Kommentierte Spiele

Amateurschach - nur kein Risiko

Kellerdrache - 07.08.18   ++
Unter professionellen Schachspielern ist es eine populäre Taktik mit Weiß auf Sieg, mit Schwarz dagegen auf Remis zu spielen. Unter uns Amateuren, scheint mir, gibt es zwei Einstellungen. Die einen greifen immer an, egal ob Weiß oder Schwarz, ob sie jetzt besser stehen, ausgeglichen oder schlechter.

Die anderen Spieler wollen vor allem erstmal nicht verlieren. Also spielt man immer auf Sicherheit und vermeidet unübersichtliche Verwicklungen. Als Schwarzspieler habe ich oft unter diesen Spielern zu leiden, vor allem da ich in deren Stellungen oft die Geduld verliere und zweifelhafte Aktionen vom Zaun breche.


Hier mal ein Beispiel wo es für mich funktioniert hat. Das Spiel auf beiden Seiten ist nicht gerade fehlerfrei. Weiß hat einige Chancen das Spiel chancenreich zu öffnen und geht an seinem fehlenden Wagemut am Partieanfang zu Grunde. Als er dann beginnt zu kämpfen ist es schon zu spät.



[Event "?"]
[Site "Cologne"]
[Date "2014.2.20"]
[White "Nicht bewegen"]
[Black "Kellerdrache"]
[Result "0-1"]
[ECO "A49"]
[PlyCount "84"]
[SourceDate "2017.03.28"]

