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Wer war John Curdo?

Hasenrat - 08.07.21    
Der schon von mir andernorts zitierte Schachkalender chessdex gibt den obengenannten US-Amerikaner (*1933) als denjenigen an, der die meisten Turniere, nämlich angeblich 850 (!), gewonnen hat.
Das ist ja ein verblüffender ... funfact. Wer weiß mehr?
skorpion14 - 08.07.21    
Hallo Hasenrat!

In der englischsprachigen Wikipedia habe ich einen kleinen Artikel über John Curdo gefunden. Allerdings gibt es Unstimmigkeiten derart, daß er in besagtem Beitrag am 14.11.1931 (und nicht 1933) geboren wurde und weiterhin bis zum Dezember 2011 sogar 865 Turniere gewonnen haben soll, falls ich es richtig verstanden habe.

https://en.wikipedia.org/wiki/John_Curdo

Viele Grüße,
Burkhard
toby84 - 08.07.21    
will jemand vergleiche suchen, wie das United States Chess Federation rating einzuschätzen ist?
Vabanque - 08.07.21    
>>toby84 - vor 1 Std.
will jemand vergleiche suchen, wie das United States Chess Federation rating einzuschätzen ist?<<

Ich erinnere mich, mal irgendwo gelesen zu haben, dass man von der USCF-Wertung so ca. 100-200 Punkte abziehen muss, um mit der entsprechenden DWZ vergleichen zu können.
toby84 - 08.07.21    
dann hätte ja schon unser IM eine höhere spielstärke. wie verlässlich ist diese info?
Vabanque - 08.07.21    
So verlässlich wie meine Erinnerung😉

Unser Recherche-Weltmeister Oli1970 kriegt's bestimmt raus!😊
Vabanque - 08.07.21    
Auf die Schnelle habe ich nur gefunden, dass die USCF-Zahlen 'deutlich höher' liegen als die DWZ oder ELO:

https://www.schach-computer.info/wiki/index.php/USCF
Vabanque - 08.07.21    
In einem anderen Forum wurde sogar behauptet, 200-300 Punkte höher als DWZ.
Oli1970 - 08.07.21    
Vergleich der Wertungssysteme, hm, je mehr ich drüber gelesen habe, umso mehr bin ich der Meinung, dass man sie kaum vergleichen kann. Schon z. B. innerhalb des Elo-Systems kommt es stark darauf an, wie alt die Wertung ist und wie viele Spieler insgesamt im Rating-Pool gezählt werden, wann sie wegen Inaktivität nicht mehr zählen und wer weiß was. Die DWZ gilt aufgrund ihrer Berechnungssystematik als genauer als die FIDE Elo, die FIDE Elo listete früher erst ab 2000 (oder 2200, weiß ich nicht mehr), mittlerweile ab 1200 Punkten. Der Betrachtungszeitraum hat schon großen Einfluss auf den „Wert“ der Elo-Zahl. Bei Glicko kommen mehr Faktoren bei der Berechnung hinzu, wie z. B. Spielpausen zwischen Ratings.
Je kleiner die DWZ, desto größer die Abweichung zur Elo, je höher die Ratings, desto enger liegen sie beieinander. Oft hört man von 50 - 100 Punkten Abweichung, was vermutlich den 2000er Raum betrifft. Soviel zur Einleitung für die, die das Thema interessiert.

John Curdo hat eine FIDE Elo, zuletzt gewertet 2013, von 2239 im Standard-Schach. https://ratings.fide.com/profile/2001705
Seine USCF Elo lag 2013 gleichfalls knapp über 2230. Aktuell (zuletzt gewertet 4/2020) liegt er bei genau 2200, sein Spitzenwert Anfang der 1990er Jahre über 2500. Er ist FIDE Master, US Life Master und Original Life Master, also auch hier Vergleichbarkeit. Bei der USCF ist Curdo online gelistet mit 1035 Events zwischen 1991 und 2020. http://www.uschess.org/msa/MbrDtlMain.php?10009201

Die USCF gibt eine Umrechnung für FIDE-Elo an. Es wird unterschieden zwischen FIDE-Elo bis und größer 2000. http://www.glicko.net/ratings/rating.system.pdf (Abschnitt 2.7). Die Formeln werden immer mal angepasst, so konnte man z. B. 2018 noch einfach 80 Punkte von der FIDE-Elo (bei >2000) abziehen und erhielt das USCF-Elo-Äquivalent - als Basis für Spielende mit FIDE-Elo, jedoch ohne USCF-Rating! Es geht also nur um die Schaffung einer Rechenbasis, nicht um unumstößliche Vergleichbarkeit.

