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Lieblingsspieler

Tschechov - 25.03.19    

Vor längerem habe ich hier mal nachgefragt, wen ihr für die größten Schachspieler aller Zeiten haltet. Nun habe ich eine andere Frage. Gibt es bestimmte Schachspieler, die eure Lieblingsspieler sind? Das ist ja keineswegs die gleiche Frage, denn keineswegs muß der Lieblingsspieler auch zu den erfolgreichsten gehören, etwa zwingend einmal Weltmeister gewesen sein, Und wenn ihr Lieblingsspieler habt: Warum mögt ihr sie am liebsten? Neugierig: Tschechov

Lounge - 25.03.19    

Für mich Aljechin.
Hat unglaubliche Schachgemälde abgeliefert. Menschlich gab es wohl Kritikpunkte, aber das trifft auf Schachspieler häufig zu.

Vabanque - 25.03.19   +

Ich habe hier ja mal (genau genommen schon öfters) die Ansicht vertreten, dass ein Schachspieler ausschließlich nach seinen Leistungen am Brett und nach der Schönheit seiner Partien, aber jedenfalls nicht nach seinen menschlichen Eigenschaften oder seiner politischen Einstellung etc., beurteilt werden sollte. Als Beispiel nannte ich tatsächlich Aljechin. Er war wohl kein sympathischer Charakter, und es wird ihm sogar Kollaboration mit den Nazis vorgeworfen. Aber die Großartigkeit seiner Partien wird für mich dadurch in keinster Weise geschmälert. Ich erinnere mich noch genau, dass ich für diesen Beitrag seinerzeit ein Minuszeichen erhielt. Offenbar waren da einige SF der gegenteiligen Meinung.

Bei den meisten meiner Lieblingsspieler werden derartige Problem allerdings kaum bestehen, da man ihnen menschlich nur schwer etwas Negatives nachsagen kann:

- Michail Chigorin
- Harry Nelson Pillsbury
- Michail Tal
- Paul Keres
- David Bronstein
- Alexej Shirov
- Alexander Morozevich
- Lewon Aronian
- Vassily Ivanchuk
- Judit Polgar

5 klassische und 5 moderne Spieler also, und sogar die Quotenfrau ist dabei, Schachherz, was willst du mehr? ;-)

Aber jetzt im Ernst: alles Spieler, die einen ultra-dynamischen, opferreichen Stil pfleg(t)en, die in Intuition und Rechenvermögen gleichermaßen beeindruckend sind oder waren. Bemerkenswerterweise sind/waren etliche von ihnen auch großartige Endspielkünstler, allerdings nicht von trockenen technischen Endspielen. Pillsbury, Shirov, Bronstein und Aronian hol(t)en aus Stellungen mit reduziertem Material die größtmögliche Dynamik heraus.

Don_Olaf - 25.03.19   +

Anatoli Karpow

Er war Weltmeister als ich selbst mit Wettkampfschach begann.

Hier etwas "Material":

https://www.chess.com/de/article/view/an..

Jellycube - 26.03.19   +

Als Hobbyspieler finde ich Zuckertort als kreativer Spieler von damals interessant.

blaessupp - 26.03.19    

Dank an Don_Olaf für das Material. Durfte 3 Partien gegen Karpov spielen, so als Geste. Zwischen 5 und 12 Zügen Matt.

Vabanque - 26.03.19    

>>Durfte 3 Partien gegen Karpov spielen, <<

Ich bin platt. Wie kam es denn zu diesem Privileg?

Aletea - 26.03.19   +

Sag mal Bernhard (blaessupp) darüber würde ich auch gerne mehr erfahren.
3 x gegen Karpov?. Wie kam es dazu?.

Hasenrat - 26.03.19    

Und wie in 5-12 Zügen matt zu werden?

Vabanque - 26.03.19    

In 5 Zügen matt schafft auch ein Karpov gegen niemanden von uns ...

kimble - 26.03.19    

Da magst Du Recht haben...
Selbst zum Seekadettenmatt bedarf es 7 Züge.

Vabanque - 26.03.19    

Nur Schäfer- und Narrenmatt geht kürzer ... aber auf beides fällt niemand von uns rein.

Don_Olaf - 26.03.19    

Hat dieses Matt eigentlich auch einen Namen?

1. e4 / d5
2. exd5 / Dxd5
3. Ke2 / De4 #

Lounge - 26.03.19    

Irrenmatt

Vabanque - 26.03.19   +

Bei uns im Verein hieß es das 'Filzmatt'.

Denn warum sollte Weiß 3. Ke2 spielen?

Ganz einfach: Nach seinem 2. Zug fragt Schwarz den Weißspieler: 'Hat dein König da unten auch so einen grünen Filz?', worauf Weiß selbstverständlich (?) seinen König in die Hand nimmt und nachschaut. Egal ob nun unter dem weißen König ein grüner Filz gefunden wurde oder nicht, Schwarz weist den Weißen nun darauf hin, dass er seinen König berührt hat und also damit ziehen muss!

Der einzig mögliche Königszug in dieser Stellung ist aber Ke2, und so kommt die von Don Olaf gezeigte 'Partie' zustande ;-)

Hasenrat - 26.03.19    

Ah .... :-D

Des Rätsels Lösung:
https://chessmail.de/~Karpov.

.. mit z. B.:
https://chessmail.de/game/f943340111cb8c13

Don_Olaf - 26.03.19    

Gute Story, wieder was gelernt
:-)

Tschechov - 26.03.19   +

@Vabanque

Das ist wohl die einzige mögliche Erklärung für diesen Zug, es sei denn, die Niederlage wäre verabredet gewesen (Wettmafia auch im Schach!). Aber dann würde man wohl kaum so plump und offensichtlich zu Werke gehen.

Vabanque - 26.03.19    

Aus rein innerschachlichen Gründen wird nach den Zügen 1. e4 d5 2. exd5 Dxd5 ja wohl niemand 3. Ke2 ziehen ;-)

Vabanque - 26.03.19    

>>Don_Olaf - 25.03.19 +

Anatoli Karpow

Er war Weltmeister als ich selbst mit Wettkampfschach begann.

Hier etwas "Material":

https://www.chess.com/de/article/view/an..;<

Das Material ist natürlich super.

Die Partien gegen Timman und gegen Hübner hatte ich ja auch mal in den Kommentierten Spielen gebracht.

Die Partie gegen Sax halte ich auch für eine von Karpovs schönsten.

Die anderen sind mir jetzt nicht so vertraut.

Es gibt noch eine Schwarzpartie von Karpov, wo er einen Turm gegen 4 Bauern (!!) opfert und im Endspiel gewinnt ... was für eine unglaublich gute positionelle Einschätzung von ihm!

blaessupp - 26.03.19    

Er kam mir entgegen an einem Ferienort. Ich erkannte ihn und sagte: nastarowie, dasvidania. Dann gings auf englisch weiter und zu einem Drink und Spiel. So einfach. War selber verbüfft. Sein Kommentar: you are a very good starter of beginner. Good luck, have fun.

Hanniball - 26.03.19    

@ Vabanque

...nicht zu vergessen Karpows Turnier in Barcelona, wo er meines Wissen nach den Schönheitspreis bei einer Partie (?) gewann....und dies am Anfang seiner Karriere.

Jupp53 - 27.03.19    

Als Kind und Jugendlicher habe ich Emanuel Lasker als Mensch, Jose Raoul Capablanca als Spieler und Kurt Richter als Autor verehrt.

Dann wurde ich erwachsen und durch meine Arbeit in der Psychiatrie merkte ich, wie hoch die Lebensleistung vieler Menschen einzuschätzen ist, auf die ich im normalen Alltag mit einer möglichen Berufsalternative gar nicht geachtet hätte. So sind die Vorbilder verblasst. Inzwischen komme ich im Schach ohne aus. Das beschreibt Niedecken auch in einer Liedzeile für sich. Wobei Lieblinge und Vorbilder nicht identisch sein müssen. Aber die Schwärmerei der Kindheit ist (leider?) vorbei.

Inzwischen genieße ich nur noch Partien, Studien und Kommentare wie sie kommen. Gerade lese ich Herman Grooten - Schachstrategie für Vereinsspieler und bin begeistert von seiner Materialauswahl und klaren, anregenden Kommentierung. Voriges Jahr gefiel mir die offene Art, mit der Ivan Sokolov in seiner Schachautobiographie gute und schlechte Züge unter die Lupe nahm.

