Vabanque, 1/15, 12. Sep '17
Den interessanten chinesischen Super-GM Bu Xiangzhi habe ich schon mal in einem früheren Beitrag vorgestellt. Bu spielt ein herzerfrischend unbekümmertes Angriffsschach, mit dem er sogar gegen Top-Gegnerschaft überraschende Erfolge erzielt.
Sein kürzlicher Sieg gegen WM Carlsen beim World Cup dürfte allerdings die bisherige Krönung von Bus Laufbahn darstellen.
Mit den schwarzen Steinen reißt der Chinese hier durch ein mutiges Bauern- und gleich anschließendes Läuferopfer gewaltsam die Initiative an sich. Zwar vielleicht nicht völlig korrekt, stellt dieses Vorgehen den Weltmeister doch vor dermaßen schwierige Verteidigungsaufgaben, dass dieser schließlich kollabiert. Man kann über die Risikobereitschaft und das kraftvolle Spiel des chinesischen GM wirklich nur staunen!
Ich werde hier keine ausführliche Analyse der komplizierten Partie bieten, zumal sich (computergestützte) Analysen bereits im Netz befinden. Ich möchte vielmehr - wie eigentlich immer - die Ideen und (möglichen) Gedanken der Spieler hinter den Zügen plausibel machen, und deswegen nur ein paar m.E. zum Verständnis dienende Varianten bringen, und die anderen weglassen bzw. das meiste rein verbal kommentieren.
Kritik ist ausdrücklich erwünscht!!
[Event "World Cup"]
[Site "Tbilisi GEO"]
[Date "2017.09.09"]
[EventDate "2017.09.03"]
[Round "3.1"]
[Result "0-1"]
[White "Magnus Carlsen"]
[Black "Bu Xiangzhi"]
[ECO "C55"]
[WhiteElo "2822"]
[BlackElo "2710"]
[PlyCount "72"]
1. e4 e5 2. Bc4 Nf6 3. d3 {Das Königsläuferspiel gilt generell als eine der ruhigsten Eröffnungen. Diese Partie wird aber überraschend schnell scharf werden.} Nc6 4. Nf3 Be7 5. O-O O-O 6. Bb3 d6 7. c3 Be6 {Bekanntlich ist in solchen Stellungen der nach dem Läufertausch auf e6 entstehende Doppelbauer nicht zu fürchten, da erstens die f-Linie aufginge und zweitens der 'neue' Bauer e6 wichtige Zentralfelder kontrollieren würde.} 8. Re1
Qd7 9. Nbd2 {Carlsen stellt sich ähnlich zu den geschlossenen Varianten in der Spanischen Eröffnung auf; der Springer soll über f1 nach g3 oder e3 und evtl. sogar nach f5 geführt werden.} Rab8 {Wieder mal einer diese mysteriösen Turmzüge. Vermutlich könnte ihn nur Bu selbst erklären, vor allem weil man auch später in der Partie nicht erkennt, wozu er an dieser Stelle hätte dienen sollen. Evtl. wäre ein Bauernvorstoß b7-b5-b4 denkbar, aber wäre dies wirklich ein guter Plan für Schwarz?} 10. Bc2 d5!? {Die erste Verschärfung; ein Bauernopfer ähnlich dem Marshall-Angriff im Spanier deutet sich an. Zunächst ziert sich Carlsen noch, aber im nächsten Zug nimmt er das Gambit doch an.} 11. h3 h6 {Solche beiderseitigen Randbauernzüge kennt man aus Partien schwacher Spieler - und hier macht es die Weltklasse genauso! Natürlich sollen damit jeweils gegnerische Figuren vom Betreten der Felder g4 bzw. g5 abgehalten werden. Während dem Schwarzen später aber der Zug h7-h6 nützen wird, wird Weiß den Zug seines Randbauern bald sehr bereuen ... } 12. exd5 Nxd5 ({Nur durch} 12... Qxd5 {wäre der e-Bauer zu halten, aber nach} 13. Nc4 e4 (
