Kommentierte Spiele

Amateurschach: Falscher Franzose

Kellerdrache - 22.07.18   ++
In der losen Reihe von Amateurpartien hier mal ein Beispiel von einer Partie die ich gewonnen habe. Ohne spektakuläre taktische Patzer sind es allein die strategischen Fehler die Schwarz die Partie kosten.

Eine Partie mit entgegengesetzten Rochaden hat ihre eigenen Probleme. Vor allem zu wissen wann es Zeit für die Offensive und wann für die Verteidigung ist. Die Eröffnung und die daraus resultierende Stellung findet sich übrigens in einer hübschen Partie aus Vabanques neuer Reihe wieder. Ihr könnt also in ein paar Tagen dann sehen wie es aussieht wenn es richtig gemacht wird.



[Date "2009.03.20"]
[White "Kellerdrache"]
[Black "Mon cheri"]
[Result "1-0"]
[ECO "C13"]
[PlyCount "55"]
[SourceDate "2017.03.28"]

1. e4 e6 2. d4 d5 3. Nc3 Nf6 4. Bg5 {Heutzutage wird ja meistens die
Winawer-Variante (3...Lb4) gespielt. Gegen den klassischen Aufbau wie hier
hatte ich mir den Ajechin-Chatard-Angriff angesehen. Was das ist ? Später mehr
dazu} dxe4 (4... Be7 5. e5 Nfd7 6. h4 {die oben genannte Variante. Von
Aljechin erfunden. Man opfert einen Bauern auf g5 um sich mit Tempo entwickeln
zu können und die sich öffnende h-Linie auszunutzen}) 5. Nxe4 Nbd7 {
hier war mein Wissen zu Ende. Ich kannte nur die Fortsetzung mit 5...Le7} 6.
Nf3 Be7 7. Nxf6+ Bxf6 {Tauscht man jetzt weiter entwickelt sich eine dieser
Stellungen in denen nicht los ist und die ich überhaupt nicht spielen kann} 8.
h4 {meine Gedanken waren folgendermaßen. Wenn h4 beim Aljechin-Chatard-Angriff
geht muss es hier ohne Opfer doch erst recht gehen. Außerdem hätte ich direkt
eine offene Linie auf den gegnerischen König. Allerdings war mir auch bewust,
dass ich dann vermutlich lang rochieren müsste. Wie mir mein Gegner nach der
Partie sagte ist das Ganze, inklusive h4 eine gar nicht so seltene
Theorievariante, was mir nicht bekannt war.} (8. Bxf6 Nxf6 9. Bd3 b6 10. c3 Bb7
{usw.}) 8... b6 9. Qd2 {zuerst wollte ich einfach Ld3 spielen, aber ich war
mir nicht sicher ob der Läufer da gut stehen würde. Daher entschied ich mich
einfach die lange Rochade vorzubereiten} Bb7 10. Be2 {Rochiert Schwarz kurz
möchte ich gerne mit g4 einen Bauernsturm einleiten. Dazu muss der Sf3 aber
gedeckt sein. Th3 wäre eine Alternative wenn man sich in Bezug auf den Läufer
noch nicht festlegen will} h6 11. Bf4 {Jetzt tauschen ergibt keine groß
anderen Stellungen als im 8.Zug. Auf f4 kann der Läufer auch vorerst nicht mit
g5 belästigt werden, da nach hxg5 Schwarz wegen des ungedeckten Turms auf h8
nicht mit dem h-Bauern zurücknehmen kann.} O-O 12. O-O-O c5 {Eine Partie mit
entgegengesetzten Rochaden hat immer etwas von einem Wettrennen an sich. Mon
Cheri will sofort Linien auf meinen König öffnen. Angesichts meines
Vorsprungs was Angriffsaktionen an den Flügeln betrifft wären aber vorbeugende
Maßnahmen wie Le7 vielleicht besser gewesen} 13. g4 cxd4 {Der Franzose hatte
in seinen Berechnungen nur mit Sxd4 gerechnet und dachte er könne dann bei