1. Nf3 Nf6 2. d4 g6 3. g3 Bg7 4. Bg2 O-O 5. O-O d6 6. e3 {Die Eröffnung ist so
eine Art Mischung zwischen Colle-System und königsindischem Angriff. Für das
Erste steht der Läufer auf der falschen Diagonale, für das Zweite ist die
Stellung im Zentrum vertauscht. e3 tut erstmal nichts fur das Zentrum,
schwächt aber in Verbindung mit dem Fianchetto die weißen Felder um den König
herum.} Nbd7 7. Nbd2 e5 {Ich folge im Wesentlichen dem üblichen
Königsindisch-Aufbau. Allerdings ist der Druck auf d4 mit vorangegangenem e3
eher gering. Weiß steht also passiv aber sehr solide.} 8. c3 {c3, sagt mein
vereinseigener Colle-Experte, spielt man nur wenn es zur Deckung von d4 sein
muss. Weiß muss sich überlegen wie er den Lc1 entwickeln will. Will er den
Läufer auch fianchettieren steht der c3 im Weg. Es bietet sich also ein Plan
mit e4 an, was die Diagonale c1-h6 öffnet.} Re8 {Ich erwartete, früher oder
später e4, was ich mit exd4 beantworten wollte. Dann steht der Turm schon mal
richtig} 9. Re1 e4 {Ich verabschiedete mich von meinem ursprünglichen Plan und
lies das Zentrum geschlossen. Der Sf3 wird es schwer haben ein vernünftiges
Feld zu erreichen} (9... exd4 10. exd4 Rxe1+ 11. Qxe1) 10. Ng5 d5 11. Nh3 {
um über f4 wieder ins Spiel zu kommen} c5 {eigentlich kein besonders guter Zug.
Tauscht Weiß auf c5 kann er den dann zurückhängenden d5 bequem belagern. Der
Plan ist in etwa Sf4, Sb3, Db3 oder Dd2 und Td1} 12. Nf4 g5 {Nach meinem
vorigen Kommentar dürfte klar sein warum ich den Springer nicht da stehen
lassen möchte} 13. Ne2 Rb8 14. Qa4 {beide Seiten ignorieren die mögliche
Öffnung der d-Linie durch 14.dxc5 wonach der Se2 auf d4 eine schöne Basis
fände.} a6 15. b4 {
möchte den c5 zwingen sich zu erklären und eventuell b5 spielen} b5 {
beendet die weißen Plane vorerst} 16. Qd1 c4 {Ist der Schwarze ein geduldiger
Mensch träumt er von dieser Stellung. Weiß hat für keine seiner Figuren
vernünftige Felder während er für die seinigen alle Optionen hat. Ich aber
hasse diese Positionen. Zwar hat der Nachziehende große Raumvorteile, doch
Weiß hat keine wirklichen Angriffspunkte} 17. a4 Nb6 {Es ist klar, dass das
nächste Kapitel am Damenflügel stattfindet, also bewegt sich das Pferd schon
mal dahin} 18. axb5 axb5 19. Ra5 Na4 20. Qc2 {meiner Meinung nach wäre das
Qualitätsopfer auf a4 eine beachtenswerte Alternative} (20. Rxa4 bxa4 21. Qxa4
Bd7 22. Qc2 {gelingt es Weiß jetzt a- oder b-Linie unter seine Kontrolle zu
bringen kann er am Damenflügel aktiv werden} Ra8 23. Bb2 {
mit der Idee Ta1. Weiß hat sehr wenig Raum zu manöverieren} Ba4 24. Qc1) 20...
Bd7 {ich wollte mit Dc8 und Lh3 den Fianchetto-Läufer tauschen} 21. f3 {
der einzige Zug wieder am Spiel aktiv teilzuhaben. Allerdings entstehen
dadurch auch Angriffspunkte für Schwarz} exf3 22. Nxf3 Ne4 {
deckt g5 und greift noch mal c3 an} 23. Rf1 Qc8 (23... Bg4 {
ein Vorschlag von meinem elektronischen Freund Fritz} 24. Ne5 Bxe5 25. dxe5
Bxe2 {
die Pointe von Lg4. Durch den Tausch auf e2 wird die Dame von e4 abgelenkt} 26.
Qxe2 Rxe5) 24. Ne5 Re7 {Zeitverschwendung, da ohnehin einer der Läufer gegen
den Springer getauscht werden muss} (24... Bxe5 25. Bxe4 dxe4 26. dxe5 Rxe5 27.
Nd4) 25. Bxe4 dxe4 26. Qxe4 Bh3 27. Rf2 Bxe5 28. dxe5 Nc5 {manchmal fällt auch
jemandem wie mir mal ein guter Zug ein. Nach Tf2 ist die weiße Grundreihe sehr
schwach. Die einfachen Versuche das mit Dd8 oder Td7 auszunutzen können aber
ganz simpel mit Sd4 oder Dd4 beantwortet werden. Also habe ich nach möglichen
Doppelangriffen gesucht. Dd8 greift den Ta5 an, der aber leider noch vom
Bauern b4 gedeckt ist} 29. bxc5 Qd8 30. Qd4 {
Sd4 ist besser, da die Dame auf der d-Linie zum Angriffsziel wird} Qxa5 31. Rf6
Qa1 {fesselt den Lc1 und indirekt den Se2} 32. Rd6 Rbe8 33. Rh6 {mit dem Rücken
zur Wand greift Weiß die schwarze Königsstellung an und natürlich auch den
Läufer auf h3} Rxe5 {Opfert den Läufer. Ich vertraute darauf auf der e-Linie
genug Kompensation zu finden} ({die beiden Alternativen gefielen mir nicht}
33... Bc8 34. Qe4 f5 35. Qd5+ Kg7 36. Qd6 Re6 37. Rxe6 Rxe6 38. Qd8) (33... Bf5
34. g4 Bg6) 34. Rxh3 Rxe3 35. Qf6 {decken kann man den Se2 nicht mehr, also
versucht Weiß noch ein Dauerschach herauszuholen} R3e6 {
der richtige Turm und der einzig richtige Zug} (35... Rxe2 36. Qxg5+ Kh8 37.
Qf6+ Kg8 38. Qg5+ Kh8) (35... R8e6 {der falsche Turm} 36. Qxg5+ Kh8 {
Tg6 geht ja wegen des dann ungedeckten Te3 nicht} 37. Qd8+) 36. Qxg5+ Rg6 37.
Qd2 Rxe2 {nicht schwer zu rechnen. Man bekommt für den Turm zwei Leichtfiguren
und einen Bauern} 38. Qxe2 Qxc1+ 39. Kg2 Qxc3 40. Qe8+ Kg7 41. c6 {41.De2 ist
objektiv vielleicht besser, doch wer möchte das gegen die verbundenen
Freibauern des Schwarzen spielen ?} Qc2+ 42. Kf3 Rf6+ (42... Rf6+ 43. Ke3 (43.
Kg4 Qf5+ 44. Kh4 Rh6#) 43... Qd3#) 0-1
Vabanque - 08.08.18    
Ja, solche 'bombensicheren' Eröffnungen, wie Weiß sie hier spielt, kennt man. In jedem Verein gibt es ein paar Spieler, die sich auf sowas 'spezialisiert' haben. Ich habe nie verstanden, wie so ein Schach Spaß machen kann. Einfach bloß passiv rumstehen und den Gegner machen lassen. Drauf warten, wie er sich abmüht, den Aufbau zu knacken, und dabei vor lauter Verzweiflung, dass er ihn nicht knacken kann, einen Fehler begeht.