{nach} 13... Bd6 14. Bb3 {stehen die schwarzen Figuren ungemütlich}) 14. Ne3 {ginge er bei schlechterem Spiel verloren.}) 13. Nxe5 Nxe5 14. Rxe5 Bd6 15. Re1 Bxh3! {Dem Bauernopfer lässt Bu ein Figurenopfer folgen, natürlich nur ermöglicht durch den weißen Randbauernzug. Aber wird sein Angriff durchdringen? Man kann Bus Mut wirklich nur bewundern, so etwas gegen den amtierenden Weltmeister zu wagen.} 16. gxh3
Qxh3 {Schwarz droht nun bereits ein bekanntes Lehrbuch-Mattsetzungsmanöver, beginnend mit Lh2+, Lg3+, Dh2+ und Matt auf f2.} 17. Nf1 {Ein guter Verteidigungszug, allerdings auch der einzige. Vermutlich hatte auf Grund dieser Möglichkeit Carlsen das schwarze Läuferopfer in der Vorausberechnung als unzureichend eingeschätzt. Eventuell ist diese Einschätzung theoretisch auch richtig, aber wie schwierig die Verteidigung der weißen Stellung in der Praxis wirklich ist, zeigt diese Partie, zumal sogar der Weltmeister schließlich strauchelt!} Rbe8 18. d4 {Auch hier scheint es sich um den besten Zug zu handeln.} f5! {Ohne diesen Zug käme Schwarz ins Hintertreffen; nun aber droht er ganz einfach, den f-Bauern bis f3 vorzustoßen, mit tödlichen Mattdrohungen.} 19. Bb3 {Spielt Weiß sofort f4, um damit den schwarzen f-Bauern zu stoppen, wäre der weiße f4-Bauer einfach zu nehmen. Daher fesselt Carlsen zuerst den Sd5.} c6 {Erzwungen.} 20. f4! {Bisher spielen beide Kontrahenten ganz hervorragend. Der weiße Verteidigungszug öffnet zwar scheinbar die Königsstellung noch weiter, doch erstens ist der schwarze f-Bauer jetzt am Vorrücken zunächst gehindert, und zweitens können weiße Figuren nun zum Königsflügel hinübergespielt werden.} Kh7 {Erst hebt Schwarz die Fesselung seines Sd5 auf (und bedroht damit wieder den weißen Bauern f4), bevor er mit g7-g5 weiter angreift.} 21. Bxd5? ({Dieser auf den ersten Blick erzwungene Zug (um die Bedrohung des Bauern f4 aufzuheben) erweist sich letztlich als ungenau, ja in höherem Sinne bereits als der Punkt, an dem die Partie kippt. Rückblickend kann man natürlich leicht behaupten, dass Carlsen hier besser daran getan hätte, den f-Bauern herzugeben und statt dessen schleunigst den Turm zum Königsflügel zu schicken:} 21. Re2! Nxf4 {gibt es Besseres?} 22.
Rh2 {und der Damentausch ist erzwungen:} Qg4+ (22... Qd3 23. Bxf4 {ist sehr gut für Weiß}) 23. Qxg4 fxg4 24. Bxf4 {und das entstehende Endspiel ist kompliziert, doch bei präzisem Spiel sollte sich vermutlich die weiße Mehrfigur gegen die schwarzen Bauern durchsetzen.}) 21... cxd5 22. Re3 ({Ob} 22.
Re2 {hier besser war, darf angesichts von} Qg4+ 23. Kf2 {erzwungen} g5 24. fxg5 Re4! {nebst Tfe8 bezweifelt werden; Schwarz behält eine sehr starke Initiative.}) 22... Rxe3 23. Bxe3 g5! {Damit hebelt Schwarz die weiße Verteidigungsstellung aus den Angeln} 24. Kf2
({Nach} 24. fxg5 f4 {ist das tödliche Vordringen des Bauern nach f3 nicht mehr zu vermeiden; das war die Idee von g7-g5! Daher gibt Carlsen nun Material zurück und hofft auf ein ausgeglichenes Endspiel.}) 24... gxf4 25. Qf3 fxe3+ 26. Nxe3 Qh2+! {Bu tut ihm nicht den Gefallen des Damentausches! In dem entstehenden Endspiel hätte Weiß ausgezeichnete Remischancen, die Carlsen ganz sicher auch wahrgenommen hätte.} 27. Kf1 Rg8!{Schwarz verliert keine Zeit mit dem (allerdings ebenfalls spielbaren) Nehmen auf b2, sondern stellt ohne Verzug seinen Turm auf ein drohendes Feld (es droht Tg1 matt). Dabei lässt er sogar seinen f-Bauern mit Schach hängen!} 28.