Bedarf ja den Läufer auf d4 tauschen. Das Schlagen mit dem Springer geht aber
wegen des dann folgenden Lxh1 gar nicht. Die weiße Drohung mit dem Vorstoß g5
Linienöffnung zu erzwingen ist offensichtlich. Mit dem Läufer auf f6 ist sie
auch nicht zu verhindern. Nach Le7 hätte Schwarz Optionen gehabt.} 14. g5 Be7 ({
Ich verbrauchte damals sehr viel Zeit damit die Varianten nach} 14... e5 {
durchzurechnen} 15. gxf6 ({oder} 15. Rhg1 exf4 16. gxf6 Qxf6 17. Qxd4 Qxd4 18.
Rxd4 Nf6) 15... exf4 16. Qxf4 Qxf6 17. Rxd4 {Schlage ich jetzt die Dame auf f6
nimmt Schwarz einfach mit dem Springer zurück und ich stehe kaum besser. Txd7
geht leider nicht, weil dann die Df4 ungedeckt wäre. Mon Cheri sagte mir bei
der Analyse an e5 hätte er nicht eine Sekunde lang gedacht. Ich hatte mir also
viel Arbeit sparen können.}) 15. gxh6 g6 {die Alternative mit 15...gxh6 16.
Lxh6 zuzulassen und eine Linie auf den eigenen König zu öffnen sagte ihm
natürlich gar nicht zu.} 16. Qxd4 {droht simpel Dg7 matt. Das optimale 16...
Lf6 geht wegen 17.Dxd7 leider nicht. Also geht nur} Nf6 17. Qe5 {mit Angriff
auf die Dame. Als ich die Partie durch Fritz analysieren lies gab er als
stärkste Antwort 17...Db8 was aber immerhin eine Qualität verliert. Sollte das
wirklich das Beste sein was Schwarz hat steht er ziemlich bescheiden da} Qc8
18. Bg5 {eine häßliche Überraschung. Der Springer ist zweimal angegriffen und
kann nicht nochmal gedeckt werden. Zieht er nach e8 oder h5 fällt der Le7. Mon
Cheri verliert zwingend eine Figur} Be4 {Eine ziemlich durchsichtige
Gegendrohung. Nach dem Nehmen des Sf6 verbleibt auf e4 eine weitere ungedeckte
Figur} 19. c3 Qb8 {den Figurenverlust kann man nicht verhindern, aber mit dem
Tausch der Damen verschwindet wenigstens die Mattdrohung} 20. Bxf6 Qxe5 21.
Bxe5 f6 22. Bg3 Rad8 {Notwendig, da Weiß sonst auch noch zu Td7 kommt} 23. h5 {
Der Plan ist die h-Linie zu öffnen damit der Bauer h6 vom Turm h1 unterstützt
werden kann} Rxd1+ 24. Bxd1 {
ich wollte den Turm unbedingt auf der h-Linie lassen} (24. Rxd1 {
ist zumindest nicht schlechter} gxh5 25. Nd4 Bg6 26. Nxe6 Re8 27. Nf4) 24... g5
25. Re1 {Letztendlich bewegt sich der Turm doch von der h-Linie weg. Damit
wird dem Pferd auch endlich die Freiheit wiedergegeben} Bf5 {Ld5 sieht im
Nachinein besser aus, obwohl er dort von den Damenflügelbauern belästigt
werden kann} 26. Nd4 {
Es droht Sxf5 und nach 27...exf5 würde Txe7 eine weitere Figur verlieren} Bc5
27. Nxe6 Re8 28. Bb3 {Mon Cheri kann den Springer nicht weiter angreifen und
nach f3 wäre der Te1 wieder gedeckt. Für eine Figur und zwei Bauern weniger
hat Schwarz keinerlei Kompensation} (28. Bb3 Kh7 (28... Kh8 29. f3 Rc8 30. Nxc5
bxc5 31. Re7) 29. Nxg5+ fxg5 30. Rxe8) 1-0

Vabanque - 22.07.18   +
Zunächst einmal finde ich es sehr interessant, dass dein Gegner die Variante mit 8. h4 sogar kannte, du jedoch nicht, und trotzdem war er es, der chancenlos baden ging :)
Daran erkennt man mal wieder den zweifelhaften Wert von Theoriekenntnissen.

