Kommentierte Spiele

Oli1970-Vabanque - Englisch, Dragon reversed

Oli1970 - 06.12.18   ++

Kürzlich fragte Vabanque mich an, ob ich nicht mal Lust auf ein Spiel hätte?
Na klar, warum nicht? Ich rechnete mir zwar keine großen Chancen aus, aber zum Spielen habe ich immer Lust, und die Gelegenheit, gegen einen der guten hier zu spielen, lasse ich mir nicht entgehen.

Vorbereitung ist alles, also ging es zunächst ins Trainingscamp. Drill Sergeant Jonathan Carlstedts "Die große Schachschule" steht in meinem Regal; er erläutert in seinem Buch die Grundzüge und Pläne einiger Eröffnungen. Besonders die Englische hat es mir angetan, da er dort nicht einfach Züge abspult, sondern "Regeln" aufstellt, welche Figur unter welchen Bedingungen wohin entwickelt werden sollte. Für diesen Zweck erschien mir das gut, weil ich natürlich nicht einfach Zugfolgen aus einer Datenbank nachspielen wollte. Vabanque war informiert, also kein Problem, dazu sollte das Analysebrett zum Einsatz kommen, welches so heiß gelaufen ist, dass eine Rauchsäule über Ostwestfalen zu sehen war.

Über weite Strecken lief das Spiel sehr zufriedenstellend, auch wenn einer der Spieler Verflachungstendenzen bemängelte. Ist okay, das heißt, dass ich was richtig gemacht habe. :-) Jedenfalls bis zum 20. Zug, mit dem es dann ins Endspiel ging.

Ladies and Gentlemen, Vabanque and Oli1970 present ...


[Event "Freundschaftsspiel 1d8e074e4c274a1b"]
[Site "http://www.chessmail.de"]
[Date "2018.11.01"]
[Round "-"]
[White "Oli1970"]
[Black "Vabanque"]
[Result "0-1"]
[ECO "A29"]