Vabanque - 27.03.19    

Nun ich denke, Vorbilder sind schon noch mal etwas ganz anderes als 'Lieblingsspieler'. Ich hatte halt diejenigen Spieler genannt, deren Partien - egal welche ich von ihnen anschaue - für mich immer interessant und nie langweilig sind.
Sind sie Vorbilder? Vielleicht schachlich, aber da auch nur in begrenztem Maße (da ich selber niemals so mutig spielen könnte wie diese), aber sonst?
SF Jupp hat schon Recht, Vorbilder hat man hauptsächlich in der Jugend, später kommt man ohne sie aus.
Ich habe tatsächlich keine Vorbilder mehr, egal auf welchem Gebiet.

Mglali - 27.03.19    

Wirklich?
Nicht mal einen kurzen Moment wo Ihr bei diesen oder jenen euch ein Beispiel nehmen koenntet (egal auf welchen Gebiet).
Dauerhafte Vorbilder gibt es aufgrund des Mangels an Erfahrung (jung und ...). Sie muessen schwinden!

Jupp53 - 27.03.19    

Wir lernen sehr viel durch Nachahmung. In dem Sinne haben wir sicher unser Leben lang Vorbilder. Das hat für mich eine andere Bedeutung, als die Vorbilder in Kindheit und Jugend.

Don_Olaf - 27.03.19    

"Lieblingsspieler" hieß es ja. Das können, müssen aber nicht zwingend Vorbilder sein - und auf gar keinen Fall Vorbilder in allen Lebenslagen.

An einem Mannschafts-Spieltag sind bei einem weiten Begriffsverständnis meine sieben Team-Kollegen meine Lieblingsspieler, aber das meinte Tschechov in seiner Ausgangsfrage natürlich nicht.

Hanswurst01 - 27.03.19    

Meine Lieblingsspieler sind Hanniball und Canal Prins.
Obwohl oder weil ich ihnen haushoch unterlegen bin, bekomme ich manchmal eine Übungseinheit beim Live-Schach.
Danke dafür.

Hasenrat - 27.03.19    

Wer auf beide Fragen, nach dem Vorbild- u. dem Lieblingsspieler, sich selbst nennen kann, so wie Carlsen, nicht wahr, der hätte es wohl geschafft ...

Mglali - 27.03.19    

@Hasenrat
Wer das tut ist einfach nur sehr ueberheblich.

Hasenrat - 27.03.19    

... oder ein sehr ausgeglichener Mensch und mit sich im Reinen?
Oder er ist einfach on the top?
Beides?
Ersteres ist das Erstrebenswerte!

Schlafabtausch - 27.03.19    

Vabanque!

Mglali - 27.03.19    

Ich glaube nich das Carlsen das tut.
Wunschdenken von dir?
Wer immer das tut kann mit sich nicht im Reinen sein.
Er will ... (was auch immer)
und zweitens: es gibt frueher oder spaetr immer einen besseren.

Hasenrat - 27.03.19    

Die Wahrheit ist folgender Kern: Carlsen antwortete während einer WM-PK auf die Frage, wer in der Schachgeschichte sein größtes Vorbild sei, er selbst vor 5 (?) Jahren - was ja durchaus ein selbstkritisches Moment hat.

Habe ich ein Vorbild oder einen "Lieblingsprotagonisten" in was auch immer außer mir selbst, heißt das ja der Vergleich steht am Anfang, dann die Unzufriedenheit mit mir selbst, denn ich will dahin kommen, wo der Idealtyp steht, ob faktisch oder imaginiert. Also bin ich in dem Moment unglückliches Bewusstsein und mit mir entzweit - von mir entfremdet, nicht?

Mglali - 27.03.19    

Was hat das Fragezeichen in Klammern fue ne Bedeutung?
Wuerde das nicht heissen das er schlechter geworden ist?

Tschechov - 27.03.19    

@Mglali: Ja, genau das wollte Hasenrat sagen, genauer: daß Carlsen sich selbst so einschätzt, daß er vor fünf Jahren besser spielte.

Mglali - 27.03.19    

gut,
aber dann ist er ja kein Vorbild mehr.
Das Ziel ist ja Vorbilder zu erreichen und DANK ihnen besser zu werden.
Das andere is selbsterkenntnis zu spaet ausgestiegen zu sein, oder?

Tschechov - 27.03.19    

@Mgali: Kann man so sehen. Wobei er ja immer noch die Nummer Eins ist. Das könnte ihm ja genügen. Allerdings ist es vermutlich nicht ganz einfach, sich weiter zu motivieren, wenn man das Gefühl hat, seinen Zenit überschritten zu haben. Am Rande der letzten WM wurde über Schachmüdigkeit des Weltmeisters spekuliert.

Mglali - 27.03.19    

ja, wenn man keine herrausforderungen mehr hat , kann das sehr deprimierend sein.
Aber sein Vorbild war frueher ein anderer. Er sollte diesen nennen um der naechsten Generation den Mut zu geben weiter zu machen.
Er selbst wird dann genannt um sich zu steigern.
Hoechste Ehre wenn man nicht selbst reden muss, ueber sich.

blaessupp - 27.03.19    

Mglali..... das Fragezeichen hinter der 5, war die Unsicherheit: Es hätte vor 4 oder 6 Jahren sein können. So interpretierte ich es.
Vorbilder? Das kann dahin gehen, dass man Spiele eines guten Spielers zum Vornbild nimmt und versucht, diese Variante durchzuspielen? ... Bis man soweit ist, dass man "immer" gewinnt. Ich bin von dieser Variante/Möglichkeit weit entfernt. Es macht aber immer Spass zu "Hirnen" und dann sich zu ärgern, weil man nicht das gezogen hat, was man eigentlich wollte... so aus dem "Aermel" heraus.... impulsiv. Der egnr soll ja auch seine Freude haben!

freak40 - 27.03.19   +

Lieblingsspieler....hm...ohne Begündung bringt das nichts.

Beliebige Reihenfolge
1.)Rubinstein:
sehr starke Strategie schon aus der Eröffnung heraus (hat vielleicht ein Manko, das er mit dynamischen Sachen so seine Probleme hatte.)
Endspiel: von einem anderen Stern...paradoxerweise spielte er diese teilweise sehr dynamisch
2.)Morphy und Anderson....kombinatorisch könnten sie auch heute locker mithalten.
3.) Fischer
Mir fällt da eine wahre (!) Anektode ein....Najdorf wurde mal gefragt betr. Schachstiele der Meister....seine Antwort:
"Du zeigst mir ein Spiel...Aha, sehr schön, logische Züge, wunderschönes Spiel, das muß Capablanca sein. dann zeigst du mir ein anderes Spiel:
Mein Gott, was spielt dieser Bandit da..er opfert links und rechts...und dann kommt ein phantastischer ruhiger Abwartezug...ich erkenne: das ist Tal.
(noch eine gute Charackterisierung von Petrosjan.) Dann aber:
Ich sehe eine Partie und erkenne nicht, wer der Spieler ist
Da ist kein Stiel, es ist perfekt...Perfektion hat keinen Stiel....es ist Fischer."
4.) Aljechin...die Partien waren oft zu kompliziert für mich....habe sie aber genossen.
5.) Reuben Fine....der meist unterschätzte "Supergroßmeister".
Glasklare "frostige" Strategie gepaart mit Endspielkönnen; in seiner besten Zeit wohl der beste Spieler (trotz Keres, Aljechin, Botwinnik).
6. Der jetzige Wm gefällt mir auch sehr....in allen Bereichen überragend.

Kocudo - 28.03.19    

Mein Lieblingsspieler ist Robert Fischer. Er war der konsequenteste. Er ist im Alter vo 64 gestorben.

Bierliebhaber - 28.03.19    

Mein Lieblingsspieler ist mein Kumpel Bert. Gegen den gewinn ich immer. Auch mit 6 Bier. :))))

Jupp53 - 28.03.19   +

@Mglali

Es kann überheblich sein, muss es aber nicht, sich selbst als Vorbild und Lieblingsspieler zu haben. Wer sich realistisch! selbst loben kann, was leider in der deutschen Kultur viel zu wenig geschätzt wird, der kann andere auch realistisch loben, ohne auf irgendwelchen Schleimspuren auszurutschen.