'Das ist kein Schach', werden Großmeister dazu sagen, und doch, wie gesagt, so ein Aufbau ist schwer zu knacken, wenn er einem vorgesetzt wird.

Du hast es hier recht gut vorgeführt, wie es doch geht. Die Einengung des Weißen nach dem 16. Zug gefällt mir gut. Natürlich merkt er, dass er dann endlich etwas Aktives tun muss. Die einzigen möglichen Hebel sind ja a4 und f3, also sind sie nicht schwer zu finden. Nur sind sie auch gut? Dein Springer kommt ja nach a4, und das von dir beschriebene Qualitätsopfer hat dieser Spielertyp mit Sicherheit nicht mal erwogen. Spielt er dann auch noch f3, bekommst du auch noch das Feld e4, und die Schwäche c3 bei Weiß wird noch augenfälliger.

Natürlich erhält Weiß ein wenig Gegenspiel auf der halboffenen f-Linie, und da liegt auch schon das Problem. Die Stellung öffnet sich, und auf einmal ändert sich die ganze Situation. Dann kann man nicht mehr langsam und bequem auf Schwächen spielen, sondern muss konkret rechnen. Da heißt es schnell gedanklich umschalten. Wie du richtig bemerkst, was 24... Te7 vielleicht nicht optimal, dafür ist 28... Sc5 brillant. Dieser Zug gefällt mir am besten von der ganzen Partie.

Aber musste Weiß den Springer überhaupt nehmen (und damit Material einbüßen)? Freilich sieht es auch nicht gerade schön aus, wenn der schwarze Springer nach d3 gelangt.

Ab dann spielt der passive Weiße plötzlich äußert aktiv, aber nur weil es bei seinem Materialnachteil seine einzige Chance ist. Das ist auch typisch für solche Spieler. Geraten sie in Nachteil, wachen sie auf und zeigen plötzlich, was sie können. Hier reicht es allerdings nicht mehr.

Lustig finde ich übrigens, wie nach dem 30. Zug von Weiß die vier weißen Bauern c3, c5, e3, e5 alle schön symmetrisch um die weiße Dame herumstehen :)

Gut gefällt mir dann wieder das Opfer 33... Txe5 mit Hergabe des Lh3.

Schließlich fällt gerechtigkeitshalber doch die weiße Schwäche c3, und mit den zwei verbundenen Freibauern ist Schwarz dann auf der Siegerstraße, obwohl die Partie um einiges schöner sogar mit einem Mattangriff endet, aber nur, weil Weiß dies im Bestreben, auch seinen eigenen Freibauern flott zu machen, zulässt. Aber ansonsten schiebt Schwarz aber halt einfach seine Bauern vor.

Auf 42. Kf1 (oder Kg1) statt Kf3 gewinnt ja wohl Te6 (nicht Td6 De5+ und der Turm muss wieder zurück nach f6)

Insgesamt, wie ich finde, eine doch recht lehrreiche Partie mit einigen starken Momenten (von Schwarz, nicht von Weiß). Dass die Partie insgesamt die Ästhetik etwas vermissen lässt, liegt hauptsächlich an dem weißen Aufbau. Und wir Amateure sind ja schon froh, wenn wir gegen so einen Aufbau überhaupt gewinnen. Nimzowitsch freilich hätte hier den Weißen zunächst so weit eingeengt, dass er überhaupt keine vernünftigen Züge mehr gehabt hätte, und dann mit Genuss zugeschlagen, aber dieser Anspruch wäre für uns Amateure natürlich überzogen.
Kellerdrache - 08.08.18    
Was ich beim Nachspielen interessant fand ist das Weiß doch einige Möglichkeiten hatte aktiv zu werden und die durch meine Ungeduld geschaffenen Schwächen auszunutzen (vor allem 11...c5 ? ). Nur seine beharrliche Weigerung aktiv zu werden erlaubt es mir die Partie zu kontrollieren.

