so, dann fange ich mal an. das thema, das ich im folgenden genauer beleuchten will, sind remis-stellungen im schachfußball und die frage, ob "der letzte halbzug vor dem remis verliert die partie" eigentlich fair ist, oder ob es stellungen gibt, in denen sich das sehr unfair anfühlt. ich beginne mit der partie zur aufgabenstellung.
die kritische position ist die, die janko in seinem letzten diagramm dargestellt hat:
r7/P1R1k3/1p4R1/1p2p3/3pP2p/3r1P1K/5P2/8 w - - 0 1
r7/P1R1k3/1p4R1/1p2p3/3pP2p/3r1P1K/5P2/8 w - - 0 1
diese stellung hätte entstehen können, wenn schwarz nicht anders gespielt und damit ein tor erzwungen hätte. diese variante läuft auf dauerschach hinaus. aber wer verliert das dauerschach? das hängt tatsächlich davon ab, wie genau schwarz hier spielt:
variante 1:
...
Kf8Tf6 Kg8
Tg6
Kf8Tf6 Kg8
Tg6
Kf8 schwarz zieht zum remis und verliert.
variante 2:
... Kf8
Tf6 Kg8
Tg6 Kh8
Th6 Kf8
Tg6 Kh8
Th6 Kf8
Tg6 und weiß zieht zum remis, weswegen schwarz gewinnt.
aber warum ist das jetzt so passiert? ist das zufall? willkür? keineswegs. tatsächlich gilt: in fast allen fällen macht beim dauerschach derjenige den letzten zug, der die schachs setzt. damit der einsame könig den letzten zug macht, ist eine ganz bestimmte konstellation nötig: die dauerschach setzende figur muss von dem zweiten feld kommen, das sie fürs dauerschach verwendet. im fall von variante 1: Tg6-f6
da im folgenden verlauf genau diese turmbewegung g6-f6-g6 am ende zum dauerschach führt, hat er das finale stellungsmuster einen halbzug früher aufgebaut und erzwingt damit am ende, dass der schwarze könig den letzten halbzug macht.
und was hat sich in variante 2 geändert? das dauerschachmuster ist von f und g nach g und h gewandert, der turm kommt diesmal von f6 (also von außerhalb der beiden linien des finalen stellungsmusters g und h) hinter dem schwarzen könig her, weiß ist es somit nicht gelungen, das finale stellungsmuster einen halbzug früher aufzubauen. das ergebnis: der turm macht den letzten halbzug, schwarz gewinnt.
deshalb halte ich es auch für außerordentlich unwahrscheinlich, dass es einem spieler tatsächlich mal gelingen sollte, so ein dauerschach als gewinn zu erzwingen. in diesem beispiel wäre das der fall, wenn beispielsweise noch ein turm auf h8 stehen würde:
r6r/P1R1k3/1p4R1/1p2p3/3pP2p/3r1P1K/5P2/8 w - - 0 1
r6r/P1R1k3/1p4R1/1p2p3/3pP2p/3r1P1K/5P2/8 w - - 0 1
hier hätte schwarz nicht die möglichkeit, nach h8 auszuweichen. trotz ansonsten massiv überlegener stellung hat schwarz einfach keine fluchtmöglichkeiten für seinen könig. d8 oder e8 verbieten sich wegen Td6/Te6 nebst tor. und die schaukel Kf8 Kg8 verliert wegen besagter perfekter konstellation für weiß. ich muss schon sagen: wenn jemand es wirklich geschafft hätte, bewusst und wissentlich so ein remis zu erreichen, hätte er sich den sieg dafür schon irgendwie verdient.
aber sei es wie es will, das ist nicht die einzige mögliche seltsame konstellation, wie man einen sieg durch remis mit "gschmäckle" erzwingen kann.
sehen wir uns diese simple konstellation an:
8/8/3k4/3q4/3Q4/3K4/8/8 w - - 0 1
8/8/3k4/3q4/3Q4/3K4/8/8 w - - 0 1
unentschiedener lässt sich eine stellung kaum denken. aber remis wollten wir nicht zulassen, deshalb musste eine seite verlieren. in diesem fall gilt: wer am zug ist, kann die andere dame schlagen und gewinnt einen halbzug später durch die erzeugte tote stellung mit zwei blanken königen auf dem brett. man könnte hier argumentieren, dass derjenige, der mit der dame die dame geschlagen hat, der "verursacher" des remis ist, aber das wäre eine komplexere definition als "der letzte halbzug vor dem remis verliert". man müsste sich alle möglichen sonderfälle ansehen und für die jeweilige stellung gerade geeignete definitionen finden. der aufwand wäre immens, der nutzen gering, weil ich noch
nie ein derart abgespecktes endspiel im schachfußball gesehen habe. die einfachheit solcher regeln ist am ende einfach mehr wert als ein komplexer, jeden einzelfall berücksichtigender regelkatalog. dabei ist es im grunde nicht so wichtig, ob die regel lautet "der letzte halbzug vor dem remis verliert" oder "remis wird auch remis gewertet". beide regeln sind praktikabel, nur darauf kommt es an. und wer es wirklich schafft, durch solche abgedrehten sonderkonstellationen einen halben oder ganzen punkt zu holen, den so niemand erwartet hätte, dann kann man ihm den ruhig mal gönnen. auch so eine leistung ist bemerkenswert.