Einmal habe ich ein positionelles Damenopfer gegen Springer und Bauer gebracht. Daran denke ich heute noch mit Freude, 30 Jahre später. Es war korrekt, der einzige Weg eine leicht schlechtere Stellung zu halten. Da war ich für einen Moment mein Lieblingsspieler.

Niemals habe ich mich damit auf ein Niveau mit einem der großen Meister gehoben. Meschugge bin ich vielleicht in anderen Bereichen. Wenn ich von Em. Lasker spreche, dann bedeutet das Wort Lieblingsspieler etwas völlig anderes. Seine Partie gegen Capablanca in St.Petersburg 1914, seine lange Karriere, seine Klarheit im Denken, seine taktische Stärke, das bewundere ich immer noch.

Ebenso Capablanca. Wie einzigartig er in Grundzüge der Schachstrategie seine sämtlichen Niederlagen in großen Turnieren bis dahin kommentierte! Die Frechheit darauf hinzuweisen und auszulassen, das jeder andere deutlich mehr entsprechende Misserfolge vorweisen müsste. Wie ich als 12jähriger darauf reinfiel.

Die Kampfbereitschaft des Steinitz, die glasklaren Partien des Rubinstein, die zähe Konkurrenz von Tarrasch und Nimzowitsch. Das zieht sich hin bis in die Gegenwart.

Lobt die großen Leistungen der Großen und die guten Leistungen der Kleinen im Sinne von Heinrich Heine:

Doctrin

Schlage die Trommel und fürchte dich nicht,
Und küsse die Marketenderin!
Das ist die ganze Wissenschaft,
Das ist der Bücher tiefster Sinn.

Trommle die Leute aus dem Schlaf,
Trommle Reveille mit Jugendkraft,
Marschiere trommelnd immer voran,
Das ist die ganze Wissenschaft.

Das ist die Hegel'sche Philosophie,
Das ist der Bücher tiefster Sinn!
Ich hab' sie begriffen, weil ich gescheidt,
Und weil ich ein guter Tambour bin.

JamesBond007 - 30.03.19    

Hallo ! :-)

Mein Lieblingsspieler ist Dr. Milan VIDMAR (1885 - 1962) und ich besitze sein tolles Buch "Goldene Schachzeiten" - Erinnerungen !

freak40 - 30.03.19    

Wirklich ein schönes Buch!

JamesBond007 - 31.03.19    

@ freak40 :

Jaaaa ! :-)

Vabanque - 31.03.19    

Dann ist es wohl weniger ein Lieblingsspieler, sondern vielmehr ein Lieblingsbuch :) (Ich mag das Buch auch :-) trotzdem würde ich den sympathischen Vidmar jetzt nicht unter meine Lieblingsspieler zählen)

freak40 - 01.04.19    

Prof. Dr. Vidmar....vielleicht der beste Amateur aller Zeiten....seine Forschung im Transformatorenbereich waren bahnbrechend.
Aljechin hat ihn sehr geschätzt...das heißt was: Aljechin hat neben sich kaum einen geschätzt.

Vabanque - 01.04.19   +

Vidmar hat gegen Aljechin eine 2:4-Bilanz (Remisen nicht mitgerechnet), er war für ihn also ein ernstzunehmender Gegner, der ihm aber wohl in einem Match kaum hätte gefährlich werden können. Keres hat es gegen Aljechin übrigens nur auf eine 1:5-Bilanz gebracht, während umgekehrt Vidmar gegen Capablanca nie einen Sieg verbuchen konnte (0:3). Generell scheint es gegen Aljechin 'leichter' gewesen zu sein, ab und zu mal zu gewinnen, als gegen Capablanca. Tartakower und Bogoljubow, die doch beide zu den führenden Spielern ihrer Zeit gehörten, konnten gegen Capablanca nie einen einzigen Sieg landen, gegen Aljechin aber durchaus. Dagegen hatte Rudolf Spielmann, der sicher niemals in die Nähe von WM-Stärke kam, gegen Capa eine ausgeglichene 2:2-Bilanz.
Diese Beispiele zeigen einmal mehr, wie fragwürdig der Begriff 'Spielstärke' ist, und dass im Schach nun einmal alles möglich ist.

Es geht hier aber um Lieblingsspieler (die Frage nach dem 'größten' Spieler wurde in einem anderen Thread gestellt), und niemand wird seinen Lieblingsspieler nach der reinen Spielstärke bzw. nach seinen Turniererfolgen auswählen.
Resultate allein mögen durchaus beeindrucken, aber Lieblingsspieler ist jemand, dessen Partien (oder Bücher) einem gefallen.

Schlafabtausch - 01.04.19    

Also eher Lieblingsautor? Da wäre es dann bei mir Keilhack

Schlafabtausch - 01.04.19    

Und Soltis

Mglali - 01.04.19  

@Vabanque
ECHT JETZT?

Kann er nicht selbst entscheiden wer zu seine Lieblingsspielern gehoert?
Erst Denken, dann schreiben, oder bist du der die hier alle provoziert (in SEINEN Forum) ?
Der heimliche Moderator? Sperren kannst du nicht, wie traurig!!!

Vabanque - 01.04.19    

>>Kann er nicht selbst entscheiden wer zu seine Lieblingsspielern gehoert?<<

Aber genau das habe ich doch geschrieben bzw. gemeint ...

Erst lesen, dann aufregen (bzw. dann nicht mehr) ;-)

Mglali - 01.04.19  

Vielleicht gemeint, geschrieben hast du erwas anders ;)

Vabanque - 01.04.19   +

Vielleicht hatte ich mich ja nicht klar genug ausgedrückt.

Ich wolllte sagen: Lieblingsspieler sind komplett subjektiv, und unabhängig davon, was ein Spieler wirklich geleistet hat. Das kann ebenso der amtierende WM sein wie der Freund im Verein, mit dem man gern spielt, und von dem man schon vieles gelernt hat, oder auch der Autor eines Buches, das einem gefällt.

Und weil es komplett subjektiv ist, erlaube ich mir auch, den Lieblingsspieler eines anderen Schachfreundes nicht zu meinem Lieblingsspieler zu erwählen, und dies auch zu begründen. Ebenso werden meine Lieblingsspieler bei manchem Schachfreund höchstens Achselzucken oder Unverständnis hervorrufen. Und all das ist legitim.

P.S. Was hat die Rechtschreibprüfung meines Browsers gegen das Wort 'Lieblingsspieler', das bei mir ständig rot unterringelt erscheint?

Vabanque - 01.04.19    

Nein, ich kann auch nach wiederholtem Durchlesen nicht finden, dass ich oben etwas anderes geschrieben habe. Anscheinend aber missverständlich formuliert ...

Mglali - 01.04.19    

:))) keine Ahnung. Vielleicht das doppel s?
Eigentlich braucht man nur richige Anfang und Endbuchstaben um das Wort zu lesen. Ein oder zwei falsche gehn normalerweise unter, im Verstaendnislesen. Das Programm is gnadenlos!
und unwichtig.

Tschechov - 01.04.19   +

Als Ersteller dieses threads möchte ich mich selbst zitieren:

>>Gibt es bestimmte Schachspieler, die eure Lieblingsspieler sind? Das ist ja keineswegs die gleiche Frage, denn keineswegs muß der Lieblingsspieler auch zu den erfolgreichsten gehören, etwa zwingend einmal Weltmeister gewesen sein, <<

Hier geht es tatsächlich um eine ganz subjektive Meinung, die nicht durch "Fakten" (also etwa Statistiken, Rekorde usw.) belegt zu sein braucht.

Schlafabtausch - 01.04.19    

Ok, meine 3 Lieblingsspieler: (ohne Reihnfolge bzw. Prio): Andrew Soltis, Harald Keilhack und Igor Smirnov.

Alle drei spielen, ich sag mal, unkonventionell

JamesBond007 - 01.04.19    

… und Harald Keilhack schreibt gut !

"Der Linksspringer 1.Sc3" : SUPER ! :-)

Schlafabtausch - 01.04.19    

Genau, sind alles Autoren, ich kenne deren "Werke" bzw. haben die drei mich am meisten beeinflusst.