Ja, muss man den Sc5 nehmen? Ich hab eine Weile überlegt ob ich hierzu Varianten angebe. Die direkte Drohung ist ja erstmal die Bedrohung der weißen Dame auf e4. Zieht sie auf die d-Linie folgt Td7 mit drohendem Grundlinienmatt. Rückzüge auf z.B. c2 oder h1 werden mit Sd3 und Angriff auf den Tf2 beantwortet, wonach dann mindestens noch der e5 fällt. Viel weiter hab ich weder damals noch heute gerechnet
Kellerdrache - 08.08.18    
Nach dem schlechten 30.Dd4 wäre, neben 30...Dxa5 natürlich auch das simple 30...Td7 schon sehr unangenehm gewesen. Das habe ich bei der Kommentierung weggelassen, da es mir zu offensichtlich erschien. Während der Partie habe ich einfach ohne viel Überlegung den Turm genommen und Alternativen nicht mehr gerechnet.
Vabanque - 08.08.18    
In der Tat, nach Td7 hätte Weiß die Dame geben müssen, allerdings hat er ja vorher schon eine Leichtfigur geschlagen, und nach dem schwarzen Nehmen der weißen Dd4 würden sich die weißen Bauern nach exd4 wieder ganz gut vereinigen ... also weiß ich nicht, ob mir das wirklich besser gefällt als die Partiefortsetzung.

Tja, ist es die Hitze, oder woran liegt es, dass wir hier wieder auf die 2er-Runde reduziert sind? Wo ist Oli1970, und noch mysteriöser, wo sind diejenigen, die am lautesten nach Amateurpartien geschrieen haben? Diese Leute müsste jetzt doch wirklich zufrieden sein, und das könnte man ja auch mal kund tun, statt nur Plus zu klicken (was ja auch ganz schön ist, aber keine konkreten Informationen vermittelt, weil man nicht weiß, wer Plus geklickt hat und warum).
crysi40 - 08.08.18    
mein Gott wie oft willst Du das noch schreiben....:-)
Hast Du schon mal überlegt das auch Urlaubzeit ist???
Plus und Minus braucht mann ja nicht viele für...
darüber wurde ja schon oft genuf diskutiert.
Ich habe auch ein Plus gegeben...in übrigen ist die Partie von
Kellerdrache.
crysi40 - 08.08.18    
genug..sorry!!!
Vabanque - 08.08.18    
Du tust mir wirklich Leid.
Vabanque - 08.08.18    
Mit wieviel Accounts gibts du mir bei jedem meiner Beiträge ein Minus, nur weil sie von mir stammen, nur weil du von Neid zerfressen bist, weil ich in der Lage bin, mich klar, verständlich und auch noch lehrreich auszudrücken, alles, was du nicht beherrscht?

Nur warum du bei Kellerdrache, der dies alles auch kann, diese Vernichtungs- und Rachegefühle nicht empfindest, das ist für mich schwer zu erklären.

Für mich macht es keinen Unterschied, von wem die Partie gespielt ist, von wem sie kommentiert ist, es zählt ausschließlich das WIE.

Solltest du, crysi40, einmal in deinem Leben einen klar formulierten und konstruktiven Schachbeitrag hier reinstellen, du würdest von mir ein Plus kriegen. Aber ich bezweifle, dass dein sprachliches Können dafür ausreicht. Das hast du uns wiederholt immer wieder bewiesen.
Oli1970 - 08.08.18   +
Bin da, aber noch nicht durch. :-) Mittlerweile ist ja noch viel Input hinzugekommen, der auch noch hinreichend gewürdigt werden will.

Die Aufgabe des Läufers mit den Kompensationsüberlegungen ist jedenfalls sehr schön beschrieben und genauso der von Vabanque erwähnte Springerzug sieht sehr genial aus. Auch die Beschreibung des Endspiels mit den angegebenen Varianten zum Dauerschach finde ich klasse; ich bezweifle, dass ich in der Situation darauf geachtet hätte. Es ist zwar nicht allzu schwer zu sehen, aber dennoch - gut erkannt, perfekt umschifft.

