Kommentierte Spiele

Locker, leicht und lehrreich (II): Mattison-Nimzowitsch 1929

Vabanque - 16.07.18   ++
Das 2. Beispiel der Serie wurde ausgerechnet von einem Spieler gewonnen, von dem man normalerweise nur komplizierte Partien zu erwarten hat: nämlich von Nimzowitsch. In dieser Partie demonstriert er jedoch sein Konzept, wie man gegen Doppelbauern vorzugehen hat, in denkbar einfachster Weise, und zwar gegen den früh verstorbenen lettischen Meister Mattison (der sogar Siege gegen Aljechin und Rubinstein aufzuweisen hat, in dieser Partie aber eher amateurhaft spielt, was sie für uns natürlich umso lehrreicher macht).
Im Gegensatz zu der 1. Folge der Serie (Capablanca - Aljechin) ist diese Partie von der Strategie sogar noch einfacher zu verstehen, wie ich meine, weil der Schwerpunkt des Kampfes immer am Damenflügel liegt.
Wiederum präsentiere ich nach der Partie eine Aufstellung von Punkten, was man aus ihr eventuell lernen kann.

[Event "Karlsbad"]
[Site "Karlsbad CZE"]
[Date "1929.08.14"]
[Round "12"]
[White "Hermanis Mattison"]
[Black "Aron Nimzowitsch"]
[Result "0-1"]
[WhiteElo "?"]
[BlackElo "?"]
[ECO "E21"]