Auch von Keilhack, "1..Sc6 aus allen Lagen"

JamesBond007 - 01.04.19    

"1. Sc6 aus allen Lagen" : wollte ich damals bestellen ! War jedoch bereits vergriffen !

Tschechov - 01.04.19    

@JamesBond007:

https://www.booklooker.de/B%C3%BCcher/Ha..

JamesBond007 - 01.04.19    

@Tschechov :

Recht herzlichen Dank ! :)

Vabanque - 01.04.19    

Aber ein stolzer Preis ...

JamesBond007 - 01.04.19    

… aber wenn man es unbedingt will ! ;-)

Vabanque - 01.04.19   +

Also wenn es um Schachautoren geht, dann möchte ich noch nennen:

- Siegbert Tarrasch:

Nicht nur 'Das Schachspiel', sondern v.a. auch '300 Schachpartien' und 'Die moderne Schachpartie' zeigen seine Erklärungskunst. Kaum ein anderer kann komplizierte Zusammenhänge so klar und einfach erscheinen lassen. Bei der Kommentierung eigener Partien gibt er auch unumwunden zu, was er an der betreffenden Stelle übersehen hat. Man bekommt regelrecht Einblicke in die Denkweise eines starken Spielers.

- Kurt Richter:

So ziemlich die witzigsten und dabei dennoch lehrreichen Kommentare, die ich kenne. Freilich meist nicht von großer Gedankentiefe, aber immer unterhaltsam.

- Neil McDonald:

Hat viele Eröffnungsbücher geschrieben (auch in der berühmten 'Starting out'-Reihe), und allgemeine Bücher wie 'Chess, The Art of Logical Thinking', 'Chess Secrets: The Giants of Strategy' und 'Chess Secrects: The Giants of Power Play', wo er jeweils Partien von Top-Spielern so erklärt, dass auch ein Durchschnittsspieler hinterher den Eindruck hat, die Partie verstanden zu haben. Er legt mehr Wert auf Worterklärungen als auf Varianten. Schachbücher, die man sehr gemütlich genießen kann und dabei trotzdem noch eine ganze Menge lernt.

(Vorsicht: die anderen Bücher der 'Chess Secrets'-Reihe sind nicht von Neil McDonald, sondern von verschiedenen anderen Autoren, und m.E. weniger zu empfehlen, da sie traditionell aufgebaut sind mit vielen Variantenanalysen, durch die man sich nur schwer durchwühlen kann. Freilich kann man sich immer entscheiden, nur die verbalen Erklärungen zu lesen ;-) )

Vabanque - 01.04.19    

>>JamesBond007 - vor 10 Min.

… aber wenn man es unbedingt will ! ;-)<<

Ja, dann nimmt man einiges in Kauf. Keilhack ist ja auch wirklich ein toller Autor, da haben die Schachfreunde schon Recht.
Ich kaufe das Buch halt deswegen nicht, weil ich nicht 1... Sc6 spiele :-)

Don_Olaf - 01.04.19    

Bei den Autoren (neben Karpow):
Jonathan Rowson

Tschechov - 01.04.19    

Bei Jonathan Rowson stimme ich gerne zu. Aber Karpow? Vielleicht habe ich mir ja immer die falschen Bücher von ihm ausgeliehen, ich habe jedenfalls den Eindruck, er gibt seinen Namen für alles her, auch für reine Partiesammlungen mit ein bißchen Blabla drumherum.

Don_Olaf - 01.04.19    

Meine Empfehlung:

Anatoli Karpow:
Wie ich kämpfe und siege,
50 ausgewählte Partien, vom Weltmeister selbst kommentiert,
Schachverlag Rudi Schmaus, Heidelberg, 1978

Vabanque - 01.04.19    

Hoffentlich wirklich von ihm selbst kommentiert und nicht von einem Ghostwriter (allerdings immerhin unter Verwendung von Karpovs Analysen) verfasst, wie leider ziemlich viele Bücher, die angeblich von großen Spielern selbst geschrieben wurden, und es dann doch nicht sind. Das muss allerdings trotzdem nicht bedeuten, dass diese Bücher schlecht wären.

Jonathan Rowsons 'Schach für Zebras' ist eines jener Bücher, die in meinem Bücherregal stehen und noch nie eine Verwendung gefunden haben. Vielleicht habe ich die Lektüre auch zu früh abgebrochen, aber ich konnte absolut keinen Zugang zu den Gedankengängen des Autors finden (kann mich aber auch an wirklich nichts mehr erinnern, was darin stand, ich weiß nur, dass ich es für mich als nicht brauchbar einstufte).

Don_Olaf - 01.04.19    

"Schach für Zebras" ist quasi die Fortsetzung der "7 Todsünden" des Autors. Vielleicht liegt es daran, dass Du keinen Zugang zu dieser Art "Band 2" fandest?

Es geht bei der Zebra-Metapher um eine Öffnung des schachlichen Denkens weg von klassischen Dogmen.

Mehr als PN, hab Dir grad geschrieben.

Tschechov - 01.04.19    

"7 Todsünden..." ist wirklich ein gutes Buch. Wobei ich mir vorstellen kann, daß Vabanque das nicht mehr braucht. Für Spieler meiner Stärke ist es sehr hilfreich.

Hasenrat - 02.04.19    

"Lieblingsspieler":
- früher Rudolf Spielmann (hatte mir Reuben Fine nahegebracht - Spielmann als so eine prekäre Existenz, mit der "Dissonanz" v. Charakter u. Spielweise)
- "aktuell" A. E. Santasiere (auch Autor), apokryph in Lehre u. Praxis, blumiger Schreibstil.

- Autor & Spieler: Bernd Feustel. Skurril.

Aber bin grundsätzlich kein "Fan", immer nur "Sympathisant unter Vorbehalt" / bis auf Weiteres.

Hasenrat - 02.04.19    

Unter den Gegenwärtigen finde ich Richárd Rapport am interessantesten.

Hasenrat - 02.04.19    

Auch wieder des überraschend Unkonventionellen wegen.

Schlafabtausch - 02.04.19    

James Bon, bei uns gabs das in der Stadtbibliothek für Gratis zum ausleihen,,,

Schlafabtausch - 02.04.19    

Allerdings habe ich für Soltis: stonewall Attac knapp 90 Euro ausgegen. Ist halt auch schon antiquarisch.

JamesBond007 - 02.04.19    

@ Schlafabtausch :

Danke für den Hinweis ! :)

Stonewall-Attack : echt stark ! :)

Jupp53 - 02.04.19    

Zu Rowson, Sieben Todsünden und Zebras

Es ist so, dass meistens Schach für Zebras weniger zugänglich ist, während die Sieben Todsünden meistens gelobt werden.

Für mich ist es umgekehrt. Die Todsünden sind, wie im Katholizismus übrigens, eine relativ beliebige Aneinanderreihung von Fehlern, ohne eine klare Systematik im Hintergrund. Von der Sorte gibt es inzwischen mehrere hundert Bücher. Schach für Zebras zeigt die Fortschritte des Autors in seinem Bereich der Forschung über kognitive Prozesse und ist damit wohl für den Normalleser zu schwer geworden. Das ist bedauerlich. Es gibt stärker Hinweise zur eigenen Entwicklung der Denkprozesse im Schach.

Anders formuliert: Die Todsünden sind ein Kochbuch für bekannte Speisen. Die Zebras sind eine Anleitung zum Erkennen der eigenen Geschmacksnerven und überlassen es dem Leser Rezepte zu entwickeln.

Die Partiefragmente und Partien habe ich nur ohne Brett gelesen. Daher gilt die Beurteilung nur für die Prosa.

Schlafabtausch - 03.04.19    

James Bond was ist stark? Der Preis oder das Buch?

