Kommentierte Spiele

WM-Match Carlsen - Caruana

Vabanque - 10.11.18   ++

In diesem Thread werde - so weit ich es schaffe - jeweils Kurzzusammenfassungen des jeweiligen Partiegeschehens posten.


In der ersten Partie wählte der Weltmeister mit den schwarzen Steinen überraschend die Sizilianische Verteidigung, wonach der Herausforderer die üblichen Pfade vermied und den auf Top-Niveau selten anzutreffenden Rossolimo-Angriff spielte. Carlsen fand einen unerwarteten Aufmarsch mit Sf8, h6 und g5, gegen den sich Caruana schwer tat, einen wirksamen Plan zu finden. Nach der langen Rochade sah die schwarze Bauernstellung zwar gelockert aus, doch verfügte Weiß auf dieser Seite über keine Truppen, mit denen er die Königsstellung hätte stürmen können. So verlagerte sich der Kampf ganz auf den Königsflügel. Dort gab nach einigem beiderseitigen Manövrieren Carlsen schließlich vorübergehend einen Bauern für Initiative. Dies führte letztlich zur totalen Beherrschung der g-Linie durch den Weltmeister, während der Herausforderer mit seinem König aus der Gefahrenzone zu fliehen suchte. Die schwarze Stellung schien völlig überlegen, doch fand der Weltmeister keinen entscheidenden Durchbruch und gab sich mit der Eroberung eines Bauern zufrieden, um diesen Vorteil im Endspiel allmählich umzusetzen. Nach dem Tausch der Damen kam es zu einem Wettrennen zwischen einem freien e-Bauern von Weiß und einem schwarzen Freibauern auf der h-Linie. Während kein Freibauer die Entscheidung herbeiführen konnte, und sich die Lage im Zentrum und am Königsflügel schließlich völlig auflöste, sorgte Caruana am Damenflügel noch für Bauerntausch, um damit seine Remischancen zu erhöhen. Inzwischen waren auch die Leichtfiguren vom Brett verschwunden, und in dem entstandenen Turmendspiel waren nur noch 3:2 Bauern, allesamt auf dem Damenflügel, vorhanden. Die einzigen verbliebenen schmalen Gewinnchancen des Weltmeisters gründeten sich nun darauf, dass die beiden Bauern seines Gegners vereinzelt waren. Carlsen versuchte nun noch fast 60 Züge lang, das Unmögliche wahr zu machen und dieses Endspiel zu gewinnen. Doch Caruanas Technik war auf der Höhe, und seine Nerven hielten Stand. Nach insgesamt 115 Zügen sah Carlsen ein, dass nichts zu machen war, und es erfolgte Friedensschluss.

[Event "Carlsen - Caruana World Championship Match"]
[Site "0:09:33-0:16:33"]
[Date "2018.11.09"]
[EventDate "2018.11.09"]
[Round "1"]
[Result "1/2-1/2"]
[White "Fabiano Caruana"]
[Black "Magnus Carlsen"]
[ECO "A00"]
[WhiteElo "?"]
[BlackElo "?"]
[PlyCount "229"]