Mit der DWZ ist es komplizierter, hier gibt die Wertungsordnung, Abschnitte 6.1 und 4.9.3 Auskunft. „Für (insbesondere ausländische) Spieler ohne DWZ können FIDE-Rating-Zahlen oder nationale Wertungszahlen aus entsprechenden aktuellen Listen unter der Voraussetzung entnommen werden, dass sie von der Wertungszentrale nach vorhergehender Prüfung als vergleichbar eingestuft wurden. Es ist in solchen Fällen darauf zu achten, ob die Wertungszentrale des DSB besondere Umrechnungsformeln vorgeschrieben hat.“ https://www.schachbund.de/wertungszahlen.html

Echte Vergleichbarkeit gibt es nur innerhalb eines Systems, und überall gilt das Gleiche wie auch bei chessmail - je mehr Partien gezählt werden, desto genauer das Bild des Spielenden. Zurück zu Curdo: Er hat vergleichsweise wenig FIDE-Wertungen, mehr als 2500 USCF-Wertungen allein ab 1991. Diese erzielte er in Open; schaut man durch die jüngeren Events war die Gegnerschaft nicht mit ihm vergleichbar, was wohl auch die ungeheure Zahl an Turniersiegen erklärt. Welchen Schluss zieht man jetzt? Spielstark - oder erfahren - war / ist er wohl. Wäre er noch gleichauf mit anderen 2200ern oder würde das Rating dann bröckeln?
Hasenrat - 08.07.21    
Ich fand es einfach faszinierend, wie man Turniersiege sammeln kann.
War mir schon klar, dass das wohl vornehmlich dafurch zu erzielen ist, dass man bevorzugt Provinzturniere bereist, bei denen man schon auf der Setzliste die Nr. 1 ist.

Mein schachliches Lebensziel ist, auch einmal ein kleines provinzielles (B-) Turnier (Open) zu gewinnen. Dann ziehe ich mich vom aktiven Schach zurück. 😉
toby84 - 08.07.21    
in meiner jugend habe ich einige pokale für zweite plätze gesammelt :P
die unterfränkische meisterschaft war darunter wohl der höhepunkt. habe mich damit für die bayerische qualifiziert und wurde dort ungespitzt in den boden gerammt.
gammapappa - 08.07.21    
Ich hatte vor 4 Jahren an meinem ersten ELO-ausgewerteten Turnier teilgenommen (Sächsische Seniorenmeisterschaft).
Das lief dermaßen gut, dass ich nach 4 Runden alleiniger Spitzenreiter war und zum Schluß Neunter mit vielen Siegen gegen Hochkaräter.
Meine erste Elo-Zahl im Leben war deshalb 2109 bei einer DWZ von ca. 1750. Das war wohl der größte Unterschied in ganz Deutschland. Inzwischen hat sich das etwas relativiert.
Mit der Elo-Zahl könnte ich mich ohne aufzufallen bei der Senioren-EM anmelden.
Da würde ich wahrscheinlich auch in den Boden gerammt.
Oli1970 - 08.07.21    
>> Mein schachliches Lebensziel ist, auch einmal ein kleines provinzielles (B-) Turnier (Open) zu gewinnen. Dann ziehe ich mich vom aktiven Schach zurück. 😉<<

Rückzug auf dem Höhepunkt des Erfolgs steht in guter Tradition! 😉
Alapin2 - 08.07.21    
Habe mir mal den Spaß gemacht, einige Kurzpartien von ihm nachzuspielen :
Fallen, die man eigentlich kennen sollte, Manöver, auf die starke Spieler nicht reinfallen.
Gegen solches "Fallobst" kann man natürlich viele Turniere gewinnen.
Ich glaube nicht, daß unsere Meisterspieler Gelegenheit haben, turniermaessig so häufig gegen unterklassige Spieler gepaart zu werden.
Auf der anderen Seite hat er gegen Klasseleute wie Robert Byrne, Fedorowicz u. A.
gewonnen.
Er ist schon gut. Die Frage war aber, wie ein mittelklassiger Meister den Weltrekord an
Turniersiegen erringen kann.
Das kann m. E. nur daran liegen, daß die allermeisten Gegner eben extrem unterklassige waren.
P. S. : Nette Wortschoepfungen in der "Denglisch" - Übersetzung :Alapina (e4, c5, c3),
Vier Ritter (allerdings für Spanisch-Varianten) usw.