Die Partie selbst zeigt sehr schön die Ausnutzung der klassischen Angriffsmarke h6 in Verbindung mit der kurzen Rochade auf, aber auch den Umstand, dass ein Flügelangriff immer am besten mit einem Gegenstoß im Zentrum beantwortet wird (hier 14... e5). Nachdem Schwarz diese Chance versäumt hat, ist sein Spiel verloren. Er vermeidet dann zwar noch die Öffnung der g-Linie mit g6, aber dadurch sind die dunklen Felder am Königsflügel so stark geschwächt, dass nichts mehr zu machen ist. Figurgewinn ist das Mindeste. Nach 18. Lg5 hätte Schwarz eigentlich bereits die Waffen strecken können. Erstaunlich, wie leicht und bequem sich das alles für Weiß spielte.

Ja, ich werde in einigen Tagen eine GM-Partie bringen, die bis einschließlich 8. h4 mit dieser identisch ist. Dort wird Schwarz allerdings gar nicht rochieren und fährt damit sogar zunächst gut, bis ... doch ich will nicht spoilern :)
Kellerdrache - 23.07.18    
Eröffnungstheorie zu kennen ist keineswegs schlecht, aber noch besser ist es die Eröffnung zu verstehen. Wenn ich mich recht erinnere war mein 10. Zug Le2 eine 'Neuerung', die ihn aus dem Konzept brachte obwohl der Zug wirklich nichts prinzipiell verändert. Wenn man aber nur Züge auswendig lernt kann das ein Problem werden.
Vabanque - 23.07.18    
Mit so einem natürlichen Zug wie Le2 muss man an dieser Stelle aber rechnen :)

Eröffnungen durch Auswendiglernen von Zügen zu lernen ist wirklich kompletter Mumpitz (obwohl ich das als Jugendlicher auch gemacht habe, mit allerdings entsprechenden Erfahrungen!). Denn gerade im Amateurbereich ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass der Gegner ziemlich frühzeitig von der Theorie abweicht und stattdessen plausible Züge nach allgemeinen Prinzipien spielt. Das sind dann zwar vielleicht nicht die schärfsten Züge, aber gesunde, spielbare Züge, so wie hier.

Konkrete Zugfolgen zu lernen, ist nur in ultrascharfen Eröffnungen notwendig, wo die geringste Abweichung schon zu schnellem Verlust führt, was man nicht alles am Brett sehen kann. Beispiele wären einige Abspiele des Lettischen Gambits, des Max-Lange-Angriffs im Zweispringerspiel und auch der Drachenvariante im Sizilianer.
Oli1970 - 23.07.18   +
Guten Abend Kellerdrache,

Danke für dieses kommentierte Spiel, auf das ich gestern schon einen Blick geworfen habe - für ein paar Zeilen dazu hat es gestern nicht mehr gereicht.

Das erste Erstaunen hatte ich bereits vor Partiebeginn. Von 2009 und im Gedächtnis geblieben? Nicht schlecht! Jetzt bin ich natürlich neugierig, wie Du auf diese „historische Partie“ gekommen bist. Schwarz geht so sang- und klanglos unter, das allein war es wohl nicht?

Bis zum Schluss habe ich mich gefragt, was denn wohl die Strategie des Schwarzen war. Sie schien bereits in der Sommerpause. Es war weder ein schwer zu knackendes französisches Bollwerk mit hammerharter Verteidigung zu erkennen noch der konkrete Plan eines Gegenspiel. Dafür warst Du sehr konsequent in Deinem Plan zum Sturm auf die Bastille mit h4, g4, g5. Ohne davon abzuweichen hast Du ihn zügig durchgezogen und würdest dafür belohnt.