Qxf5+ Rg6 29. Ke1 ({Schachserien bringen hier gar nichts:} 29. Qf7+ {oder Dd7+} Rg7 30. Qf5+ Kh8 31. Qc8+ Rg8 {und Weiß könnte aufgeben. Carlsen hält lieber den schwarzen Tg6 gefesselt und holt derweil seinen König etwas aus der Gefahrenzone, um später ggf. auch auf schwarzen Grundreihenschachs auf f1 dazwischensetzen zu können.}) 29... h5?! ({Es ist erstaunlich, dass dieser plausible Zug, der einfach dem freien f-Bauern den Marschbefehl erteilt, beinahe den schwarzen Sieg in Frage hätte stellen können! Der korrekte, klare Gewinnweg besteht in einem kuriosen Dreiecksmarsch des schwarzen Königs, um den schwarzen Turm endgültig wieder einsatzfähig zu machen:} 29... Kg7
30. Qd7+ Kh8 31. Qd8+ Kh7 32. Qd7+ Rg7 33. Qf5+ Kh8) 30. Kd1? ({Der endgültig entscheidende Fehler. Der weiße König ist nun zwar nicht mehr direkt zu belangen, jedoch wird nun der schwarze h-Bauer unaufhaltsam. Weiß hätte den Umstand, dass der letzte schwarze Bauernzug nicht sofort den Tg6 entfesselt, dazu ausnutzen können, mit} 30. Rd1 {seinem Turm die Möglichkeit zu geben, über d2 wieder ins Spiel einzugreifen. Nach Engine-Analysen soll dies verblüffenderweise tatsächlich ausreichen, die Partie zu halten!}) ({Hingegen stürzt sich Weiß mit} 30.
Qd7+? Rg7 31. Qf5+ Kh8 32. Qc8+? Rg8 33. Qxb7? Rg1+ 34. Nf1 Bg3+ {schachbietenderweise ins Grab.}) 30... Kh6 {So erweist sich der eigentlich ungenaue Zug h5 doch als gut, weil er nun diese simple Entfesselung des Tg6 ermöglicht, wonach Weiß keine Schachgebote mehr hat und trotz ein paar jetzt noch folgenden Gymnastikübungen des Springers keine Chance hat, den h-Bauern aufzuhalten.} 31.
Nc2 h4 32. Ne1 h3 33. Nf3 Qg2 34. Ne1 Qg4+! {So macht man's gegen einen Weltmeister richtig: Bu tauscht gegen Carlsen erst dann die Damen, wenn das entstehende Endspiel leicht für ihn gewonnen ist!} 35. Qxg4 Rxg4 36. Nf3 Rg1+! ({Der elegante Schlusswitz: nach} 36...
Rg1+ 37. Nxg1 h2 {zeigt sich die Hilflosigkeit des Springers gegen den Randbauern in Mitleid erregender Weise. Carlsen gab auf. Trotz kleinerer Ungenauigkeiten eine ganz große Leistung des Chinesen.}) 0-1
Sein kürzlicher Sieg gegen WM Carlsen beim World Cup dürfte allerdings die bisherige Krönung von Bus Laufbahn darstellen.
Mit den schwarzen Steinen reißt der Chinese hier durch ein mutiges Bauern- und gleich anschließendes Läuferopfer gewaltsam die Initiative an sich. Zwar vielleicht nicht völlig korrekt, stellt dieses Vorgehen den Weltmeister doch vor dermaßen schwierige Verteidigungsaufgaben, dass dieser schließlich kollabiert. Man kann über die Risikobereitschaft und das kraftvolle Spiel des chinesischen GM wirklich nur staunen!
Ich werde hier keine ausführliche Analyse der komplizierten Partie bieten, zumal sich (computergestützte) Analysen bereits im Netz befinden. Ich möchte vielmehr - wie eigentlich immer - die Ideen und (möglichen) Gedanken der Spieler hinter den Zügen plausibel machen, und deswegen nur ein paar m.E. zum Verständnis dienende Varianten bringen, und die anderen weglassen bzw. das meiste rein verbal kommentieren.
Kritik ist ausdrücklich erwünscht!!
