Kommentierte Spiele

1. Saloppe ( Sizilianisch )

KroMax - 25.08.18   +
Liebe Schachfreunde,
hier noch ein salopp ( daher 1. Saloppe ) kommentierte Partie von mir. Sizilianisch.
Nach spannendem Spiel konnte ich dieses Mal gewinnen und daher bedanke ich mich umso mehr bei Sedlitzer dafür, dass ich sie hier einstellen darf.

[Event "Turnierspiel eac18957bfbf4368"]
[Site "http://www.chessmail.de"]
[Date "2018.05.18"]
[Round "-"]
[White "Sedlitzer"]
[Black "KroMax"]
[Result "0-1"]

1.e4 c5 {Wenn ich Englisch mag, muss ich auch Sizilianisch mögen. Das ist schachtheoretisch wahrscheinlich eine gewagte Aussage, oder ?} 2.Nf3 b6 {So habe ich noch nie Sizilianisch gespielt, aber mir gefällt der Gedanke den c-Bauern nicht gleich einzutauschen. Außerdem sieht es toll aus, wenn ich Lb7 spiele.} 3.Bc4 Nc6 4.d3 e6 {Hier will ich, glaube ich, d5 vorbereiten, aber ich werde etwas unruhig, denn mit den ganzen Bauernzügen fürchte ich gnadenlos in der Entwicklung hinterherzuhinken. Aber noch geht`s finde ich.} 5.Nc3 a6 {Den Zug will ich eigentlich gar nicht machen, wegen der angesprochenen hinterherhinkenden Entwicklung, aber ich will auf keinen Fall Sb5 oder auch nur Lb5 haben} 6.a3 d6 {Jetzt erscheint mir d5 gar nicht mehr erstrebenswert. Schon wieder nur ein Bauernzug. Weiß hat 3 Offiziere draußen und ich nur einen. Ob das so gut ist, wage ich zu bezweifeln. Ich weiß es nicht.} 7.O-O Nf6 {Endlich geht es bei mir weiter. Durch das vorherige d6 traue ich mich jetzt auch den Springer rauszuholen.} 8.Bg5 Be7 9.Re1 O-O 10.e5 dxe5 11.Nxe5 Nxe5 12.Rxe5 Bd6 {Der Turm muss da weg und ich hänge hinterher, finde ich.} 13.Re3 Bb7 {Endlich. Das sieht gut aus.} 14.Ne4 {Na toll. Meine schöne Diagonale ist unterbrochen. Doof. Und mein Läufer d6 ist auch angegriffen. Noch doofer.} 14...Be7 {Ich will nicht tauschen.} 15.Bxf6 Bxf6 {Naja, jetzt muss ich wohl tauschen.} 16.Rb1 {Doch nicht tauschen.... tolle Kommentierung :-)} 16...Bd4 {Der Platz gefällt mir sehr gut.} 17.Rh3 Bxe4 {Ich fand zwar meinen Läuferb7 super, aber der Springer stört gewaltig.} 18.dxe4 Qf6 {Finde ich ganz gut den Zug, denn ich greife b2 und f2 gleichzeitig an. Ich will aber vor allen Dingen c3 verhindern.} 19.Rf3 Qh4 20.c3 {Na gut. Ich geh ja schon} 20...Be5 {Da steht er auch nicht schlecht. Ich greife auch wieder im Verbund mit der Dame h2 an.