1. d4 Nf6 2. c4 e6 3. Nc3 Bb4 4. Nf3 Bxc3+ {Der sofortige Tausch ist an dieser
Stelle zweischneidig; Nimzowitsch war selbstverständlich überzeugt, dass der
entstehende Doppelbauer eine entscheidende Schwäche für Weiß darstellt. Aber
Weiß erhält dafür auch das Läuferpaar und eine halboffene b-Linie. Freilich
gibt diese Partie Schwarz Recht.} 5. bxc3 d6 6. Qc2 {Bereitet ein eventuelles
e2-e4 vor.} 6... Qe7 {Um seinerseits e6-e5 spielen zu können.} 7. Ba3 $6 {Um
e6-e5 zu verhindern (und evtl. auch den Doppelbauern mit c4-c5 auflösen zu
können), aber die Läuferstellung wird sich auf Dauer nicht als günstig
erweisen. (Das ist eigentlich ein generelles Problem auch mit Amateurzügen,
dass sie nur für den Moment von Wert sind, indem sie gegnerische Möglichkeiten
konkret verhindern, sich jedoch langfristig als Nachteil erweisen, indem sie
Figuren auf schlechte Plätze stellen.)} 7... c5 {Sperrt den Läufer sofort ab,
und legt auch den Bauern c4 als künftiges Angriffsobjekt fest ('Blockade').} 8.
g3 {Sieht wie ein normaler, einwandfreier Plan in 'indischen' Eröffnungen aus;
doch schwächt der Zug - an dieser Stelle noch völlig unmerklich - den Bauern
c4, da der Läufer ihn nun nicht mehr unterstützen können wird. Weiß sollte
daher e4 (oder auch e3) nebst Ld3 spielen.} 8... b6 {Um dem weißen Läufer auf
der Diagonalen opponieren zu können; gleichzeitig schaltet der Zug auch
eventuelle spätere weiße Möglichkeiten auf der b-Linie aus (was natürlich auch
daran liegt, dass der La3 die eigene weiße Möglichkeit a2-a4-a5 blockiert). Und
als Drittes beißt nun der La3 endgültig auf Granit; er steht auf a3 völlig
wirkungslos und wird bald zum Angriffsobjekt, weil er dort auch noch ungedeckt
steht.} 9. Bg2 Bb7 10. O-O O-O 11. Nh4 $6 ( {Es ist wahr, dass Schwarz starken
Druck auf das Zentralfeld e4 ausübte; aber dem Zweck des Textzugs diente} 11.
Nd2 {, was die Kontrolle über c4 und e4 in der Hand behält, besser.} ) 11...
Bxg2 12. Kxg2 $6 {Gedankenlos gespielt.} (12. Nxg2 {war besser, um den
Springer über e3, wo er dann auch c4 zu decken vermag, wieder ins Zentrum
zurückzuführen.} ) 12... Qb7+ 13. Kg1 $2 {Weiß erkennt anscheinend immer noch
keine Gefahr.} (13. Nf3 {war die letzte Möglichkeit, den Springer an den Ort
des Geschehens (nämlich Zentrum und Damenflügel) zurückzuführen.} ) 13... Qa6
{Diesen Doppelangriff auf den La3 und den Bauern c4 kann Weiß nur noch
notdürftig abwehren.} 14. Qb3 Nc6 {Dieser einfache Entwicklungszug droht vor
allem Sa5 mit Angriff auf die Db3 und den Bauern c4.} 15. Rfd1 (15. Nf3 {hilft
jetzt nichts mehr; es kommt die gleiche Antwort wie in der Partie.} ) ( {Und}
15. dxc5 bxc5 {verschlimmert die Lage noch, da jetzt auch noch die b-Linie für
den schwarzen Turm offen ist und Tb8 bereits mit Verlust des La3 droht.} )
15... Na5 16. Qb5 {Vermeidet immerhin vorläufig noch Bauernverlust. Vielleicht
hatte sich Weiß ja auch von vorneherein auf diesen Zug verlassen.} 16... Qxb5
$1 17. cxb5 {Der schwache Bauer c4 ist tatsächlich verschwunden; er hat das
Feld gewechselt, und das trotz der Blockade durch c5! Aber das schwache FELD c4
ist geblieben; und dorthin begibt sich jetzt 'unser' Springer und wird das
ganze Spiel dominieren.} 17... Nc4 {Was für ein Springer! Er zwingt nicht nur
den weißen La3 heimzugehen, er ist auf seinem Feld auch zunächst unvertreibbar
(das ist ja die Natur des schwachen Feldes, dass kein Bauer es erreichen kann,
und einen weißfeldrigen Läufer hat Weiß auch nicht mehr. Damit wäre Sh4-f3-d2
die einzige Chance auf Befragung, aber dazu kommt es nicht mehr).} 18. Bc1
{'There's no place like home'. In der Tat hier der einzige Zug, der erneut
zeigt, wie schlecht La3 war. Jetzt ist auch noch die Verbindung der Türme
unterbrochen. Hätte Weiß im 15. Zug Sf3 statt Td1 gespielt, so würde jetzt Sd5
direkt den Bauern c3 erobern. So aber könnte Weiß noch notdürftig mit Td3
decken. Deswegen spielt Nimzo einen anderen Zug.} 18... a6 $1 {Erzwingt die
Öffnung der a-Linie. Der Ta8 bekommt jetzt 'Arbeit'. Weiß muss schlagen, wenn
er nicht unmittelbar einen Bauern verlieren will.} 19. bxa6 ( {Nach} 19. a4 $4
axb5 {könnte Weiß wegen des ungedeckten Ta1 nicht zurückschlagen; eine Folge
der erzwungenen Unterbrechung der Türme durch Lc1!} ) ( {Und auf} 19. Rb1 $2
axb5 20. Rxb5 Rxa2 {bekommt Weiß nicht einmal den Bauern b6, weil der starke
Sc4 nicht nur nach vorwärts wirkt, sondern auch nach rückwärts deckt. Ebenso
deckt er nach} 21. dxc5 bxc5 {den Bauern d6. Was für ein Multitalent, dieser
Sc4!} ) 19... Rxa6 {Jetzt möchte natürlich auch noch der andere schwarze Turm
auf die a-Linie gelangen, wonach Weiß den a-Bauern nicht mehr halten kann.} 20.
dxc5 {Diese Öffnung der d-Linie bringt nichts mehr, da Weiß keinen Angriff
gegen den Bauern d6 erlangt.} (20. Nf3 {(um zu Sd2 zu kommen)} 20... Ne4 21.
Rd3 (21. Nd2 Nxc3) 21... Rfa8 {ist aber auch nicht besser.} ) 20... bxc5 21.
Ng2 Nd5 22. Rd3 Rfa8 {Alle schwarzen Figuren haben nun die volle Wirkungskraft
erreicht. Weiß muss mindestens den a-Bauern bei schlechter Stellung verlieren.}
23. e4 {Der letzte Versuch, wenigstens einen der schrecklichen Springer zu
vertreiben, was aber - wie meist in solchen Situationen - den Zusammenbruch nur
beschleunigt.} 23... Ne5 $1 (23... Ne5 {Überraschend, dass Weiß hier bei immer
noch ausgeglichenem Material aufgibt. Wirklich? Schauen wir uns die
Möglichkeiten an:} 24. Rd1 {(das einzige Feld: auf d2 gewinnt die Gabel Sf3+
den Turm)} 24... Nxc3 25. Rf1 {(wieder wegen den Gabelmöglichkeiten das einzige
Feld)} 25... Rxa2 26. Rxa2 Rxa2 {und Schwarz hat 2 Mehrbauern bei
überwältigender Stellung. Außerdem verliert Weiß auch noch den Bauern e4 wegen}
27. f3 $2 (27. Re1 $2 Nf3+) 27... Ne2+ 28. Kh1 Ra1 {mit Läufergewinn. Mattison
hat also völlig zu Recht bereits nach 23... Se5 aufgegeben.} ) 0-1