1.e4 c5 2.Nf3 Nc6 3.Bb5 g6 4.Bxc6 dxc6 5.d3 Bg7 6.h3 Nf6 7.Nc3
Nd7 8.Be3 e5 9.O-O b6 10.Nh2 Nf8 11.f4 exf4 12.Rxf4 Be6 13.Rf2
h6 14.Qd2 g5 15.Raf1 Qd6 16.Ng4 O-O-O 17.Nf6 Nd7 18.Nh5 Be5
19.g4 f6 20.b3 Bf7 21.Nd1 Nf8 22.Nxf6 Ne6 23.Nh5 Bxh5 24.gxh5
Nf4 25.Bxf4 gxf4 26.Rg2 Rhg8 27.Qe2 Rxg2+ 28.Qxg2 Qe6 29.Nf2
Rg8 30.Ng4 Qe8 31.Qf3 Qxh5 32.Kf2 Bc7 33.Ke2 Qg5 34.Nh2 h5
35.Rf2 Qg1 36.Nf1 h4 37.Kd2 Kb7 38.c3 Be5 39.Kc2 Qg7 40.Nh2
Bxc3 41.Qxf4 Bd4 42.Qf7+ Ka6 43.Qxg7 Rxg7 44.Re2 Rg3 45.Ng4
Rxh3 46.e5 Rf3 47.e6 Rf8 48.e7 Re8 49.Nh6 h3 50.Nf5 Bf6 51.a3
b5 52.b4 cxb4 53.axb4 Bxe7 54.Nxe7 h2 55.Rxh2 Rxe7 56.Rh6 Kb6
57.Kc3 Rd7 58.Rg6 Kc7 59.Rh6 Rd6 60.Rh8 Rg6 61.Ra8 Kb7 62.Rh8
Rg5 63.Rh7+ Kb6 64.Rh6 Rg1 65.Kc2 Rf1 66.Rg6 Rh1 67.Rf6 Rh8
68.Kc3 Ra8 69.d4 Rd8 70.Rh6 Rd7 71.Rg6 Kc7 72.Rg5 Rd6 73.Rg8
Rh6 74.Ra8 Rh3+ 75.Kc2 Ra3 76.Kb2 Ra4 77.Kc3 a6 78.Rh8 Ra3+
79.Kb2 Rg3 80.Kc2 Rg5 81.Rh6 Rd5 82.Kc3 Rd6 83.Rh8 Rg6 84.Kc2
Kb7 85.Kc3 Rg3+ 86.Kc2 Rg1 87.Rh5 Rg2+ 88.Kc3 Rg3+ 89.Kc2 Rg4
90.Kc3 Kb6 91.Rh6 Rg5 92.Rf6 Rh5 93.Rg6 Rh3+ 94.Kc2 Rh5 95.Kc3
Rd5 96.Rh6 Kc7 97.Rh7+ Rd7 98.Rh5 Rd6 99.Rh8 Rg6 100.Rf8 Rg3+
101.Kc2 Ra3 102.Rf7+ Kd6 103.Ra7 Kd5 104.Kb2 Rd3 105.Rxa6 Rxd4
106.Kb3 Re4 107.Kc3 Rc4+ 108.Kb3 Kd4 109.Rb6 Kd3 110.Ra6 Rc2
111.Rb6 Rc3+ 112.Kb2 Rc4 113.Kb3 Kd4 114.Ra6 Kd5 115.Ra8
1/2-1/2

Oli1970 - 10.11.18    

Schöne Zusammenfassung des Geschehens!
Ich habe mir die Analyse der Lubbes auf YouTube angesehen (https://youtu.be/DFyib77gM60). In etwa 20 Minuten weisen die beiden auf ein paar nette Feinheiten hin und decken auf, dass Carlsen die Partie wohl hätte gewinnen können. Lohnenswert meiner Meinung nach. Schönen Samstag!

Vabanque - 10.11.18   +

Ich habe mir das jetzt zwar noch nicht angesehen (werde ich aber tun, so bald ich Zeit habe), aber es erhebt sich natürlich grundsätzlich die Frage, ob man wirklich behaupten kann, dass Carlsen hätte gewinnen können, nur weil Engines für ihn ca. +2 anzeigen. Das allein reicht nicht für eine Gewinnstellung, es muss sich schon auch ein konkreter, nachvollziehbarer Gewinnweg herausanalysieren lassen. Mag ja sein, dass man mittlerweile einen solchen in der Analyse gefunden hat. Doch wenn ihn der amtierende Weltmeister während der Partie nicht findet, ist die Frage, ob wirklich von einer 'Gewinnstellung' gesprochen werden kann. Vielleicht sollte man eher von einem Stellungsübergewicht sprechen, das sehr schwer konkret umzusetzen war.

Oli1970 - 10.11.18    

Zumindest haben die Lubbes gezeigt, dass er vielversprechendere Ansätze eben nicht gespielt hat. Es ist natürlich auch das leidige Was-wäre-wenn-Problem, dass da mitspielt. Man darf allerdings auch die Uhren der beiden in solchen Momenten nicht außer acht lassen.

Canal_Prins - 10.11.18    

@ Vabanque

...ich hätte nach dem 13. Zug von Caruana nicht mehr gewettet, dass er ein Remis herausholt.