JamesBond007 - 03.04.19    

@ Schlafabtausch : … der Stonewall-Angriff ! :-)

Schlafabtausch - 03.04.19    

Den Spiele ich seit 30 Jahren! Aber das geht hier zu weit, hab ich schong enug zu geschrieben, gerne via PN zu dem Thema :-)

Vabanque - 03.04.19   +

>>Hasenrat - 02.04.19

"Lieblingsspieler":
- früher Rudolf Spielmann (hatte mir Reuben Fine nahegebracht - Spielmann als so eine prekäre Existenz, mit der "Dissonanz" v. Charakter u. Spielweise)<<

Das kommt aber wohl öfters vor: Keres, Bronstein, Tal, Morozevich, Shirov. Aggressiv nur auf dem Brett. Im Leben zurückhaltend, umgänglich.
Vielleicht war bei Spielmann diese Diskrepanz ja ganz besonders ausgeprägt. Am liebsten saß er ja nur da und trank ein Bier :-)

Vabanque - 03.04.19   ++

>>Hasenrat - 02.04.19

Aber bin grundsätzlich kein "Fan", immer nur "Sympathisant unter Vorbehalt" / bis auf Weiteres.<<

Das 'Fan-tum' ist sowieso ein merkwürdiges (und auch etwas anrüchiges) Phänomen. (Nicht umsonst kommt 'Fan' von 'Fanatiker').
Der 'Fan' findet grundsätzlich alles gut, was sein Vorbild tut. Der echte und bedingungslose Fan kleidet sich wie sein Vorbild, spricht wie sein Vorbild etc. :-)
Bin ich Fan von einem Autor, muss ich jedes Buch von ihm haben, bin ich Fan von einem Musiker oder einer Band, muss ich alle seine Platten haben etc.
Bin ich Fan von einem Schachspieler, muss ich alle seine Partien nachgespielt haben (oh weh) und von allen begeistert sein (naja, zumindest von den gewonnenen) ;-)

Wichtig für einen echten Fan ist auch, sein Vorbild unter allen Umständen gegen Kritik zu verteidigen. Wehe man wagt es, einem FC Bayern München-Fan mit Kritik an 'seinem' Verein zu kommen, oder einem Bob Dylan-Fan zu enthüllen, dass dieser doch gar nicht singen kann (und auch nur mäßig Gitarre spielen), und wehe man relativiert die Leistung Bobby Fischers gegenüber einem echten Bobby-Fan, indem man z.B. sagt, Fischer sei doch nur ein Weltmeister von vielen gewesen :-)

'Sympathisant' gefällt mir da schon viel besser, und 'unter Vorbehalt bzw. bis auf Weiteres' kann ich ebenso unterschreiben. Es kommen immer wieder neue Autoren, neue Bands und Künstler, für die ich mich interessiere ... und auch neue Schachspieler ... da gibt es dann eine Phase, wo man sich intensiv mit den Werken von jemandem beschäftigt, und dann flaut die Begeisterung wieder ab und das Objekt der Begeisterung wird durch ein anderes abgelöst, zumindest temporär. Man kann aber immer wieder zu seinem ehemaligen 'Liebling' zurückkehren.

toby84 - 06.04.19    

Ich bin gestern zufällig in einen Schachvortrag von Zigurds Lanka gestolpert, als ich den lokalen Verein meiner neuen Heimat besucht habe.

Kennt jemand seine Vorteäge oder sein Buch/seine Bücher?

Jupp53 - 06.04.19    

Seine regelmäßige Spalte in er Europa-Rochade gefällt mir sehr gut, was die Verständlichkeit angeht. Die hat er dort seit etwa zwei Jahren, wenn mich mein Gedächtnis nicht täuscht.

Schlaffi - 24.07.19    

@Vabanque:
Also wenn es um Schachautoren geht, dann möchte ich noch nennen:
- Siegbert Tarrasch:
Nicht nur 'Das Schachspiel', sondern v.a. auch '300 Schachpartien' und 'Die moderne Schachpartie' zeigen seine Erklärungskunst. [...]

Mir gefallen auch die Buecher von Tarrasch, nicht aber "300 Schachpartien".

Von dem Buch bin ich schwer enntäuscht.
Schon beim 1. Spiel steht "Der Läufer gehört auf das Feld xyz". Ohne jede Erklärung. Dann werden viele Zuege gar nicht kommentiert, dann kommt eine kurze Bemerkung.

Vielleicht bin ich von Chernev - Logical Chess etwas verwöhnt und mir muss alles vorgekaut werden. ;-)

Die anderen genannten Buecher von ihm finde ich sehr empfehlenswert.

Wer es noch nicht kennt:

http://www.schwachspieler.de --- Elektronische Buecher

Dort kann man sich durch die Buecher durchklicken und nachspielen.

Vabanque - 24.07.19   +

>>Vielleicht bin ich von Chernev - Logical Chess etwas verwöhnt und mir muss alles vorgekaut werden. ;-)<<

Dieses Buch von Chernev ist aber auch wirklich für Anfänger gedacht.
Dass jeder, aber auch wirklich jeder Zug erläutert wird, kann aber auch ermüdend sein.
Die anderen Bücher von Chernev erläutern auch noch viel Elementares, aber nicht mehr jeden Zug.

In den '300 Schachpartien' erläutert Tarrasch m.E. schon genug. Es hängt auch von der jeweiligen Partie ab. Seine wichtigeren Partien, also die aus den großen Turnieren, und die aus den Wettkämpfen mit anderen bedeutenden Spielern, erläutert er viel genauer als die leichten Gelegenheitspartien.

Ich finde seine Kommentare in den '300 Schachpartien' sogar größtenteils detaillierter als in 'Die moderne Schachpartie'. Letzteres Buch ist aber vielleicht insgesamt das interessantere, da er dort nicht nur eigene Partien bespricht, sondern Partien aller wichtigen Zeitgenossen. Das ergibt eine ganz gute Übersicht über das Schach vor ca. 100 Jahren.

Und ja, auf der 'Schwachspieler'-Seite kann man dieses Buch kostenlos nachspielen :-)
Ich bin aber altmodisch und habe trotzdem lieber ein schönes dickes Buch zum Aufschlagen :-)

Kellerdrache - 25.07.19   +

Ja, wenn man am Brett trainiert ist ein anfassbares Buch aus Papier schon besser, auch wenn ich sonst aus Rücksichtnahme auf meine Frau nur noch E-Books kaufe.
Ich bin immer wieder erstaunt wie viele gute und sehr gute Schachspieler nicht in der Lage sind ein einigermaßen vernünftiges Schachbuch zu schreiben. Bei Leuten wie Kasparov oder Karpov erschreckt mich auch, dass sie so ohne weiteres ihren guten Namen für mittelmäßige Produkte hergeben

Schlaffi - 25.07.19  

Frauen und Buecher gehören ins Bett! :-)

Schachschwachi - 25.07.19   +

Mein Lieblingsspieler ist Capablanca.
Seine Partien und Art zu gewinnen sind für mich immer beeindruckend und auch vom Stil her spiele ich ungefähr wie er, bloß auf viel niedrigerem Niveau (grundsätzlich solide, gutes Positionsspiel).

Außerhalb des Brettes ist noch das zu erwähnen: https://youtu.be/8T61kGe7D1Q

Schlaffi - 25.07.19  

Emil Josef Diemer! :-))))

Schlaffi - 25.07.19  

@Kellerdrache
Ich bin immer wieder erstaunt wie viele gute und sehr gute Schachspieler nicht in der Lage sind ein einigermaßen vernünftiges Schachbuch zu schreiben.
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Da musste ich sofort an Lothar Matthäus denken!

freak40 - 25.07.19    

Ein Schachbuch von Lothar Matthäus....das wärs....am besten so was wie "meine 100 hochklassigen Partien".

Schlaffi - 25.07.19  

Also ich bitte doch.. etwas abstraktes Denken darf man doch noch erwarten können! :-)

Vabanque - 25.07.19   +

>>freak40 - vor 2 Std.

Ein Schachbuch von Lothar Matthäus....das wärs....am besten so was wie "meine 100 hochklassigen Partien".<<

Das lässt mich an eine Anekdote über Capablanca denken:

Ein gewisser Snosko-Borowski hatte eine Buchveröffentlichung 'Capablancas Fehlzüge' angekündigt. Capablanca, dem dies zu Ohren gekommen war, konterte messerscharf, dass er schon vor Jahren ein Buch 'Snosko-Borowskis starke Züge' geplant habe, dieses Projekt aber wieder habe aufgeben müssen, da er nicht genügend Material dafür habe finden können ;-)

Jupp53 - 25.07.19    

Das erinnert an das als Hommage an Capablanca tatsächlich erschienene "Capablancas sämtliche Verlustpartien". Ich habe noch die leider gelochte erste Auflage, die mit 16 Seiten auskam.