} 21.h3 21...b5 {Darüber habe ich lange nachgedacht, denn immerhin könnte ich eigentlich Dxe4 spielen, aber irgendetwas gefiel mir nicht. Ich weiß allerdings nicht mehr genau was eigentlich. Es war irgendetwas mit 'Dame vertreiben' und 'Angst um Ta8' Mir fällt es jetzt gerade wirklich nicht mehr ein} 22.Bd3 {Jetzt kann ich den Bauern zwar nicht mehr nehmen, aber jetzt fällt mir etwas auf: Ich bekomme richtig Zug ins Spiel, insbesondere über die d-Linie !!} 22...Rad8 23.Qe2 c4 24.Bc2 Rd7 {Ich muss unbedingt ganz schnell verdoppeln, aber wahrscheinlich hilft mir das gar nicht, weil einfach nur abgetauscht werden kann.} 25.Qe3 {Ich bekomme eine Chance, finde ich jedenfalls, denn ein mögliches Db6 oder c6 seinerseits stört mich, glaube ich, nicht so sehr.} 25...Rfd8 {Uhhh, das sieht gut aus. Ich herrsche über die d-Linie} 26.Rc1 {Ja genau, sonst könnte ich Td3 spielen und mir seinen Läufer einfach holen.} 26...Rd2 {Ich spiele es trotzdem, denn ich könnte den Läufer dennoch nehmen, denn nach Txc2 wäre Matt mit Td1. Interessantes Ohhhh-Gefühl wenn man das sieht.} 27.Kf1 {Guter Zug. Der einzig Richtige, finde ich.} 27...R8d7 {Ich will auch noch die Dame auf die d-Linie} 28.Ke1 Qd8 {Ich will auf keinen Fall die d-Linie durch schnöden Abtausch verlieren} 29.Qc5 {Mein schöner Läufer. Was mache ich ? Hier habe ich auch lange drauf geschaut. Lf6, aber eigentlich wollte ich zuerst Lb8 oder c7 spielen , um dann mit La7 oder b6 die Dame wieder zu vertreiben.} 29...Bf4 {Manchmal darf man doch sagen, dass ich den Zug von mir toll finde, oder ? Aber hilft er mir wirklich. Einfach nur einen netten Zug zu finden, hilft ja nicht zwingend.} 30.Rxf4 Rxc2 31.Qe3 {Ja, er kann meinen Turm nicht nehmen, da wieder dann Matt mit Td1 und Dd3 droht.} 31...Rxb2 {Durch den Läuferzug bekomme ich jetzt aber einen nicht ganz unwichtigen Bauern für das Endspiel. Ich halte auch immer noch die d-Linie.} 32.Qf3 {Jetzt will mein geschätzter Schachfreund Gegenspiel entwickeln} 32...Rd3 33.Qh5 {Auch hier habe ich lange über 3 Antworten nachgedacht. Was ist besser ?g6, f6 oder Dd7} 33...g6 {Ich entscheide mich wieder für den Zug, der gleichzeitig auch angreift} 34.Qc5 {Vielleicht wäre De5 besser gewesen. Ich weiß es ja auch nicht, aber ich glaube es.} 34...Rxc3 {Jetzt kann ich den Bauern c3 nehmen, denn auch nach Td1 ist Matt nach Tc1} 35.Rxc3 {Mein Schachfreund hat das gesehen, spielt aber noch netterweise weiter.} 35...Qd2+ 36.Kf1 Qd1# 0-1