1. c4 e5 {Das Spiel wird Englisch eröffnet. Weiß entscheidet sich für ein
Flankenspiel.} 2. g3 Nf6 3. Bg2 {Der Läufer soll im Wesentlichen einen Angriff
auf b7 unterstützen, aber auch via d5 beim späteren Königsangriff helfen.} 3...
d5 {Ob Schwarz d5 spielt oder nicht, bestimmt die Entwicklung, die die
Eröffnung nehmen wird. Die Wahl bestimmt die Entwicklung der weißen Figuren.
(Vabanque: Offene Spielweise oder nicht, war hier die Frage. Die Partie zeigt
jedoch wieder einmal, dass diese offene Behandlung der "Englischen" eine starke
Verflachungstendenz in sich trägt, falls beide Spieler die Fallstricke
vermeiden.) } 4. cxd5 {Der Bauer kann nicht mit einem Bauern zurück genommen
werden, also weg damit. Weiß möchte seinen Damenspringer nach c3 entwickeln.
Dieser würde jedoch durch schwarzes d4 vertrieben werden können. Also ist diese
Möglichkeit zu unterbinden.} 4... Nxd5 5. Nf3 Nc6 6. Nc3 Nb6 (6... Be7 $2
{Vabanque wies auf die Möglichkeit dieses Fehlzugs hin, der den Bauern kostet.
Er scheint zwar gedeckt durch Sc6, aber die Läuferdiagonale g2 - c6 öffnet
sich.} 7. Nxe5 Nxe5 (7... Nxc3 8. Bxc6+ bxc6 9. dxc3 Qxd1+ 10. Kxd1) 8. Nxd5)
7. O-O Be7 {Der "umgekehrte Drachen" in der Englischen Eröffnung. Der
Weiß-Spieler sollte sich mit den Plänen des Drachen im Sizilianer beschäftigen,
um die Stellung zu verstehen.} 8. d3 {Empfohlen wird für Weiß a3 mit
nachfolgendem b4, um Raum am Damenflügel zu gewinnen. Der gespielte Zug wird
nachgeschaltet.} 8... O-O 9. Be3 {Bereitet d4 vor. (Vabanque: Diesen Zug, bzw.
den damit verbundenen Plan, d4 anzusteuern, hatte ich gar nicht erwartet. Eher
dachte ich, Weiß würde a3 mit dem Plan b4 jetzt doch noch spielen.)} 9... Be6
{Weiß empfindet die Läufer bedrohlich. Der Zug a3 würde die Diagonale des
schwarzfeldrigen Läufers versperren, aber auch b3 wäre eine Überlegung wert.
Weiß würde gern Tc1 spielen und die halboffene Linie besetzen, aber den Sc3
nicht dauerhaft mit der Deckung von a2 beschäftigen. Er erkennt nicht, dass Tc1
durchaus möglich wäre. (Vabanque: Interessant, welchen Überlegungen sich Weiß
hier hingegeben hat. Für mich war klar, dass nach Le3 jetzt d4 kommen würde.
Schwarz erhält Ausgleich, muss aber aufpassen.)} 10. d4 exd4 {Wie zu erwarten,
schlägt Schwarz. Dadurch sind die nachfolgenden Abtausche forciert.} 11. Nxd4
Nxd4 12. Bxd4 c6 {Zur Sicherung gegen Lg2xb7. Schwarz hat die aktiveren
Läufer, Weiß mit der c- und d-Linie Potential für seine Türme. Sorgen bereitet
der Ld4 und die mögliche Schwäche h3. (Vabanque: Ich empfinde die Stellung eher
als ein wenig bequemer für Weiß. Langfristig hat Schwarz allerdings die
Bauernmehrheit am Damenflügel als Guthaben auf seinem Konto.)} 13. e3 {Der Zug
soll der Dame Fahrt Richtung g4 / h5 verschaffen, nimmt allerdings in Kauf,
dass dem Läufer wenig Spiel bleibt. Nach schwarzem c5 bleibt noch genau ein
Feld oder ein Kamikaze-Opfer auf g7. (Vabanque: Mich hat der Zug komplett
überrascht, da ich den Plan mit der weißen Dame nicht erkannte.)} 13... Qc7 (
13... c5 14. Be5 Nc4 15. Bf4 g5 16. b3 {Weiß hat überlegt, dass die Variante
den Königsflügel potentiell schwächen wird. Die Frage ist allerdings, ob man da
Kapital rausholen kann. (Vabanque: Ich habe c5 sehr schnell verworfen, da ich
nur 14... f6 statt Sc4 berücksichtigte, wonach Weiß die Damen tauscht, und je
nachdem wie Schwarz zurücknimmt, bekommt Weiß das Feld c7 oder d6 für seinen
Läufer. Ich habe mich mit dieser Variante aber auch allein schon deswegen nicht
weiter beschäftigt, weil ich erstens meine Königsstellung nicht durch Vorstoß
der Bauern schwächen wollte, und zweitens schon von vornerein einen Widerwillen
gegen c5 hatte, weil er dem weißen Läufer auf g2 wieder die volle Diagonale bis
b7 zugesteht. Schließlich hatte ich ja nicht ohne Grund erst c6 gespielt, um
den Läufer einzuschränken. Nach dem Damenzug allerdings drohe ich tatsächlich
c5.) } ) 14. f4 {Attacke auf den Läufer. (Vabanque: Und nach c5 hätte der Ld4
jetzt das Feld e5. Der Plan mit f4-f5 kam für mich allerdings doch
überraschend.)} 14... Rad8 {Weiß muss abwägen, die Dame in der Turmlinie ist
gefährdet, zumal noch c5 droht. Allerdings ist Dg4 mit Drohung auf g7 auch
schön.} 15. f5 Bxf5 {Der Partiezug. Stattdessen rechnete Weiß fest mit Lc4.
(Vabanque: In der Vorausberechnung hatte ich bei Tad8 tatsächlich halb und halb
