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Quadragesima

Nambrot - 15.03.19    

Mich würde mal interessieren, wie ihr die Quadragesima begeht.

Beule - 15.03.19    

Kürbisfasten ... ich esse keinen Kürbis in der Zeit ;-)

Jupp53 - 16.03.19    

Was ist Quadragesima?

Kürbisfasten ist hart!!!

Lounge - 16.03.19    

Ich speise Nam Brot.

Nambrot - 16.03.19    

Nambrot ist keine Speise, sondern ein Trank.

Lounge - 16.03.19    

Danke, wieder was gelernt. Fasten fällt jedenfalls schwer.

MarkD - 16.03.19    

kein Alkohol, keine Süssigkeiten

EintrachtbS - 18.03.19    

@Nambrot

Was für ein Trank soll den Nambrot sein? Bei Wikipedia habe ich nichts dazu gefunden. (Oder ich war zu blöd zum suchen, will ich auch nicht völlig ausschließen)

123zecher - 18.03.19    

Es ist Wein, sagt Google.

Nambrot - 18.03.19    

123zecher kennt sich da aus ;-)
Sogar ein ziemlich guter, also nichts für die Quadragesima...

Bierliebhaber - 20.03.19  

Hier scheint es viele Kranke zu geben. Wo bin ich da gelandet?

Bierliebhaber - 20.03.19  

Ich trinke in der Fastenzeit Bier u esse Kesselfleisch so viel wie reingeht. Anschliessend noch 5 Obstler. Bin kerngesund.

Vabanque - 20.03.19    

Hier geht es nicht um Krankheit, sondern um bewussten Verzicht, sei er nun religiös oder anderweitig motiviert. Leider schaffe ich es auch nicht wirklich.

Vabanque - 20.03.19    

Viele der überlieferten religiösen Speisevorschriften waren in den alten Zeiten, in denen diese Religionen entstanden waren, ja einmal nützliche Hygiene- oder Gesundheitsvorschriften gewesen. Man konnte sie, religiös motiviert, den Leuten damals halt besser 'verkaufen'. Jesus hielt übrigens wohl nicht so arg viel vom Fasten, ich meine mich sogar an eine Bibelstelle zu erinnern, wo er als 'Fresser und Säufer' (sinngemäß) beschimpft wird. Und mit Sicherheit gibt es eine Stelle, wo ihm vorgeworfen wird, dass seine Jünger nicht fasten.
Jesus trat für eine viel größere Freiheit im Denken und Handeln ein, als uns heute von den Kirchen vermittelt wird.

Nambrot - 20.03.19    

"Jesus hielt übrigens wohl nicht so arg viel vom Fasten" ist eine gewagte These.
Schließlich hat er selbst gefastet:

"Dann wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt; dort sollte er vom Teufel versucht werden. Als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn. Da trat der Versucher an ihn heran und sagte: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird. Er aber antwortete: In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt. ..." (Mt 4, 1-11)

Aber ich stimme dir schon zu, dass die heutige allgemeine Auffassung von "Fasten" möglicherweise eine andere ist, wenn man Mt 6,16-18 und Mt 9,14-15 betrachtet:

"Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler! Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten. Amen, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Du aber, wenn du fastest, salbe dein Haupt und wasche dein Gesicht, damit die Leute nicht merken, dass du fastest, sondern nur dein Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten." (Mt 6,16-18)

Da kamen die Jünger des Johannes zu ihm und sagten: Warum fasten deine Jünger nicht, während wir und die Pharisäer fasten? Jesus antwortete ihnen: Können denn die Hochzeitsgäste trauern, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Es werden aber Tage kommen, da wird ihnen der Bräutigam weggenommen sein; dann werden sie fasten. (Mt 9,14-15)

Vabanque - 20.03.19    

Diese letztere Stelle hatte ich im Sinn, als ich schrieb, man habe ihm vorgeworfen, dass seine Jünger nicht fasten. Seine Antwort ist natürlich im übertragenen Sinne zu verstehen, er spielt da nicht auf das Fasten nach den jüdischen Vorschriften an.
Gegen dieses wendet er sich ja in der zweiten Stelle, die du anführst.

Dass Jesus sehr wohl gefastet hat, wenn er es für sinnvoll bzw. nötig hielt, ist mir bewusst. Er verbrachte angeblich 40 Tage in der Wüste und fastet, bevor er seine 'Predigerlaufbahn' begann. Dadurch hat er sich auf seine Mission innerlich vorbereitet. Die 40 Tage sind dabei wohl symbolisch zu verstehen, aber eine große Rolle spielt dies nicht.

Auch heute wird noch gefastet, um den Geist zu klären, und genau dies hat Jesus getan und auch befürwortet. Er hat nicht gefastet, um irgendwelche sinnentleerten Vorschriften zu befolgen. Und noch mehr wandte er sich dagegen, mit so etwas zu prahlen: 'Schaut mal her, wie toll ich faste' :-)

Nambrot - 20.03.19    

Vor allem deine letzten beiden Sätze muss man voll und ganz unterstreichen. Und gerade deshalb fand ich es interessant, ob Fasten (und zwar im biblischen Sinn) überhaupt noch ein Thema ist.
Ganz offensichtlich ist es das aber nicht. (Oder aber man schweigt, um nicht damit öffentlich zu prahlen)
Aber das Kürbisfasten und das Nam-Brot-Speisen sind natürlich auch interessante Ansätze ;)

MarkD - 21.03.19    

> Ganz offensichtlich ist es das aber nicht.
... ich hatte geantwortet.

Jupp53 - 21.03.19    

Jenseits des Religiösen sind die Ideen hinter dem Fasten praktisch begründbar, also für Agnostiker auch brauchbar.

Es gibt vier Ebenen, die der Katholizismus mit der Fastenzeit vor Ostern verbindet. Da wir hier ein Schachforum sind, soll das am Beispiel des Taktiktrainings erläutert sein.

1. Es wird eine Handlung gelassen. Katholisch: Verzicht

Der notwendige Schritt wird von jeder Person selbst ausgewählt mit dem Ziel, das eigene Leben, hier das Denken am Brett, zu verbessern. Der Verzicht des Fastens könnte hier darin bestehen, einfach zur nächsten Aufgabe überzugehen.

2. Über die Handlung wird nachgedacht. Katholisch: Einsicht

Der Fehler beim Lösen wird überdacht und benannt. Darüber wird eine Notiz gemacht.

3. Eine andere Handlung wird ausgeführt. Katholisch: Gutes tun.

Am Fehler wird gezielt gearbeitet. Springergabeln werden übersehen? Also werden Kombinationen mit Springern geübt. Es wird zu kurz gerechnet? Also wird ein Zug tiefer gerechnet, um mögliche Konter zu sehen.

4. Nach rund 40 Tagen, sechs oder sieben Wochen, wird Bilanz gezogen. Katholisch: Transzendenz

Gewohnheiten aufzubauen dauert 40 Tage. Man sollte sich sechs bis sieben Wochen Zeit nehmen und anschließend den Prozess besehen.


Die empirische Psychologie hat herausgefunden, dass der Verzicht, die Unterdrückung einer Handlung sehr sehr selten nachhaltig ist. Eine andere Handlung muss an deren Stelle treten und die muss zur Gewohnheit werden. Der Aufbau einer Gewohnheit, also die Automatisierung einer Handlung dauert etwa 40 Tage.