Vielen Dank Sedlitzer für die tolle Partie !!
Der d-Linie war hier entscheidend.
Beste Grüße
Max
KroMax - 25.08.18    
Zug 26: Td2 ( nicht Td3 ) soll es natürlich in der Kommentierung heißen.
Grüße
freak40 - 25.08.18   +
Herrliche Partie mit einer "außergewöhnlichen" Kommentierung!

Okay,okay....dem Spiegel der fachgerechten Analyse hält es nicht stand...

Aber...schön fresch von der Leber weg :-)

Mehr davon!
Vabanque - 25.08.18    
Ich bin sehr erstaunt ... die Partie ist wirklich hübsch und vor allem außerordentlich unterhaltsam kommentiert! Man kann deine (Max) Gedanken während der Partie richtig gut nachvollziehen. Vielleicht hätte der (jetzt gesperrte) User, der die Trockenheit meiner Schachbeiträge bemängelte, deine Kommentare gut gefunden. Trocken kann man das jedenfalls beim besten Willen nicht nenne, was du hier bringst. Weiter so!
Oli1970 - 25.08.18   +
Schöne Kommentierung des saloppen Sizilianers! Beste Unterhaltung beim Lesen und obendrauf noch der Kinoblockbuster des „Tollkühnen Pferdes in seiner fliegenden Kiste“ nach dem 6. Zug. Das Stellungsbild ist echt der Hammer!
Ich denke, dass ich morgen etwas intensiver in die Partie reinschauen kann. Für heute hat es nur für den Unterhaltungswert gereicht - klasse, wie Deine Gedanken um die Zugmöglichkeiten kreisen. Das Lesen war schon ein Genuss. Schach und Humor schließen sich nicht aus.
Vabanque - 25.08.18    
Die Partie illustriert auch abermals sehr schön, dass 'ungleiche' Läufer (hier hat Weiß den hellfeldrigen, Schwarz den dunkelfeldrigen Läufer) im Mittelspiel immer denjenigen Spieler begünstigen, der die Initiative hat.
Witzig auch, dass sich die Läufer letztlich auf indirekte Weise doch tauschen (direkter Tausch geht ja nicht bei unterschiedlichen Felderfarben), so dass ein reines Schwerfigurenendspiel entsteht, das aber weiterhin eigentlich ein Mittelspiel bleibt. Die schwarze Initiative macht auch hier das Spiel. Die schwarze Kontrolle der d-Linie im Verein mit der unsicheren weißen Königsstellung entscheidet.

Nochmal: schön gespielt und kommentiert!
Vabanque - 25.08.18    
>>klasse, wie Deine Gedanken um die Zugmöglichkeiten kreisen. Das Lesen war schon ein Genuss. Schach und Humor schließen sich nicht aus.<<

Das unterschreibe ich voll und ganz.

Ich glaube, ich muss meinen eigenen Kommentierungsstil mal überdenken, vielleicht gelingt es mir dann, mehr Leute ins Boot zu holen.
KroMax - 25.08.18    
Ha....das Stellungsbild nach dem 6. Zug fällt mir jetzt erst selbst so richtig auf Oli !
Einen weiteren kleinen Fehler habe ich gefunden ( ich bin nicht geübt )
--> Zug 25: Dc5 muss es heißen in der Kommentierung.

Es war wahrscheinlich wirklich gut von mir, der Gier nach dem Bauern e4 im 21. Zug nicht nachzugeben, denn mit Te3 muss ich die Dame wegziehen und gleichzeitig meinen Läufer beschützen.

Beste Grüße
Max
KroMax - 25.08.18    
Das würde ich nicht sagen Vabanque. Wir brauchen dich doch hier als Profi - Kommentator und eben auch deine Profi - Partien.
Beste Grüße
Vabanque - 25.08.18    
Diese Schreibfehler mit den Feldern passieren mir auch ständig, irgendwie ärgerlich, aber es scheint 'normal' zu sein. Neulich schrieb ich doch wirklich was von 1. e4 c6 (ich meinte c5!) 2. b4 cxb4 und ein SF fragte mich mit Recht, wie man nach c6 auf b4 schlagen könne ;-)

Ja, das passiert.

Über das Schlagen auf e4 war ich mir beim Durchspielen auch nicht im Klaren, aber ich habe auch nicht wirklich analysiert, sondern mehr gespannt die Partie verfolgt :-)
Vabanque - 25.08.18    
Eins noch, weil das ein typisches Problem ist:

Man hat im Sizlianer, grade im geschlossenen Typ (also wo Weiß nicht ganz früh mit d4 die Mitte öffnet), häufig das Gefühl, dass man in der Entwicklung zurückbleibt, weil man als Schwarzer nur Bauernzüge macht.

Die Erfahrung zeigt jedoch (sowohl meine eigene wie auch das Durchspielen etlicher fremder Partien), dass dieser Entwicklungsrückstand von Weiß nur selten unmittelbar auszunutzen ist, meistens ist er tolerierbar, und die von dir gemachten 'vielen' Bauernzüge sind absoluter Standard in diesem Stellungstyp.