Was man aus dieser Partie lernen kann (und zugleich ein Erklärungsversuch, warum Weiß, obwohl er nur 'natürliche' Züge gemacht hat, so schnell verloren hat):

1) Nicht jeder Entwicklungszug ist automatisch gut, nicht einmal dann, wenn er einen konkreten Zweck verfolgt.
In dieser Partie entwickelt Weiß im 7. Zug den Läufer nach a3, um gegnerisches e6-e5 zu verhindern. Doch der Läufer wird von Schwarz abgesperrt und hat dann auf seinem Feld keine Wirkung mehr; er wird später auf a3 nur zum Angriffsobjekt.
Auch entwickelt Weiß mit seinem 8. und 9. Zug seinen anderen Läufer nach g2, was oberflächlich betrachtet völlig einwandfrei aussieht.
Doch gibt der Läufer dort die Deckung des potenziell schwachen Bauern c4 auf.

2) Schwache Bauern müssen zuerst festgelegt werden, bevor sie angegriffen werden können. Dies tut Schwarz hier gleich mit seinem 7. Zug c5. Der weiße Bauer c4 kann dann nicht mehr vorrücken, und Schwarz kann später seine Kräfte darauf konzentrieren.

3) Es gibt genügend Beispiele, wo Springer am Rand stark stehen, doch allzu oft ist dies nicht der Fall.
Der weiße Zug 11. Sh4 dient zwar dem Tausch der weißfeldrigen Läufer, stellt den Springer aber für recht lange ins Abseits. Weiß hätte den Plan des Läufertauschs leicht damit verbinden können, den Springer mit Sd2 (statt Sh4) gleichzeitig für eventuelle Deckungsaufgaben am Damenflügel bereit zu stellen.
Auch später lässt Weiß den Springer auf h4 stehen und macht keine Anstalten, ihn einer wie auch immer gearteten Verwendung zuzuführen.

4) Auch ein 'festgelegter' (also blockierter) Bauer kann gelegentlich 'weglaufen', indem er schlägt (hier 17. cxb5). Doch ist dies nicht automatisch die Rettung, denn der Bauer kann auf dem Feld, das er soeben glücklich verlassen hat, eine Felderschwäche zurücklassen. Dies ist hier bei dem Feld c4 der Fall. Dieses schwache Feld von Weiß nutzt dann Schwarz als eigenes starkes (Springer-)Feld.

5) Springer stehen am stärksten auf Feldern, wo sie weder von einem gegnerischen Bauern angegriffen noch von einem gegnerischen Läufer abgetauscht werden können, wo sie nach vorne wirken (hier auf a3, b2, d2 und e3) und nach hinten decken (hier die Punkte d6 und b6). Ein Springer könnte hier den schwarzen Sc4 zwar befragen, aber dazu ist er zu weit weg (eine Folge von Punkt 3) dieser Auflistung).

6) Genau wie sich Springer auf unangreifbaren Zentralfeldern besonders wohl fühlen, so sehr hungern Türme nach offenen oder halboffenen Linien. Nachdem Schwarz keinen unmittelbaren Bauerngewinn erreichen konnte, kommt er ab dem 18. Zug durch Öffnung der a-Linie für seine Türme weiter und erlangt durch Druck auf den isolierten Bauern a2 (eine weitere Bauernschwäche von Weiß neben dem Doppelbauernkomplex c3/c4) entscheidenden Vorteil, da Weiß diesen Bauern nicht halten kann und nach dem Fall des Bauern a2 das Eindringen eines schwarzen Turms die endgültige Entscheidung herbeiführt.