MC war mit dem 19. Zug klar im Vorteil und lies diesen ungenutzt....dies lässt mich an den amtierenden WM zweifeln, ob er seinen Titel erfolgreich verteidigen kann.

pirc_ - 10.11.18   +

Der konkrete Plan, den die Lubbes als Gewinn sahen, war so um Zug 35. DIe Dame sollte über g7 auf b2 eindringen mit der Drohung zb. b5 La5.

Vabanque - 10.11.18   +

Danke, pirc_, das ist ein nachvollziehbarer Ansatz, auch wenn ich da selber nie im Leben drauf gekommen wäre. Wenn das ganze Spiel scheinbar am Königsflügel abläuft, sucht man nicht nach Möglichkeiten auf dem anderen Flügel. Obwohl, Weltmeister tun das eigentlich schon :-)

Man denkt halt immer, die Typen da oben spielen wie Engines. Eigentlich schön zu sehen, dass sie es nicht tun, sondern dass sie menschlich spielen.

Oli1970 - 10.11.18    

Ja, z. B. Oder im 38. Zug ein fröhliches Tg3 statt Le5.
Zwischen dem 30. und 40. Zug war eine Phase mit vielen Möglichkeiten.

Mittlerweile gibt es noch einige Videos mehr: Kimble hatte im allgemeinen Forum D. King verlinkt, der Kingscrusher hat eines beigesteuert und Huschenbeth ebenso. Reingeschaut habe ich da allerdings bislang nicht.

Hasenrat - 10.11.18    

Das Huschenbeth-Video (die Highlightsversion) fand ich auch ganz gut.

Hasenrat - 10.11.18    

Was haben sie eigtl. selbst auf der PK gesagt?

Eigentlich furchtbar, dass die Spieler da gleich nach dem Spiel hin müssen, oder? Ich an ihrer Stelle würd da dann gern vertretungsweise Donald Trump hinschicken ...;-P

Vabanque - 10.11.18    

>>Eigentlich furchtbar, dass die Spieler da gleich nach dem Spiel hin müssen, oder?<<

Empfinde ich auch so.

Vabanque - 10.11.18    

>>Canal_Prins - vor 2 Std.

@ Vabanque

...ich hätte nach dem 13. Zug von Caruana nicht mehr gewettet, dass er ein Remis herausholt.

MC war mit dem 19. Zug klar im Vorteil und lies diesen ungenutzt....dies lässt mich an den amtierenden WM zweifeln, ob er seinen Titel erfolgreich verteidigen kann.<<

Zwar könnte man es so sehen. Ebenso gut könnte man aber argumentieren, dass es sehr fraglich ist, ob Caruana dem Weltmeister in dem Wettkampf Paroli bieten kann, wenn er bereits in der 1. Partie mit den weißen Steinen (!) sein ganzes Können aufbieten muss, um nicht unter die Räder zu geraten.

Deswegen meinte ja auch die Melanie Lubbe gestern in der Live-Übertragung (ziemlich schnell nachdem ich zugeschaltet hatte), beide wären jetzt psychologisch im Nachteil :-)

Vabanque - 10.11.18    

Habe mir die Lubbesche Zusammenfassung jetzt angeschaut und finde sie richtig gut, kann ich echt nur weiterempfehlen.

Da ja jetzt schon die 2. Runde ansteht, werde ich mir die anderen Videos zur 1. Partie aber nicht mehr ansehen, so gut sie auch sein mögen :)