Vabanque - 26.07.19    

Es sind wohl 12 Partien mit Weiß und 22 mit Schwarz, die Capablanca in seiner Karriere verlor. Dabei wurden aber Simultanpartien und freie Partien oder Ähnliches nicht mit gezählt, sondern nur Turnier- und Matchpartien.
http://www.chessgames.com/perl/chesscoll..
Man muss allerdings bedenken, dass es damals viel weniger Turniere gab als heute. Von Capablanca sind nur etwas mehr als 1000 Partien überliefert, von Lasker (obwohl der deutlich älter wurde) sind es auch nicht viel mehr, von Aljechin sind etwa 2000 Partien bekannt. Und dabei handelt es sich jeweils um zeitlebens gespielte Partien! Von Carlsen, so jung er noch ist, befinden sich zum Vergleich schon über 3000 Partien in der Datenbank.

Vabanque - 26.07.19   +

Ich frage mich dennoch, wie diese insgesamt 34 Verlustpartien Capablancas auf 16 Seiten Platz gehabt haben können. Wohl nur mit recht kleiner Schrift und ohne Kommentare. So ein Schachbuch leistet dann nicht mehr als der entsprechende Auszug aus der Datenbank und ist daher m.E. völlig nutzlos. Die Quintessenz von Schachliteratur liegt doch in der Erläuterung zu den Zügen!

Jupp53 - 27.07.19    

Das war noch bevor alle Partien gesammelt waren und nur kurz kommentiert. Später wurde daraus dieses Buch:

https://www.amazon.de/Capablancas-Verlus..

Vabanque - 27.07.19    

160 Seiten, also Faktor 10 !

Vabanque - 27.07.19   +

Damit sind wir übrigens wieder bei der schon im Thread über Kurzpartien aufgeworfenen und diskutierten Frage angelangt, ob die Veröffentlichung von Verlustpartien moralisch vertretbar ist, gelandet.

Dort hatte ein SF das Veröffentlichen von Verlustpartien damit verglichen, einen am Boden liegenden Gegner noch einmal anzugreifen, eine m.E. äußert radikale und auch völlig unhaltbare Auffassung.

Erstens ist Schach nicht Boxen (trotz der Existenz von Schachboxen), zweitens liegt der Verlierer nicht (mehr) am Boden, er ist zum Zeitpunkt der Veröffentlichung seiner Verlustpartie schon längst wieder aufgestanden und hat seitdem sicher so einige, vielleicht auch glänzende, Partien gewonnen.

Und selbst wenn wir den Vergleich mit Boxen zulassen, dann wäre die Veröffentlichung einer Verlustpartie nur damit zu vergleichen, einen Film zu posten, der in Zeitlupe zeigt, wie der Gegner zu Boden geht. Ist dies moralisch unvertretbar bzw. in welchem Sinne wird der Gegner damit noch einmal angegriffen? Dient nicht der Film vielmehr der rein sachlichen Rekonstruktion des Geschehens? Im Fußball werden doch wichtige Spielsituationen noch einmal in Zeitlupe gezeigt. Geschieht dies, um den Torwart, der den Ball nicht gehalten hat, oder den Spieler, der sich den Ball hat abnehmen lassen, anzugreifen oder vorzuführen?

Würde die oben genannte Auffassung des nicht genannten SFs stimmen, so wäre das Büchlein 'Capablancas (sämtliche!) Verlustpartien' schon ein sehr heftiger Angriff gegen einen der größten Spieler aller Zeiten, ein Nachtreten übelster Sorte.

Vabanque - 27.07.19   +

Nebenbei gesagt, so besonders ergiebig sind sie nicht, die Verlustpartien Capablancas. Da geht's mir ähnlich wie SF Schachschwachi, ich schaue mir lieber Capas Gewinnpartien an, die sind schöner und lehrreicher. In seinen Verlustpartien hatte er entweder ganz simpel etwas übersehen (was auch einem Capablanca passieren kann, nur eben sehr sehr selten) oder die Stellung komplett falsch eingeschätzt (was ihm auch äußerst selten passierte, aber er war eben auch nur ein Mensch). In beiden Fällen hat er seinen Gegner dann quasi zum Gewinnen gezwungen ... ein seltsames Phänomen, das jeder von uns kennen dürfte :-)

Jupp53 - 27.07.19    

Widerspruch:

Es sind hervorragende Partien dabei und selbst der Figureneinsteller gegen Sämisch zeigt, wie schwer es danach noch für einen anerkannten Großmeister war, das am Ende zu gewinnnen.

http://www.chessgames.com/perl/chessgame.. Rubinstein
http://www.chessgames.com/perl/chessgame.. Em. Lasker

Das sind nicht die einzigen Klassiker, die in meiner Generation jeder kennt, der gerne Partien nachgespielt hat.

http://www.chessgames.com/perl/chessgame.. ist die Niederlage gegen Chajes, die wegen der Materialverteilung und des hervorragenden Spiels des Siegers zu den guten Partien der Schachgeschichte gehört.

Ich kann jede verlorene Turnierpartie Capablancas schätzen, die Wettkämpfe sowieso.

Die Idee eines moralischen Gebots, keine Niederlage zu berichten, ist bei genauer Betrachtung respektlos gegenüber Menschen. Das macht nur Sinn, wenn das Auftreten von Fehlern gegen jemanden verwendet wird oder jemand seine Fehler behalten will. Es juckt mir in den Fingern. Aber ich erspare mir bis auf eine Frage dazu den Kommentar. Warum sind "Carlsen hat einen Fehler gemacht" und "Durchschnittspieler x hat in der Turnierpartie nur Enginezüge gemacht (mit oder ohne zu betrügen)" kleinere Nachrichten?

Vabanque - 28.07.19    

@Jupp: Deinen 'Widerspruch' erkenne ich gerne an, vor allem wo du die drei wahrscheinlich besten Partien aus Capa's Niederlagen erwähnst.
Mein Urteil war auch nicht so pauschal abwertend gemeint gewesen.
Die Niederlagen gegen Rubinstein und Lasker sind natürlich Klassiker, die auch schon mal (ich glaube vom Kollegen Kellerdrache) in den Kommentierten Spielen zu sehen gewesen waren. Hier hat Capa ja im Prinzip gegen Ebenbürtige verloren.
Und die Partie gegen Chajes habe ich auch schon mal mit großem Interesse studiert. Angeblich hätte Capablanca hier die Dame in dem Glauben gegeben, danach einen unwiderstehlichen Angriff dafür zu bekommen, was allerdings ein Irrtum gewesen war.
Meine Kritik bezog sich mehr auf Partien wie diese hier gegen Jaffe, die wirklich eine Katastrophe ist:
http://www.chessgames.com/perl/chessgame..
Capablanca spielt hier so, wie unsereins auch gegen einen schwächeren Gegner spielt: man nimmt ihn nicht ernst und meint, sowieso gewinnen zu können. Das hätte auch fast noch geklappt: nach dem 27. Zug steht Weiß überlegen, und verdirbt dann alles durch 28. Lb2 (glaubte er etwa an ein Übersehen der Drohung Dxg5 seitens Schwarz?), wonach Schwarz die Oberhand erhält, ohne etwas dafür geleistet zu haben. Dann noch das Übersehen des hübschen Zuges Sh3! (des einzigen guten Zuges, den Schwarz in dieser Partie findet, aber den hätten wir wohl auch gefunden) mit der fatalen Mattdrohung auf f2, weswegen Schwarz die Dame hängen lassen darf ... das ist so eine typische Partie, wo Capa so überheblich agiert hat, dass die 'Strafe' eigentlich auch verdient ist, obwohl man andererseits nicht wirklich davon sprechen kann, dass Jaffe hier Capablanca 'besiegt' hätte. Capa hat sich eher selbst besiegt ;-)

Gut, das ist wahrscheinlich wirklich die schlimmste unter seinen Verlustpartien, aber viele davon, gerade gegen schwächere Spieler, laufen vom Prinzip her ähnlich. Selten wurde Capablanca wirklich überspielt (das ist eigentlich nur in den Partien aus dem Jahr 1938 der Fall, wo er schon schwer krank war), meistens begeht er aus guter Stellung heraus eine Fehlberechnung.
Z.B. auch so in der Niederlage mit Weiß gegen Ilyin-Zhenevsky
http://www.chessgames.com/perl/chessgame..
wo Capa alles bis zum Damengewinn 31. Tf3 berechnet hatte, aber nicht gesehen hatte, dass Schwarz die Dame mit Gewinnstellung geben kann.
Ein wenig tragisch finde ich, dass Capa nie mehr die Gelegenheit zu einer Revanche gegen Ilyin-Zhenevsky bekam (wie übrigens auch für die Niederlage gegen Verlinsky im gleichen Turnier), so dass beide Spieler ein 100%-Score gegen Capa haben, obwohl sie mit Sicherheit nicht annähernd GM-Stärke hatten.
Im WM-Match gegen Aljechin spielte Capablanca außer Form, was natürlich deswegen nicht heißt, dass er das Match gewonnen hätte, wenn er in Form gewesen wäre (wie viele seiner Anhänger behaupten).