Nur so viel allgemein gesagt. Konkret habe ich auch hier nicht analysiert, das würde auch länger dauern als nur Durchspielen und Genießen :-)
KroMax - 25.08.18    
Ahh das ist gut zu wissen Vabanque. Ich mein die ganzen Bauernzüge.
Sizilianisch spiele ich wirklich gerne, aber auch da hat mich letztens der bekannte "skofi" locker "beiseite geschoben" :-))
Grüße
freak40 - 25.08.18    
Jetzt mal "Butter bei die Fisch".

Ich glaube (subjektives empfinden/gepaart mit Erfahrung) das d3 nur in Verbindung mit c3 Ziel d4 gut ist....überhaupt, ich hätte d4 getrommelt.
Vabanque - 25.08.18    
Man lernt am Anfang, dass Bauernzüge schlecht seien in der Eröffnung.

Ja, Bauernzüge die nichts leisten.

Und vor allem in offenen Stellungen, da sind viele Bauernzüge immer Zeitverlust.

Aber die Stellung nach dem 6. Zug hier ist NICHT offen.

Freilich, sie KÖNNTE sich baldigst öffnen. Deswegen sollte man sich schon darum bemühen (hast du ja auch getan), mit der Entwicklung des Königsflügels die Rochade vorzubereiten, um aus der potenziell (!) gefährlichen Mitte wegzukommen.

Deine Bauernzüge, wie d6, e6, a6 und auch b6 sind eigentlich typische Züge im Sizilianer bzw. im Igel-System. Da kann nichts falsch dran sein, denn selbst wenn Weiß die Mitte öffnet, ist das spielbar. Dann erst recht in der geschlossenen Aufstellung.
Vabanque - 25.08.18    
Weiß öffnet ja dann schließlich auch die Stellung, nämlich mit e5, aber das ist m.E. total verfrüht bzw. in dieser Situation die falsche Öffnung, und bringt ihn in Nachteil.
Vabanque - 26.08.18    
>>freak40 - vor 5 Min.

Jetzt mal "Butter bei die Fisch".

Ich glaube (subjektives empfinden/gepaart mit Erfahrung) das d3 nur in Verbindung mit c3 Ziel d4 gut ist....überhaupt, ich hätte d4 getrommelt.
<<

Ja, der weiße Aufbau ist planlos. Ihm widerfährt ja auch 'Gerechtigkeit' :-)
Oli1970 - 26.08.18    
Hallo Max, natürlich soll auch der tiefere Blick in Dein Spiel nicht zu kurz kommen, allein der Aufbau ist schon interessant genug, um neugierig zu machen.

Der Kommentierungsfehler im 25. Zug ist mir zwar auch aufgefallen, ich denke, es ist so offensichtlich, was gemeint war, dass das ganze nicht der Rede wert ist. Es ist doch schön, dass manche Sachen eben noch von Menschen gemacht werden (und nicht alle Menschen Fritz heißen).

Aufgrund von Vabanques Hinweis weiß ich nun auch, was ein Igel bzw. ein igelartiger Aufbau ist, da ham wa wieder was jelernt. Sowas ist mir bislang nicht begegnet. Fünf Bauernzüge von sechs Zügen - dass sowas gut gehen kann?! Aber, das hat Vabanque ja gut hervorgehoben, es gibt keine Angriffspunkte. Im Gegenteil, Weiß öffnet das Zentrum und verschlechtert damit zunächst seine eigene Position. Andererseits hatte er zu dem Zeitpunkt auch keine Möglichkeit, seine eigene Stellung noch weiter zu verbessern. Seltsam, wer zieht, verliert? Figuren schieben, bis Zugzwang entsteht? Hm, bestimmt interessant, sich damit mal zu beschäftigen (und mit 'ner Million anderen Dingen ...).