Vabanque - 11.11.18   +

In der zweiten Partie kamen vertraute Stellungsbilder aus dem klassischen Damengambit aufs Brett. Der Weltmeister ließ sich mit den weißen Steinen schnell einen Doppelbauern am Damenflügel verschaffen, den er zwar bald wieder auflösen konnte, jedoch zersplitterte Bauern am Damenflügel behielt. Eine Weile sah es nach Angriffschancen für Carlsen am Königsflügel aus, doch Caruana spielte präzise, und nach einigen Zügen kam es zum schnellen Abtausch mehrerer Figurenpaare, so dass jeweils nur Dame, ein Turm und gleichfarbige Läufer auf dem Brett blieben. In diesem endspielartigen Mittelspiel stand Caruana mit Schwarz dank seiner zusammenhängenden Bauern am Damenflügel etwas besser (Carlsen hatte dafür aber die halboffene b-Linie zur Verfügung). Allerdings war an dieser Stelle schon ein Remis in deutliche Nähe gerückt. Carlsen befand sich ganz offensichtlich in der Verteidigung, jedoch war seine Lage zu keinem Zeitpunkt ernstlich gefährdet. Er konnte durch Damentausch zwar noch kurzzeitig einen Freibauern auf d6 etablieren, doch stand dieser auf wackligen Beinen und wurde später von Caruana abgeholt. Inzwischen war es aber dem Weltmeister gelungen, den Damenflügel vollständig aufzulösen, so dass die Partie genau wie die erste schließlich in ein Turmendspiel mündete, in dem sich alle Bauern auf einem Flügel befanden - also ein déja-vu-Erlebnis! Nur war es diesmal Carlsen, der mit den weißen Steinen das Endspiel mit einem Minusbauern halten musste. Dieses war allerdings mit - für einen Weltmeister - einfacher Technik zu verteidigen, und so erfolgte diesmal der Friedensschluss bereits nach 49 statt 115 Zügen.

[Event "Carlsen - Caruana World Championship Match"]
[Site "0:56:33-1:41:33"]
[Date "2018.11.10"]
[EventDate "2018.11.09"]
[Round "2"]
[Result "1/2-1/2"]
[White "Magnus Carlsen"]
[Black "Fabiano Caruana"]
[ECO "D37"]
[WhiteElo "?"]
[BlackElo "?"]
[PlyCount "97"]

1.d4 Nf6 2.Nf3 d5 3.c4 e6 4.Nc3 Be7 5.Bf4 O-O 6.e3 c5 7.dxc5
Bxc5 8.Qc2 Nc6 9.a3 Qa5 10.Rd1 Rd8 11.Be2 Ne4 12.O-O Nxc3
13.bxc3 h6 14.a4 Ne7 15.Ne5 Bd6 16.cxd5 Nxd5 17.Bf3 Nxf4
18.exf4 Bxe5 19.Rxd8+ Qxd8 20.fxe5 Qc7 21.Rb1 Rb8 22.Qd3 Bd7
23.a5 Bc6 24.Qd6 Qxd6 25.exd6 Bxf3 26.gxf3 Kf8 27.c4 Ke8 28.a6
b6 29.c5 Kd7 30.cxb6 axb6 31.a7 Ra8 32.Rxb6 Rxa7 33.Kg2 e5
34.Rb4 f5 35.Rb6 Ke6 36.d7+ Kxd7 37.Rb5 Ke6 38.Rb6+ Kf7 39.Rb5
Kf6 40.Rb6+ Kg5 41.Rb5 Kf4 42.Rb4+ e4 43.fxe4 fxe4 44.h3 Ra5
45.Rb7 Rg5+ 46.Kf1 Rg6 47.Rb4 Rg5 48.Rb7 Rg6 49.Rb4 1/2-1/2

Hasenrat - 11.11.18    

Ich glaub, Charakteristikum dieser Partie war, dass Carlsen volle Kanne in die Vorbereitung von Caruana mit 10. ... Td8 gerannt war, was ihn mal umgekehrt arg viel Bedenkzeit kostete. In der PK auf die Frage, was er bei diesem Zug gedacht habe: "Oh ... shit!" o. s. ä.

Vabanque - 11.11.18    

Ah ja, interessant. Auf der anderen Seite fällt es schwer zu glauben, dass in dieser ausgetretenen Eröffnung im 10. Zug eine wirkliche Neuerung möglich sein sollte.
Ich kenne mich allerdings im Damengambit mit Lf4 nicht aus (spiele es selber immer mit Lg5), so dass ich hier nichts dazu sagen kann.

Hasenrat - 11.11.18    

Td8 war wohl keine wirkliche Neuerung, sondern wurde wohl schon von Kortschnoi - Karpow 1978 gespielt, wenn ich die PK-Statements gestern noch richtig verstanden und übersetzt und erinnert habe. Aber Te8 oder Se7 ist wohl seit Längerem state of the art.

Hasenrat - 11.11.18    

Oder Le7?

Vabanque - 11.11.18    

D.h., Magnus hat wieder mal seine Hausaufgaben nicht fleißig genug gemacht?