Vabanque - 28.07.19    

Letzten Endes habe ich ja auch nicht behauptet, dass es nicht doch lohnenswert wäre, sich die Verlustpartien Capablancas mal anzusehen.
Ich habe nur behauptet, dass ich mir seine gewonnenen lieber ansehe, weil die einfach schöner sind. Und bei dieser Behauptung bleibe ich auch :-)

Hanswurst01 - 28.07.19  

@vabanque:

"einen am Boden liegenden Gegner nicht angreifen" ist eine im Sport gebräuchliche Aussage und bezieht sich keineswegs nur auf den Boxsport.

Die von dir beschriebene Torwartsituation im Fußball erinnert mich an das Champions-League-Finale 2018(Real Madrid - FC Liverpool):
Der Liverpooler Torwart(Karius) hat mit einem ersten haarsträubenden Fehler die Niederlage seiner Mannschaft erst eingeläutet und sie danach mit einem zweiten Riesenfehler besiegelt. Er war am Boden zerstört.
Die Medien haben ihn anschließend zerfleischt. Beide Spielsituationen wurden aus nur allen denkbaren Perspektiven vor- und rückwärts gezeigt.
Als Multimillionär, der von der Medienpräsenz seines Sports lebt, muß er damit rechnen, bei Erfolgen gefeiert, bei Niederlagen aber eben auch zerrissen zu werden.
Ganz anders das Verhalten der gegnerischen Spieler: einige Madrilenen sind noch während des Spiels auf Karius zugegangen, um ihm "auf die Beine zu helfen". Nach dem Spiel sind alle Akteure von Real zu Karius gelaufen, haben ihn umarmt oder sonstwie versucht, Trost zu spenden.
Sportliche Fairness.

Ich gehe mal davon aus, daß Capablanca ein Weltklassespieler war. Demnach ist ein Buch "Capablancas Verlustpartien" für die Schachwelt bestimmt interessant.
Aber ich bezweifele, daß dieses Buch von einem seiner Gegner geschrieben worden ist.

Jupp53 - 28.07.19   +

@Vabanque

Das sind nicht alle Klassiker, die ich da nannte. Die Niederlage gegen Botwinnik und die Wettkampfpartien gegen Aljechin ...

Trotzdem gibt es viele Gewinnpartien, die uns Schachjecken immer wieder Freude machen werden. Die Kommentare von Aljechin, Tarrasch, Lasker und Capablanca selbst sind zusätzlich absolute Klasse!

Capablanca selbst hat wahrscheinlich die Idee zu Dr. Görschens Werk geliefert, indem er in Grundzüge der Schachstrategie alle seine Verlustpartien aus Turnieren bis dahin aufnahm und kommentierte. Es waren neun, wenn ich mich recht erinnere. Auch darin war er ein Vorbild.

Er konnte hervorragend den Stand des Schachs seiner Zeit vermitteln. Deshalb sind seine beiden Bücher ein Genuss.

Vabanque - 28.07.19   +

@Jupp: Sicher gehört Capablancas Niederlage gegen Botwinnik zu den großen Partien der Schachgeschichte. Botwinnik war damals wohl auch schon stärker als Capablanca. Schade, dass es (kriegsbedingt?) nie zu einem Wettkampf Botwinnik-Aljechin kam.

Der WM-Kampf Capablanca-Ajechin kann immerhin mit der Besonderheit aufwarten, dass alle Partien vom Sieger Aljechin selbst kommentiert wurden (in dem Buch 'Auf dem Wege zur Weltmeisterschaft'), allerdings nicht alle gleich ausführlich.

Ich weiß gar nicht, ob es überhaupt noch ein weiteres WM-Match gab, das vom Gewinner des Matchs selbst kommentiert in einem Buch erschienen ist.

Ansonsten gibt es natürlich von sehr vielen großen Spielern der Schachgeschichte, auch von einigen Weltmeistern, (mindestens) eine von ihnen selbst kommentierte Sammlung ihrer besten Partien. Diese ist jedoch häufig schon erschienen, bevor derjenige Weltmeister wurde, so dass sie logischerweise dann keine Partien des entscheidenden WM-Kampfs enthalten kann.

Sicher haben einige dieser Spieler auch eigene verlorene Partien in ihr Buch einbezogen (dies ist nicht nur bei Capablanca so, sondern z.B. auch bei Tarrasch, Fischer und Shirov der Fall), aber dies bildet doch eher die Ausnahme als die Regel.

Selbst einige derjenigen Spieler, die unter die fairsten Sportsmänner des Schachs überhaupt gezählt werden, so wie Euwe, Tartakower, Smyslov, Unzicker und Anand, beziehen in ihre eigene Sammlung ihrer besten Partien ausschließlich von ihnen gewonnene Partien ein!

Aber so weit ich weiß, wurde keinem ihnen jemals ein Vorwurf daraus gemacht, und es wurde noch nie als Angriff gegen die Verlierer all dieser Partien gesehen. Diese Sichtweise ist mir völlig neu, und war mir, bevor SF Hanswurst01 sie hier geäußert hat, selber noch nie in den Sinn gekommen (und vermutlich auch weder den Schreibern noch den Lesern dieser Bücher).

crimsonfripp - 28.07.19   +

"Ich weiß gar nicht, ob es überhaupt noch ein weiteres WM-Match gab, das vom Gewinner des Matchs selbst kommentiert in einem Buch erschienen ist."

Doch z. B. das hier:
Garry Kasparov on Modern Chess: Kasparov vs Karpov 1986-1987
Über die beiden Matches 86 und 87

In dem Zusammenhang auch ein Filmtip über das Duell der beiden:
https://www.youtube.com/watch?v=JY02F59P..

Vabanque - 28.07.19    

Danke, das wusste ich gar nicht, dass Kasparov die beiden Duelle '86 und '87 selber kommentiert hat.

Über die 84er und 85er Matches hätte ich von ihm gerne Kommentare gehabt, aber keine gefunden (es gibt wohl auch keine), daher überrascht mich, dass er später doch welche geschrieben hat.

crimsonfripp - 29.07.19   +

Das Buch über 86/87 habe ich ja selber, aber ich glaube das von Dir gewünschte gibt es auch:
Garry Kasparov on Modern Chess: Kasparov vs Karpov 1975-1985

Jupp53 - 29.07.19   +

Euwe und Aljechin haben das Match 1935 kommentiert. Allerdings weiß ich nicht, ob das extra für das Buch geschah oder zusammengestellt wurde.

https://www.amazon.com/Euwe-vs-Alekhine-..

Die Unibibliothek Aachen hatte eine holländische Ausgabe, wenn ich mich richtig erinnere, die ich aber nicht gelesen habe.

Botwinnik hat einige seiner Wettkämpfe in Büchern kommentiert und Tal hat einen Klassiker mit seinem Buch über den gewonnenen Wettkampf gegen Botwinnik geschaffen.

Vabanque - 29.07.19    

@crimsonfripp @Jupp: Danke, das sind ja mal interessante Infos. Was man doch so alles finden kann. Das Buch von Tal hatte ich vergessen, das stimmt, die anderen waren mir nicht bewusst.

Interessant ist allerdings auch, dass es zumindest über die WM-Matchs

Lasker-Tarrasch 1908

Aljechin-Bogoljubow 1934

Bücher vom jeweiligen Verlierer (!) gibt.

Kennt da jemand noch mehr Beispiele?