Kellerdrache schrieb ja schon, dass die Partie fehlerhaft auf beiden Seiten sei. Hier würde ich mir vielleicht eine Kennzeichnung der Missgriffe wünschen; ein erster Blick mit dem Bitschubser zeigt, dass häufiger ein erzielter Vorteil wieder aufgegeben wurde. Kellerdrache geriet aber nie in Nachteil. Was mir für meine Person zu denken gibt, ist, dass ich kaum einen dieser Missgriffe bemerkt habe. Das Spiel sieht „wie aus einem Guss“ aus. Muss ich wohl noch üben. :-(

Ich will mir noch genauer das Aufhebeln der weißen Stellung ansehen, insbesondere will ich herausfinden, ob ich die Angriffsmarken ebenso ermittelt hätte. Ich denke, dass u. a. hier ein Lernwert zu finden ist - Weiß scheint andersrum lediglich auf einen Fehler des Gegenübers gepokert zu haben. Schön, dass dieses Spiel „bestraft“ wurde!

Und Leute, nicht diesen Thread zerhauen. Das ist keine Wertschätzung gegenüber dem Kommentator.
crysi40 - 08.08.18  
@Vabanque

Mit wieviel Accounts gibts du mir bei jedem meiner Beiträge ein Minus, nur weil sie von mir stammen, nur weil du von Neid zerfressen bist..

Ich glaube Du hast zu viel Sonne abbekommen....
Dein Leben sieht man ja hier wie oft Du online bist und zu zu vielen Sachen Du Dich äußert auch nur 2-3 blöde Sätze dann eine Simile hinter....
Du Tust mir leid...wie kam man nur so Geltung süchtig sein!!!
Kellerdrache - 08.08.18    
Auf ein paar Missgriffe hab ich ja hingewiesen. Von schwarzer Seite sind es z.B. 11...c5 wodurch der d-Bauer sehr anfällig würde wenn, ja eben nur wenn, Weiß auf c5 tauscht und 25...Te7 der keinen wirklichen Zweck erfüllt.

Weiß macht einige Züge, die reine Zeitverschwendung sind. Als Beispiele sind zu nennen 8.c3 und 14. Da4. Mein Spiel sieht in dieser Partie besser aus als es ist, da mein Gegner sich nie traut von seiner passiven Grundeinstellung abzuweichen.
Vabanque - 08.08.18    
>>zu zu vielen Sachen Du Dich äußert auch nur 2-3 blöde Sätze dann eine Simile hinter....<<

Dich ärgert, dass ich eine Sache auch mal so kurz und knapp auf den Punkt bringen kann :-)

Deinen von dir immer wieder geäußerten Neid über meine (angeblich) so viele freie Zeit kannst du auch gerne weiter pflegen, du brauchst ihn aber nicht immer wieder zu erwähnen.
Selbst wenn es wirklich so wäre, und ich über so viel freie Zeit verfügen würde, wie es dir erscheint, dann wäre es doch meine freie Entscheidung, wie ich sie verbringen will? Was würde mich daran hindern, meine freie Zeit komplett hier zu verbringen, und welche moralischen Einwände würden dagegen bestehen? Was würde dem entgegen stehen, mich zu allem zu äußern, was in mein Interessengebiet fällt?

Schach nimmt in meinem Leben einen relativ hohen Stellenwert ein, das stimmt. Aber ist das moralisch irgendwie anrüchig? ;)
Es gibt noch mindestens drei bis vier weitere Interessen, die in meinem Leben sogar vielleicht noch einen höheren Stellenwert einnehmen als Schach, aber das gehört nicht wirklich hierher.

Zu nicht-schachlichen Themen äußere ich mich im Forum eigentlich nur dann (allerdings ist das gar nicht so selten, das stimmt), wenn jemand Ansichten äußert, die mir nicht haltbar erscheinen. Die Pseudo-Argumente, die dann oft gebracht werden, zerpflücke ich gerne, teils eben auch mit paar kurzen sarkastischen Sätzen :)

Ich bin froh, dass es im Schach (wie auch in der Mathematik und in den Naturwissenschaften) wirklich schwer ist, einfach so Slogans oder Parolen in den Raum zu werfen und sie dann ggf. noch mit hanebüchenen Pseudo-Argumenten zu 'untermauern'.
Kellerdrache - 08.08.18    
@crysi40: Wolltest du etwas zur Partie sagen oder hast Du nur nach Vabanque gesucht ?
Vabanque - 08.08.18    
>>Mein Spiel sieht in dieser Partie besser aus als es ist, da mein Gegner sich nie traut von seiner passiven Grundeinstellung abzuweichen.<<

Stimmt. Er ergreift nie seine Chancen, die mir aber so groß nun auch wieder nicht scheinen, jedenfalls nicht groß genug, um die Partie völlig zu kippen. Vielleicht hätte er dir an manchen Stellen mehr Probleme bereiten können.
Oli1970 - 08.08.18    
Mittlerweile bin ich etwas weiter, was die Sicht über dieses Spiel betrifft; heute konnte ich einen zweiten Durchgang starten.