Es ist überraschend, dass Dein Gegner im 14. Zug nicht über e5 nachgedacht haben will. Aus schwarzer Sicht sieht Le7 einfach „nicht gut“ aus, ohne dass ich näher bestimmen kann, warum das so ist. Vielleicht nur, weil dieser Zug nicht nur dem weißen Sturm nichts entgegensetzt, sondern auch die eigene Stellung nicht festigt. Mit Blick über die schwarzen Figuren ist e5 definitiv eine Überlegung wert. Die Stellung wird kompliziert, die Möglichkeiten vielfältig. Natürlich auch mit dem Risiko, das Geschehen selbst nicht mehr zu durchblicken.

Auch hier bleibst Du Deinem Plan treu, ohne Dich ablenken zu lassen. Das ist m. M. n. ein schönes Beispiel, was man aus dieser Partie lernen kann. Ebenso wie Vabanques Hinweis auf die Schwäche der schwarzen Felder, das habe ich, ehrlich gesagt, gar nicht bemerkt. Und noch was habe ich nicht bemerkt: Du hast im 12. Zug auf Deinen Vorsprung an Angriffsmarken hingewiesen. Ich schätze, um das bewerten zu können, braucht man einiges an Erfahrung und Stellungsbildern, jedenfalls mehr, als der durchschnittliche Kneipenspieler mitbringt. Das folgende g4 hat mich beim Nachspielen explosiv erwischt. Nur, warum eigentlich? Nach der langen Rochade durften die königlichen Bauern ja ruhig aktiv werden. :-)

Die Entscheidung für Dc8 ist für mich nachvollziehbar, für den Turmverlust hätte sich wohl kaum jemand entschieden. Für Db8 muss man wohl ein Computer sein - die meisten Spieler handeln wohl eher nach dem Motto: Wenn die Alternative billiger ist, muss sie besser sein.

Nach dem Fehler des Franzosen im 25. Zug ist es dann wie so oft - wenn es schon schlecht läuft, wird‘s meistens erst noch schlechter. So ist die ohnehin schon verlorene Partie dann auch schnell zu Ende. Nix mit Vive la France.

So, Abendbrotzeit! :-)
Kellerdrache - 24.07.18   +
@Oli1970: Im Gedächtnis geblieben ? Ich glaube, Du überschätzt meine geistigen Kapazitäten doch ein wenig. Nein, ich bewahre einfach in der Regel alle meine Partieformulare auf. An die Analysen erinnere ich mich deswegen noch weil mein Gegner ein 14jähriger kleiner Klugscheißer war, der mir auch nach seiner Niederlage noch die Eröffnung erklären wollte. Gefunden hab ich die Partie beim Suchen nach kommentierbaren Amateurpartien.
Außerdem hatte der Kollege Vabanque mir vorab mal eine Liste von Partien zugeschickt, die er eventuell in seiner neuen Reihe bringen wollte. Darin fand ich ein Exemplar mit der obigen Eröffnung und dachte mir direkt 'So etwas hast Du doch auch schon mal gehabt'.
Was meine vielleicht etwas unklare Anmerkung bezüglich der Angriffsmarken am Königsflügel anbetrifft meinte ich in etwa folgendes: Schwarz hat auf h6 bereits eine Schwäche, ich habe schon h4 gezogen, kann also schnell mit g4-g5 wie in der Partie einen Angriff aufbauen und alle meine Figuren schauen schon in Richtung König. Auf der anderen Seite ist meine Königsstellung noch ohne Schwächen und nur eine schwarze Figur guckt bereits in die richtige Richtung.
Dc8 hielt ich auch nie für einen Fehler. Den von Fritz vorgeschlagenen Zug Db8 habe ich jetzt auch nicht weitgehend geprüft. Wenn ein Computerprogramm schon meint Qualität zu opfern sei noch das Beste schätzt er die Stellung offenbar bereits als klar besser für Weiß ein.
14...e5 schien mir auch recht offensichtlich, weswegen ich ja auch recht viel daran herum überlegte. Die von mir angegebene Variante ist aber auch nur eine der Möglichkeiten wie es dann weitergehen könnte. Wer das spielen will muss auch überlegen wie es weitergehen könnte wenn Weiß statt 16.Dxf4 lieber fxg7 spielt.
Vabanque - 25.07.18    
Nun war ich schon überrascht und auch erschrocken über die Möglichkeit 16. fxg7, denn zunächst schien mir diese Fortsetzung für Weiß zu gewinnen.
Sollte dann also 14... e5 ebenfalls nicht für Schwarz ausreichen? Wenn dem so wäre, müsste also die Stellung nach dem 14. Zug bereits für Weiß gewonnen sein. Dies wiederum schien mir unwahrscheinlich.