Hasenrat - 11.11.18    

Irgendwie droht ja auch b4, nicht?

Vabanque - 11.11.18    

Se7 käme mir jetzt schon komisch vor. Le7 sieht natürlich aus, um die Gabelmöglichkeit b2-b4 ein für alle mal auszuschalten und den Läufer einer sinnvollen Verwendung (Bewachung der Königsburg) zuzuführen.

Vabanque - 11.11.18    

Jetzt schreiben wir ständig gleichzeitig :-))

Hasenrat - 11.11.18    

Kann der WM und sein Team denn auf alles vorbereitet sein?
Attestieren wir dem gegnerischen Team doch mal einfach eine tolle Leistung - der noch besseren Vorbereitung auf den Punkt, das glücklichere Händchen, den Pokererfolg!

Vabanque - 11.11.18    

b4 droht halt auch nicht so wirklich, nach Td8 geht's ja auch nicht. Schwarz opfert den Springer auf b4, und nach axb4 Lxb4 nebst evtl. Se4 gewinnt er die Figur mit Zinsen zurück.

Vabanque - 11.11.18    

Naja, zu mehr als zu einer ausgeglichenen Stellung taugte der 'Pokererfolg' ja auch nicht ...

Vabanque - 11.11.18   +

Eine Beschäftigung mit dieser Partie ist - denke ich - nur lohnend, wenn man genau diese Eröffnungsvariante selber im Repertoire hat.

Hasenrat - 11.11.18    

"b4 droht halt auch nicht so wirklich, nach Td8 geht's ja auch nicht. Schwarz opfert den Springer auf b4, und nach axb4 Lxb4 nebst evtl. Se4 gewinnt er die Figur mit Zinsen zurück."
Stimmt, das war's.

"Naja, zu mehr als zu einer ausgeglichenen Stellung taugte der 'Pokererfolg' ja auch nicht ..."
Man sagt, doch, es war v. a. im Kontext des vorangegangenen Spieltags psychologisch ein toller Erfolg für Caruana mit Schwarz. Carlsen mit Weiß ins Schwitzen gebracht und düpiert.

Hasenrat - 11.11.18    

"Eine Beschäftigung mit dieser Partie ist - denke ich - nur lohnend, wenn man genau diese Eröffnungsvariante selber im Repertoire hat."
... oder, wenn man Turmendspiele üben und studieren will.

Tatsächlich ist das aber auch aus Zeitgründen ein Hauptkriterium von mir, eine Meisterpartie zum Nachspielen auszuwählen.

Vabanque - 11.11.18    

Ja, das ist am effektivsten, falls man die gesamte Partie studieren möchte.

Bei anderen Partien konzentriert man sich dann halt auf Elemente des Mittelspiels oder das Endspiel.

Vabanque - 13.11.18   +

Hänge meine Kurzzusammenfassung der 3. und 4. Partie jetzt doch noch an diesen Thread an; drei 4er-Blöcke sind vielleicht ein gangbarer Kompromiss, und sollte mal eine wirklich spektakuläre Partie gespielt werden, erhält sie natürlich einen Einzelthread mit ausführlicherer Besprechung. -

In der 3. Partie kam wie in der ersten ein Sizilaner auf dem Brett, und abermals wählte Caruana mit Weiß die Variante seines Landsmanns Rossolimo. Diesmal wich er aber frühzeitig von der 1. Partie ab und begann mit a3 und b4 ein Spiel am Damenflügel. Nachdem der Weltmeister mit a5 gekontert hatte, enstand zwar eine selten gesehene Bauernstruktur (zusammenhängende Bauern c-h bei Weiß, zwei Bauerninseln b/c und e-h bei Schwarz), doch führte diese nur dazu, dass sich auf der nun offenen a-Linie schnell sämtliche Schwerfiguren tauschten, so dass ein Endspiel mit je einem Leichfigurenpaar (Springer und schwarzfeldriger Läufer) übrig blieb, in dem der Weltmeister mit Schwarz noch ein klein wenig Druck ausüben konnte. Carlsen vermochte sogar einen Freibauern auf der c-Linie zu schaffen, doch konnte Caruana recht bald das Remis direkt forcieren, indem er weiteren Bauerntausch erzwang und seinen Springer gegen den schwarzen Freibauern opferte, so dass Carlsen nur der h-Bauer übrig blieb, der im Verein mit dem 'falschen' Läufer (d.h. der die Farbe des Umwandlungsfelds nicht beherrscht) wertlos war. Eine Partie, von der mir immerhin die etwas ungewöhnliche Eröffnung und die neckische, für den Amateur lehrreiche Schlusswendung in Erinnerung bleibt.