Lc4 geplant gehabt, sah aber jetzt plötzlich, dass darauf f6 sehr stark war,
wie Olav unten auch noch ausführt. Die Matt-Variante gefiel mir dabei am
besten, aber nur für Weiß, nicht für mich. Allerdings hatte der Turm Tad8 ja
auch die Absicht c5 gehabt, und so blieb mir noch das Scheinopfer des Läufers
auf f5 mit anschließendem sofortigem Rückgewinn der Figur auf d4 und sehr
wahrscheinlichem Ausgleich, wie es dann ja auch kam.) } (15... Bc4 16. Qg4
Rxd4 17. Qxd4 Bxf1 18. Rxf1 {Laut Engine steht Weiß nun schlechter. Dummerweise
weiß er immer noch nicht, warum. (Vabanque: Schwarz steht recht bequem, da er
mit Lf6 und ggf. De5 die weißen Bauern im Zaum halten kann, Schwarz ist
überhaupt auf den dunklen Feldern sehr stark. Und die Bauernmehrheit am
Damenflügel hat er auch. Diese Variante habe ich auch gesehen, und sie hätte
mir gefallen, allerdings erkannte ich dann, dass Weiß nicht Dg4 spielen muss,
sondern sofort f6 hat.)} ) (15... Bc4 16. Qg4 f6 {Vabanque meinte, dass diese
Variante für ihn Verlust bedeutet hätte und nahm deshalb Abstand davon. Stimmt,
Weiß hat aber den Gewinnweg nicht erkannt und für diesen Fall Tf2 geplant.
(Vabanque: Dann gewinnt Schwarz aber mit c5! Diese grundfalsche Variante war
meine allererste Berechnung bei 14... Tad8 gewesen.)} 17. Bxb6 Qxb6 18. Qxc4+)
(15... Bc4 16. f6 {Sofortiges f6 mit anschließendem Turmopfer und Matt-Falle
als schönste Variante. Leider nicht gefunden. (Vabanque: Und ich sah es
glücklicherweise noch rechtzeitig, um nicht Lc4 zu spielen.)} 16... Bxf6 (16...
Bxf1 17. Qg4 g6 18. fxe7 Qxe7 19. Rxf1 {Auch sehr schön für Weiß. Nur hätte er
sich nicht wohl gefühlt gegen Turm plus Mehrbauer und eigenem Isolani. Schade
auch. (Vabanque: Dieser Variante, in der Weiß 2 Läufer gegen Turm und Bauer
behält, habe ich während der Partie nur sehr flüchtige Aufmerksamkeit
geschenkt. Deswegen erkenne ich erst jetzt, dass Weiß gar nicht sofort 17. fxe7
spielen darf, da am Ende sein Läufer nach c5 wieder kein Feld hat. Durch die
Einschaltung von 17. Dg4 erhält der Läufer aber das Feld f6. Dadurch geht es
für Weiß doch noch mit diesem Materialvorsprung aus.)} ) 17. Rxf6 gxf6 18. Qg4+
Kh8 19. Bxf6#) 16. Rxf5 {Weiß kann sein Glück kaum fassen, ein kostenloser
Läufer? Da muss doch was faul sein, aber was?} 16... c5 {Ach, das war es.
Gestern noch voll im Blick und heute hinter dem Horizont verschwunden. Nun gilt
es, verschiedene Optionen abzuklopfen.} 17. Nd5 (17. Nb5 Qd7 {Turm, Springer
und Läufer angegriffen. Blöd, aber machbar. Weiß muss nur die Figur
zurückgeben. (Vabanque: Diese Variante hätte mir gut gefallen. Aber mit Recht
rechnete ich mit dem gespielten Zug.)} ) (17. Rd5 Nxd5 18. Nxd5 Rxd5 19. Bxd5
cxd4 {Nur eine Umstellung zum gespielten Zug.} ) 17... Nxd5 {Wieder viele
Möglichkeiten, teils mit für Weiß undurchschaubaren Verwicklungen. Lxd5 bietet
genauso viele Verzweigungen, wie Txd5. Auch Tc1 und Le5 sind möglich, aber
beide übel. Irgendwann muss eine Entscheidung getroffen werden, also ...
(Vabanque: Nie hätte ich hier an Züge gedacht, die den Springer nicht sofort
zurücknehmen.)} 18. Rxd5 Rxd5 19. Bxd5 cxd4 {Für Weiß nun eine
Schlüsselstellung des Spiels. Dxd4 - aber die Fesselung durch Td8 wäre
unbequem. exd4 und die Dame könnte den Läufer nach Td8 nicht mehr decken, sich
aber künftig um den Bauern kümmern. Nach langem Hin und Her folgte Tc1.} 20.
Rc1 Qb6 { (Vabanque: Laut Engine sind hier anscheinend fast alle Damenzüge
gleich gut. Während der Partie empfand ich diese Damenstellung als am
aktivsten.)} 21. Qxd4 Qxd4 22. exd4 Bf6 23. Rd1 {Nach dem Damentausch ist die
Stellung wieder schwierig geworden. Weiß überlegt, ob er Kg2 spielen und den
Freibauern aufgeben soll. Einerseits kann der König nicht mehr durch den Läufer
bedroht werden, andererseits geht er mit einem Minusbauern ins Endspiel. Der
Bauer ist schwach, kann niemals dynamisch werden, da nach Td8 der Läufer von
seinem Feld weg muss. Auch Tc7 ist möglich, jedoch das Zwischenschach Lxd4 ist
unangenehm und der Bauer auch vom Brett gewischt. Beide Varianten führen aber
letztlich zum gleichen Stellungsbild. Weiß hat ein Problem, sich von Material
zu trennen und entscheidet sich wider besseren Wissens zu Td1. (Vabanque: Hier
war ich - anscheinend mit Recht - überzeugt, dass es nun am weitaus besten für