Die Spielentwicklung sieht jedenfalls "natürlich" aus, schöne Diagonalen für das Läuferpärchen, was will man mehr?

Im 17. Zug hätte ich, glaube ich, statt der Aufgabe des weißen Läufers probiert, mit b6-b5 und c5-c4 anzugreifen. Die Läufer sehen zusammen schon stark aus. Aber wer weiß, wie das gelaufen wäre? Im 21. Zug kommt dann b5 und das ist stärker, als einfach Dxe4. Noch c4 hinterhergeschoben und dem weißen Läufer wären die Felder ausgegangen. Und siehe da, das passiert als Zugumstellung kurz darauf. De3 im 25. Zug scheint der Fehler gewesen zu sein, der das Spiel zusammenbrechen lässt - die Linie und nicht allzu viel später auch das Spiel gehört Dir.

Ich habe das Spiel auch noch schnell durch den Elektronenquirl laufen lassen - was soll man sagen, es sieht ziemlich fehlerfrei aus. Das hast Du schön gespielt! Auch Sedlitzer hat sich zäh verteidigt. Er hat probiert, das Spiel früh zu bestimmen und ist in eine üble Lage geraten. Du hast ihn nicht wieder aus den Fängen gelassen, geschenkt hat er Dir trotzdem nichts. Es ehrt ihn, dass er Dich das Matt hat zeigen lassen.
KroMax - 26.08.18    
Ja richtig Oli.
Im 17. Zug habe ich, glaube ich ( ich muss das immer schreiben, weil die Partie auch durchaus lange gedauert hat und ich mir keine Notizen mache ), auch schon über b5 nachgedacht.

Mein Läufer tat mir auch leid, denn eigentlich hatte ich die ganzen Bauernzüge ursprünglich danach ausgerichtet :-)), aber sein Springer steht da unheimlich gut und mit dem Angriff b5 hätte ich ihn gar nicht wegbekommen, denke ich, denn auch mit c4 braucht er ja nicht schlagen und hat auch noch seinen Bauern c2, wenn ich schlage.

Tatsächlich sah es kurzfristig danach ( also als er Ld3 steht ) aus, als wenn ich seinen Läufer fangen kann. Naja war dann ja nicht.

Aber wenn b5 wirklich stärker ist als Dxe4 muss ich mir auf die Schulter klopfen, denn einen zentralen Bauern "nicht" nehmen, mache ich normalerweise eigentlich nicht :-)
Tatsächlich sieht es dann ja auch so aus als wenn mir der e4Bauer hilft, die d. Linie weiter zu halten, aber das muss man erst mal verinnerlichen :-)

Jedenfalls darf ich sagen, dass ich manchmal echt lange nachgedacht habe. Während mein Schachfreund quasi online gegangen ist, zieht und sofort wieder offline ist, so als wenn er vom Handy mal zwischendurch in der S - Bahn auf dem Weg zur Arbeit spielt.
Also...ist klar was ich damit sagen will :-))

Beste Grüße
Max
KroMax - 26.08.18    
Das beschäftigt mich gerade etwas, denn ich weiß nicht mehr genau warum ich den e4Bauer "nicht" genommen habe.
Die Begründung mit der d-Linie war es jedenfalls nicht.

Es war eher etwas wie Te3 und auch sein weißfeldriger Läufer, denn meine Dame steht dann ja auch auf Weiß....und seine Dame war auch in der Nähe.
Ich glaube ich hätte vollständig die Initiative durch Dxe4 verloren.

Vielleicht habt ihr ja mal Lust Dxe4 bei euch durchlaufen zu lassen bzw. was wäre denn gewesen, wenn....

Beste Grüße
haribo02 - 26.08.18   +
Erstmal, vielen Dank für die Partie Max :-)
Es ist in der Tat erfrischend und unterhaltsam wie du hier kommentierst.
Schön dabei,ist zu lesen, wie und warum du diese Züge während der Partie ausgesucht hast !