[Event "Carlsen - Caruana World Championship Match"]
[Site "0:43:33-0:52:33"]
[Date "2018.11.12"]
[EventDate "2018.11.09"]
[Round "3"]
[Result "1/2-1/2"]
[White "Fabiano Caruana"]
[Black "Magnus Carlsen"]
[ECO "B31"]
[WhiteElo "?"]
[BlackElo "?"]
[PlyCount "97"]

1.e4 c5 2.Nf3 Nc6 3.Bb5 g6 4.Bxc6 dxc6 5.d3 Bg7 6.O-O Qc7
7.Re1 e5 8.a3 Nf6 9.b4 O-O 10.Nbd2 Bg4 11.h3 Bxf3 12.Nxf3 cxb4
13.axb4 a5 14.bxa5 Rxa5 15.Bd2 Raa8 16.Qb1 Nd7 17.Qb4 Rfe8
18.Bc3 b5 19.Rxa8 Rxa8 20.Ra1 Rxa1+ 21.Bxa1 Qa7 22.Bc3 Qa2
23.Qb2 Qxb2 24.Bxb2 f6 25.Kf1 Kf7 26.Ke2 Nc5 27.Bc3 Ne6 28.g3
Bf8 29.Nd2 Ng5 30.h4 Ne6 31.Nb3 h5 32.Bd2 Bd6 33.c3 c5 34.Be3
Ke7 35.Kd1 Kd7 36.Kc2 f5 37.Kd1 fxe4 38.dxe4 c4 39.Nd2 Nc5
40.Bxc5 Bxc5 41.Ke2 Kc6 42.Nf1 b4 43.cxb4 Bxb4 44.Ne3 Kc5
45.f4 exf4 46.gxf4 Ba5 47.f5 gxf5 48.Nxc4 Kxc4 49.exf5 1/2-1/2

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Vabanque - 14.11.18   +

Das Interesse an dem Match ist verständlicherweise sehr gesunken; der Vollständigkeit halber hänge ich hier aber noch eine ganz kurze Zusammenfasssung der 4. Partie an:

In einer Englischen Eröffnung, die Caruana mit Schwarz offen behandelte, kam es im 19. Zug zum Damentausch, der beiden Parteien einen Doppelbauern verschaffte und die weiße Bauernmehrheit am Königsflügel eher entwertete. Aber auch Schwarz konnte mit seiner Bauernmehrheit am Damenflügel wegen des rückständigen c-Bauern nicht viel anfangen. Beide Doppelbauern lösten sich im 30. Zug gegeneinander auf, ohne dass dies die Situation entscheidend geändert hätte. So kam es in einem Endspiel, in dem jeder Spieler die beiden Türme und den dunkelfarbigen Läufer behalten hatte, schon nach 34 Zügen zum Friedensschluss.

1.c4 e5 2.Nc3 Nf6 3.Nf3 Nc6 4.g3 d5 5.cxd5 Nxd5 6.Bg2 Bc5
7.O-O O-O 8.d3 Re8 9.Bd2 Nxc3 10.Bxc3 Nd4 11.b4 Bd6 12.Rb1
Nxf3+ 13.Bxf3 a6 14.a4 c6 15.Re1 Bd7 16.e3 Qf6 17.Be4 Bf5
18.Qf3 Bxe4 19.Qxf6 gxf6 20.dxe4 b5 21.Red1 Bf8 22.axb5 axb5
23.Kg2 Red8 24.Rdc1 Kg7 25.Be1 Rdc8 26.Rc2 Ra4 27.Kf3 h5
28.Ke2 Kg6 29.h3 f5 30.exf5+ Kxf5 31.f3 Be7 32.e4+ Ke6 33.Bd2
Bd6 34.Rbc1 1/2-1/2