Weiß wäre, sich von seinem Bauern d4 zu trennen und Tc7 zu spielen. Der Turm
wäre auf der 7. Reihe unvertreibbar gewesen und hätte außerdem meinen Turm an
den Bauern f7 gebunden. Ich hätte also gar keine Chance gehabt, meinen
Mehrbauern auszunutzen.)} (23. Rc7 Bxd4+ 24. Kg2 Bxb2 25. Rxb7) (23. Kg2 Bxd4
24. Rc7 Bxb2 25. Rxb7) 23... b6 24. Kg2 Rd8 {Da haben wir den Salat. Wieder
ist vieles möglich und vieles davon unbequem. Weiß liegt zurück, solide wäre
wohl Lc4. (Vabanque: Schwarz hat die Initiative bekommen, allerdings kann er
bei den ungleichen Läufern trotzdem bloß auf ein Remis hoffen, außer es
geschehen noch ganz seltsame Dinge. Und sie geschehen tatsächlich.)} 25. Re1 g6
{Solche Geschenke abzulehnen ...} (25... Rxd5 {Träumen wird man ja dürfen.}
26. Re8#) 26. Bb3 Rxd4 {(Vabanque: Immerhin sind die Türme noch nicht
getauscht, und der meinige ist der aktivere. Es lohnt sich also - wenn auch
nicht von großen Hoffnungen begleitet - noch ein wenig zu probieren.)} 27. Re8+
Kg7 28. Ra8 {Der Turm gehört auf e2, so kann das Spiel aber nicht mehr gewonnen
werden.} 28... Rd7 {Tja, aus das Vorhaben.} 29. Ba4 {Später von Weiß für einen
Fehler gehalten, ist das laut Engine noch die beste Möglichkeit.} 29... Re7 30.
Kf3 (30. Re8 Rxe8 31. Bxe8 Bxb2 {Die von der Engine bevorzugte Variante.
Ungleiche Läufer, aber Minusbauern an beiden Flügeln scheinen keine gute Option
für Weiß. (Vabanque: Da Weiß ohnehin noch einen Bauern verlieren muss, scheint
der Turmtausch tatsächlich die beste Option für ihn. Würde Schwarz nun beide
Bauernmehrheiten zu Freibauern verwerten können, würde er auch bei den
ungleichen Läufern mit den weit voneinander entfernten Freibauern gewinnen.
Aber wie sollte er das bewerkstelligen?)} ) 30... Bxb2 31. Bc2 {Als letzte
Option soll der Läufer gegen einen Bauern getauscht werden. (Vabanque: Gegen
welchen denn?)} 31... f5 {(Vabanque: Ich nehme dem weißen Läufer
Aktionsspielraum und bereite die spätere Schaffung eines Freibauern vor.
Gleichzeitig nehme ich auch dem weißen König Felder, freilich hätte ich mir zu
diesem Zeitpunkt nicht träumen lassen, dass Weiß sich wirklich würde mattsetzen
lassen.)} 32. Rd8 Ba3 {(Vabanque: Überführung nach c5)} 33. Rd3 Bc5 {(Vabanque:
Schwarz hat jetzt eine sehr aktive Aufstellung seiner beiden Figuren erreicht
und kann ohne Risiko unendlich lange probieren und auf einen weißen Fehler
warten. Ob das Spiel bei bester weißer Verteidigung für Schwarz gewinnbar ist,
weiß ich nicht.)} 34. Rd5 $4 {(Vabanque: Da ist er schon, der entscheidende
Fehler, viel früher als erhofft.)} 34... Re3+ {Vabanque kommentierte: "Dein
letzter Zug kommt mir zweifelhaft vor ...". Yep. Jetzt schon. Glatt
übersehen.} 35. Kf4 {(Vabanque: Der Monarch muss den mutigen Schritt nach vorn
tun, da Weiß sonst sofort Material einbüßt.)} 35... Rc3 $6 {(Vabanque: Te2!
hätte hier sofort einen dritten Bauern gewonnen, wonach Weiß die ungleichen
Läufer auch nichts mehr geholfen hätten. Mit dem Textzug hatte ich die Idee,
dem weißen König weiterhin auch die 3. Reihe zu nehmen. Ich rechnete hier eine
Reihe von Möglichkeiten aus, die alle zum Matt oder Materialgewinn führten, und
übersah das einfache Ld3, das meine Pläne für den Moment noch durchkreuzt
hätte.)} 36. Bb3 {Ld3 wäre der Zug der Wahl gewesen. Hier heißt es Matt in
vier. (Vabanque: Eigentlich hatte ich hier mit dem Läuferopfer auf f5
gerechnet, um den Ring, der sich um den weißen König geschlossen hat, gewaltsam
zu zerschlagen. Merkwürdigerweise entging mir, wie bereits gesagt, die einfache
Möglichkeit Ld3, mit der Weiß noch hätte Widerstand leisten können.)} 36... Kf6
{(Vabanque: Jetzt ist der Sargdeckel zu. Gegen das Bauernmatt auf g5 gibt es
kein Mittel mehr, auf h4 folgt h6.)} 37. Rd7 {Kriegen wir aber schneller hin.
In früheren Überlegungen hatte Weiß noch bedacht, warum er Kf6 nicht
provozieren wollte. Offenbar reicht das Kurzzeitgedächtnis nicht allzu weit
zurück. (Vabanque: Immerhin droht Weiß jetzt selbst Matt auf f7.)} 37... g5#
{Vabanque: Damit habe ich also gar kein "ungleiches Läuferendspiel" gewonnen,
sondern einen Mattangriff erfolgreich durchgeführt, bei dem ungleichfarbige
Läufer ja bekanntlich sogar hilfreich sind, da der gegnerische Läufer die
entsprechenden Felder nicht verteidigen kann.} 0-1