>>Vielleicht habt ihr ja mal Lust Dxe4 bei euch durchlaufen zu lassen bzw. was wäre denn gewesen, wenn....<<

Hier, denke ich dass nach Dxe4, Ld3 der beste Zug ist : nimmt der Läufer weg und greift die Dame an, die Dame geht also zurück auf h4( wenn die Dame auf der Diagonale h1-a8 bleibt, droht nach De2, Le4 und die Dame muss wieder weg, oder Schwarz verliert die Qualität) Dh4, jetzt wurde ich De2 spielen ( greift den Läufer auf e5 an und gleichzeitig den Punkt a6... )
Der Bauer a6 fällt auf jeden Fall und Weiß steht gar nicht so schlecht...
Das ist aber nur meine Einschätzung, vielleicht kann da jemand tiefer analysieren …..


LG haribo02
KroMax - 26.08.18    
Ja genau haribo ! Wobei ich mich an den Bauern a6 nicht mehr erinnern kann....also dass ich an den gedacht habe.
Auf jeden Fall habe ich gesehen, dass ich doch tatsächlich nur Dh4 spielen kann.

In der Kommentierung fing ich mit 'Angst um den Turm a8' an, weil....wenn ich mit der Dame auf die Diagonale d5-b7 ausweiche ( nach Ld3 ), muss ich auch Angst um meinen Turm bekommen :-)))

Beste Grüße
Max
KroMax - 26.08.18    
Das bringt richtig Spaß nochmal die ganze Partie durchzugehen :-)
Daher fällt mir noch etwas auf.

Sein De3 wirkt im Nachgang vielleicht nicht so stark, aber er bedroht natürlich schon meinen Bauern a6 ( durch haribo komme ich darauf ) mit anschließendem Db6.
Daher habe ich darüber auch lange nachgedacht und dann gesehen, dass ich seinen Läufer bekommen könnte. Das man einen Läufer fängt, ist ja ungewöhnlich, aber er hat es ganz stark auch sofort gesehen.
Auch die anschließende Mattdrohung auf der Grundreihe hat er mit Kf1 auch erstmal neutralisiert.

Und es ist einfach so, dass ich zwar zu diesem Zeitpunkt sehe, dass ich stärker stehe aber wie kommt denn jetzt auch der Sieg ? Denn wenn ich nicht dran glaube und konzentriert weiterspiele, kann sich das ja gerne auch mal alles in "Remiswohlgefallen" auflösen.

Grüße
Oli1970 - 26.08.18    
"Tiefer analysieren" kann ich leider nicht, ich habe weder die schachlichen Voraussetzungen noch die Bedienungsfähigkeit einer Schachengine im Gepäck. Aber einschalten und Knopf drücken, das kann ich. :-)
Laut Denkmaschine würde Dxe4 einfach nur zum Ausgleich führen, die Initiative ist weg oder wechselt im schlimmsten Fall. Der Bauernzug hält den Vorteil.
Die andere Sache ist, wie der sogenannte Ausgleich langfristig wirkt. Der Fall des a6 bringt jedenfalls für ein späteres Endspiel eine Unterzahl am Damenflügel mit. Also, alles richtig gemacht. :-)
Vabanque - 27.08.18   +
Gut, analysieren wir 'tiefer', indem wir die Gründe für die 'Güte' oder 'Schlechtigkeit' mancher Züge herauszufinden versuchen ;-)

Nach 21... Dxe4 ist bestimmt nicht 22. Te3 am besten, denn die schwarze Dame kann ja den Lc4 nehmen. Natürlich bedient sich Weiß dann seinerseits auf e5, aber Schwarz behält bequem den Mehrbauern (glaube ich).

Deshalb muss 22. Ld3 besser sein. Aber warum ist es nicht nur besser, sondern sogar gut?
Haribo hat ja schon ein paar Varianten und Ideen geliefert, sehr schön! Die brauche ich ja nicht mehr zu wiederholen.