Aus der Eröffnungskommentierung meinte ich zwischen den Zeilen gelesen zu haben, dass die Eröffnung das Prädikat "selten" trägt. Kellerdrache erwähnte, dass er im Wesentlichen dem königsindischen Aufbau gefolgt sei - klingt, als sei er was das schwarze Spiel anginge, zumindest nicht ganz sicher. ;-) Da bin ich neugierig genug, da mal hinterher zu gehen. Und in der Tat war es schwer, dazu was zu finden. Die Chesstempo-Datenbank hat nur ein Spiel verzeichnet, dass im 11. Zug von Weiß die Stellung erreicht (Baretic gegen Matulovic, 3. Kostic Memorial 1969) - allerdings nach einiger Zugumstellung.

Ab dem 16. Zug von Schwarz wird das Spiel solide, die entstehende Bauernstruktur schaut harmonisch aus. Das ab dem 20. Zug angesprochene Qualitätsopfer verstehe ich allerdings nicht - wie kann Weiß dadurch Gegenspiel erlangen? Es ist alles eng, nicht nur, dass er einen Turm gegen Springer und Bauern eingetauscht hat - sein schwarzer Läufer wird vermutlich in den nächsten 100 Jahren nicht mitspielen, der weiße Läufer hält die Stellung, die Springer finden keine Felder. Was bleibt sind Hinhaltezüge oder ein Aufreißen der Stellung mit f2-f3. Klar, die Linien könnte er nutzen, nur wie käme er dazu? Da bin ich (mal wieder) draußen, mein Hirnersatz kann es mir auch nicht zeigen.

Jetzt habe ich auch die Pointe an Sc5 geblickt. Schon klar, dass der Zug zunächst den b4 ablenkte und die Dd8 den Turm aufs Korn nimmt ... im Zusammenspiel mit dem unscheinbaren Läuferlein auf h3 wird die Drohung mit dem Grundlinienmatt perfekt!

Mit 30. Dd4 gerät Weiß dann in den Todesstrudel. Die Bauerneskorte drumherum ist wirklich ein schickes Bild. Gut gesehen, Vabanque! Wieder was, was gestern an mir vorbei gegangen ist.

Die Hilfshirnanalyse läuft noch, so fällt dann auch 31. ... Da1 auf. Der Gedankengang dahinter ist nachvollziehbar, doch "teuer". Stärker wäre wohl Da8 mit der Drohung Dg2. Dann hätten wir aber die Endspielgeschichte nicht gesehen - und das wäre wiederum sehr schade.

Vielen Dank für die Kommentierung und die Teilhabe an Deinen Gedanken, Kellerdrache! Ich habe mal wieder ein paar Stunden gute Unterhaltung gehabt. Das heiße Wetter ist echt gut - man hat kaum Lust auf andere Aktivitäten und plötzlich Zeit für Schach! (Und Rasenmähen.) :-)
Vabanque - 08.08.18    
>>Die Chesstempo-Datenbank hat nur ein Spiel verzeichnet, dass im 11. Zug von Weiß die Stellung erreicht (Baretic gegen Matulovic, 3. Kostic Memorial 1969) <<

Immerhin eine GM-Partie, erstaunlich, hätte ich nicht gedacht! Was du alles ausgräbst bei deinen Recherchen :-)

>>Das ab dem 20. Zug angesprochene Qualitätsopfer verstehe ich allerdings nicht - wie kann Weiß dadurch Gegenspiel erlangen? <<

Mich hat die Idee des Qualitätsopfers ebenfalls nicht überzeugen können.

>>Mit 30. Dd4 gerät Weiß dann in den Todesstrudel. Die Bauerneskorte drumherum ist wirklich ein schickes Bild. Gut gesehen, Vabanque! Wieder was, was gestern an mir vorbei gegangen ist.<<

Das ist aber mehr Geometrie als Schach :-)) Für die Analyse der Partie jedenfalls ohne Bedeutung.