Hast du denn 16. fxg7 erst später gesehen, so dass du es im Partiekommentar gar nicht erwähnst?

Schauen wir es uns mal an:

16. fxg7 Te8! (dass das Nehmen mit dem König auf g7 wäre selbstmörderisch wäre, sieht man ohne es durchzurechnen)

und nun dachte ich zuerst, dass

17. Dxf4? mit der Drohung Dxh6 entscheiden würde. Aber Schwarz antwortet einfach
17... Df6! und alles hält, nein, Schwarz gewinnt sogar, da bei Weiß zuviel hängt.

Also statt 17. Dxf4? besser

17. Thg1 (gibt es Besseres?), vor allem um die Fesselung des Sf3 aufzuheben.
Aber auch darauf ist 17... Df6 möglich.
Nach 18. Sxd4 hat Weiß dann einen Mehrbauern, aber ist er in dieser komplizierten Stellung von Bedeutung?
Kellerdrache - 25.07.18   +
Ich wollte einfach den Partiekommentar nicht mit einer zu unübersichtlichen Variante überfrachten. Mir ging es darum zu zeigen, dass e5 in jedem Fall Schwarz deutlich mehr Möglichkeiten bietet, auch wenn es nicht zu vollem Ausgleich reichen sollte.

Die Kunst einer aggressiven Verteidigung wird aber gerade in den unteren Klassen selten gesehen. Das gehört, wenn man so will, sicher zu den Lehren dieser Partie.
Vabanque - 25.07.18    
Nach 14... e5 wäre es wirklich unübersichtlich geworden, so unüberschaubar, dass es einen stärkeren Spieler als mich braucht, die darauf möglichen Varianten zu beurteilen.
Trotzdem ist eines klar: Egal ob e5 an dieser Stelle noch zum Ausgleich reichte, es war die einzige Chance von Schwarz, und zwar im pragmatischen Sinne eine gute Chance, weil sie Weiß in seinem Vorhaben stört. Er muss sich plötzlich mit schwarzen Gegendrohungen beschäftigen.

Vielleicht wäre es trotz allem für Schwarz am besten gewesen, h6 zu vermeiden. Freilich wäre auch dann die kurze Rochade nicht ganz ungefährlich gewesen, der weiße Plan wäre allerdings nicht so simpel und klar gewesen wie in der Partie.
Oli1970 - 25.07.18    
@Kellerdrache: So sind sie, die lieben Kleinen. ;-) Danke für die Anmerkungen zu den Angriffsmarken. Dem Routinier fällt sowas natürlich auf, ich stelle immer wieder fest, dass ich mich gerne auf einzelne Schauplätze konzentriere, die Gesamtstellung dabei aber aus den Augen verliere. Hinweise dieser Art finde ich daher gut, sie mahnen, das ganze Brett in den Blick zu nehmen, statt nur den akuten Schauplatz.

