Vabanque, 1/14, 26. Dec '24
Ganz kürzlich erst bin ich auf dieses interessante Kurzremis gestoßen, das kurioserweise 1952 gleich doppelt vorkam, einmal in der polnischen Meisterschaft, und einmal (mit einer geringfügigen Abweichung) in einem Turnier in Argentinien. Nun konnte ich nicht herausfinden, welche der beiden Partien früher gespielt wurde, aber es würde mich wundern, wenn in den damaligen Tagen die Kommunikation zwischen Lateinamerika und Osteuropa so gut geklappt hätte, dass die Spieler der einen Partie von der vorher gespielten fast identischen Partie Kenntnis gehabt hätten. Also kann man wohl eher von einem zufälligen Partie-Zwilling ausgehen. Eventuell besteht auch ein früheres, mir nicht bekanntes gemeinsames Vorbild, dem die Spieler da jeweils folgten. Aber auch in diesem Fall wäre es erstaunlich, dass diese noch frühere Partie (oder Analyse) sowohl den Polen wie auch den Argentiniern bekannt war, und dass beide im gleichen Jahr die gleiche Variante zur Anwendung bringen konnten. Die Angelegenheit bleibt in jedem Fall mysteriös.
Interessant ist allerdings auch der von mir in den Anmerkungen zum 12. Zug von Schwarz erwähnte Versuch aus dem Jahre 2005, mit einer Wiederholung dieser alten Partie gegen einen deutlich stärkeren Kontrahenten ein Remis zu erzielen. Ein GM wich da mit Schwarz dem Remis nämlich mit einem objektiv schwächeren Zug aus - und gewann!
[Event "POL-ch10"]
[Site "Katowice"]
[Date "1952.10.18"]
[Round "11"]
[White "Litmanowicz, Wladyslaw"]
[Black "Grynfeld, Izaak"]
[Result "1/2-1/2"]
[ECO "C56"]
1. e4 e5 2. Nf3 Nc6 3. Bc4 Bc5 4. O-O Nf6 {Diese viel gespielten Eröffnungszüge
führen nun üblicherweise nach 5. d3 zu einer ruhigen Partie.} 5. d4 $5 {Aber
dieses Gambit bringt mehr Pep rein.} 5... exd4 {Die anderen beiden
Möglichkeiten, den Bauern zu schlagen, führen ebenfalls zu interessantem und
lebhaftem Spiel.} 6. e5 d5 7. exf6 ( {Mit} 7. Bb5 Ne4 8. Nxd4 {könnte Weiß den
komplizierten Verwicklungen ausweichen, würde damit aber nur Ausgleich
erzielen.} ) 7... dxc4 {Wie haben jetzt die Grundstellung des sogenannten Max
Lange-Angriffs erreicht, in dem Weiß seinem Gegner eine zentrale Übermacht
überlässt, um dafür einen schnellen Überfall am Königsflügel zu starten.} 8.
fxg7 ( {Häufiger wird hier} 8. Re1+ {gespielt, aber der Textzug dürfte in etwa
gleichwertig sein.} ) 8... Rg8 9. Bg5 ( {Oder auch hier} 9. Re1+ {.} ) 9... f6
( {Ob der Textzug oder} 9... Be7 {besser ist, ist schwer zu entscheiden.} ) (
9... Be7 10. Bxe7 Kxe7 {(um d4 gedeckt zu halten)} 11. Re1+ Be6 {(die Engine
möchte stattdessen tatsächlich Kf6 spielen, aber welcher menschliche Spieler wird sich gerne darauf
einlassen?)} ) 10. Re1+ Kf7 11. Ne5+ $5 (11. Bh6 {kommt ebenfalls in Frage.} )
11... Nxe5 {Erzwungen.} ( {Denn} 11... Kxg7 $4 12. Bh6+ $1 {führt zum
Damenverlust oder Matt.} ) 12. Rxe5 Be7 ( {In der erwähnten argentischen Partie
aus dem gleichen Jahr geschah} 12... Bd6 {mit demselben Remisschluss.} ) ( {In
einer Partie Slingerlang - Turov 2005 wich der russische GM mit Schwarz mit}
12... fxg5 $6 13. Rxc5 Be6 {in riskanter Weise dem Remis aus. Nach den weiteren
Zügen} 14. Qh5+ Kxg7 15. Rxg5+ Kh8 16. Rxg8+ Kxg8 $1 {(das einzige!) stand der
schwarze König plötzlich sicher. Anstatt nun mit Sd2 für die Beendigung der
Entwicklung zu sorgen, spielte Weiß} 17. Qe5 $6 Qd5 18. Qxd5 $2 Bxd5 {und
verlor das Endspiel. So war der Versuch, mit einer vermutlich vorbereiteten
Variante gegen einen GM ein Remis zu erzielen, drastisch gescheitert.} ) 13.
Qh5+ Kxg7 14. Qh6+ Kf7 ( {Auf} 14... Kh8 $4 {käme} 15. Rxe7 $1 {mit Mattdrohung
auf h7, so dass} 15... Qxe7 16. Bxf6+ {mit Damengewinn erzwungen wäre.} ) 15.