Kellerdrache - 29.07.19   +

Ja, warum kommentieren GMs am liebsten eigene Gewinnpartien ? Zum einen sicher aus Eitelkeit. Nicht jeder liebt es seine schlimmsten Fehlleistungen bei stundenlanger Analyse nochmal erleiden zu müssen.
Der andere und vermutlich wichtigere Grund ist aber wohl, dass man die eigenen Partien viel besser versteht als die anderer Spieler. Man weiß genau warum man wann welchen Zug gemacht hat. Bei den eigenen Verlustpartien ist es oft so, dass man sie eben gerade deshalb veloren hat weil man die Stellung nicht ausreichend verstanden hat.
Es gibt aber auch Ausnahmen. Fischer hat in seinen 60 denkwürdigen Partien sowohl Remis als auch eine Handvoll Verlustpartien kommentiert und in berühmten Turnierbüchern wie Aljechins 'New York 1924' oder Bronsteins 'Zürich 1953' sind natürlich alle Partien kommentiert.

Jupp53 - 29.07.19   +

@Kellerdrache

Zustimmung und eine Ergänzung. Ist es Eitelkeit, wenn man ohne Überheblichkeit sagt, dass man bestimmte Dinge gut macht? Nein! Eitelkeit kommt oft vor, muss aber nicht sein.

Sokolov kommentiert auch seine Niederlagen, aber häufiger Siege, auch deshalb, weil es schöne Erinnerungen sind. Die zu Teilen ist in Ordnung, insbesondere wenn dabei Respekt vor dem Gegner spürbar ist.

Kellerdrache - 30.07.19   +

@Jupp35: Da ich ja selber auch spiele weiß ich nur zu genau, daß ich meine Niederlagen gerne flott vergesse und mich an die Siege gerne auch Jahre später noch erinnere. Warum soll das einem Kasparov oder Fischer anders gehen ?
Und natürlich darf man auch ruhig stolz sein, wenn man etwas anständig gemacht hat. wäre ich ja auch wenn mir mal etwas (am Brett) gelingen würde ;-)).
So sehr ich also die Spieler/Autoren von ihrer Position aus verstehen kann, so gerne würde ich mal die Erläuterungen zur ein oder anderen Niederlage hören. Eben warum man sich an dieser oder jener Stelle verirrt hat oder warum ein gewisser Plan nicht stark genug war. Das macht beim Schreiben sicher weniger Spaß könnte aber sehr aufschlußreich sein.

Vabanque - 30.07.19    

In Tarraschs '300 Schachpartien' hat er sogar ziemlich viele eigene Niederlagen kommentiert. Von seinen Partien in den großen Turnieren und den Wettkämpfen kommentiert er nämlich durchgängig alle, die er gespielt hat, also auch die verlorenen. Und da schreibt er schon immer dazu, was ihn zu den betreffenden Fehlzügen verleitet hat bzw. was er sich bei den schlechten Zügen gedacht hat, und welche Pläne er verfolgte, die aber dann scheiterten. Das macht es schon recht aufschlussreich.

Vabanque - 30.07.19    

In Fischers '60 memorable games' kommentiert er genau 2 eigene Niederlagen, eine gegen Tal und eine gegen Geller. Allerdings kommen etliche Remisen in dem Buch vor.

In Shirovs 'Fire on Board' habe ich jetzt auf die Schnelle nur eine eigene Niederlage kommentiert gefunden (ich war eigentlich sicher gewesen, dass es mehr waren), allerdings auch hier eine Fülle von Remisen.

mattin2 - 31.07.19    

Habe hier mal die Kommentare gelesen und viel Interessantes gefunden.
Danke dafür allen Schreibern! :-))
Schlafabtausch lobte am 01.04.2019 das Buch "1...c6! ...aus allen Lagen" von Harald Keilhack und Rainer Schlenker.
Ich habe es vor 1 Jahr bei Ebay gebraucht gekauft, weil ich mir eine neue schwarze Eröffnung erarbeiten wollte. Es ist sicher inhaltlich ein gutes Buch, doch ich bin enttäuscht, würde ihm eine schlechte Bewertung geben.
Weshalb? Ganz einfach: Ein Schachbuch, dass mir eine spezielle Eröffnung für Schwarz vermitteln will, darf doch nicht sämtliche Diagramme aus weißer Sicht darstellen. Damit ist ganz schlecht zu arbeiten. Schachdiagramme nur vom weißen Standpunkt abzubilden galt schon 1995 als völlig veraltet.
Ich habe die Autoren in einer Email darauf aufmerksam gemacht, aber keine Antwort erhalten.
Das finde ich genau so schwach, wie die Diagrammdarstellung. :-(

Schlafabtausch - 01.08.19    

Hallo! Das Buch allein wegen der Darstellung als insgesamt schlecht zu bewerten finde ich fragwürdig. Keilhack schreibt nicht nur Varianten runter sondern erklärt Ideen etc. Das finde ich am wichtigsten. Dass das Buch ausschließlich Diagramme aus weisser Sicht darstellt habe ich nie bewusst wahrgenommen und ist lediglich ein Formfehler. Inhaltlich das sagst du selber ein gutes Buch, zumal es zu der Eröffnung sonst nichts gibt. Die Variante 1.e4 Sc6 ist meine hauptwaffe.mit schwarz gegen 1.e4. ich komme aus dem skandinavischen 1.e4 d5, mit keilhakca Variante bekomme ich ein ähnliches Spiel nur mit besseren Voraussetzungen. (2....d5). Grundsätzlich geht es um mehr Aktivität dadurch das schwarz eine Leichtfigur mehr entwickelt hat bzw. Früher als weiß. Das finde ich hochinteressant und führt zu sehr aktiven Spiel. Mit schwarz!

Vabanque - 04.08.19    

Ich bin mir nicht sicher, aber ich denke, dass die Autoren gar nicht 'Schuld' sind an den 'falsch herum stehenden' Diagrammen. Die Autoren sind ja nicht verantwortlich für das Layout.
Deswegen hättest du, SF mattin, in meinen Augen nicht die Autoren anschreiben sollen, sondern den Verlag.
Ich kenne das Buch nicht, schließe mich aber der Meinung von SF Schlafabtausch an, dass das Buch selber dadurch doch nicht schlechter wird.
Ich habe Hunderte von Schachbüchern, aber im Moment erinnere ich mich an gerade mal zwei davon, in denen Diagramme mit 'Schwarz unten' vorkommen.
Natürlich ist dies besser, vor allem wenn man das Buch ohne Schachbrett 'liest'.
Aber wenn man es genau studieren will, muss man ja letztlich doch die Stellungen auf einem richtigen Schachbrett aufbauen oder die Abspiele in ein pgn-File eingeben, und da kann man das Brett ja so drehen wie man will.

mattin2 - 16.08.19    

Hallo Vabanque,
grundsätzlich ist es sicher so, dass sich ein Autor dem Layout des Verlages anpassen muss.
Aus meiner eigenen Erfahrung als Grafiker und Autor mehrerer Fachbücher weiß ich aber, dass allein der Autor bestimmt, wie die Abbildungen seines Buches dargestellt werden.
Und da bei diesem Buch im Impressum sogar der Autor Harald Keilhack selbst als Verantwortlicher für das Layout angegeben ist, war es schon richtig, ihn persönlich anzuschreiben.

Stellmacher - 16.08.19    

Harald Keilhack scheint ja für den Verlag mittlerweile mehr oder weniger verantwortlich zu sein: Von daher ist er im Prinzip sicher der richtige Ansprechpartner.

http://www.kaniaverlag.de/

Ob aber noch eine Antwort zu erwarten ist?



"



http://www.kaniaverlag.de/

Schlafabtausch - 16.08.19    

Mittlerweile? ich glaube das war schon immer SEIN Verlag :-D

mattin2 - 16.08.19    

Das war auch schon immer meine Vermutung.
Rosemarie Kania war's wohl nur auf dem Papier.

Kellerdrache - 16.08.19    

Die einzigen Bücher die ich kenne wo die Diagramme konsequent aus schwarzer Sicht dargestellt sind sind Adorjans "Black is ok" nebst Nachfolgern. Ich glaube nicht, daß der Grund dafür in Verlagstraditionen oder so etwas begründet ist. Die Verlage wissen, daß die Leser es so gewohnt sind und solange kein Autor was explizit anderes verlangt wird eben ganz von selbst vorausgesetzt, daß man es so haben will wie gewohnt