@all: Hätte es zu 16. fxg7 überhaupt kommen müssen? 15. ...Dxf6 macht den Störenfried weg und verschafft die Zeit, im nächsten Zug den Läufer oder Sf3 abzuholen, oder?
Vabanque - 25.07.18    
>>ich stelle immer wieder fest, dass ich mich gerne auf einzelne Schauplätze konzentriere, die Gesamtstellung dabei aber aus den Augen verliere. Hinweise dieser Art finde ich daher gut, sie mahnen, das ganze Brett in den Blick zu nehmen, statt nur den akuten Schauplatz.<<

Das predige ich die ganze Zeit, und in meinen eigenen Partie passiert es mir dennoch genauso wie dir :(

>>@all:<<

An welche 'allen' richtest du dich denn hier? Ich sehe nur, dich, den Kellerdrachen und mich :)
Eine sehr gemütliche kleine Runde, aber - ich weiß, ich predige auch das bis zum Überdruss, man möge es mir bitte verzeihen! - ich hätte nichts dagegen, wenn die Runde etwas größer würde ...

>>Hätte es zu 16. fxg7 überhaupt kommen müssen? 15. ...Dxf6 macht den Störenfried weg und verschafft die Zeit, im nächsten Zug den Läufer oder Sf3 abzuholen, oder?<<

Hat dir das der Teufel, äh, natürlich der Computer, ins Ohr geflüstert? ;)
Menschliche Spieler übersehen solche Möglichkeiten 'gerne', und ich habe sie auch nicht gesehen.
Allerdings, Weiß muss auf 15... Dxf6 ja nicht unbedingt Lg3 spielen, und auch nicht Sxe5 (obwohl das nicht schlecht aussieht), sondern kann vielleicht interessanter mit 16. Lg5 fortsetzen. Wenn sich der Läufer wegen Öffnung der h-Linie nicht nehmen lässt, hätte Weiß seine Mehrfigur vorerst ja mal gerettet, oder?
Vabanque - 25.07.18    
Eins möchte ich aber auch noch mal zum Grundsätzlichen sagen, nachdem jetzt je zwei Amateur- und zwei Meisterpartien gebracht wurden:

Man sollte die 'Plus'-Bewertungen ja generell nicht überschätzen, aber wie steht denn die Tatsache, dass beide Amateurpartien nur EIN '+', die beiden Meisterpartien jedoch jeweils '++' erhielten, im Einklang mit der Tatsache, dass mehrere User (!) vorher nach Amateurpartien geschrieen hatten, weil diese viel lehrreicher als Meisterpartien seien, die man sowieso nicht verstehen würde?

Nun erweisen sich die Meisterpartien plötzlich dennoch als beliebter, wenn man den Bewertungen glauben darf.
Vabanque - 25.07.18    
Ups, es waren 3 Meisterpartien, von denen 2 ein Doppelplus erhielten. Ändert aber nichts am Grundsätzlichen meines vorigen Beitrags.
Hasenrat - 25.07.18    
Ein Gegenrechnen von Einfach- und Doppelplus ist keine wissenschaftliche Resonanzevaluation, Vabanque! ;-)
Da müsste man eher die absoluten Klickzahlen u. Verweildauern messen.

Wieviele Daumen werden unbesehen, nur aus Prinzip gedrückt? Viele!
Bei Meisterpartien drückt schon der Fanclubangehörige von Meister Dünnbier begeistert den Aufwärtsdaumen, nur weil er den Namen ins rechte Licht gerückt sieht.
Oli1970 - 25.07.18   +
Das "@all" ging an die unheimlich vielen heimlichen Mitleser. ;-)

Selbst gefunden eher indirekt, Du hast den Zug ja praktisch gebracht. Mir ist aufgefallen, dass das vorher schon möglich war. Allerdings ist mir wiederum Lg5 nicht aufgefallen, schöner Konter! Spricht was gegen das Öffnen der h-Linie? Bei Wahl zwischen Not und Elend zerrupft der fehlende h-Bauer nicht so sehr die restliche Struktur. (Zählt ästethisches Empfinden als Grund für die Zugfindung?)