>>so fällt dann auch 31. ... Da1 auf. Der Gedankengang dahinter ist nachvollziehbar, doch "teuer". Stärker wäre wohl Da8 mit der Drohung Dg2. <<

Kann Weiß nicht mit e4 noch decken? Außerdem werden Damenzüge ins Eck, selbst wenn sie eine Drohung beinhalten, meist nicht gesehen :-)
Vabanque - 08.08.18    
>>Kellerdrache - vor 3 Std.

@crysi40: Wolltest du etwas zur Partie sagen oder hast Du nur nach Vabanque gesucht ?<<

@Kellerdrache: crysi wollte nur mal wieder seine Meinung über meine Person kund tun, wie wenn wir die nicht schon alle kennen würden ;)

Ich frage mich gerade, ob es wirklich möglich ist, dass jemand aus reinem Geltungsbedürfnis solche langen Partiekommentare verfasst ... ja vielleicht ist es möglich, man wirft ja auch manchen Schriftstellern und Künstlern vor, sie hätten ihre Werke nur aus dem Grund geschaffen, sich damit Geltung zu verschaffen. Aber ist erstens der Wunsch, Anerkennung für seine Arbeit zu bekommen, nicht ein natürliches Bedürfnis jedes Menschen? Und ist zweitens Geltungsbedürfnis überhaupt moralisch bedenklich? Ich denke, nur dann, wenn es auch zu moralisch fragwürdigen Handlungen führt, die anderen Menschen schaden können. Ansonsten ist es harmlos.

Nehmen wir mal an, es wäre so, dass ich alle meine Beiträge nur aus Geltungssucht verfasse ... wären sie dadurch schlechter? Würde das etwas an ihrem Inhalt ändern? Würde es etwas an ihrem schachlichen Wahrheitsgehalt oder Lehrwert ändern?

Ich denke mal, es hat für die Qualität meiner Beiträge keine Bedeutung, aus welcher Motivation heraus ich sie verfasse, es sei denn, die Leser könnten von der Lektüre meiner Texte irgendwie Schaden nehmen. Da sehe ich bei Schachbeiträgen aber keine Gefahr :-)

Und meine Beiträge zu anderen Themen mögen, wenn überhaupt, auch an anderer Stelle erörtert werden, aber jedenfalls nicht in diesem Schachthread :-)

@Oli1970: Danke fürs Zurücklenken auf die schachlichen Inhalte.
Oli1970 - 08.08.18    
Mit Geometrie und Schach hast Du doch zwei für Dich große Themen verbunden. Wie kann das ohne Bedeutung sein? Der Schachgott sendet Zeichen, doch sein Prophet versteht sie nicht - diese Tragödie! ;-)

Ja, e4 geht zunächst. Doch nach Verdopplung der Türme kostet es Weiß Material, der e5 muss vorrücken, der Tausch des verbleibenden Turms ist nicht zu vermeiden. Schwarz muss allerdings auf den c-Bauern und das mögliche Dauerschach Dd8 / Dg5 achten. Wäre jetzt schön, wenn ich das allein rausgefunden hätte. Da1 ist leichter zu wählen, weil recht schnell was Zählbares in Sicht ist, nehme ich an. Die menschliche Gier? ;-)
Oli1970 - 08.08.18    
Ich sehe gerade ... >>klingt, als sei er was das schwarze Spiel anginge, zumindest nicht ganz sicher. << - gemeint hatte ich natürlich das weiße Spiel. Hitze oder geistige Umnachtung, eines muss als Entschuldigung herhalten. :-)
Kellerdrache - 09.08.18    
Ganz kurz zum Qualitätsopfer im 20.Zug: Wenn ich es als Alternative angebe, dann nicht mit der Wertung als viel besserer Zug. Den vom Geschehen abgeschnittenen Turm einfach für Leichtfigur und Bauern zu tauschen verschafft einem wenigstens einen Freibauern, auch wenn nicht zu sehen ist wann man ihn in Bewegung setzten kann.
Weiß hat wegen seiner beengten Stellung einige Schwierigkeiten seine Kräfte umzugruppieren was letztendlich auch dazu führt, dass der ganze Plan mit a4 völlig kraftlos bleibt
Oli1970 - 09.08.18    
Ah, okay, danke. Es ging also mehr um eine mögliche Idee als um ein konkretes Gegenspiel.
Finde ich gut, dass Du die Partie nicht nur aus Deiner Sicht bringst, sondern ebenso Gedanken zum weißen Spiel reinbringst!