Schon im Verlauf der Partie stellte sich mir die Frage, ob andere Varianten
besser oder sinnvoller gewesen wären. Daher habe ich mir "unterwegs" einige Notizen gemacht und der gedankliche Austausch mit Vabanque während des Spiels stand chessmail sei Dank auch zur Verfügung. Somit folgte nach der Gratulation zum Sieg eine Engine-Analyse. Material war vorhanden, die Gedanken noch frisch, also entstand darauf eine Kommentierung, die ich mit Vabanque teilte. Schnell entstand dann die Idee, daraus für diese Rubrik eine gemeinsame Kommentierung der Partie und der Gedanken der Spieler entstehen zu lassen.

Kellerdrache - 07.12.18   +

Vielen Dank für die hübsche Partie aus den "Niederungen" von chessmail. Es ist wirklich sehr instruktiv mal eine Partie aus den beiden verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Wie z.B ein Spieler ewig beim Durchrechnen einer Variante sitzt, die der andere überhaupt nie auf dem Plan hatte.
Das nach 24...Td8 auf dem Brett entstehende Endspiel ist vermutlich trotz des schwarzen Mehrbauern stark remislastig, aber gerade solche leicht schlechteren Enspiele zu verteidigen ist keine leichte Aufgabe. Mir fällt es vor allem schwer zu entscheiden wann man zu Gegenangriff (23.Td7) und wann zur passiven Verteidigung (30.Te8) greifen sollte.
Die Partie ist jedenfalls leicht verständlich und unterhaltsam und die Kommentare von beiden Seiten machen die Sache extra interessant. Ein Experiment, dass eine Wiederholung verdient.