[Site "Tbilisi GEO"]
[Date "2017.09.09"]
[EventDate "2017.09.03"]
[Round "3.1"]
[Result "0-1"]
[White "Magnus Carlsen"]
[Black "Bu Xiangzhi"]
[ECO "C55"]
[WhiteElo "2822"]
[BlackElo "2710"]
[PlyCount "72"]
1. e4 e5 2. Bc4 Nf6 3. d3 {Das Königsläuferspiel gilt generell als eine der ruhigsten Eröffnungen. Diese Partie wird aber überraschend schnell scharf werden.} Nc6 4. Nf3 Be7 5. O-O O-O 6. Bb3 d6 7. c3 Be6 {Bekanntlich ist in solchen Stellungen der nach dem Läufertausch auf e6 entstehende Doppelbauer nicht zu fürchten, da erstens die f-Linie aufginge und zweitens der 'neue' Bauer e6 wichtige Zentralfelder kontrollieren würde.} 8. Re1
Qd7 9. Nbd2 {Carlsen stellt sich ähnlich zu den geschlossenen Varianten in der Spanischen Eröffnung auf; der Springer soll über f1 nach g3 oder e3 und evtl. sogar nach f5 geführt werden.} Rab8 {Wieder mal einer diese mysteriösen Turmzüge. Vermutlich könnte ihn nur Bu selbst erklären, vor allem weil man auch später in der Partie nicht erkennt, wozu er an dieser Stelle hätte dienen sollen. Evtl. wäre ein Bauernvorstoß b7-b5-b4 denkbar, aber wäre dies wirklich ein guter Plan für Schwarz?} 10. Bc2 d5!? {Die erste Verschärfung; ein Bauernopfer ähnlich dem Marshall-Angriff im Spanier deutet sich an. Zunächst ziert sich Carlsen noch, aber im nächsten Zug nimmt er das Gambit doch an.} 11. h3 h6 {Solche beiderseitigen Randbauernzüge kennt man aus Partien schwacher Spieler - und hier macht es die Weltklasse genauso! Natürlich sollen damit jeweils gegnerische Figuren vom Betreten der Felder g4 bzw. g5 abgehalten werden. Während dem Schwarzen später aber der Zug h7-h6 nützen wird, wird Weiß den Zug seines Randbauern bald sehr bereuen ... } 12. exd5 Nxd5 ({Nur durch} 12... Qxd5 {wäre der e-Bauer zu halten, aber nach} 13. Nc4 e4 (
{nach} 13... Bd6 14. Bb3 {stehen die schwarzen Figuren ungemütlich}) 14. Ne3 {ginge er bei schlechterem Spiel verloren.}) 13. Nxe5 Nxe5 14. Rxe5 Bd6 15. Re1 Bxh3! {Dem Bauernopfer lässt Bu ein Figurenopfer folgen, natürlich nur ermöglicht durch den weißen Randbauernzug. Aber wird sein Angriff durchdringen? Man kann Bus Mut wirklich nur bewundern, so etwas gegen den amtierenden Weltmeister zu wagen.} 16. gxh3
Qxh3 {Schwarz droht nun bereits ein bekanntes Lehrbuch-Mattsetzungsmanöver, beginnend mit Lh2+, Lg3+, Dh2+ und Matt auf f2.} 17. Nf1 {Ein guter Verteidigungszug, allerdings auch der einzige. Vermutlich hatte auf Grund dieser Möglichkeit Carlsen das schwarze Läuferopfer in der Vorausberechnung als unzureichend eingeschätzt. Eventuell ist diese Einschätzung theoretisch auch richtig, aber wie schwierig die Verteidigung der weißen Stellung in der Praxis wirklich ist, zeigt diese Partie, zumal sogar der Weltmeister schließlich strauchelt!} Rbe8 18. d4 {Auch hier scheint es sich um den besten Zug zu handeln.} f5! {Ohne diesen Zug käme Schwarz ins Hintertreffen; nun aber droht er ganz einfach, den f-Bauern bis f3 vorzustoßen, mit tödlichen Mattdrohungen.} 19. Bb3 {Spielt Weiß sofort f4, um damit den schwarzen f-Bauern zu stoppen, wäre der weiße f4-Bauer einfach zu nehmen. Daher fesselt Carlsen zuerst den Sd5.} c6 {Erzwungen.} 20. f4! {Bisher spielen beide Kontrahenten ganz hervorragend. Der weiße Verteidigungszug öffnet zwar scheinbar die Königsstellung noch weiter, doch erstens ist der schwarze f-Bauer jetzt am Vorrücken zunächst gehindert, und zweitens können weiße Figuren nun zum Königsflügel hinübergespielt werden.} Kh7 {Erst hebt Schwarz die Fesselung seines Sd5 auf (und bedroht damit wieder den weißen Bauern f4), bevor er mit g7-g5 weiter angreift.} 21. Bxd5? ({Dieser auf den ersten Blick erzwungene Zug (um die Bedrohung des Bauern f4 aufzuheben) erweist sich letztlich als ungenau, ja in höherem Sinne bereits als der Punkt, an dem die Partie kippt. Rückblickend kann man natürlich leicht behaupten, dass Carlsen hier besser daran getan hätte, den f-Bauern herzugeben und statt dessen schleunigst den Turm zum Königsflügel zu schicken:} 21. Re2! Nxf4 {gibt es Besseres?} 22.
