterschiedlichster Gruppen in die Gesellschaft gehören (und damit in die Satzung)?

Ich bin jetzt kein Kenner des deutschen Vereinsrechts. Für mich übersetze ich Satzung (Deutschland) mit Statuten (Schweiz) und Geschäftsordnung (Deutschland) mit Traktanden (Schweiz). Wieso dementsprechend hier von dir @japetus1962 auf die Geschäftsordnung (=Sitzungsablauf) verwiesen wird, ist mir etwas unklar.

Lounge - 28.03.19    

Vereint im Verein
https://www.bento.de/gefuehle/vereine-in..