7) Ein verzweifelter Aktivitäts- bzw. Ausbruchsversuch in passiver Stellung beschleunigt meist die Niederlage (hier 23. e4).
Oli1970 - 16.07.18   +
Guten Abend Vabanque,

da beginnt die neue Arbeitswoche und zum Feierabend gibt's ein kommentiertes Spiel und das sogar inklusive des gewünschten Nachworts! Ist denn schon Weihnachten?

Die Partie ist klasse. Einfache, nachvollziehbare Züge auf weißer Seite, etwas tiefgründiger der schwarze Aufbau, der aber dank Deiner Kommentierung völlig verständlich ist. Warum ist es für Otto-Normal-Spieler so schwer, sowas ebenfalls zu zaubern? Sieht doch "total normal" aus!

Diesmal habe ich zu Mattison (oder auch Matisons, wohl die wunderbare Welt der Transkription und der jeweiligen Herrschaft) etwas recherchiert. Er hat selbst schachlich einiges geleistet und ist daher wohl keinesfalls als "kleiner Fisch" einzustufen. Erstaunlich, dass er so lange nicht verstand, was auf dem Brett mit ihm geschah.

Auch hier habe ich zeitweise die Engine mitlaufen lassen, und auch sie ist erstaunlich. La3, g3 und das spätere Sh4 wertet sie zwar ab, aber lediglich geringfügig. Als dicksten Fauxpas bis hierhin erkennt sie 12. Kg2 - und bewertet die Stellung immer noch "nur" mit 0,5 BE zugunsten von Schwarz. Dieser schleichende Verfall der weißen Stellung ist faszinierend, obschon der schwarze Aufbau im 12. Zug deutlich gesünder, gefestigter aussieht als der weiße.

Der 13. Zug von Mattison schafft allerdings Klarheit, mindestens die Hälfte seiner Züge müssen als zweit- oder drittklassig angesehen werden - und das, obwohl die gesamte Eröffnungsphase inklusive ist. Nimzowitsch war ganz in seinem Wohnzimmer, Mattison orientierungslos im Dschungel unterwegs, so scheint es. Wohl nicht ganz zufällig ist ja einer von beiden der Namensgeber zur Eröffnung. Den Weg, den Mattison eingeschlagen hat, behält er jedenfalls konsequent bis zum Ende bei, die Stellung verschlechtert sich von Zug zu Zug, ohne richtig ins Nichts zu stürzen.

Ich wäre neugierig zu wissen, wann er gemerkt hat, dass es nichts mehr zu retten gab. Zumindest mit meinem bescheidenen Schachverständnis sieht das Spiel noch bis zum 19. Zug noch haltbar aus, einem Spieler von Mattisons Klasse dürfte wohl schon vorher geschwant haben, wie das Ende aussehen würde. Ab da war seine Verteidigung schon weitestgehend erzwungen und völlig richtig streckte er nach seinem letzten Fehlzug die Waffen.

Deine Analyse des nicht mehr gezeigten Endspiels fand ich wieder mal gut. Ich habe hier mal wieder gemerkt, dass ich nicht weit genug denke / denken kann. Obwohl es immer nur einen plausiblen Zug gibt, war für mich das Ende noch nicht erkennbar. Ab irgendeinem Punkt setzt die Vorstellungskraft aus, ich kriege die jeweils neue Stellung nicht mehr vors innere Auge.

Die Nach-dem-Spiel-Zusammenfassung lenkt den Blick wieder auf die wichtigen Elemente der Partie zurück und ist für mich ebenso wertvoll wie die Kommentierung selbst. Die Erläuterungen dort und die Anschauung in der Partie nebst dem dortigen Kommentar sind wie aus dem Lehrbuch und hervorragend auf den Punkt gebracht.

Lediglich der siebte Punkt weckt etwas zwiespältige Gefühle in mir; wenn der Gegner nicht gerade Nimzowitsch heißt, lässt er sich vielleicht bluffen, was wieder ein Rettungsanker unter Amateuren werden kann. Das ist natürlich nicht ganz ernst gemeint, es ist das Erkennen der eigenen letzten Hoffnung in einem verlorenen Spiel. Mattison wird gewusst haben, dass Alternativen das Ende nur herauszögern würden, wahrscheinlich war es wirklich nur ein letzter Bluff. Der geknackte Damenflügel war nicht mehr zu kitten.