Der tiefere Grund (und um den geht es ja, wir wollen Schach ja auch verstehen), warum das Nehmen auf e4 die Initiative verliert, liegt darin, dass Schwarz damit dem Weißen ermöglicht, seinen Läufer zu reaktivieren. Man sieht es besonders gut an der anschließenden Drohung Le4, falls auf 22. Ld3 z.B. Db7 und dann 23. De2 geschieht. Der Ld3 steht voll im Leben.

Falls Schwarz jedoch, wie in der Partie, den Bauern e4 stehen lässt, schränkt dieser den weißen Läufer enorm ein. Deswegen ist 22... b5 so gut. Nach zwei weiteren Zügen erkennt man, welche traurige Rolle der Lc2 spielt; er hat überhaupt keine Felder und kann nur durch sein kleines Fenster nur auf die graue Fabrikwand gegenüber (den Be4) blicken, während der schwarze Läufer quicklebendig ist.

Daran ändert auch der Umstand nichts, dass sich die Läufer später indirekt tauschen; denn Schwarz tauscht den Vorteil des besseren Läufers gegen einen anderen ein: (Zunächst Bauerngewinn und dann) Eindringen seiner Schwerfiguren, was sofort entscheidet.

Ja, das hat Max sehr fein gespielt!
Vabanque - 27.08.18    
>>Laut Denkmaschine würde Dxe4 einfach nur zum Ausgleich führen, die Initiative ist weg oder wechselt im schlimmsten Fall. Der Bauernzug hält den Vorteil.
Die andere Sache ist, wie der sogenannte Ausgleich langfristig wirkt. Der Fall des a6 bringt jedenfalls für ein späteres Endspiel eine Unterzahl am Damenflügel mit. Also, alles richtig gemacht. :-)<<

Das ist ein wichtiger Aspekt, auf den du hier hinweist.

Wenn der weiße Bauer e4 und der schwarze Bauer a6 vom Brett verschwunden sind, hat Weiß die Bauernmehrheit am Damenflügel, die hier langfristig die Schaffung eines Freibauern auf der a-Linie, also eines 'entfernten' Freibauern ermöglicht, der in gewissen Endspielen ein entscheidender Siegfaktor werden kann.

Entfernen wir nämlich im Geiste in der Stellung nach dem 21. Zug nicht nur die Bauern e4 und a6 vom Brett, sondern auch noch alle Figuren mit Ausnahme der beiden Könige, dann erkennen wir, dass dieses reine Bauernendspiel für Weiß gewonnen ist! (Weiß bildet einen Freibauern auf der a-Linie, den der sK dann stets beobachten muss, so dass der wK übers Zentrum und den K-Flügel eindringen und Bauernbeute machen kann.)

D.h., den Tausch aller Figuren darf Schwarz dann nicht zulassen, was schon mal ein Vorteil für Weiß ist, mit dem er operieren kann. Allerdings ist es in gegenwärtiger Stellung doch sehr unwahrscheinlich, dass sich alle Figuren tauschen. insofern ist der weiße 'Vorteil' von geringer praktischer Bedeutung. Insbesondere die 'ungleichen' Läufer können sich ja nur indirekt tauschen (wie es allerdings in der Partie auch geschieht), und selbst wenn dies passieren sollte, bleibt meist noch ein Turmpaar auf dem Brett, so dass Schwarz Remis hält.
KroMax - 27.08.18    
Danke Vabanque für die Erläuterungen. Ld3 war auch der Zug, der mich gestört hat.
Im Nachgang sieht das so offensichtlich aus:
Das war es aber während der Partie für mich gar nicht :-)), denn ich war echt am Grübeln.

Sicherlich wird es auch deshalb als offensichtlich von mir nun im Nachgang gesehen, weil die Partie von Erfolg gekrönt ist. Wenn ich verloren hätte, würde ich das möglicherweise ganz anders sehen.
Beste Grüße