Die Plus-Wertungen mögen viele Gründe haben, vielleicht haben Meister-Partien nur mehr Leser, vielleicht hinderte die Sommerwärme den potentiellen Leser. Ich habe auch überlegt, ob mir die Partie ein "+" "wert" ist. Unabhängig von der Mühe der Kommentierung als solche soll mir das Spiel auch einen "Wert" bieten. Ich glaube den hier gefunden zu haben, wenn schon nicht im Gegenspiel des Schwarzen, dann doch in Form von ein paar Gedanken und diesem kleinen Schwatz hier.

Jetzt gibt es schon wieder Nachschub … wie geht Ihr eigentlich mit meiner Zeit um? :-)
Oli1970 - 25.07.18    
Hah, da ist ja ein at-all! Ich hab's gewusst! ;-)
Vabanque - 25.07.18    
Ja, da ist der Hasenrat :)

Schön, dich mal wieder hier zu lesen, Hasenrat, auch wenn ich deinen Beitrag nicht wirklich nachvollziehen kann, aber anyway, welcome back :)
Vabanque - 25.07.18    
@Oli1970: Ich muss gestehen, ich habe den Zug 16. Lg5 (nach 14... e5 15. exf6 Dxf6) überhaupt nicht durchgerechnet, nur so aus 'Analogie-Erfahrung' in ähnlichen Stellungen in die Runde geworfen, kann dir also auch nicht sagen, wie es konkret weitergeht, wenn Schwarz wirklich auf g5 nimmt ... man sieht aber wiederholt bestätigt, welch lebhaftes und interessantes Spiel nach 14... e5 (was Schwarz versäumt hat) möglich gewesen wäre.
Übrigens zeigt mir mein 'Engine-Verdacht' in diesem Fall wieder mal, wie dieser unberechtigterweise entstehen kann (wobei bei der Analyse einer Partie Engines ja absolut legitim sind, auch wenn ich sie trotzdem nicht mag) ... man (hier ich) kann sich nicht vorstellen, dass der andere (in diesem Fall du) nach dem Nehmen 15. exf6 mit einem anderen Zug als exf4, dem unmittelbaren Rückgewinn der Figur rechnen kann. Wie viele Fehler entstehen dadurch, dass man bestimmte Zug-Antworten als 'selbstverständlich' erachtet, gerade beim automatischen Wiederschlagen!

Du hast allerdings einen wichtigen generellen Punkt noch angesprochen, was Bewertungen angeht: Soll man die Partie selbst oder den Kommentar stärker gewichten? Ich bin da auch nicht ganz entschieden, aber als Kommentator stelle ich normalerweise bei Beiträgen anderer auch die Qualität des Kommentars in den Vordergrund. Die Partie selbst ist eigentlich meist Geschmackssache, für die Qualität des Kommentars gibt es in meinen Augen objektivere Kriterien. Z.B. bekommen automatische Fritz-Kommentare von mir ganz bestimmt kein Plus ...

Andererseits ist der von dir angesprochene 'Wert' der Partie bei Meisterpartien zumindest tendenziell erstmal höher, sowohl was den ästhetischen wie den didaktischen Wert angeht.
Vabanque - 25.07.18    
Und was den angesprochenen 'Nachschub' betrifft, so habe ich an dem die letzten Tage fleißig gearbeitet, aber nur, weil Kellerdrache hier im Eingangsbeitrag schon am 22.7. versprochen hat, dass die GM-Partie, die in der Eröffnung mit obiger übereinstimmt, 'in wenigen Tagen' von mir hier gezeigt wird.

Den 'Preis' dieser Hektik kann jeder schon in der Überschrift meines neuen Beitrags sehen ... da befindet sich nämlich schon der erste peinliche Fehler ...
Oli1970 - 25.07.18    
< ... da befindet sich nämlich schon der erste peinliche Fehler … >
Ja, ist mir aufgefallen - aber charmant, wie ich nun mal so bin, übersehe ich das natürlich ganz gentlemanlike. :-) Aber warum peinlich, da gibt es Schlimmeres. Mit "peinlich" kennen wir uns vermutlich alle aus. :-)