Qxh7+ Rg7 (15... Kf8 $4 16. Bh6+) 16. Qh5+ Rg6 ( {Auf} 16... Kg8 $6 {, um den
weißen Schachs zu entrinnen, käme} 17. Bxf6 $1 Bg4 $1 {Noch eine schlaue
Ausrede.} (17... Bxf6 $4 18. Re8+ {und Damengewinn} ) 18. Bxe7 Qxe7 19. Rxe7
Bxh5 20. Re1 {mit weißem Mehrbauer.} ) (16... Kf8 {wiederum führt ebenfalls
zum Remis:} 17. Qh8+ Kf7 (17... Rg8 $4 18. Bh6+ Kf7 19. Qh7+) 18. Qh5+) 17.
Qh7+ Rg7 {und die beiderseitige Zugwiederholung ist erzwungen.} 1/2-1/2
Interessant ist allerdings auch der von mir in den Anmerkungen zum 12. Zug von Schwarz erwähnte Versuch aus dem Jahre 2005, mit einer Wiederholung dieser alten Partie gegen einen deutlich stärkeren Kontrahenten ein Remis zu erzielen. Ein GM wich da mit Schwarz dem Remis nämlich mit einem objektiv schwächeren Zug aus - und gewann!
[Site "Katowice"]
[Date "1952.10.18"]
[Round "11"]
[White "Litmanowicz, Wladyslaw"]
[Black "Grynfeld, Izaak"]
[Result "1/2-1/2"]
[ECO "C56"]
1. e4 e5 2. Nf3 Nc6 3. Bc4 Bc5 4. O-O Nf6 {Diese viel gespielten Eröffnungszüge
führen nun üblicherweise nach 5. d3 zu einer ruhigen Partie.} 5. d4 $5 {Aber
dieses Gambit bringt mehr Pep rein.} 5... exd4 {Die anderen beiden
Möglichkeiten, den Bauern zu schlagen, führen ebenfalls zu interessantem und
lebhaftem Spiel.} 6. e5 d5 7. exf6 ( {Mit} 7. Bb5 Ne4 8. Nxd4 {könnte Weiß den
komplizierten Verwicklungen ausweichen, würde damit aber nur Ausgleich
erzielen.} ) 7... dxc4 {Wie haben jetzt die Grundstellung des sogenannten Max
Lange-Angriffs erreicht, in dem Weiß seinem Gegner eine zentrale Übermacht
überlässt, um dafür einen schnellen Überfall am Königsflügel zu starten.} 8.
fxg7 ( {Häufiger wird hier} 8. Re1+ {gespielt, aber der Textzug dürfte in etwa
gleichwertig sein.} ) 8... Rg8 9. Bg5 ( {Oder auch hier} 9. Re1+ {.} ) 9... f6
( {Ob der Textzug oder} 9... Be7 {besser ist, ist schwer zu entscheiden.} ) (
9... Be7 10. Bxe7 Kxe7 {(um d4 gedeckt zu halten)} 11. Re1+ Be6 {(die Engine
möchte stattdessen tatsächlich Kf6 spielen, aber welcher menschliche Spieler wird sich gerne darauf
einlassen?)} ) 10. Re1+ Kf7 11. Ne5+ $5 (11. Bh6 {kommt ebenfalls in Frage.} )
11... Nxe5 {Erzwungen.} ( {Denn} 11... Kxg7 $4 12. Bh6+ $1 {führt zum
Damenverlust oder Matt.} ) 12. Rxe5 Be7 ( {In der erwähnten argentischen Partie
aus dem gleichen Jahr geschah} 12... Bd6 {mit demselben Remisschluss.} ) ( {In
einer Partie Slingerlang - Turov 2005 wich der russische GM mit Schwarz mit}
12... fxg5 $6 13. Rxc5 Be6 {in riskanter Weise dem Remis aus. Nach den weiteren
Zügen} 14. Qh5+ Kxg7 15. Rxg5+ Kh8 16. Rxg8+ Kxg8 $1 {(das einzige!) stand der
schwarze König plötzlich sicher. Anstatt nun mit Sd2 für die Beendigung der
Entwicklung zu sorgen, spielte Weiß} 17. Qe5 $6 Qd5 18. Qxd5 $2 Bxd5 {und
verlor das Endspiel. So war der Versuch, mit einer vermutlich vorbereiteten
Variante gegen einen GM ein Remis zu erzielen, drastisch gescheitert.} ) 13.
Qh5+ Kxg7 14. Qh6+ Kf7 ( {Auf} 14... Kh8 $4 {käme} 15. Rxe7 $1 {mit Mattdrohung
auf h7, so dass} 15... Qxe7 16. Bxf6+ {mit Damengewinn erzwungen wäre.} ) 15.
Qxh7+ Rg7 (15... Kf8 $4 16. Bh6+) 16. Qh5+ Rg6 ( {Auf} 16... Kg8 $6 {, um den
weißen Schachs zu entrinnen, käme} 17. Bxf6 $1 Bg4 $1 {Noch eine schlaue
Ausrede.} (17... Bxf6 $4 18. Re8+ {und Damengewinn} ) 18. Bxe7 Qxe7 19. Rxe7
Bxh5 20. Re1 {mit weißem Mehrbauer.} ) (16... Kf8 {wiederum führt ebenfalls
zum Remis:} 17. Qh8+ Kf7 (17... Rg8 $4 18. Bh6+ Kf7 19. Qh7+) 18. Qh5+) 17.
Qh7+ Rg7 {und die beiderseitige Zugwiederholung ist erzwungen.} 1/2-1/2