Rh2 {und der Damentausch ist erzwungen:} Qg4+ (22... Qd3 23. Bxf4 {ist sehr gut für Weiß}) 23. Qxg4 fxg4 24. Bxf4 {und das entstehende Endspiel ist kompliziert, doch bei präzisem Spiel sollte sich vermutlich die weiße Mehrfigur gegen die schwarzen Bauern durchsetzen.}) 21... cxd5 22. Re3 ({Ob} 22.
Re2 {hier besser war, darf angesichts von} Qg4+ 23. Kf2 {erzwungen} g5 24. fxg5 Re4! {nebst Tfe8 bezweifelt werden; Schwarz behält eine sehr starke Initiative.}) 22... Rxe3 23. Bxe3 g5! {Damit hebelt Schwarz die weiße Verteidigungsstellung aus den Angeln} 24. Kf2
({Nach} 24. fxg5 f4 {ist das tödliche Vordringen des Bauern nach f3 nicht mehr zu vermeiden; das war die Idee von g7-g5! Daher gibt Carlsen nun Material zurück und hofft auf ein ausgeglichenes Endspiel.}) 24... gxf4 25. Qf3 fxe3+ 26. Nxe3 Qh2+! {Bu tut ihm nicht den Gefallen des Damentausches! In dem entstehenden Endspiel hätte Weiß ausgezeichnete Remischancen, die Carlsen ganz sicher auch wahrgenommen hätte.} 27. Kf1 Rg8!{Schwarz verliert keine Zeit mit dem (allerdings ebenfalls spielbaren) Nehmen auf b2, sondern stellt ohne Verzug seinen Turm auf ein drohendes Feld (es droht Tg1 matt). Dabei lässt er sogar seinen f-Bauern mit Schach hängen!} 28.
Qxf5+ Rg6 29. Ke1 ({Schachserien bringen hier gar nichts:} 29. Qf7+ {oder Dd7+} Rg7 30. Qf5+ Kh8 31. Qc8+ Rg8 {und Weiß könnte aufgeben. Carlsen hält lieber den schwarzen Tg6 gefesselt und holt derweil seinen König etwas aus der Gefahrenzone, um später ggf. auch auf schwarzen Grundreihenschachs auf f1 dazwischensetzen zu können.}) 29... h5?! ({Es ist erstaunlich, dass dieser plausible Zug, der einfach dem freien f-Bauern den Marschbefehl erteilt, beinahe den schwarzen Sieg in Frage hätte stellen können! Der korrekte, klare Gewinnweg besteht in einem kuriosen Dreiecksmarsch des schwarzen Königs, um den schwarzen Turm endgültig wieder einsatzfähig zu machen:} 29... Kg7
30. Qd7+ Kh8 31. Qd8+ Kh7 32. Qd7+ Rg7 33. Qf5+ Kh8) 30. Kd1? ({Der endgültig entscheidende Fehler. Der weiße König ist nun zwar nicht mehr direkt zu belangen, jedoch wird nun der schwarze h-Bauer unaufhaltsam. Weiß hätte den Umstand, dass der letzte schwarze Bauernzug nicht sofort den Tg6 entfesselt, dazu ausnutzen können, mit} 30. Rd1 {seinem Turm die Möglichkeit zu geben, über d2 wieder ins Spiel einzugreifen. Nach Engine-Analysen soll dies verblüffenderweise tatsächlich ausreichen, die Partie zu halten!}) ({Hingegen stürzt sich Weiß mit} 30.
Qd7+? Rg7 31. Qf5+ Kh8 32. Qc8+? Rg8 33. Qxb7? Rg1+ 34. Nf1 Bg3+ {schachbietenderweise ins Grab.}) 30... Kh6 {So erweist sich der eigentlich ungenaue Zug h5 doch als gut, weil er nun diese simple Entfesselung des Tg6 ermöglicht, wonach Weiß keine Schachgebote mehr hat und trotz ein paar jetzt noch folgenden Gymnastikübungen des Springers keine Chance hat, den h-Bauern aufzuhalten.} 31.
Nc2 h4 32. Ne1 h3 33. Nf3 Qg2 34. Ne1 Qg4+! {So macht man's gegen einen Weltmeister richtig: Bu tauscht gegen Carlsen erst dann die Damen, wenn das entstehende Endspiel leicht für ihn gewonnen ist!} 35. Qxg4 Rxg4 36. Nf3 Rg1+! ({Der elegante Schlusswitz: nach} 36...
Rg1+ 37. Nxg1 h2 {zeigt sich die Hilflosigkeit des Springers gegen den Randbauern in Mitleid erregender Weise. Carlsen gab auf. Trotz kleinerer Ungenauigkeiten eine ganz große Leistung des Chinesen.}) 0-1