Zur Partie selbst mag ich nichts weiter sagen, sie ist zu gradlinig in ihrem Ablauf: Deine Kommentierung nennt alle notwendigen und sinnvollen Alternativen, dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Auch die zweite Partie dieser (neuen) Reihe trifft meinen Geschmack und erfüllt meine Anforderungen an eine Partie für die Zielgruppe der Hobbyspieler. Ich finde hier, was ich in früheren / anderen Kommentierten Spielen vermisse und wäre sehr neugierig zu erfahren, wie z. B. Schachtrainer diese Reihe bewerten würden - mir erscheinen die bisherigen Kommentierungen als gute Unterrichtsgrundlage für fortgeschrittene Spieler, die eine führende Hand und tiefere Erklärung brauchen, um ihr Spiel weiterzuentwickeln. Es reicht nicht, wenn eine Engine oder ein Kommentator sagt, dieser oder jener Zug sei besser oder schlechter. Schon kleine Kinder fragen nach dem Warum. Große sollten das auch tun. :-)
haribo02 - 17.07.18   +
Ja, kaum zu glauben dass Mattison 1929 auf Platz 12 der Weltrangliste stand.....
Die Partie ist wieder mal sehr gut kommentiert ( auch für mich als "Senior" ;-))und ein Musterbeispiel wie man es nicht machen sollte.
Schwache Bauern, Springer am Rand, isolierten Bauern, alle"Sünden" sind hier vereinigt und bescheren Weiss eine schnelle Niederlage.
Super Serie, lehrreich und sehr gut aufbereitet!
Daumen hoch!
LG haribo02
Kellerdrache - 17.07.18   +
Es ist schon erstaunlich wie vermeintlich kleine Schwächen (Bauer c4, ungedeckter La3) zu kaum lösbaren Problemen führen können. Mattison hat vermutlich vor allem Nimzowitschs Möglichkeiten am Damenflügel völlig unterschätzt, sonst hätte er dafür gesorgt den Randspringer zeitig ins Spiel zurück zu führen.

Ob der Doppelbauer nach Lxc3 jetzt eine Schwäche ist oder nicht ist ja auch ein ewiges Thema der Sämisch-Variante der Nimzo-Indischen Eröffnung. Auch da gehört das Festlegen des Doppelbauern mit c5 zum Standardrepertoire.

Man fragt sich schon was sich Mattison bei Sh4 gedacht hat. Der einzige Vorteil gegenüber dem eigentlich besseren Sd2 ist, dass man nach Lxg2 mit dem Springer wieder nehmen kann. Das tut er dann aber auch nicht - seltsam.

Wie immer gut kommentiert. Weder zu wortreich, noch zu knapp.
Mikrowelle - 17.07.18   +
Die Blockadespringer des Schwarzen, die auf hellen Felder fest verankert sind, erzeugen einen Eindruck von Macht und malerischer Schönheit. Dasselbe könnte man auch von Mannheimer-Nimzowitsch 1930 sagen.
Danke für die Kommentierung!
Vabanque - 17.07.18    
Letzteres schrieb GM Raymond Keene zu dieser Partie :)

(also nicht 'danke für die Kommentierung, sondern den Satz davor :))
Vabanque - 17.07.18    
Danke @Oli1970, haribo02, Kellerdrache und Mikrowelle für die Anmerkungen bzw. die Zustimmung!

Für mich am schwierigsten zu schreiben waren diesmal allerdings die Anmerkungen NACH der Partie, also quasi die Rückblenden.

Da denke ich dann doch, das hätte man knapper und übersichtlicher gestalten können.

Ich würde aber jedenfalls auch gerne noch jemanden von der Aus-Amateurpartien-kann-man-mehr-lernen-Fraktion zu dieser (oder der vorigen) Partie hören. Sind die jetzt alle bekehrt worden oder alle in der Versenkung verschwunden?
Vabanque - 17.07.18    
Die von Mikrowelle erwähnte Partie Mannheimer-Nimzowitsch habe ich übrigens für diese Reihe nur kurz in Erwägung gezogen. Sie ist zu lang und auch deutlich komplizierter als diese. Nimzowitsch hat eben generell komplizierte Stellungen geliebt.
O.Allgeyr - 17.07.18    
Danke Vabanque für die Mühe, gut zu lesen und sehr interessant!
Vabanque - 18.07.18    
Danke!
wodi - 18.07.18    
vielen Dank für die sehr gute Kommentierung,
als Schachtrainer werde ich sie gern nutzen.
Vabanque - 18.07.18    
Darfst du gerne tun, danke!