haribo02 - 07.12.18    

Kann ich nur zustimmten: wirklich sehr interessant, die
Kommentare von beiden hier zu bekommen !
Schöne Partie, Anfangs sehr ausgeglichen, aber nach
17.Sd5 ..kippte das Spiel zugunsten von Schwarz.
Weiss hätte vielleicht hier über den Zug: 17.Tc1
nachdenken sollen, der Turm droht indirekt die Schwarze Dame und öffnet nach 17.....cxd4 18.exd4 Dd7 19.Sd5...die c-Linie.
Vielen Dank dafür und bitte noch mehr davon ;-)
LG haribo02

Oli1970 - 07.12.18    

Dankeschön Euch beiden! Ich finde es mordsmäßig schwer, in solchen Stellungen den Durchblick zu behalten, vor allen Dingen umzuschalten, wenn etwas passiert, was man so gar nicht bedacht hat, wie diese Geschichte nach dem 16. Zug. Plötzlich stand ich auf dem falschen Bahngleis sozusagen. Eben noch im Angriff und einen Moment später nur noch Schadensbegrenzung.
Ich glaube, sowas wie Tc1 habe ich gar nicht in Erwägung gezogen an der Stelle. Tunnelblick aufs Mittelfeld, der Wunsch, den Angriff und möglichst die Figur zu behalten. Am Vortag hatte ich c5 noch auf dem Schirm, nach Vabanques Zug war das alles wie ausradiert. Da half auch das Analysebrett nicht mehr. Aber die Idee hinter Deinem Vorschlag klingt gut. Mal sehen, was Vabanque dazu sagt. :-)

Der Endspielbereich ist für mich ein großes schwarzes Loch. Was Du, Kellerdrache, beschreibst, geht mir auch so. Das einzige, wo ich mir sicher bin, ist, dass ich mich falsch entscheide. Wenig Steine und viel Platz auf dem Brett ist definitiv noch schlechter für mich als verwickelte Stellungen. :-)

freak40 - 07.12.18   +

Sehr interessant!
Gerade die beiderseitigen Kommentare....da konnte man schön sehen, wie manchmal aneinander vorbei gedacht wurde.
Das Endspiel sollte wohl Remis sein......ABER ein paar ungenaue Züge von Weiß reichen Vabanque, um mit genaue Zügen den Sieg zu erreichen.

Von solchen Partien kann ich mehr lernen als von der WM ;-)

Oli1970 - 07.12.18    

Ich freue mich, als schlechtes Beispiel dienen zu können. :-) Oft ist es so, dass ich nicht weiß, was eigentlich schief läuft, nur dass es schief läuft.

Tschechov - 07.12.18    

>>Oft ist es so, dass ich nicht weiß, was eigentlich schief läuft, nur dass es schief läuft.<<

Das geht mir bei erheblich stärkeren Spielern oft so. Da finde ich auch in der Analyse die Fehlzüge nicht, einfach, weil der Gegner mehr in die Tiefe denkt/spielt.

Oli1970 - 07.12.18    

Ja, genau. Erst sieht alles ganz logisch aus, dann geht‘s den Bach runter und man findet nicht raus, was der eigentliche Fehler war. Häufig ist es dann auch nicht der große Hammer, der sofort folgt. Die Stellung wird nur von Zug zu Zug schlechter, bis sie irgendwann explodiert. Aber wo war der Anfang vom Ende?

Ich will nicht mal sagen, dass es mich nur bei erheblich stärkeren Spielern trifft. Manche Stellungen durchdringe ich einfach nicht: Einem Angriff geht die Luft aus, ein Zwischenzug wird nötig oder für nötig gehalten, dann geht die Initiative flöten, plötzlich bin ich am Verteidigen und muss noch einen schlechten Abtausch machen. Alles mehr oder weniger erzwungen und das war es dann. Zurück bleibt Ratlosigkeit, weil ich keine alternativen Möglichkeiten gesehen habe. Auch die Engine hilft dann nur bedingt. Vielleicht kann sie mir zeigen, wo das Pendel ausschlägt, mir aber eben keinen Lerneffekt vermitteln, wenn es sich nicht um grobe Patzer handelt.